Mens sana in corpore sano

Mens sana in corpore sano – selten wurde ein Sprichwort so oft so falsch übersetzt. Immer wieder als: ‚ein gesunder Geist ist in einem gesunden Körper‘ vorgestellt, wird kaum erkannt, dass mens die mentalen, also die im Gehirn stattfindenden Prozesse meint. Richtig wäre daher ein ‚gesunder Verstand‘ – während mit ’spiritus‘ das Geistige des Menschen thematisiert wird.

Dieser Unterschied ist für das sinnzentrierte Menschenbild Viktor Frankls wesentlich. Auf ihm aufbauend gehen in der ‚Logotherapie‘, in der Krisenprävention Life2Me® und im sinnzentrierten Coaching von einem Menschen aus, der neben seiner körperlichen und seiner psychischen Dimension auch über eine geistige verfügt. Während die ersten beiden ihn als ‚Menschen‘ auszeichnen, ist das Geistige der spezifisch Humane, mit dem der Mensch sich als ‚Mensch in Welt‘ versteht. Ein Mensch, der letztlich alles nur auf sich selbst bezieht und bestrebt ist, einzig sich selbst zu verwirklichen, bleibt quasi ‚ins sich stecken‘. Erst die Fähigkeit des Menschen sich selbst ‚zu vergessen‘ [sich zu transzendieren] und sich einer Sache oder einer Person hinzugeben, die er eben nicht selbst ist, bringt seine geistige Dimension zum Vorschein. Nur mit der Aktivierung des Geistigen vermag der Mensch Sinn zu finden – denn: Sinn kann man nicht machen, er ist kein Produkt des Gehirnverstandes, sondern ist stets in der Welt und steht bereit, vom Menschen gefunden zu werden.

Während Körper und Psyche erkranken können, bleibt das Geistige per se gesund. Jedoch kann das Psychophysikum das Geistige blockieren. Zum Beispiel, wenn in einer Krise die Angst den Menschen flutet und er sich den Sinnangeboten in der Welt nicht anzunehmen vermag. Dabei ist zu bedenken, dass sich Angst nur deshalb zeigt, weil der Mensch frei ist und Verantwortung hat. Wenn er dies nicht wäre, welchen Zweck hätte dann Angst?

Das Geistige ermöglicht es einem Menschen, den Sinn im Leben zu erfassen, der auf ihn wartet und zur ‚ErWARTung‘ wird. Und für die Aufgabe, die das Leben ihm stellt, eine ‚EinSTELLung‘ zu haben. Und bei jeder Sinnmöglichkeit zu merken, dass ihm die Gelegenheit gegeben ist, Werte zu verwirklichen. Dazu dient seine ‚AufMERKsamkeit‘ – die um so besser entwickelt ist, je bewusster die Werte sind, die der Mensch hat. Bleiben sie vage, diffus oder sind sie nicht differenziert hinsichtlich ihres Ursprungs, dann erscheint auch der ‚wartende‘ Sinn als einer, dem man nicht vertraut, für einen selbst da zu sein. Sind die Werte unklar, dann auch das ‚SelbstVERTRAUEN‘.

Gerade aus der Krisenberatung wissen wir, dass Werteklarheit den zentralen Beitrag leistet, damit ein Mensch sich nicht verfehlt. Dazu dient Selbstaufklärung. Mit seinen ‚klaren‘ Werten hat der Mensch ein unverlierbares Sein. Durch sie Sinn zu finden und mit ihm diese Werte zu verwirklichen, führt den Menschen in ein gelingendes Leben, das selbst dann, wenn eines Tages alles ‚gewesen‘ und das menschliche Wesen aus der Sichtbarkeit gegangen sein wird, für immer ‚geborgen’ bleiben wird. Vermag der Tod auch das Körperliche und das Psychische zu beenden, das Geistige bleibt unauslöschlich.