Psychotherapie wirkt …

.. sagt Prof. Martin Keck, Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Aber die Wissenschaft weiß noch nicht, bei wem welche Form der Therapie wirkt und warum das so ist. In der tiefenpsychologischen Psychotherapie gibt es noch keine objektierten Messgrößen, die insbesondere bei den vielen Unterformen von Depressionserkrankungen klären würden, welches Therapieverfahren individuell als die Methode der Wahl definiert werden könnte. In der Regel findet durch die subjektive Einschätzung des Patienten die Bewertung der Wirkung des eingesetzten Verfahrens statt. Bei dieser Bewertung steht im Vordergrund, ob der Patient seine Lebensssituation so einschätzt, dass er das Niveau seines Befindens wieder erreicht hat, das er vor der Erkrankung hatte.

In unserer Praxis bieten wir daher präventiv an, mittels eines an der Universtität Osnabrück entwickelten klinischen Verfahrens die aktuelle psychische Verfasstheit einer Person zu ermitteln. Auf Basis dieser Daten können beginnende psychische Probleme ermittelt und ihnen gegengesteuert werden. Ist eine Erkrankung bereits festzustellen, dann wird das Verfahren im Rahmen einer Vorher-Nachher-Betrachtung eingesetzt, um die Wirkung der therapeutischen Arbeit festzustellen.

Während am o.g. Institut ein mehrjähriges Forschungsvorhaben initiiert wird, durch das erkannt werden soll, welche Verfahren wie Einfluss nehmen auf die Veränderung genetischer Strukturen und damit einmal mehr das Menschenbild zum Einsatz kommt, den [erkrankten] Menschen zu reduzieren auf seine Genetik [hier insbesondere auf seine Stresshormon-Regulation], setzen wir in der Logotherapie vornehmlich auf das Konzept der Sinnausrichtung des Patienten. Findet der Mensch den in seinem Leben per se gegebenen Sinn, dann führt dies in der Folge zu Verbesserung seines psychophysichen Befindens. In anderen Worten: Wir meinen, dass mit tiefenpsychologischen und medikamentös unterstützten Prozessen zwar die Folgen eines Sinnverlustes [spürbar für den Menschen als Depression] gemildert werden können. Dies jedoch überdeckt das eigentliche Problem, das dadurch nicht gelöst wird: Das Finden des Sinns im Leben.

Für Herrn Professor Keck ist Psychotherapie nichts anderes als das Erlernen neuer Verhaltensweisen. Für uns ist Psychotherapie das Finden von Sinn, durch das sich ‚von selbst‘ neue Verhaltensweisen ergeben. Dieser Unterschied ist fundamental – er spaltet die Therapierichtungen, die den Menschen stets reduzieren [auf seine Triebe, seine Lernprozesse, seine Lebenswelt, seine Komplexe …] ab von der Logotherapie, die den Menschen stets in seiner Ganzheit als sinnstrebendes Wesen versteht.