Was wir über Burn-Out schon wissen – und: was wir wissen sollten [2]

Fortsetzung vom 13.6.18

Wer sich selbst schätzt und nach seinen Werten handelt, der ist sich selbstverständlich sicher. Selbstsicher. Für Selbstsicherheit gibt es immer einen Rahmen, der sich Unternehmen nennt.
Wer seine Werte jedoch nicht kennt und sich lieber durch ein Unternehmen bewerten lässt, gibt sich letztlich ab. Wenn das Abgegebene die Existenzsicherung des Unternehmens nicht mit gewährleistet. dann liegt nahe, dass das Unternehmen aufräumt. Bevor es dazu kommt, wird derjenige, der spürt, dass das Abgegebene dem Unternehmen nicht ausreicht, noch mehr und immer mehr abgeben. Bis: ‚Burnout‘. Ist der Reifen abgefahren, wird er ausgetauscht. Hat der Mensch kein Werteprofil, fährt er mit abgefahrenen Reifen.

Ja, aber! Sicher werden diese Aussagen ein gewisses Bauchgrummeln hie und da erzeugen. Gerade dort, wo zuweilen sehr offensichtlich Missmanagement betrieben, strategische Fehlentscheidungen getroffen oder schlicht betrügerisch vorgegangen wurde und damit über kurz oder lang dem ‚Mitarbeiter‘ ein Problem entsteht. Die Appelle, man müsse eingedenk der Krise nun aber alle Energie einsetzen, um das Ruder wieder herumzureißen, führen dann, wenn der Ernst der Lage zum Ernst des Einzelnen geworden ist, oftmals in die individuelle Überforderung. Und wieder gilt: Ist der Reifen abgefahren, entsteht bei Regen gerne Aquaplaning. Ohne bewusste Selbstwerte kommt der Mensch in Unternehmenskrisen ebenso ins Schlittern. Ganz fatal wird es, wenn ein Mensch in dem was er in seiner Arbeit tut, Sinn findet und mächtige Akteure im System durch ihr Handeln das Unternehmen gefährden und damit auch die Sinnverwirklichung des Einzelnen. In Coaching und Therapie hören wir immer wieder von diesen Empfindungen – nicht selten geht es diesen Menschen wie Angela Merkel nach der Reaktion Trumps nach dem G7-Treffen: „das war ernüchternd bis deprimierend“.

Jedoch: Unternehmen sind nicht Garanten für das Vorfinden von Sinn. Die Idee, Unternehmen oder Vorgesetzte hätten die Aufgabe, Sinn zu stiften, ist absurd. Sie haben die Aufgabe, die Existenz der Organisation zu sichern. Dazu gehört die Erfüllung von Aufgaben. Diese Erfüllung braucht Kompetenzen. Hat ein Mensch diese Kompetenzen entwickelt, ist ihr Einsatz zweckdienlich. Ermöglicht der Einsatz der Kompetenzen überdies die Verwirklichung individueller Werte, dann ist ihr Einsatz zudem sinnvoll. Fällt nun das Unternehmen als Plattform der Aufgabenerfüllung weg, dann verbleiben dennoch die Kompetenzen und das individuelle Wertesystem. Beide bilden die Basis für den Neuanfang in einem neuen System. Und das ist auch gut so, denn wäre es anders, dann ginge die Verantwortung für Lebensfreude, Erfülltheit und sinnvolle Gestaltung des Arbeitslebens auf das Unternehmen über. Übrigens: Gleiches gilt für das System Familie oder Partnerschaft. Alle Versuche, die Selbstverantwortung ins Pflichtenheft Dritter zu übertragen, scheitern. Mal früher, mal später. Der Begriff, der diesen Prozess m.E. am besten beschreibt, ist der der ‚Selbstsabotage‘.

* wird fortgesetzt *