Was wir über Burn-Out schon wissen – und: was wir wissen sollten [3]

Fortsetzung vom 17. Juni 2018

Selbstsabotage ist ein Phänomen mit vielen Gesichtern. Im Kern beschreibt es ein Verhalten von Menschen, das wider seine Entwicklung verläuft, bei dem der Mensch weiß oder wissen könnte, dass sein Verhalten zwecklos ist und es dennoch zeigt. Warum ist das so? Meist spielt die subjektive Selbstwahrnehmung der bewussten Erkenntnis einen Streich. Man verhält sich, weil man darauf vertraut, dass es einem selbst anders ergehen wird als den vielen anderen, die sich ebenso verhalten [‚ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas auch passieren könnte‘]. Neben einer solch verzerrten Selbstwahrnehmung können auch emotionaler Schmerz, Traumata, Angst, Trauer und Depressionen mit dazu beitragen, eigenes Verhalten falsch zu deuten [ein Grund dafür, dass wir empfehlen eine individuelle Krisenprävention wie wir sie mit Life2Me anbieten dann anzugehen, wenn es einem psychisch gut geht]. Und – auch das weiß an sich heute jeder – der Versuch, sich Situationen durch Alkohol oder andere Süchte schön zu färben, führt geradewegs weiter in die Verzerrung.

Häufig findet sich in der Psychologieliteratur als Grund für Selbstsabotagen der Hinweis, dass dieses Phänomen ein Resultat unbewusster Verhaltens- und Denkweisen sei, die in der Kindheit eingeübt wurden. Wenn Kindern zum Beispiel immer wieder eingeschärft würde, dass sie wertlos und unnütz sind, dass sie Menschen seien, die nicht zu respektieren seien, dann lernten sie, sich selbst zu verachten. Die mangelnde Anerkennung würde letztlich dazu führen, dass sie sich selbst nichts mehr zutrauen und sich dann selbstsabotierend immer wieder einreden, unfähig und wertlos zu sein. Als Erwachsene würden sie später immer wieder Erfahrungen, Verletzungen und Frustrationen suchen, um diesem negativen Selbstbild zu entsprechen und sie würden dieses erlernte Muster ihrerseits in ihrem Verhalten gegenüber anderen zeigen. Selbst positive Erfahrungen, die sie machen, würden sie ignorieren oder einfach nicht mehr erinnern.

Die Vertreter dieser Thesen folgen offenkundig einem Menschenbild, das den Menschen als reaktives und abhängiges Mängelwesen begreift. Dass Prägungen der beschriebenen Art ihre Auswirkungen auf die psychische Entwicklung eines Menschen zeitigen, soll hier gar nicht bestritten werden. Was wir jedoch bestreiten ist, dass Menschen nicht anderes sind als das Resultat ihrer Prägungen, dass sie zeitlebens verdammt sind, sich über das ihnen durch Personen oder Umweltbedingungen ‚Angetane‘ zu definieren. In einem solchen Verständnis wäre Selbstsabotage dann nichts anderes als ein unbedingter Wiederholungszwang und ein unbedingtes Zerstörungsmuster aus der Kindheit und in diesem Sinne dann ein unbewusster Hilfeschrei aus der kindlichen Epoche des betroffenen Menschen. Kann das wirklich alles sein – der sich selbstsabotierende Mensch, der als Opfer und Täter zugleich einem Muster folgt, es weitergibt usw. usf.? Soll ein Mensch derart reduzierbar sein? Es kommt wohl darauf an, welcher Theorie man folgt wenn es um die Entwicklung dessen geht, was wir als das ‚Selbst‘ bezeichnen

* wird fortgesetzt *