Schutzfaktor ‚Selbstwirksamkeitserwartung‘

Die Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt die Überzeugung einer Person, das sie durch ihr eigenes Verhalten Einfluss auf ihre Gesunderhaltung ausüben kann. Jede Erfahrung, die ein Mensch in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt lernend macht, erweitert sein Spektrum möglicher neuer Verhaltensweisen. Als Verstärker dienen in diesen Situationen sowohl externe Quellen, insbesondere die Anerkennung oder Kritik von glaubwürdigen Personen oder das Erreichen von Zielen, das auch von Dritten wahrgenommen wird. Noch kräftiger wirkt hingegen die Selbstverstärkung, die Fähigkeit also, sich selbst bewerten und gezielt regulieren zu können.

Davon überzeugt zu sein, auch in unerwarteten Situationen zu wissen, wie sich zu verhalten ist oder die Haltung, dass kein Problem so schwierig sein kann, dass sich eine Lösung findet oder auch sich erinnern zu können, dass man im Leben schon so manche Kuh vom Eis gebracht hat, sind Signale positiver Selbstwirksamkeitserwartung. Wichtig dabei ist, dass diese Erwartung nicht an eng gefasste Situationen geknüpft ist, sondern der Ausgang grundsätzlich jedes Ereignisses zuerst einmal positiv-konstruktiv angeschaut und mit einer Handlungsorientierung versehen wird.

Aus sinnzentrierter Sicht sehen wir in unserer Begleitung von Menschen die Selbstwirksamkeit dann als besonders gegeben an, wenn ein Mensch fühlt, seine Werte verwirklichen zu können. Ein Mensch findet Sinn im Leben, wenn er dies kann. Die Bedingung ist, die eigenen Werte zu kennen und sie von denen differenzieren zu können, die einem im Zuge der Prägung durch Eltern und Umwelt auf den Lebensweg mitgegeben wurden. Wir können eine solche Werteanalyse leisten und erleben immer wieder diesen besonderen Glücksmoment, wenn Menschen mit einem Mal den Zugang zu ihrem Wesenskern gefunden haben und erkennen, wofür sie selbst im Leben stehen und einstehen.

Die Erwartung, auch in einer problematischen Situation in der Lage zu sein, effektives Verhalten zu zeigen, bildet einen wichtigen kognitiven und motivationalen Faktor, dieses Verhalten auch umzusetzen. Das Ziel therapeutischer Interventionen im Krisenkontext besteht darin, die Selbstwirksamkeitserwartung zu erhöhen [oder präventiv, zum Beispiel im Rahmen unseres Angebots Life2Me, zu verbessern].

Empirische Untersuchungen haben gezeigt, das die verhaltensspezifische Selbstwirksamkeitserwartung bei der Bewältigung von Alltagsstress, dem Umgang mit Schmerzen, der Entwöhnung von Abhängigkeiten sowie dem Aufbau von Gesundheitsverhaltensweisen eine zentrale Rolle spielt. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung sind eher in der Lage, Risikoverhaltensweisen abzubauen und gesundheitsförderliches Verhalten über längere Zeit aufrechtzuerhalten, sofern sie erst einmal von der Notwendigkeit überzeugt sind und einen festen Entschluss gefasst haben.