„Wie geht’s“ – V

Fortsetzung vom 20.4.19

Wer sich jedoch präventiv seiner Emotio­nen klar wird, kann sie im Fall des Falles annehmen, justieren, regulieren und damit leichter aus dem Stimmungstief herauskommen. In einer Krise diese Emotionsarbeit zu leisten ist natürlich ebenso möglich – nur ungleich schwerer, da neben dieser Klärungsarbeit der eigentliche Anlass ja auch bedrückt. Was Menschen in einer solchen Situation oft versuchen ist, dem Ereignis einen Sinn ab­zuringen – ‚für irgendetwas wird es gut sein‘. Dieses sehr menschliche Vorgehen entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als [weitere] Illusion. Der Illusion, man bliebe wohl verschont von bestimmten Ereignissen, gesellt sich nun die zweite, dass man wohl erst durch die Krise einen Reifungsschritt hat gehen können. Ist dieses Menschenbild in einer Zeit, in der so viel zur Verfügung steht, um sich selbst gut kennenzulernen, angemessen?

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Krisenprävention verhindert keine Krisen. Ihr Beitrag besteht vielmehr darin, den Umgang mit Krisen zu verbessern. Durch sie wird es möglich, sich über das Wesentliche bewusst zu werden, über das, was jede Krise überdauern wird – die eigenen Werte [Betonung auf eigene]. Wer sie kennt, setzt klare Prioritäten, entscheidet wertebewusst, bleibt weltoffen und sensibel für die trotz allem auf den Menschen wartenden Sinnangebote.

Krisenprävention kann man nicht delegieren. Wer sie also selbstbewusst vollzieht, kann Krisen in eigener Stärke trotzen. Krisenprävention kostet nicht viel an Zeit oder Geld. Es kostet vorrangig Überwindung des Glaubens an eine lllusion. Ist sie überwunden, lässt sich auf die Frage ‚Wie geht’s‘ selbstbewusst antworten: „Danke, ich stehe im Einklang mit mir.“