Corona-Blog: Stresskommunikation [Träumer]

Ludger K. ist Facharbeiter in einem Augsburger Unternehmen und wie viele unmittelbar betroffen vom Corona-Problem. Gemeinsam mit seiner Frau kommt er in die von ihr initiierten Paar-Logotherapie. Sie eröffnet das Gespräch damit, dass es eigentlich nicht der aktuellen Situation bedurft hätte, um sich zusammenzusetzen, aber jetzt ist es eben besonders schlimm. Ihr Mann würde einfach nur rumhängen und wenig Produktives zustande bringen. „Er bekommt den Hintern nicht hoch – wie immer, wenn die Lage ein entschlossenes Handeln erforderlich machen würde. An sich ist es eine beneidenswerte Gabe, sich von nichts anfassen zu lassen, aber es ginge nun mal auch nicht, sich realitätsfremd zu verhalten.“

Bei den Worten seiner Frau zeigt Ludger keine sonderliche Überraschung. Er erwidert nur kurz, es brächte ja nun nichts, sich aufzuregen oder in hektische Betriebsamkeit zu verfallen – was seine Frau zum Anlass nimmt aufzuzählen, an welchen Stellen in der Kindeserziehung, im Haushalt oder auch in der beruflichen Weiterentwicklung die Gegebenheiten kein Nachlassen der Aktivitäten zuließen.

Ludger hört sich alles an und meint nur, der Spuk wäre schon irgendwann wieder vorbei und dann wäre immer noch Zeit, sich neu auszurichten. Seine Anmerkungen geben mir zu verstehen, dass sich da eine Person durchaus vital mit der Situation auseinandersetzt – nur eine völlig andere Sichtweise einnimmt als seine Frau. Ludgers Temperament zeigt Züge einer eher phlegmatischen Abwartehaltung, seine Stimme und Wortwahl sind unaufgeregt, es wirkt als würde er sich eher wundern darüber, dass sein Umfeld die Situation mit Sorgen, Grübeleien und Negativszenarien kommentiert.

Mich erinnern die beobachtbaren Phänomene an das Kommunikationsbedürfnis eines Träumers. In der Hoffnung, die Belastungssitua­tion würde sich womöglich wie von ‚Geisterhand‘ auflösen, verpassen diese ,Krisenaussitzer‘ wichtige Zeitpunkte, um aktiv und selbstverantwortlich zu handeln. Meist haben vertraute Personen vergeblich versucht, sie zu deutlichen Entscheidungen und Aktionen zu bewegen – das Ergebnis sind tendenziell halbherzige Schritte, ein ‚Sich-Verzetteln‘ in wenig wirkungsvollen Maßnahmen und eine Reduzierung der Kommuni­kation auch mit wohlgesinnten, konstruktiven Gesprächspartnern.

In der Begleitung eines ‚Träumers‘ gilt es, seine Beratungsresistenz, die Fokussierung auf seine Innenwelt und seine Vorsicht vor proaktivem Handeln durch eine profunde und direktive Unterstützung mit konkreten Arbeits- und Zeitplänen zu steuern, ohne ihn dabei zu überfordern oder ihm seine Eigenverantwortung zu beschneiden.
Günstig ist seine grundsätzliche Haltung eines ‚in der Ruhe liegt die Kraft‘. Sie bewahrt den Träu­mer vor vorschnellen Handlungen und ermöglicht ihm, wichtige existenzielle Entscheidungen nach ausreichender Überlegung auch zu treffen.

In der Auswertung des Fragebogens des Prozesskommunikationsmodells bestätigt sich die Hypothese. Der Träumeranteil [Ludger: „Mein Vater ließ sich auch nie aus der Ruhe bringen!“] wird bestätigt und der ihn flankierende, ebenfalls hohe Beharrerstil verstärkt die Grundhaltung Ludgers zudem darin, dass sein ‚Vorgehen‘ passend sei für die Bewältigung der Bedingungen.

 

Kommunikationsstil: Träumer
Kommunikationsbedürfnis:  
Austausch über Vorstellungen und Reflexionen
Psychisches Bedürfnis:
Will mit sich allein sein und Ruhe
Verhalten unter Alltagsstress: Z
ieht sich zurück, wird passiv
Verhalten bei Dauerstress: W
artet solange, bis er aus der Reserve gelockt wird; fühlt sich fehl am Platz und bringt seine Arbeiten nicht zum Ende
Lebensthema:
Autonomie
Authentisches Gefühl wäre:
Selbstbewusstsein
Scheingefühl [Masche]: Äußert 
Bedeutungslosigkeit

Morgen geht’s weiter. Mit dem Macher.
Bleiben Sie gesund.
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