Corona-Blog: Stresskommunikation [Empathiker]

In Fortsetzung des gestrigen Beitrags komme ich heute zur Stresskommunikation. Und Stress haben heute ja nun wirklich viele Menschen – die Gründe dafür sind unterschiedlich. Angst, Überforderung, Hilflosigkeit, Erregung, Ärger, das kleine Virus triggert ganz mächtig unsere Emotionen. Und dabei verliert der ein oder andere schon einmal die Contenance, die Impulskontrolle oder lässt einfach seine gute Kinderstube vermissen. Oder aber es machen sich der Galgenhumor, der Sarkasmus oder auch der Rückzug in die Passivität breit. Neben diesem Stressverhalten zeigt sich die individuelle Belastung auch in der Stresskommunikation. Sie bei sich und anderen besser zuordnen zu können, schafft mehr Verständnis füreinander und ermöglicht Lernprozesse, um sich von seiner eigenen Stress- und Sprachwelt nicht alles gefallen zu lassen.

Rufen wir uns in Erinnerung, dass die eigene Sprachwelt und uns die dahinter stehenden Bedürfnisse von unseren wichtigsten Bezugspersonen [meist Eltern] vermittelt wurden. Dazu kommt nun die nächste Erkenntnis: Wurden die Bedürfnisse, die unsere Bezugspersonen mittels Kommunikation ’sendeten‘ nicht befriedigt, dann gerieten diese Menschen in Stress. Zuerst in eine Art Alltagsstress, in der sie eine Kommunikation pflegten, die dazu dienen sollte, doch noch ihre Bedürfnisse befriedigt zu bekommen. Oft ging dies auch gut und die Person ‚entspannte‘ sich [Beispiel: wurde Mutter laut, weil das Kind wieder sein Zimmer nicht aufgeräumt hatte und gehorchte es nun, dann wurde das Bedürfnis der Mutter befriedigt und es wurde ‚ruhig‘: ‚Braves Kind‘. Wurde das Kindesverhalten sogar belohnt, dann war klar: Mutter wird laut, dann muss ich als Kind gehorchen, dann winkt Belohnung]. Als Kind haben wir diesen psychischen Prozess oft genug wahrgenommen und da wir die Kommunikationsbedürfnisse unserer Bezugspersonen unbewusst erlernten, taten wir dies auch bei den Mustern der Stresskommunikation. Es mag daher eine spannende Reflexion sein, die persönlichen Stressmuster in der Kommunikation einmal mit denen zu vergleichen, die als Kind bei den eigenen Bezugspersonen erlebt wurden.

Nicht jeder kommunikativer Umgang mit dem Alltagsstress führt nun aber dazu, dass die nicht befriedigten Bedürfnisse durch Einsatz von Stresskommunikation befriedigt werden. Die Folge ist irgendwann eine Art Dauerstress. Man versucht dann – immer stärker sich selbst und andere überfordernd, womöglich sogar verbal verletzend – doch noch irgendwie die Anerkennung, Wertschätzung und Befriedigung zu erlangen, die man für sich erwartet. In diesem Prozess zeigt sich deutlich das ‚Lebensthema‘ [siehe im weiteren Text beispielhaft die Informationen zum Kommunikationsbedürfnis des ‚Empathikers‘ – ab morgen dann auch die jeweils anderen fünf], das förmlich dazu aufruft, anders ins Leben integriert zu werden als die Person es unter Stresseinfluss in der Lage zu sein scheint.

Dem Lebensthema geht eine Person, die es noch nicht im Zuge reifer Persönlichkeitsentwicklung integriert hat, förmlich aus dem Weg. Der Empathiker hat als Lebensthema den ‚Ärger‘. Ihm geht er aus dem Weg, eben weil er alles daran setzt, die Harmonie zu seinem Umfeld zu wahren. Ärger wäre da aus seiner Sicht kontraproduktiv, also schluckt er ihn herunter und zeigt alternativ seinem Umfeld ein sogenanntes Schein- oder ‚Maschengefühl‘. Beim Empathiker ist dies die ‚Trauer‘. Anstatt also das authentische Gefühl mitzuteilen – beim Lebensthema ‚Ärger‘ ist dies auch der ‚Ärger‘ – kommuniziert der Empathiker eine aus seiner Sicht zum Kontext passende Trauer. So ‚betrauert‘ er zum Beispiel, dass viele Menschen einfach so viel um die Ohren haben, so dass es ihnen nicht gelingt, die Sorgen und Nöte anderer wahrzunehmen – anstatt seinem Ärger [angemessen und andere nicht verletzend] Ausdruck zu verleihen, dass ihm gerade nicht die persönliche Zuwendung einer bestimmten Person zuteil wird, die er sich wünscht, um zu fühlen, dass er von ihr anerkannt und gebraucht wird.

Fassen wir bis hierhin zusammen:

Kommunikationsstil: EMPATHIKER
Kommunikationsbedürfnis: Austausch von Gefühlen
Psychisches Bedürfnis:
Will Anerkennung als Person und sinnliche Anregungen
Verhalten unter Alltagsstress: Fühlt
, es anderen recht machen zu müssen und passt sich anderen der Harmonie willen übermäßig an
Verhalten unter Dauerstress: Ü
berdehnt seine Fürsorge und lädt aufgrund seiner Anpassung an die Wünsche und Erwartungen anderer zur Kritik ein
Lebensthema: Ärger

authentisches Gefühl wäre: Ä
rger
Scheingefühl [Masche]: äußert 
Trauer

Und nun Corona. Trifft es auf einen Menschen mit einem Basisbedürfnis eines Empathikers, dann auf jemanden mit der Haltung: „Opfern und alles geben“. Ich erlebe in meiner Praxis diese Menschen einerseits sich sehr über das virale Ungemach in der Welt ärgern, andererseits aber auch bereit, den Familienmitgliedern, Kollegen, Freunden und Nachbarn alles zu geben, damit die Belastungssituation für jeden nur bald endet und wieder friedliches Fahrwasser erreicht wird. Dass diese Haltung, es allen mit dem eigenen Helfergeist recht machen zu wollen – sich dabei möglicherweise sogar schuldig zu fühlen, dass man nicht alles schafft, weil die eigenen Kräfte nicht ausreichen – einen wesentlichen Anteil an zusätzlicher Belastung haben kann, ist für den ,Belastungsharmoniker‘ kaum zu glauben. Kritisieren vertraute Personen seine hilfsbereite und mitleidende Haltung und raten zu ,gesunder Distanz‘, dann fühlt sich der Empathiker meist verunsichert, selbstzweifelnd und ungeliebt.

Seinem Muster folgend, versucht er, den eigenen Ärger über die Gegebenheiten durch eine überstarke Zuwendung zu den Akteuren im belasteten System zu verdecken. Dieses irgendwann durchsichtige Manöver [das von anderen zum Beispiel als Überfürsorge, oder als subtile Form, anderen von einem abhängig zu machen] führt zügig in eine Teufelsspirale, an dessen Ende eine zutiefst deprimierte und sich selbst verletzende Person stehen kann.

Bei allem Risiko, sich in den Nachrichten über Todesfälle, schwere Lungenerkrankungen, Folgen für die Familien der Betroffenen und über eine sich aufopfernde, riesige Gruppe von Ärzten und Pflegern zu verlieren und sorgenvoll schlaflose Nächte zu durchleben, ist die grundsätzliche Lebenseinstellung des Empathikers ebenso so wichtig wie es auch die anderer Menschen sind. ,Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid‘ [da Vinci]. Diese Haltung bewahrt einen Menschen mit stark ausgeprägten Empathikerbedürfnissen davor, hartherzig oder die Belange anderer Menschen missachtend, nur seine eigene Situation entlasten und verbessern zu wollen. Es ist gut, dass es sie gibt, die Empathiker. So wie auch die Logiker, aber um die geht es morgen.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.