Archiv für den Monat: März 2021

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist,
immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.

Dietrich Bonhoeffer

Glück wird lebendiger,
das Unglück erträglicher,
wenn der Mensch weiß,
wofür er gut ist.

An das Gute glauben nur die Wenigen, die es üben.

Marie von Ebner-Eschenbach

Menschenpflichten in Coronazeiten

Vor knapp 25 Jahren wurde die ‚Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten‚ auf Initiative des InterAction Council im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen veröffentlicht. In 19 Artikeln werden dabei die Pflichten beschrieben, die von allen Menschen gleichermaßen zu erfüllen sind.

Damals und – aktueller denn je – auch heute erscheint es wichtig, auf die Pflichten von Menschen hinzuweisen, um das globale Problem der Corona-Epidemie einerseits durch globale medizinische Lösungen als auch durch individuelle Selbstverpflichtungen in den Griff zu bekommen.

An dieser Stelle soll ein Versuch unternommen werden, eine Auswahl der Artikel auf diesen konkreten Kontext und auf den Mikrokosmos des Einzelnen zu übertragen – als gedankliche Anregung, als Reflexionshilfe aber auch als Beurteilungsmaßstab in Anbetracht des in den Medien immer wieder dargestellten Verhaltens von Minderheiten, die sich mit Begriffen wie ‚Querdenker‘ zu definieren versuchen und auf aggressive, radikale, extremistische oder vernunftentleerte Art und Weise in Erscheinung treten. Dass diese Minderheit dahingehend nicht erreicht werden kann, zur guten Entwicklung der Gemeinschaft einen irgendwie brauchbaren Beitrag zu leisten, ist der Mehrheit in unserem Land zwar – leider – längst klargeworden. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass jeder sich hiervon distanzierender Mensch trotz der Betrachtung solcher Auswüchse von Dummheit, Absurdität oder Selbstüberschätzung das persönliche Spektrum an Grundpflichten nicht aus den Augen verlieren darf.

Artikel 1

Jede Person, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischen Herkunft, welchen sozialen Status, welcher politischer Überzeugung, welcher Sprache, welchen Alters, welcher Nationalität oder Religion, hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.
Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist verpflichtet, den Kontext Corona zu befreien von Debatten darüber, ob bestimmte Personengruppen mehr zum Infektionsgeschehen beitragen als andere. Dazu gehören auch die genannten, zum Beispiel quer-denkenden Minderheiten, in deren Gruppe doch jeder für sich Mensch bleibt, wenngleich sie oder er sich nicht dadurch auszeichnet, die eigenen Affekte angemessen zu regulieren beziehungsweise eigene Ansichten einem kritischen Diskurs zu unterziehen.

Artikel 2

Keine Person soll unmenschliches Verhalten, welcher Art auch immer, unterstützen, vielmehr haben alle Menschen die Pflicht, sich für die Würde und die Selbstachtung aller anderen Menschen einzusetzen.
Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist verpflichtet, den Kontext Corona zu befreien von Debatten darüber, ob bestimmte Personengruppen ihr direktes oder indirektes Betroffensein vom Infektionsgeschehen durch eigenes [nicht präventives] Verhalten mit zu verantworten haben. Dazu gehört es, sich jeglicher Form von ‚Schadenfreude‘ zu entsagen.

Artikel 3

Keine Person […] steht jenseits von Gut und Böse; sie alle unterstehen moralischen Maßstäben. Jeder Mensch hat die Pflicht, unter allen Umständen Gutes zu fördern und Böses zu meiden.
Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist verpflichtet, den Kontext Corona nicht zu seinem Eigennutz zu verwenden [Beispiele: Missbrauch von Coronahilfen, Beschaffungskorruption im Kontext von Masken-Lobbyismus, Hilfestellung für Menschen in durch Corona noch schwierigeren Lebenssituationen…].

Artikel 4

Alle Menschen, begabt mit Vernunft und Gewissen, müssen im Geist der Solidarität Verantwortung übernehmen gegenüber jedem und allen, Familien und Gemeinschaften, Rassen, Nationen und Religionen: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.

Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist verpflichtet, sich im Kontext Corona nicht mit denen zu befassen, in deren Verhalten Gewissen- und Vernunftlosigkeit zum Ausdruck kommt. Er tut dies zum Wohle derer, die die Aufmerksamkeit und Zuwendung in einer Weise bedürfen, weil ihnen durch die Situation Nachteile erwachsen, von denen man selbst nicht wollte, dass sie einem entstehen.

Artikel 9

Alle Menschen, denen die notwendigen Mittel gegeben sind, haben die Pflicht, ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, um Armut, Unterernährung, Unwissenheit und Ungleichheit zu überwinden. Sie sollen überall auf der Welt eine nachhaltige Entwicklung fördern, um für alle Menschen Würde, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.

Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist in Anbetracht seiner Mittel, die in der Lage sind, Not zu wenden, verpflichtet, im Kontext Corona Menschen darin zu unterstützen, ihr ggfls. ungesichertes materielles oder soziokulturelles Existenzminimum zu erreichen.

Artikel 10

Alle Menschen haben die Pflicht, ihre Fähigkeiten durch Fleiß und Anstrengung zu entwickeln; sie sollen gleichen Zugang zu Ausbildung und sinnvoller Arbeit haben. Jeder soll den Bedürftigen, Benachteiligten, Behinderten und den Opfern von Diskriminierung Unterstützung zukommen lassen.

Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist verpflichtet, im Kontext Corona diejenigen Menschen, deren Zugang zu Arbeit und Ausbildung versperrt ist, darin zu unterstützen, eine alternative Möglichkeit zur Verwirklichung ihrer bestehenden oder von ihnen zur Überbrückung der Situation erlernbaren Qualifikationen nutzen zu können.

Artikel 12

Jeder Mensch hat die Pflicht, wahrhaftig zu reden und zu handeln. Niemand, wie hoch oder mächtig auch immer, darf lügen. Das Recht auf Privatsphäre und auf persönliche oder berufliche Vertraulichkeit muss respektiert werden. Niemand ist verpflichtet, die volle Wahrheit jedem zu jeder Zeit zu sagen.

Reflexionsangebot: Jeder Mensch ist verpflichtet, sich im Kontext Corona auf dem aktuellen Stand des wissenschaftlichen Diskurses zu halten und die eigene Meinungsbildung entlang dieses Spektrums an permanentem Wissenszuwachs zu entwickeln. Jeder, begabt mit Vernunft und Gewissen, muss im Geist seiner gesellschaftlichen Verantwortung die Grenzen seines Wissens beachten: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

Der eine beachtet das Gesetz treu und ist dennoch treulos.
Der andere verletzt das Gesetz und ist dennoch edel.

Oscar Wilde

Schutzfaktor ‚Kohärenz‘

Das Konzept des Kohärenzsinns ist eingebettet in das übergreifende Modell der Salutogenese des israelischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky. Was hält den Menschen gesund? Diese Frage interessierte Antonovsky und so ging er auf die Suche nach Schutzfaktoren, die Menschen helfen, mit unterschiedlichen, auf sie einwirkenden Stressoren umzugehen. Als zentraler schützender Einflussfaktor gilt in der Stressforschung seither die Grundhaltung gegenüber der Welt und gegenüber dem eigenen Leben. Dieser sog. Kohärenzsinn setzt sich zusammen aus der Erklärbarkeit und Verstehbarkeit des Lebens, der Überzeugung, das Ressourcen zur Verfügung stehen, um mit schwierigen Lebenssituationen und -ereignissen umgehen zu können und dem Gefühl, dass sich der Einsatz und das Engagement für die Welt lohnt. Wer hierauf zurückgreifen kann, der vermag Stressoren im Sinne von Verstörungen des mentalen und emotionalen Gleichgewichtszustands durch Aktivierung von Wiederherstellungsenergien wirkungsvoll entgegenzutreten.

Gemessen wird das Kohärenzgefühl mit dem SOC-Fragebogen, sein Ergebnis gibt Hinweise auf die Fähigkeit der adäquaten Auswahl und des sinnvollen Einsatzes von Bewältigungsstrategien. Zu diesen Fähigkeiten zählen beispielsweise, Belastungssituationen weniger durch riskante Verhaltensweisen, wie z.B. Rauchen, Alkoholkonsum oder die Verleugnung von Krankheitssymptomen, bewältigen zu wollen oder die Fähigkeit, Vertrauen in die Hilfe und Unterstützung anderer zu haben.

Gehe ich vor dir, dann weiß ich nicht, ob ich dich auf den richtigen Weg bringe.
Gehst du vor mir, dann weiß ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst.
Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden.

Aus Südafrika

Das schaffst Du schon!

Wir schaffen das! Deutschland hat an diesem Satz der Kanzlerin gezogen wie am Seil beim Tauziehen. Den einen war der Satz der Inbegriff für eine Hoffnung der Transformation des Staates in eine neue Form weltoffenen Gemeinwohls. Den anderen das Symbol für eine befürchtete Überforderung oder antigermanische Neudefinition des Landes. Irgendwo dazwischen pendelt er sich ein mit der Tendenz in Richtung ‚wir schaffen das eher als dass wir es nicht schaffen!“.

Bei Corona wird’s wohl ähnlich kommen. Regelmäßige Impfungen und Innovationen wie die Luca App werden die Lösung sein. Sicher hingegen nicht Leugnung, Verschwörung oder wohlfeile Glaubens-Appelle an die Kräfte des individuellen Immunsystems. Als psychische Abwehrmechanismen haben diese Krisen-Umgangsformen ausgedient und mit ihnen auch diejenigen, die sie vertreten.

Aber wie sieht es aus, wenn der vernunftbegabte Mensch in die Krise rutscht, wenn er an sich selbst zweifelt und nicht mehr ein und aus weiß? Psychisch und somatisch sind die Phänomene bekannt. Angst, Panik, Herzrasen, Herz-Kreislauf-Probleme, Verdauungsstörungen, Gefühle der Sinnleere, Verzweiflung, Hilflosigkeit – alles bekannt und dennoch hart, wenn sie über einen hinwegfegen.
Wie ist es an dieser Stelle mit dem Satz „das schaffst du schon“? An welchem Ende des Seils wird nun gezogen? Am Ende der elterlichen Fürsprache, an die man sich vielleicht erinnert, wenn es zum Beispiel in der Schule einmal gar nicht lief und man glaubte, an Deutsch, Englisch oder Mathe zu verzweifeln? Hier tat das Zutrauen von Mutter und-oder Vater sicher gut, auch wenn sich manche Kinder fragten, woher die Eltern ihre Hoffnung ableiteten?
Oder am Ende des blutleeren, leicht dahergesprochenen, fast gleichgültig klingenden ‚das schaffst du schon‘. Einem Satz, der noch nicht ganz beendet ist, denn eigentlich lautet er: ‚das schaffst du schon und nun lass mich in Ruhe mit deinem Problem, schließlich musst du dich bloß mehr anstrengen oder du musst einsehen, dass du dafür schlicht zu blöd bist‘.

Klar ist nur eins: an welchem Ende ich ziehe, liegt in meiner Verantwortung. Und damit auch die Entscheidung: was mache ich nun und was mache ich nun nicht (mehr)? Hierfür braucht es etwas Zeit zum Anhalten und ein Gespräch mit jemandem, der einen nicht in die eine oder andere Richtung drängt. Der einem die Entscheidung nicht abnimmt, sondern immer wieder hilft zu klären, an was man sich (weiterhin) bindet und von was man sich trennt. „Wie schaffe ich das“ – diese Frage lässt sich dann am besten beantworten, wenn der Psyche nicht erlaubt wird, weiterhin die Oberhand über das Geschehen zu haben und einen mit ihrer – an sich gut gemeinten – Pass-auf-dich-auf-Angst peinigt. Und das wiederum gelingt am besten mit ‚Dereflexion‘, also mit einer bewussten Abwendung vom eigenen Problemkontext und einer bewussten Hinwendung zu dem, was die Welt einem an Möglichkeiten bietet. Also: ‚geh raus in die Welt‘ und nimm jemanden mit, der klärende, vielleicht auch überraschende Fragen stellt. Sie kennen niemanden, der das kann? Dann kennen Sie vermutlich auch keinen Logotherapeuten? Das aber lässt sich recht einfach ändern – mit einem Blick ins Internet.

Jede Tatsache, die ein Mensch vorfindet, ist noch unvollendet

Schauen Sie um sich: Was ist so unvollendet, dass es später nur an Ihnen und Ihrer Verantwortung gemangelt haben kann, würde es weiterhin unvollendet bleiben? Wenn Sie nun sagen: Da gibt’s rein gar nichts, dann nehmen Sie bitte unser virtuelles Stirnerunzeln zur Kenntnis. Wir wissen, dass Menschen sich so sehr selbst im Wege stehen können, dass ihr Blick immer wieder nur reflektiert wird vom eigenen Spiegelbild. Geschieht das, dann steht jeder Mensch in der Gefahr, in einen Zustand höchstpersönlicher Gleichgültigkeit zu verfallen.

Da wo Sie und nur Sie gemeint sind, da findet sich Ihre aktuelle Sinnfrage Ihres Lebens. Eine solche Frage braucht nicht so ‚groß‘ zu sein, dass man unter der erforderlichen Antwort zusammenbricht. Aber wenn die Beantwortung anstehender Fragen nur deshalb nicht erfolgt, weil die eigene Befindlichkeit dadurch beeinträchtigt wird, dann kommt die Person in ihrem Leben schlicht und ergreifend kein Stück weiter. Dann wird Sinn so beliebig, dass es völlig egal wird, ob und in welcher Weise man sich für irgendetwas einsetzt. Dann wird Sinn zum reinen Selbstzweck, zur rein egoistischen Nützlichkeitserwägung. Leider stellen nicht nur wir in der Psychologie fest, dass der Anteil derer, die ihr Leben auf diese Weise verfehlen, ja vergeuden, permanent zunimmt.

Nun könnte man leicht sagen, dass es doch menschlich sei, eingedenk der Flut von Unvollendeten nicht mehr erkennen zu können, wofür die eigene Verantwortung einzusetzen sich wirklich lohne. Wer so mit seinem Leben verfährt, der verfährt sich. Und er landet in der Sackgasse, an deren Ende er erkennen muss, Handlungen und Entscheidungen vermieden zu haben, eben um die eigene Befindlichkeit nicht durch Selbstverantwortung zu stören.

Noch einmal: Schauen Sie um sich! Was ist unvollendet? Was wartet auf Sie? Manche Menschen denken, dass bestimmte Themen so sehr auf andere warten, so dass man sich selbst nicht bewegen muss, da es sicher schon andere richten werden. Eine solche Haltung ist dem sehr nahe, was Viktor Frankl schon vor 100 Jahren als Pathologie des Zeitgeistes ausmachte, mit Folgen, die letztlich die ganze Welt ins Unheil führte. Aber wie gesagt: Es kommt nicht darauf an, die Welt zu retten, sondern das sicht- und/oder fühlbar Unvollendete mit selbstverantwortlichen Handlungen in eine Sinnverwirklichung zu führen. Und dabei kommt es eben nicht darauf an zu handeln, damit man sich fühlt, sondern darum, wofür man gut ist. Und die damit verbundene Frage des eigenen Lebens lautet: „Was wäre wohl einmal nicht geworden ohne mich und ohne meine Verantwortlichkeit.“

Unvollendetes wartet jederzeit auf einen, meinen, Beitrag. Und dieser Beitrag kann zum Beispiel sein, etwas zu schaffen, zu mindern, zu lindern, zu ändern, zu heilen, zu danken, zu klären und vieles mehr. Kein Beitrag dagegen zeigt sich im Abwenden, Schulterzucken, Warten auf den Anderen und vielen anderen Sinn-Abwehrmechanismen mehr. Wem der Moment egal ist, der ist sich selbst egal, psychologisch ein absehbar lebenskritischer Zustand. Und so gar nicht dem Menschen in die Wiege gelegt. Denn der Mensch ist das einzige bekannte Lebewesen, das von Anbeginn an die Hoffnung und Vision von einer stets besseren Welt entwickelte.

Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb so viele Menschen trotz erheblicher persönliche Einschnitte in die Lebensplanung und -qualität nicht aufgeben etwas dafür zu tun, dass sich die pandemische Situation am Ende zur Kräftigung des Gemeinwohls entwickeln wird. Etwas zu tun, also einige der vielen Sinnmöglichkeiten heute zu verwirklichen und nicht zu verwirken meint, aus einem noch Unvollendeten in persönlicher Freiheit und Verantwortung etwas beizutragen, was in die Welt hineingeschafft gehört. Viktor Frankl hatte diesen Gedanken auch bereits pointiert als er meinte, es sei nicht die Aufgabe des Menschen etwas aus der Welt, sondern etwas in die Welt zu schaffen.

Was also soll sein, nachdem Sie sich umgeschaut haben? Jeder Mensch entscheidet sich immerfort. Jammern, Schimpfen, Klagen, Zaudern, Meckern oder Handeln, ohne sich dabei selbst im Weg zu stehen.

Wer nun meint, die Welt sei sowieso zum Scheitern verurteilt, weil man ja nur um sich herum schauen muss, um Leid in allen Formen zu erblicken, der mag vielleicht einmal die Perspektive wechseln: Wer sich bei allem Unvollendeten nicht bewegt und bis zum jüngsten Tag wartet, auf den wird man vielleicht einmal schauen und sagen: Dieser Mensch stand in der Welt, um ihn herum ein Meer der Möglichkeiten und er ertrank in sich selbst.

Life2Me®- [Selbst-]Coaching

Vor einigen Jahren haben wir in unserer Augsburger Praxis für Logotherapie, Existenzanalyse und Schematherapie das in Deutschland einzige Online-Angebot zur Individuellen Krisenprävention entwickelt. Life2Me® vereint dabei eine umfassende Betrachtung potenzieller Belastungsereignisse und ein über 100 Seiten starkes Workbook, mit dem ein Nutzer dann seinen eigenen Umgang mit nicht auszuschließenden Krisen reflektieren kann.

Als psychologisches Fundament von Life2Me® dienen uns sowohl Erkenntnisse der Verhaltenstherapie als auch der sinnzentrierten Psychotherapie nach Viktor Frankl. Die einen Menschen auf seine ‚Lerngeschichte‘ reduzierende Verhaltenstherapie fokussiert auf ‚Fehlkonditionierungen‘, im Kern also auf die der Lebensqualität einer Person unzuträglichen Verhaltensweisen. Der Vorgeschichte der Belastungssymptome, die sich für die Person durch ihre Verhaltensweisen zeigen, wird in der Verhaltenstherapie eher weniger Bedeutung beigemessen. Vielmehr geht es hier um das Neulernen alternativer Verhaltensweisen, wobei wir wissen, dass dieses Vorgehen die alten dysfunktionalen Verhaltensweisen nicht auslöscht, sondern sie sozusagen ‚überschreibt‘.

Dieses Überschreiben ist fraglos dann schwierig, wenn sich das Verhalten als eine Art ‚Überlebensschema‘ bereits früh im Leben entwickelt hat. Solche Schemata erweisen sich im weiteren Lebensvollzug dann häufig als ‚Lebensfallen‘, weil die Person immer und immer wieder mit demselben Repertoire an Verhalten auch an sich veränderte Lebensumstände herangeht. Zum Beispiel kann eine Person ihre ‚Welt‘ als bedrohlicher ansehen als sie ist oder sie sieht sich selbst als bedeutungsloser an als ihr dies aus ihrem Umfeld zurückgespiegelt wird. Welches Schema auch immer in einer Person aktiviert ist, eines ist klar: das Schema versucht seinerseits zu überleben, denn es war lange Zeit die einzige Antwort, die die Psyche für die Bewältigung der sie belastenden Situationen verfügbar hatte. Dies gilt es aus unserer Sicht immer zuerst zu würdigen, bevor die Person eingeladen wird, sich von ihr zu distanzieren.

Ist die Person dazu jedoch bereit, dann arbeiten wir in unserer Praxis nicht mehr ‚oberflächlich‘ am Neulernen von Verhalten, sondern an einer Stärkung der Bewusstheit eigener Werte und ihres Wertegefühls. Hierfür ist für uns das sinn- und werteorientierte Therapiekonzept von Viktor Frankl die Methode der Wahl. In der von ihm entwickelten ‚Logotherapie‘. Mit ihr nimmt die Person sowohl kognitiv als auch emotional einen neuen Bezugspunkt zu dem vor ihr liegenden Leben ein. Nicht ‚warum‘ ist mir etwas im Leben geschehen, sondern ‚wofür‘ fühle ich mich heute und hier von meinem Leben aufgerufen steht im Vordergrund der Gespräche in Therapie oder Coaching.

Mit diesem integrativen Konzept können wir nun auch in Life2Me® arbeiten. Dabei richtet sich das an Menschen, die sich nicht in einer akuten Krisensituation befinden, die aber ein Interesse haben, sich in privater Umgebung und mit Ruhe und Muße mit ihrer bisherigen Persönlichkeitsentwicklung zu befassen als sich auch in die Situationen hineinzudenken und -fühlen, die das eigene Leben wohl als besondere Herausforderungen noch parat hat.

Wer sich auf diese Reise macht, der kann einem an Viktor Frankl angelehnten Gedanken folgen, nämlich dem, dass sich ein Mensch nicht alles von seinem Unbewussten, Vorbewussten, Verdrängten oder Traumatisierten gefallen lassen muss. Jeder Mensch ist weit mehr als das und richtet er seine Energie auf das, was ihm sein Leben an Sinn jederzeit bereithält, dann findet vieles im Leben seinen Platz dort, wo es hingehört: In den psychischen Aktenschrank des Gewesenen.

Sich, wie es die klassische Psychoanalyse und andere vergangenheitsorientierte Therapien in aller Regel tun, darauf auszurichten, das Unbewusste ins Bewusste zu heben, kann einen Menschen sehr lange von dem fernhalten, was die Welt an nur von ihm zu beantwortenden Fragen bereithält. Unser Menschenbild, das auch die Basis von Life2Me® ist, vertraut auf die Fähigkeit jedes Menschen zu einem solchen Perspektivenwechsel.

So wenig nur wie unbedingt nötig, lautet daher unsere Arbeitshaltung, wenn es darum geht, sich mit der Vorgeschichte von Störungen oder der individuellen mentalen und emotionalen Befindlichkeit entlang belastender Erinnerungen oder Erlebnisse zu beschäftigen. So viel wie irgend möglich dafür die Ausrichtung auf die Klärung und Entwicklung der eigenen Werte und auf die Sensibilisierung der weltoffenen Wahrnehmung auf das, was trotz aller Vergangenheit im eigenen Leben nie wertlos geworden ist.

Was geschehen kann, wenn Sie sich auf die Life2Me®-Reise – entweder ganz allein mit dem Selbstcoachingangebot und/oder in Ergänzung mit flankierenden Vertiefungsgesprächen – machen?

  • Erlernen alternativen Umgangs mit Belastungssituationen und Krisen
  • Stärkung des von Fremdeinflüssen bestmöglich befreiten, echten Selbstwertgefühls
  • Aufdecken ungeahnter Ressourcen zur Gestaltung des Lebens, das für Sie ‚von vorn‘ kommt
  • Deutlich verbesserte Orientierung und Konzentration auf das Mögliche im Kontext eigener Lebensziele