Das schaffst Du schon!

Wir schaffen das! Deutschland hat an diesem Satz der Kanzlerin gezogen wie am Seil beim Tauziehen. Den einen war der Satz der Inbegriff für eine Hoffnung der Transformation des Staates in eine neue Form weltoffenen Gemeinwohls. Den anderen das Symbol für eine befürchtete Überforderung oder antigermanische Neudefinition des Landes. Irgendwo dazwischen pendelt er sich ein mit der Tendenz in Richtung ‚wir schaffen das eher als dass wir es nicht schaffen!“.

Bei Corona wird’s wohl ähnlich kommen. Regelmäßige Impfungen und Innovationen wie die Luca App werden die Lösung sein. Sicher hingegen nicht Leugnung, Verschwörung oder wohlfeile Glaubens-Appelle an die Kräfte des individuellen Immunsystems. Als psychische Abwehrmechanismen haben diese Krisen-Umgangsformen ausgedient und mit ihnen auch diejenigen, die sie vertreten.

Aber wie sieht es aus, wenn der vernunftbegabte Mensch in die Krise rutscht, wenn er an sich selbst zweifelt und nicht mehr ein und aus weiß? Psychisch und somatisch sind die Phänomene bekannt. Angst, Panik, Herzrasen, Herz-Kreislauf-Probleme, Verdauungsstörungen, Gefühle der Sinnleere, Verzweiflung, Hilflosigkeit – alles bekannt und dennoch hart, wenn sie über einen hinwegfegen.
Wie ist es an dieser Stelle mit dem Satz „das schaffst du schon“? An welchem Ende des Seils wird nun gezogen? Am Ende der elterlichen Fürsprache, an die man sich vielleicht erinnert, wenn es zum Beispiel in der Schule einmal gar nicht lief und man glaubte, an Deutsch, Englisch oder Mathe zu verzweifeln? Hier tat das Zutrauen von Mutter und-oder Vater sicher gut, auch wenn sich manche Kinder fragten, woher die Eltern ihre Hoffnung ableiteten?
Oder am Ende des blutleeren, leicht dahergesprochenen, fast gleichgültig klingenden ‚das schaffst du schon‘. Einem Satz, der noch nicht ganz beendet ist, denn eigentlich lautet er: ‚das schaffst du schon und nun lass mich in Ruhe mit deinem Problem, schließlich musst du dich bloß mehr anstrengen oder du musst einsehen, dass du dafür schlicht zu blöd bist‘.

Klar ist nur eins: an welchem Ende ich ziehe, liegt in meiner Verantwortung. Und damit auch die Entscheidung: was mache ich nun und was mache ich nun nicht (mehr)? Hierfür braucht es etwas Zeit zum Anhalten und ein Gespräch mit jemandem, der einen nicht in die eine oder andere Richtung drängt. Der einem die Entscheidung nicht abnimmt, sondern immer wieder hilft zu klären, an was man sich (weiterhin) bindet und von was man sich trennt. „Wie schaffe ich das“ – diese Frage lässt sich dann am besten beantworten, wenn der Psyche nicht erlaubt wird, weiterhin die Oberhand über das Geschehen zu haben und einen mit ihrer – an sich gut gemeinten – Pass-auf-dich-auf-Angst peinigt. Und das wiederum gelingt am besten mit ‚Dereflexion‘, also mit einer bewussten Abwendung vom eigenen Problemkontext und einer bewussten Hinwendung zu dem, was die Welt einem an Möglichkeiten bietet. Also: ‚geh raus in die Welt‘ und nimm jemanden mit, der klärende, vielleicht auch überraschende Fragen stellt. Sie kennen niemanden, der das kann? Dann kennen Sie vermutlich auch keinen Logotherapeuten? Das aber lässt sich recht einfach ändern – mit einem Blick ins Internet.