Lebensfallen I

Was wäre der Mensch ohne die faszinierenden Leistungen seiner Psyche? Häufig gerät sie in Misskredit, wenn sie in den Kontext von Erkrankung, Störung oder Belastung gerückt wird und dort verbleibt. Sieht man sie als einen Schatz an, der den Menschen darin unterstützt, sein Erleben zu verarbeiten, Gedanken und Gefühle zur Selbststeuerung einzusetzen, Erinnerungen zum Erhalt seiner Identität zu bewahren und Handlungen zur Gestaltung seiner Gegenwart und für seine Zukunft zu vollziehen, dann wird ihre Bedeutung umfänglicher deutlich.

In der Psychotherapie wird die Psyche dann besonders ‚auffällig‘, wenn Menschen ihr Verhalten und ihre Handlungen entlang früherer Bewältigungen schwieriger Situationen steuern und diese damaligen ‚Strategien‘ selbst dann als ‚Methode der persönlichen Wahl‘ [unbewusst] einsetzen, wenn sich diese als nicht hilfreich erweisen. Mangels Alternative greift die Psyche dann zurück auf ein solches ‚Schema‘ – immer und immer wieder – bis der Mensch selbst oder aufgrund von  Reaktionen seines Umfeldes bemerkt, dass ‚da etwas nicht stimmt‘. In einem solchen Moment ist es zweckvoll, das individuelle Schema herauszuarbeiten und nachzuschauen, wofür es gut wäre, einen anderen Weg für den Umgang mit der aktuellen Lebenssituation einzuschlagen. Bleibt das ‚Schema‘ jedoch weiterhin ‚führend‘, so kann sich daraus eine Art ‚Lebensfalle‘ entwickeln, die den Menschen immer wieder ins Straucheln bringt.

Die Lebensfallen:

  1. Die Falle ‚Emotionale Entbehrung‘ schnappt zu, wenn ein Mensch die Einstellung entwickelt, dass andere Menschen sein Bedürfnis nach emotionalem Rückhalt, Respekt, Mitgefühl oder Aufmerksamkeit nie wirklich erfüllen werden.
  1. Bei der Falle ‚Verlassenheit‘ aktiviert ein Mensch die frühere Erfahrung, dass andere Menschen sein Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit oder Verlässlichkeit nicht befriedigt haben und er nun das Gefühl haben muss, allein mit allen Gefahren des Lebens dazustehen, ohne Sicherheit, emotionalen Rückhalt, Stärke oder Schutz.
  1. Auch die Falle ‚Misstrauen / Missbrauch‘ deutet auf widrige Erlebnisse in der Vergangenheit hin. Hier hat der Mensch die Erwartung, dass andere Menschen auch heute ihn anlügen, ihn seelisch verletzen oder ihm Gewalt antun, ihn beschämen, demütigen oder ausnutzen werden.
  1. Bei der Falle ’soziale Isolation‘ hingegen hat er das Empfinden, nirgendwo integriert zu sein oder dazuzugehören. Das Gefühl, anders als andere zu sein, führt auch heute wieder zu einer Art ‚Entfremdung‘ von seine Umfeld.

wird fortgesetzt