Welchen Sinn lasse ich in mein Leben?

Eine komische Frage, werden Sie vielleicht denken. Welchen Sinn lasse ich ins Leben?
Und doch ist diese Frage wichtig und recht typisch für uns Logotherapeuten. Es gibt offenbar mehr als nur einen Sinn und es gibt stets nur eine Person, die verantwortlich ist für seine Auswahl. Und diese Person kann auch sagen: Nein, dieser Sinn kommt mir nicht ins Haus.

Werde ich in Therapie und Coaching gefragt, wie ich selbst das mit dem Sinn halte, dann antworte ich gerne konkret so:

Für mich gibt es zwei Arten von Sinn. Den subjektiven Gehirnsinn in Form eines Verständnisses von etwas, das ich wahrnehme und mental [mens = Verstand] verarbeite. Dieser Sinn ist abhängig von meiner psychophysischen Verfassung und an vielen Stellen von meinen bisherigen Lebenserfahrungen. Und dann gibt es den objektiven Weltsinn [logos = Sinn] in Form einer Verantwortung, die ich für etwas oder jemanden übernehme, der ich nicht selbst bin. Dieser Sinn ist abhängig von meiner geistigen Verfassung in Form von Gewissen, Transzendenz und Wertfühlen.

Der Organisations­forscher Karl E. Weick hat einmal gesagt: „Sense­ making is about how to stay in touch with context.“ Dem würde ich gerne zustimmen, wenn der Kontext verstanden wird als etwas Gesolltes, von dem das Leben [also nicht irgendwer oder irgendwas] erwartet, dass die Person, die dieses Leben lebt, mit ihm in Beziehung tritt. Wird entsprechend dieses Gesollten gehandelt und entschieden, dann werden diese Handlungen und Entscheidungen als sinnvoll erlebt.

Verantwortlich für die Annahmen des ‚Gesollten‘ ist immer und einzig die eigene Person. Niemand kann diesen Weltsinn einer Person machen oder stiften. Jeder kann zwar Themen anbieten, die für einen Menschen den Gehirnsinn anregt, ihn zum Nachdenken führt oder die für ihn nachvollziehbar und verstehbar sind. Jeder Tag ist voll von solchen Themen und zuweilen heißen Menschen, die andere zu solchen Themen führen ‚Führungskräfte‘, ‚Sinnstifter‘, ‚Motivationstrainer‘, ‚Eltern‘. Mit dem im Leben aber ‚Gesollten‘ haben diese Themen zuweilen sehr wenig bis gar nichts zu tun. Bestenfalls sind diese Themen dann zweckdienlich [um mit ihnen Geld zu verdienen oder um geliebt zu werden oder um einen Status zu erhalten], sinnvoll sind sie womöglich aber nie und nimmer.

Wann sage ich ’nein‘ zum Sinn? Mein Gehirn sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die ich selbst meinem Leben zuspreche, mindern. Solange ich mir selbst bedeutungs- und wertvoll bin, weiß ich, was mir richtig und wichtig ist. Sollten Sie dies nicht [mehr] wissen, dann lohnen einige Gespräche mit einem Logotherapeuten [m,w,d].
Mein Gewissen sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die mein Leben für etwas oder jemanden haben könnte, mindern. Solange ich eine Beziehung fühle zu Aufgaben und Menschen jenseits meiner selbst, erlebe ich mein Leben als sinnvoll. Sollten Sie dies nicht [mehr] fühlen, dann lohnt ein Sinnwahrnehmungstraining, auch dies ist ein Format in der Logotherapie.