Als es lange noch kein Facebook gab …

… schrieb in Wien 1923 der damals 17-jährige Viktor Frankl diese Zeilen unter dem Stichwort ‚Freude, Schöner Götterfunken …‘

„Ich hasse nichts so sehr wie den gesunden Menschenverstand. Und auch den blinden Optimismus; er ist nichts als ein Vorurteil. Und auch die naive Kritik des Philosophierens, das so manche Illusion zerstöre. Denn man muss anständig gegrübelt haben, bevor man berechtigt ist, über das Philosophieren zu schimpfen. Und dann erst recht nicht deshalb, weil es uns oft die Lebensfreude nimmt.
Ich hasse die Phrase vom ‚Selbstzweck‘ des Lebens. Sie nimmt ihm am meisten Wert und Sinn.
Es gibt andere Wege zu einer Anerkennung von Wert und Sinn des Lebens, die berechtigt ist. Man muss nur aufrichtig sein. Und seine Zweifelqualen scheuen! Es gilt, mit dem Mute des Ödipus der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, wenn es auch nicht ausgeschlossen ist, daß man geblendet wird.
Die größten Menschen waren es, die so taten: Schopenhauer wurde geblendet. Beethoven nicht: er schrieb die ‚Neunte‘.
Und Nietzsche – ja, Nietzsche: Nietzsche-Begeisterung ist noch lange kein Zeichen von geistiger Superiorität.
Man muß ihn in seiner Entwicklung miterleben, mit dem jungen Nietzsche beginnen, sich also von Schopenhauer erziehen lassen: dann sehen, wie „sich die Logik in den Schwanz beißt“; dann sich von Nietzsche zurufen lassen: „Sokrates, treibe Musik!“.
Und nun über Schopenhauer hinauskommen, die Erlösung – erleben …
„So ist doch immer das Finale, daß der Mensch auf sich zurückgewiesen wird.“ (Goethe)

Wie könnten diese Sätze in die Gegenwart übersetzt werden?

  • Frankl sieht den Menschen als mehr an als lediglich mit gesundem Menschenverstand ausgestattet.
  • Blinder Optimismus ist weltfremd und entzieht dem Menschen die Energie zu verantwortlichem Handeln.
  • Leben ist kein Selbstzweck, sondern es hat Aufforderungscharakter.
  • Der Zweifel gehört zum Leben.
  • Nietzsche kann begeistern, aber seine Lehre ist nicht alles.
  • Wird Schopenhauer überwunden kann der Mensch Befreiung erfahren.
  • Beethovens Symphonie ist ein Inbegriff für Transzendenz.
  • Am Ende aber kommt es immer auf jeden Menschen an. Auf ihn in Freiheit und Verantwortung.