Sinnverwirklichung steht vor Selbstverwirklichung

Der Wille zum Sinn ist immer vital. Er tritt nicht erst im Nachklang der Befriedigung von Grundbedürfnissen, auch nicht erst im Nachklang des Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung in Erscheinung. Mit dieser Erkenntnis stellt sich Viktor Frankl gegen Abraham Maslows Konzept der Bedürfnispyramide und weist sogar über diese hinaus. Das Bedürfnis nach Sinnverwirklichung steht in Frankls Sinntheorie an erster Stelle und dieses Bedürfnis besteht selbst dann, wenn die Bedürfnisse in der Maslowschen Pyramide nicht oder nur teilweise befriedigt sind. Maslow gab dieser Einsicht einst auch Recht als er 1966 im Journal of Humanistic Psychology schrieb: „Ich stimme völlig mit Frankl darin überein, dass sich das Hauptanliegen des Menschen in seinem Willen zum Sinn ausdrückt.“ [eigene Übersetzung. Original: „I agree entirely with Frankl that man’s primary concern is his will to meaning.“ Maslow, Abraham: Comments on Dr. Frankl’s Paper, in: Journal of Humanistic Psychology 6 (1966), 107.