Archiv für den Monat: August 2021

Zwischendurch gefragt …

… welche Geschichten des Gelingens könnten Sie heute erzählen? Welches – um ein häufig benutztes Wort in der Gegenwart zu bemühen – ‚Narrativ‘ haben Sie und wie wirkt es sich auf Ihre Lebensführung aus? Wem haben Sie über Ihr Gelingendes berichtet und aus welcher Motivation heraus? Passt Ihr Narrativ zu den Erwartungen Ihres privaten und beruflichen Umfeldes? Haben Sie schon einmal überlegt, worin der schmale Grat zwischen ‚Narrativ‘ und ‚Lebenslüge‘ besteht? Wie lange erzählen Sie wem bereits Ihr Narrativ? Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Geschichte des Gelingens in der Zukunft noch einmal ganz anders anhören könnte? Wenn ja, was müssten Sie tun, was Sie nicht bisher auch schon taten, damit dieses Gelingen gelingt?

Orientierungshilfe zur Bundestagswahl – Teil 1


Bald ist Bundestagswahl. Wer sie ernst nimmt, hat Arbeit vor sich. Parteiprogramm lesen? Talkshows anhören? Kommentare in Zeitungen studieren? Kann machen, wer sich die Zeit nehmen will. Ich will das und ich bin dankbar für die Bandbreite, die alle politisch Engagierten uns anbieten.
Zu diesen Engagierten zählt für mich auch Rezo. Er wendet sich mit klarer Kante und begründeten Bewertungen politischen Geschehens an insbesondere junge Leute – aber auch an mich, mit fast 60.

Vor der Wahl nun mit Hintergrundinformationen in zwei Teilen auf YouTube.
Teil 1 sehen Sie beim Klick aufs Bild.
Danke Rezo. Ich bin froh, dass Sie diese Hingabe für die Entwicklung unseres Landes zeigen.

Gerade aus der Unvollkommenheit des Menschen folgt die Unentbehrlichkeit und Unaustauschbarkeit jedes Einzelnen; denn der Einzelne ist zwar unvollkommen, aber jeder ist es in seiner Art.“

Viktor E. Frankl

Ressourcen-Check

Die Urlaubszeit kommt zum Ende, der Jahresendspurt im Job beginnt. Und mit ihm stellen sich wieder allzu menschliche Fragen. Wie gelingt mir eine gute Selbststeuerung und Selbstmotivation. Welche Absichten habe ich und wie kann ich die zielgerichtet umsetzen? Welchen Stress kann ich künftig besser abwenden, was müsste ich tun, um durch zu viel Stress zu scheitern? Laufe ich Gefahr, dass unter Stress alte Glaubenssätze wieder aktiv werden und mich hindern, ein gelingendes und erfreuendes Berufsleben zu führen? Worum geht es mir bei meiner Arbeit?
Sofern Sie sich solcherlei Fragen stellen, dann fühlen Sie offenbar ein Gap zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Gelassenheit und Überforderung – und allemal ein Erfordernis, den Status Quo der individuellen psychischen Verfassung zu ermitteln.

Als Ausgangspunkt für Ihre bewusste Selbstentwicklung setzen wir in unserer Coaching- und Therapiepraxis die Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik [entwickelt von Prof. Dr. Julius Kuhl] ein. Mit ihr gelingt ein genauer Blick in die bewussten und unbewussten psychischen Kraftquellen und Krafträuber. Und es zeigt Wege auf, wie das persönliche Set an Selbststeuerungsfähigkeiten verbessert werden kann. Das Verfahren leistet damit einen wichtigen Beitrag für die psychische Gesunderhaltung, nicht nur am Arbeitsplatz.

Wenn auch Sie einen Blick in Ihre psychische Verfasstheit entlang dieser wissenschaftlich fundierten Persönlichkeits- und Motivationstheorie werfen wollen, stehen wir Ihnen in unserer Praxis gerne zur Seite.

Heute ist Friedensfest in Augsburg

Das Augsburger Hohe Friedensfest wird jährlich am 8.8. begangen und das seit 1650. Es beschert den Bürgern der Stadt den Status, die meisten Feiertage im Jahr zu haben. Die Ursprünge des Festes gehen zurück auf die Augsburger Protestanten, die 1648 das durch den Westfälischen Frieden beschlossene Ende der Rekatholisierungsmaßnahmen während des Dreißigjährigen Krieges feierlich begingen. Seit Jahr 2018 gehört das Friedensfest zum UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland. In diesem Jahr wurde auch auf der Empore des Perlachturms mit einem Posaunenkonzert [Ausschnitt mit Klick aufs Bild] gefeiert. Initiator war die altaugsburger-Gesellschaft, der unsere Praxis als Vereinsmitglied angehört.

Studienbefragung ‚Pandemie und soziale Resilienz [Kontext Architektur]‘

Unsere empirische Untersuchung im Kontext ‚soziale Resilienz und Pandemie‘ läuft unter der Leitung der Psychologiestudentin Angella Kattae von der Universität Trier.
Die Ergebnisse finden Sie hier im November 2021

Hier ist der Link zur Befragung, an der Sie gerne teilnehmen können. Sie dauert weniger als zehn Minuten.

Krisenpräventionsspirale

Anders als im Spiralmodell von Erika Schuchardt, in dem die individuelle Krisenverarbeitung als Lernweg durch acht Spiralphasen dargestellt wird, die ihrerseits nicht begrenzt und abgeschlossen sind, sondern fließend ineinander übergehen, sich ablösen aber auch nebeneinander bestehen können, wird hier nun das Modell der Krisenpräventionsspirale vorgestellt.

Dieses Modell adressiert den Wunsch von Klientinnen und Klienten, einen Blick in ihre nächste Lebensphase zu werfen und die dort nicht völlig auszuschließenden, potenziell existenziellen Problemsituationen hinsichtlich präventiver Gestaltungsmöglichkeiten zu bearbeiten. Die sieben Phasen beginnen mit der Selbstvergewisserung, dass es diese Krisenmomente im Leben geben kann. Hier die weiteren Phasen:

7. Selbstbewusstheit
[ich gestalte meine neue Lebenspraxis]
Das Leben aus der Perspektive der Zukunftsmöglichkeiten trotz möglicher Krisenbelastungen führen

 


6. Selbstverantwortung und Genius

[ich erkenne, worum genau es geht]
Wahrnehmung des existenziellen Gefühls bei der Verwirklichung des zentralen Einstellungswertes

5. Selbstwertentwicklung
[ich erlaube mir, mich von Altlasten zu trennen und meine Werte zu leben]
Integration des Lebensthemas und Entfaltung des Wertesystems, bestehend aus
schöpferischen Werten, Erlebniswerten und Einstellungswerten

4. Selbstbeauftragung
[woran gilt es vorrangig zu arbeiten]
Aufbruch in ein neues Sinn- und Selbstkonzept

3. Selbstaufklärung
[warum kann gerade mir das geschehen]
Bemusterung des bisherigen Lebens

2. Selbstüberwindung
[ich befasse mich ernsthaft und doch gelassen]
Entscheidung für die unbequeme, im Kern jedoch befreiende Auseinandersetzung mit möglichen Lebensphasen-Krisen [wir empfehlen für die Phasen 2-6 die Begleitung durch eine/n Logotherapeuten/in]

1. Selbstvergewisserung
[ich schaue hin]
Akzeptanz potenziell existenzieller Belastungssituationen, deren Eintreten in den kommenden fünf Jahren nicht vollends ausgeschlossen werden können [wir empfehlen hierzu das Konzept Life2Me]

Der Ausweg aus der Kriseninflation

Erst war es der Stress, dann kam Burn-Out, spätestens jetzt ist es die Krise. Es geht um die Begriffs-Inflation. Wer nicht bei Drei auf dem Baum ist, hat eine Krise. Nach und nach pathologisiert sich so eine Gesellschaft selbst – mit der fatalen Folge, dass der, der wirklich im tiefen Selbstzweifel steckt und eine existenzielle Not zu überwinden hat, ewig auf einen Therapieplatz warten muss, belächelt wird als einer unter vielen oder dem irgendwann einfach nicht mehr zugehört wird. Ein Problem zu haben, reicht heute meist nicht mehr aus, gleich muss – so meint man – die superlative Keule der Krise herausgeholt werden, um sich etwas Gehör zu verschaffen.

Und dass wir neben unseren eigenen dann auch mit Corona-Krise, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise, vielleicht sogar einer Demokratiekrise zu tun haben, macht einen Teil der Gesellschaft völlig hilflos, andere stumpfen ab und werden lethargisch, wieder andere nutzen die Lage und werden zu kurzfristigen Krisengewinnlern, weil sie verängstigten Menschen irgendein Heilsversprechen verkaufen oder medial wirksam vermitteln, sie wüssten schon um den besten Umgang mit sich und der Welt.

Treten wir einmal einen Schritt zurück und schauen auf die Medizin zu Zeiten des Hippokrates. Krise meinte hier der an bestimmten Tagen erreichte, mehr oder weniger ausgedehnte Höhepunkt im Verlauf einer Krankheit, an dem entweder eine Änderung zum Besseren oder zum Schlechteren eintritt, also Genesung oder das Sterben. Krise war der Kipppunkt zwischen Leben und Tod. Nehmen wir die Gegenwart unter dieser Definition in den Blick, dann fallen zahllose Einzelereignisse, die in den vergangenen Jahren zur Krise hochstilisiert wurden, schlicht auf das Niveau von Problemen, durchaus auch komplexen und komplizierten, zurück.

Ändert man jedoch die Variablen ‚Leben‘ und ‚Tod‘ zum Beispiel in ‚lebenswerte Bedingungen‘ und ’nicht lebenswerte Bedingungen‘, dann verändern sich zwangsläufig Situationsbewertungen. Flapsig gesagt, ist dann ein Kind, das einen Tag ohne Eistüte als einen Tag mit nicht lebenswerten Bedingungen bewertet, auf der negativen Seite des Kipppunktes einer Krise gelandet.

Denken wir dies weiter, dann wären es letztlich subjektive Bewertungen hinsichtlich der Lebensbedingungen, um einen Tag das Etikett Krise anzuhängen. Damit wiederum wird der Begriff nicht nur superindividuell, sondern womöglich auch willkürlich, unmessbar und letztlich auch unbrauchbar.

Da nun andererseits subjektives Empfinden eben ist wie es ist und der Einzelne sich vor die Frage gestellt sieht, welche alternativen Antworten er den bislang als Krise bewerteten Lebensbedingungen geben kann, versuchen es viele Berater und Tröster mit dem Appell, die Krise doch als Chance anzusehen. Damit jedoch erschwert sich die Situation für den Einzelnen zusätzlich – erstens empfindet man die Situation als nicht lebenswert, andererseits scheint es Menschen zu geben, die offenbar in einer solchen Situation etwas entdecken, was man selbst nicht in der Lage ist zu sehen. Zu allem Übel kommt so also noch eine für Andere wahrnehmbare Inkompetenz hinzu. Es ist menschlich, dass sich die Psyche mit Widerstand gegen einen solchen Appell wendet.

Kann es einen Dritten Weg geben? Einen Weg, der außerhalb der fixierten negativen Bewertung der Lebensbedingungen und auch außerhalb der Plattitüde der Formel ‚Krise als Chance‘ liegt? In der sinnorientierten Denktradition springt uns hier Sartre zur Seite, wenn er sagt: „Wenn die Existenz dem Wesen vorausgeht, das heißt, wenn die Tatsache, dass wir existieren, uns nicht von der Notwendigkeit entlastet, uns unser Wesen erst durch unser Handeln zu schaffen, dann sind wir damit, solange wir leben, zur Freiheit verurteilt…“

Für Jean Paul Sartre kann sich der Mensch auf keine Ordnung oder Weltanschauung stützen, weil er das ist, was er selbst aus sich macht. Das klingt zwingend nach Klärungsarbeit, denn was ist in diesem Kontext das ‚Selbst‘? In der KrisenPraxis haben wir hierzu bereits vielfältige Hinweise gegeben. Kurz: Das Selbst einer Person ist vornehmlich ihr Wertesystem. Wer also um seine Werte weiß, der vermag zu beschreiben, worum und wofür es ihm im Leben geht. Wer dies nicht – aus welchen Gründen auch immer – nicht weiß, der hängt am ‚warum ist mir das Leben abhanden gekommen‘. Das A und O, das wArum und das wOrum, gilt es daher stets auseinander zu halten. Oder wie es Viktor Frankl betont: Jeder Mensch hat Bedingungen, aber jeder Mensch kann sich ihnen so [A] oder so [O] stellen. Und zwischen jedem Reiz [dem Empfinden von Bedingungen] und jeder Reaktion [A – wArum habe ich diese Bedingungen oder O – wOrum geht es mir im Leben trotz der Bedingungen] liegt ein Raum, und dieser Raum ist die Freiheit [frei zur Verantwortung, in Richtung A oder O zu handeln].

Was nun also ist eine Krise wirklich? Für uns ist es die nicht vollzogene Klärung der individuellen Werte und die damit verbundene Unmöglichkeit, sich seines unzerstörbaren ‚WORUM‘ bewusst zu sein.