Situations-Sinn-Zenit

Jeder Mensch steht jederzeit unter seinem Zenit [Zenit: Die nach oben verlängerte Lotrichtung eines Standortes]. Der Zenit ist immer da, in jeder Situation. Er war immer da, in jeder Lebensphase. Auf ihn ist Verlass. In der Höhenpsychologie, wie die Logotherapie im Unterschied zu den tiefenpsychologischen Schulen metaphorisch auch genannt wird, können wir den Zenit sinnbildlich verstehen als den per se und jederzeit für jeden Menschen gegebenen Sinn. Findet ein Mensch Sinn, dann nur in einem Moment der Selbstvergessenheit.

‚Kümmert‘ sich ein Mensch um sich selbst, seine Lust, sein Wohlergehen, sein Machtstreben, seinen Spaß, seine Karriere, sein Glück …, dann braucht dies seine Psyche. Ohne Sinn jedoch mutieren all diese psychischen Prozesse zum Selbstzweck, der Mensch ist dann auf nichts ausgerichtet, durch seine Lebensbrille sieht er nichts außer sich selbst, er schafft nichts in die Welt, er mehrt nichts [seien es Wissensinhalte, Taten und Handlungen, Anschauungen oder Hoffnungen].

Und es kommt noch schlimmer: Je mehr er auf sich selbst gerichtet ist, um so weniger weltoffen wird er. Der Möglichkeitsraum verengt sich immer weiter, und so erzählt ein Mensch irgendwann seine Lebensgegenwart aus einer Perspektive der Routine, Langeweile, Unlust oder des Starrsinns. Was die Welt bereithält und mental verarbeitet werden könnte durch rationales Erfassen der Gegebenheit oder durch intuitives Erleben oder durch Erfühlen, etwas von höchster Instanz zu erhalten oder schlicht als erfreuendes Erkennen im Moment, bleibt im wahrsten Sinn des Wortes ‚außen vor‘. Der so auf sich selbst fixierte Mensch verfehlt sich und seine Möglichkeiten. Das ist bitter.

Und doch, die Perspektive zu wechseln bleibt stets möglich, denn: Der Zenit ist da und mit ihm Sinn im Leben.