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	<title>Individuelle Krisenprävention &#8211; KrisenPraxis</title>
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	<description>Krisenkompetenz und Krisenprävention. Blog über Krisen, Krisentheorien, Krisenmodelle, Krisenintervention und individuellem Umgang mit Lebenskrisen, Umbrüchen und psychischen Belastungen.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 17 Jun 2026 13:21:07 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Krisenprävention mit dem Graves-Modell</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/06/8610/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 10:29:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit persönlichen Lebenslagen]]></category>
		<category><![CDATA[Graves]]></category>
		<category><![CDATA[Graves-Modell]]></category>
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					<description><![CDATA[Clare W. Graves: „Die Psychologie des reifen menschlichen Wesens ist ein sich entfaltender, schwingender, spiralförmiger Prozess, gekennzeichnet durch die fortschreitende Unterordnung älterer Verhaltenssysteme niederer Ordnung unter neuere Systeme höherer Ordnung, während die existentiellen Probleme eines Individuums sich verändern. Jede der aufeinanderfolgenden Stufen, Wellen oder Seinsebenen ist ein Zustand, den Menschen auf ihrem Weg zu anderen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Clare W. Graves: „Die Psychologie des reifen menschlichen Wesens ist ein sich entfaltender, schwingender, spiralförmiger Prozess, gekennzeichnet durch die fortschreitende Unterordnung älterer Verhaltenssysteme niederer Ordnung unter neuere Systeme höherer Ordnung, während die existentiellen Probleme eines Individuums sich verändern. Jede der aufeinanderfolgenden Stufen, Wellen oder Seinsebenen ist ein Zustand, den Menschen auf ihrem Weg zu anderen Seinszuständen durchlaufen. Ist der Mensch auf einen bestimmten Seinszustand zentriert, dann besitzt er eine Psychologie, die für diesen Zustand spezifisch ist. Seine Gefühle, Motivationen, ethischen Vorstellungen und Werte, seine Biochemie, der Grad seiner neurologischen Aktivierung, sein Lernsystem, Glaubenssystem, seine Auffassung von geistiger Gesundheit, seine Konzeptionen von und Vorlieben für Management, Erziehung, Wirtschaft sowie politische Theorie und Praxis sind alle diesem Zustand angemessen.“</p>
<p>Warum ist das Modell von Professor Graves für die Krisenprävention aus unserer Sicht so interessant? Was im ersten Lesen vielleicht seltsam klingen mag bedeutet im Kern, dass jeder Mensch in einer ihm spezifischen Weise einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess durchläuft, bei dem sich sein Set an Verhaltensweisen an den existenziellen Fragestellungen seiner aktuellen Lebensphase ausformt – kurz: ‚Der Mensch wächst mit den Aufgaben, die das Leben ihm stellt.‘</p>
<p>Zumeist erfolgt die Bearbeitung von derart bedeutenden Lebensthemen mit einem ausreichenden Maß an Zeit. Ob bei der Berufs- oder Partnerwahl, bei der Frage nach dem passenden Wohnort, bei der Laufbahngestaltung und auch bei einer Vielzahl großer, aber zeitlich großzügig geplanter Veränderungsentscheidungen. Hat ein Mensch Zeit, so kann er durch Reflexion, Dialog oder Beobachtung anderer eine Denkweise entwickeln, die günstig ist, um die eigene existenzielle Fragestellung authentisch beantworten zu können.</p>
<p>Zum ‚Lebensthema‘ kommt dann ein passendes ‚Verarbeitungsschema‘. Wir nennen die gelungene Kombination aus Thema und Schema eine spezifische Meme-Konstellation [theme + scheme = meme]</p>
<p>Mit den Tools, die wir im Krisenpräventionscoaching einsetzen, unterstützen wir unsere Klienten darin, 1. die biografisch vollzogene Entwicklung ihrer bewussten Denkweisen zu reflektieren, 2. die hinsichtlich möglicher künftiger Krisensituationen zu erwartende Denkhaltung zu erfassen und 3. alternative Denkhaltungen für solche Situationen zu entwickeln.</p>
<p>Dabei nutzen wir auch das in der KrisenPraxis an anderer Stelle (Sie können dazu im Suchfeld mit den Schlagwörtern Graves oder Graves-Modell nachschauen) bereits ausführlich vorgestellte Modell von Graves, mit dem er eine Gesamtbetrachtung aller Denkhaltungen [Memes] vorstellt, die die Menschheit in ihrer Entwicklungsgeschichte bislang ausgeprägt hat.</p>
<p>Das Mem [die Denkhaltung], das die existenzielle Frage des schlichten Überlebens adressiert, markiert quasi den Anfang aller Bewusstheitsebenen. Diese Denkhaltung erleben wir heute in der Regel nur unter dem Einfluss katastrophaler Ereignisse bei gleichzeitig völlig fehlender sozialer Abfederung. Bereits die Bewusstheit, ‚trotz allem‘ eingebunden zu sein, in ein wie auch immer helfendes, schützendes, begleitendes noch so kleines System, stellt eine nächste Mem-Ebene dar. Es folgen eine Reihe weiterer, bis hin zur aktuell weitreichendsten Bewusstheit, in der eine globalholistische Denkhaltung eingenommen wird, bei der die Bedeutung des Eigenen oder des Ganzen zurücktritt gegenüber der Bedeutung des ‚Allem‘.</p>
<p>Wir können die individuell-biografische Meme-Konstellation verstehen als ein Set an Denkhaltungen, das eine Person entwickelt hat, um mit den unterschiedlichsten Anforderungen in Lebenssituationen zurechtzukommen. Jeder Mensch hat eine ihn individuell auszeichnende, dynamisch entwickelte und sich (wenn der Mensch dafür etwas tut) weiter entwickelnde Bewusstheit.</p>
<p>Trifft nun der Mensch mit seiner biografisch begründeten Denkweise durch ein existenzielles Ereignis auf ein ‚Thema’ [theme], bei der die von ihm eingesetzten Verarbeitungs-‚Schemata’ [scheme] nicht greifen und sich als unpassend zur Lösung dieser Situation zeigen, dann verstehen wir diesen Menschen als einen ‚Mensch in Krise‘. Hätte dieser Mensch eine andere Bewusstheit, ein anderes Meme-Bündel verfügbar, so geriet er womöglich nicht in eine Krise, sondern er hätte ‚nur’ ein mehr oder minder kompliziertes Problem.</p>
<p>Die Sensibilisierung für alternative Denkhaltungen und das Erlernen solcher Denkweisen ohne den konkreten Druck eines massiven Belastungsereignisses – jedoch mit bewusstem Zulassen von Gedanken zu potenziellen Lebenskrisen – ermöglicht letztlich eine Vergrößerung des Handlungsspielraums in besonderen Lebenslagen. Dies ist eine der Grundideen der Krisenprävention. Rechtzeitig proaktiv zu reflektieren, mit welchem Denkschema man wohl eine Krisensituation gestalten würde, ist der wichtigste präventive Schritt. Dieser Schritt ist vergleichbar mit der Vorbereitung auf eine Alpenüberquerung. Die Berge (als Sinnbild über für die schwierigen Hindernisse in Form einer Krise) können gemeistert werden, wenn der richtige Rucksack richtig gepackt ist, die persönliche Haltung stimmt und man weiß, womit man überfordert ist oder vermutlich überfordert werden wird. Wer sich mit Badelatschen auf den Weg macht, der wird scheitern &#8211; wer das nicht glaubt, der spreche bei Gelegenheit einmal mit der Bergwacht.</p>
<p>Manchmal kann man sich jedoch wirklich an den Kopf fassen. Siehe dazu diesen <a href="https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/fuji--bergsteiger-vergisst-bei-rettung-sein-handy---und-kehrt-zurueck-35674724.html">Beitrag</a>.</p>
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		<title>Krisenkompetenz</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/06/krisenkompetenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 17:57:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit persönlichen Lebenslagen]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Krisenkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Krisenprävention]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Entwicklung der Kompetenz, mit Krisen angemessen umzugehen, kann bereits durch frühe Lebensbedingungen beeinflusst werden. Wer zum Beispiel in den 1960er- und 1970er-Jahren aufgewachsen ist, hat meist Fähigkeiten aufgebaut, die den Menschen dieser Generation gerade heute helfen, um mit den täglichen Unsicherheiten besser umgehen zu können als dies in anderen Kohorten beobachtet wird. So wuchs [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Entwicklung der Kompetenz, mit Krisen angemessen umzugehen, kann bereits durch frühe Lebensbedingungen beeinflusst werden. Wer zum Beispiel in den 1960er- und 1970er-Jahren aufgewachsen ist, hat meist Fähigkeiten aufgebaut, die den Menschen dieser Generation gerade heute helfen, um mit den täglichen Unsicherheiten besser umgehen zu können als dies in anderen Kohorten beobachtet wird. So wuchs diese Personengruppe in einer Welt mit begrenztem Zugang zu Informationen auf. Ohne Internet oder permanente Verfügbarkeit von Lösungen mussten Probleme eigenständig durchdacht werden. In Krisensituationen – sei es wirtschaftlich, gesellschaftlich oder persönlich – ist genau diese Fähigkeit entscheidend. Wer gelernt hat, eigenständig Lösungen zu entwickeln, bleibt handlungsfähig, auch wenn externe Hilfe fehlt oder verzögert eintrifft. Heute, in einer Zeit der massenhaften Informationsverfügbarkeit, treten gerade aufgrund des &#8218;Zuviel&#8216; Entscheidungsblockaden auf &#8211; ein Phänomen, das den Umgang mit Belastungen deutlich erschwert.</p>
<p>In einer Zeit ohne permanente Verfügbarkeit von Informationen und Dienstleistungen verlief damals vieles langsamer – von der Informationsbeschaffung über Bücher und Bibliotheken über die Kommunikation per Brief oder Festnetztelefon bis hin zu Rückmeldungen auf Anfragen, wichtigen Entscheidungen und der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen ohne sofort verfügbare Unterstützung.Das förderte Geduld und die Fähigkeit, mit Verzögerungen umzugehen. Dieser Aspekt ist in Krisen relevant, denn sie verlaufen selten schnell oder linear. Ob wirtschaftliche Unsicherheit, persönliche Rückschläge oder globale Ereignisse – robuste Lösungen brauchen Zeit (auch Kriege werden nicht in 24 Stunden beendet, sic!). Eine hohe Frustrationstoleranz schützt davor, vorschnell aufzugeben oder in Panik zu reagieren. Geduld steht dabei in einem engem Zusammenhang mit der Regulation von Emotionen. Menschen, die warten können, sind oft stressresistenter und treffen langfristig bessere Entscheidungen.</p>
<p>Ohne digitale Ablenkung fand Kommunikation früher direkter statt. Konflikte mussten persönlich geklärt werden. Echte soziale Netzwerke sind daher einer der stärksten Schutzfaktoren in Krisen. Sie reduzieren Stress und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, schwierige Phasen erfolgreich zu bewältigen &#8211; wenn diese Netzwerke über ein Grundmaß an Empathie, der Fähigkeit zu aktivem Hinhören und Konflikthandhabung verfügen. Hingegen hat die digitale Welt neben ihren Vorteilen des schnellen Zugangs zu Wissen einen bedenkenswerten Einfluss auf menschliches Verhalten. Junge Menschen neigen zunehmend dazu, weniger Geduld aufzubringen, da ihnen sofortige Verfügbarkeit von Informationen eine hinreichende Sicherheit suggeriert. Zudem werden sie stärker abgelenkt mit der Folge reduzierter Konzentration und der Zunahme von Abhängigkeiten von externen Lösungen &#8211; wir sprechen hier heute bereits von KI-erzeugter Dummheit. Das alles führt zwar zur Kompetenz, mit Komplexität und neuen Technologien umzugehen, immerhin und gut so. Für einen profunden Umgang mit Krisen jedoch reicht dies nicht aus.</p>
<p>Krisenkompetenz ist trainierbar. Für jede Generation. Und vermutlich am ehesten durch schlaue Kombination der Fähigkeiten der verschiedenen Generationen. Krisenprävention kann damit auch als spezifische Form des <em>Generationenlernens</em> aufgefasst werden. Ein Versuch lohnt.</p>
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		<item>
		<title>Are you lonesome tonight?</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/06/are-you-lonesome-tonight/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 14:21:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit persönlichen Lebenslagen]]></category>
		<category><![CDATA[Einsamkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Psychotherapie beschäftigt sich ausnahmslos mit Problemen, die mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun haben. Ein solches ‚Problem‘ ist auch die Einsamkeit, einem aus philosophisch-wissenschaftlicher Perspektive vielschichtigen Phänomen, das sowohl individuelle Erfahrung als auch gesellschaftliche Struktur widerspiegelt. Als komplexer Zustand, in dem subjektive Wahrnehmung, neurobiologische Prozesse und soziale Bedingungen ineinandergreifen, verstehen wir Einsamkeit als eine Diskrepanz zwischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Psychotherapie beschäftigt sich ausnahmslos mit Problemen, die mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun haben. Ein solches ‚Problem‘ ist auch die Einsamkeit, einem aus philosophisch-wissenschaftlicher Perspektive vielschichtigen Phänomen, das sowohl individuelle Erfahrung als auch gesellschaftliche Struktur widerspiegelt. Als komplexer Zustand, in dem subjektive Wahrnehmung, neurobiologische Prozesse und soziale Bedingungen ineinandergreifen, verstehen wir Einsamkeit als eine Diskrepanz zwischen gewünschten und tatsächlich erlebten sozialen Beziehungen. Diese Differenz erzeugt ein Gefühl der Isolation, das sich nur schwer in Sprache fassen lässt und daher häufig tabuisiert wird. Paradoxerweise tritt Einsamkeit dabei nicht selten gerade inmitten vieler Menschen auf. Die bloße physische Anwesenheit anderer ersetzt noch keine emotionale Verbundenheit.</p>
<p>Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist Einsamkeit (entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen gewähltem, produktiven Alleinsein und unfreiwilliger, leidvoller Isolation) ein chronischer Stressor mit messbaren Auswirkungen auf Gehirn und Körper. Sie fordert dazu auf, soziale Bindungen zu suchen oder wiederherzustellen. In dieser Funktion ähnelt sie biologischen Warnsystemen wie Hunger oder Schmerz. Problematisch wird Einsamkeit jedoch, wenn sie chronisch wird. Dann verändert sie Wahrnehmungs- und Erwartungsstrukturen: Das Gehirn antizipiert weniger positive soziale Erfahrungen, die Person wird misstrauischer und reduziert die Motivation zu zwischenmenschlichen Kontakten – so kommt der Teufelkreislauf in Gang.</p>
<p>Philosophisch betrachtet verweist Einsamkeit auf eine grundlegende Spannung menschlicher Existenz: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit einerseits und die Unvermeidbarkeit individueller Getrenntheit andererseits. Diese Spannung ist nicht vollständig auflösbar. In Momenten des Rückzugs kann sie dazu beitragen, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und das eigene Selbstverständnis neu auszurichten.</p>
<p>Soziologisch zeigt sich, dass Einsamkeit in modernen Gesellschaften an Bedeutung gewinnt. Individualisierung, Urbanisierung und die Zunahme von Einpersonenhaushalten verändern soziale Strukturen nachhaltig. Trotz permanenter digitaler Kommunikation entstehen weniger stabile, tiefgehende Beziehungen. Einsamkeit wird damit zu einem strukturellen Phänomen, das nicht nur Individuen betrifft, sondern auch kollektive Auswirkungen hat. Studien deuten darauf hin, dass sie politische Einstellungen beeinflusst, etwa durch sinkende gesellschaftliche Teilhabe oder eine erhöhte Anfälligkeit für vereinfachende Weltbilder.</p>
<p>Auch gesundheitlich sind die Folgen erheblich. Chronische Einsamkeit steht in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen. Sie kann das Risiko für schwerwiegende Krisen erhöhen, und in extremen Fällen führt sie zu einem Zustand totaler innerer Abgeschiedenheit, in dem andere Menschen nicht mehr als erreichbar oder relevant erlebt werden. Gleichzeitig zeigen empirische Befunde, dass bereits kleine soziale Interaktionen positive Effekte haben können. Kurze Begegnungen, Blickkontakte oder freundliche Worte aktivieren Belohnungssysteme im Gehirn und können das Gefühl sozialer Einbindung stärken.</p>
<p>Einsamkeit entfaltet weitreichende gesellschaftliche und politische Wirkungen. Heute wird sie kaum mehr als private Angelegenheit betrachtet, sondern als kollektive Herausforderung moderner Gesellschaften. Damit verschiebt sich der Blick von der individuellen Betroffenheit hin zu strukturellen Bedingungen sozialer Integration. Wer sich dauerhaft isoliert erlebt, entwickelt häufig ein generalisiertes Misstrauen, das sich nicht nur auf das unmittelbare soziale Umfeld beschränkt, sondern sich auch auf Institutionen und politische Akteure ausweitet. Vertrauen ist jedoch ein soziales Kapital: Es ermöglicht Kooperation, politische Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nimmt es ab, verändert sich das Verhältnis des Individuums zum Gemeinwesen. Einsamkeit wirkt in diesem Sinne als Erosionsfaktor demokratischer Kultur, ohne dass die Betroffenen selbst als Ursache dieser Entwicklung gelten können. Vielmehr sind sie Indikatoren tieferliegender sozialer Spannungen.</p>
<p>Empirische Befunde zeigen, dass Einsamkeit in europäischen Gesellschaften weit verbreitet, jedoch ungleich verteilt ist. Besonders häufig tritt sie bei älteren alleinstehenden Menschen sowie bei Personen mit eingeschränkten ökonomischen Ressourcen auf. Auffällig ist jedoch, dass zunehmend auch junge Menschen betroffen sind – eine Entwicklung, die zunächst paradox erscheint, da diese Generation scheinbar in vielfältige soziale Kontexte eingebunden ist. Eine genauere Analyse legt jedoch nahe, dass Einsamkeit hier weniger als isoliertes Phänomen, sondern vielmehr als Symptom komplexer Belastungslagen verstanden werden muss. Die Lebensphase des Übergangs ins Erwachsenenalter ist durch tiefgreifende Veränderungen gekennzeichnet: institutionelle Wechsel, neue soziale Umfelder und die Notwendigkeit, Beziehungen immer wieder neu zu etablieren. Gleichzeitig erhöhen Leistungsdruck und Zeitknappheit die Schwierigkeit, stabile soziale Bindungen aufzubauen. Wer unter permanentem Erwartungsdruck steht, verfügt oft über weniger frei verfügbare Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen – ein zentraler Faktor für die Entstehung von Einsamkeit. Hinzu kommen Erfahrungen sozialer Ausgrenzung, etwa durch Diskriminierung oder Mobbing, die das Gefühl verstärken, nicht dazuzugehören.</p>
<p>Digitale Kommunikationsräume eröffnen zwar neue Möglichkeiten der Vernetzung und können insbesondere für marginalisierte Gruppen wichtige soziale Ressourcen darstellen. Gleichzeitig bleibt die Qualität dieser Kontakte häufig begrenzt. Virtuelle Interaktionen können vertrauensvolle Beziehungen nicht ersetzen, da ihnen körperliche Präsenz, nonverbale Kommunikation und emotionale Tiefe oft fehlen. So bleibt trotz permanenter Vernetzung das Bedürfnis nach Nähe vielfach unerfüllt.</p>
<p>Ein weiterer verstärkender Faktor liegt im permanenten sozialen Vergleich, der durch digitale Medien intensiviert wird. Menschen werden mit idealisierten Darstellungen fremder Lebensentwürfe konfrontiert und die mit ihnen verbundenen, verzerrten Vergleichsmaßstäbe können zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben führen.</p>
<p>Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung und wechselseitigem Verstehen verbindet Menschen über Generationen hinweg. Einsamkeit verweist somit nicht nur auf ein Defizit, sondern auch auf eine grundlegende Ausrichtung des Menschen auf andere. Zudem lässt sie sich als unausweichlicher Bestandteil menschlicher Existenz deuten. Die Endlichkeit des Lebens und die Unzugänglichkeit innerer Erfahrungswelten anderer Menschen begründen eine letzte Form von Getrenntheit, die nicht vollständig überwunden werden kann. Dennoch bedeutet dies nicht, dass Einsamkeit ausschließlich negativ zu bewerten ist. In der bewussten Auseinandersetzung mit ihr kann sich ein Zugang zu Formen von Verbundenheit eröffnen, die über bloße Anwesenheit hinausgehen und ein konstruktives Spielfeld von Einsamkeit und Gemeinsamkeit eröffnet. Einsamkeit und Gemeinsamkeit – beide sind weder gut noch schlecht, entscheidend ist, was ein Mensch aus ihnen macht.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>up.next &#8211; Booklet zur Krisenprävention</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/06/upnext/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 13:24:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsene]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Großeltern]]></category>
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		<category><![CDATA[Krisenprävention]]></category>
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					<description><![CDATA[In Kürze erscheint das neue: Informationen zum Inhalt folgen im August 2026. Sollen wir Sie benachrichtigen? Dann senden Sie uns einfach eine Mail an: team@krisenpraxis.de &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: center;"><strong><span style="color: #993300;">In Kürze erscheint das neue:</span></strong></h2>
<p style="text-align: center;"><img decoding="async" fetchpriority="high" class="size-full wp-image-8638 aligncenter" src="https://www.krisenpraxis.de/wp-content/uploads/2026/06/upnext-fuer-KP.png" alt="" width="365" height="514" srcset="https://www.krisenpraxis.de/wp-content/uploads/2026/06/upnext-fuer-KP.png 365w, https://www.krisenpraxis.de/wp-content/uploads/2026/06/upnext-fuer-KP-213x300.png 213w" sizes="(max-width: 365px) 100vw, 365px" /> <strong>Informationen zum Inhalt folgen im August 2026.<br />
Sollen wir Sie benachrichtigen? Dann senden Sie uns einfach eine Mail an: <a href="mailto:team@krisenpraxis.de">team@krisenpraxis.de</a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Kakophonie im Inneren</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/04/die-kakophonie-im-inneren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 14:27:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Innere Stimmen]]></category>
		<category><![CDATA[Schematherapie]]></category>
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					<description><![CDATA[Da ist sie wieder. Die innere Stimme, mal laut, mal leise, die irgendwie alles kommentiert, was man gerade tut. Und immer dieser Unterton, der zum schlechten Gewissen einlädt. Hängst du schon wieder rum? Wie dumm kann man eigentlich sein? Ein paar Kilo müssen auf jeden Fall runter. Jetzt musst du dich aber mal richtig anstrengen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Da ist sie wieder. Die innere Stimme, mal laut, mal leise, die irgendwie alles kommentiert, was man gerade tut. Und immer dieser Unterton, der zum schlechten Gewissen einlädt. Hängst du schon wieder rum? Wie dumm kann man eigentlich sein? Ein paar Kilo müssen auf jeden Fall runter. Jetzt musst du dich aber mal richtig anstrengen, sonst wird das wieder nichts.</p>
<p>Wenn Menschen mit einem so reden, dann kann man sich wehren und sagen, lass mich in Ruhe. Wenn aber der eigene Kopf übellaunig ist? Wenn die eigenen Gedanken unsensibel und undifferenziert zu einem selbst sind? Dann sollte man wissen: Es handelt sich im Kern nicht um eine Stimme, sondern um folgenschwere Gedanken. Gedanken, die in Sprache umgesetzt und mit der eigenen Stimme versehen werden &#8211; und die dann Gefühle auslösen können, die unangenehm und negativ sind: Schamgefühle, Schuldgefühle, Selbsterniedrigungen &#8211; zusammengefasst: wer da spricht ist oft ein &#8218;innerer Kritiker&#8216;. Dieser Kritiker sendet Botschaften, die für eine angespannte Stimmung sorgen, für Minderwertigkeitsgefühle, für ein schlechtes Gewissen. Dieser Kritiker ist eine Bedrohung für das Selbstbewusstsein &#8211; er ist die Summe negativer Bewertungen oder negativer Gedanken, die ein Mensch über sich oder die Welt hat.</p>
<p>Dort, wo Leistungsdenken zählt, in der Schule, der Uni oder im Job, da bekommt der innere Kritiker durch äußere Stimmen seinen Rückenwind. In Stresssituationen, vor Prüfungen zum Beispiel, kann dieser mal antreibende, mal niedermachende psychische Aspekt richtig laut werden. Dann übersieht man schnell, dass es eben nur <em>ein</em> innerer Anteil ist, der sich da aufbläht. Will meinen: wohl dem, der erkennt, dass er viele innere Anteile hat, und womöglich auch welche, die nicht einen solchen dysfunktionalen innerpsychischen Zustand erzeugen wie ein nerviger innerer Kritiker. Was die strafenden und abwertenden Gedanken besonders belastend macht ist, dass sie automatisch ablaufen &#8211; solange, bis der Mensch wieder gelernt hat, die Stoptaste zu drücken. Mit einem solchen Stop gewinnt man wieder an gesunder Selbstdistanz und der Fähigkeit, die Stimme einzuordnen in die vielen Stimmen, die man für das eigene Leben einsetzen kann.</p>
<p>Der innere Kritiker gehört zur psychischen Grundausstattung jedes Menschen. So wie es viele andere Stimmen geben kann, die unangenehm sind (wie natürlich auch diejenigen, die man gerne hört, wie zum Beispiel die, mit der ein Mensch im Einklang ist). Negative Stimmen braucht kein Mensch als Leadsänger. Darum: Wenn Sie merken, dass da eine Stimme in Ihnen immer den Ton angeben will und Sie das nervt, dann scheuen Sie nicht das Gespräch mit einem Therapeuten, am besten mit einem Gesprächspartner in der Schematherapie (der Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie). </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Coachingfragen für Jedermann</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/04/8428/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 10:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Führung]]></category>
		<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Fragen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesprächsführung]]></category>
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					<description><![CDATA[Öffnende, ressourcenorientierte Fragen sind im Coaching eine klassische Intervention. Aber natürlich bieten sie sich für jedes ernsthaft geführte Gespräch mit einem Menschen an. Hier eine Auswahl für Sie: Wie haben Sie so viel Mut aufgebracht, …? Was hat Ihnen die Kraft gegeben, …? Wie haben Sie es geschafft, trotz allem …? Wie konnte es Ihnen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Öffnende, ressourcenorientierte Fragen sind im Coaching eine klassische Intervention.<br />
Aber natürlich bieten sie sich für jedes ernsthaft geführte Gespräch mit einem Menschen an. Hier eine Auswahl für Sie:</p>
<p>Wie haben Sie so viel Mut aufgebracht, …?<br />
Was hat Ihnen die Kraft gegeben, …?<br />
Wie haben Sie es geschafft, trotz allem …?<br />
Wie konnte es Ihnen gelingen, …?<br />
Welche inneren Ressourcen haben Ihnen geholfen, …?<br />
Was hat Sie motiviert, weiterzumachen, auch wenn …?<br />
Wie haben Sie es geschafft, Ihre Hoffnung nicht zu verlieren, …?<br />
Welche kleinen Schritte haben Ihnen geholfen, …?<br />
Was hat Sie inspiriert, diesen Weg zu gehen, …?<br />
Welche Unterstützung hat Ihnen besonders geholfen, …?<br />
Auf welche Weise haben Sie Ihre eigenen Grenzen überwunden, …?<br />
Was hat Ihnen gezeigt, dass Sie fähig sind, …?<br />
Welche Lektion aus Ihrer Vergangenheit hat Ihnen geholfen, …?<br />
Was hat Ihnen Mut gemacht, als alles unsicher schien, …?<br />
Welche Herausforderung hat Ihnen gezeigt, wie stark Sie wirklich sind, …?<br />
Welche kleine Entscheidung hat einen großen Unterschied gemacht, …?<br />
Worauf sind Sie besonders stolz, dass Sie es geschafft haben, …?<br />
Welche innere Stimme oder Überzeugung hat Sie getragen, …?<br />
Wie haben Sie gelernt, sich selbst zu vertrauen, …?<br />
Was hat Sie dazu gebracht, nicht aufzugeben, …?<br />
Welche Menschen oder Erfahrungen haben Ihnen Hoffnung geschenkt, …?<br />
Wie haben Sie gelernt, in schwierigen Zeiten positiv zu bleiben, …?<br />
Was hat Sie dazu inspiriert, weiter an sich zu glauben, …?<br />
Wie haben Sie Ihren inneren Frieden gefunden, …?<br />
Wie haben Sie gelernt, schwierige Entscheidungen zu treffen, …?<br />
Welche Kraftquelle war für Sie besonders wirksam, …?<br />
Welche Begegnung oder Geschichte hat Sie ermutigt, …?<br />
Wie haben Sie es geschafft, Ihre Ziele trotz Hindernissen zu verfolgen, …?<br />
Was hat Ihnen geholfen, Ihre Motivation zu behalten, …?<br />
Wie haben Sie gelernt, auf Ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, …?<br />
Welche Entscheidung hat Ihr Leben positiv verändert, …?<br />
Wie haben Sie es geschafft, Ihr inneres Gleichgewicht zu bewahren, …?<br />
Welche Werte oder Überzeugungen haben Sie durch schwere Zeiten getragen, …<br />
Wie haben Sie es geschafft, sich selbst zu verzeihen oder anzunehmen, …?<br />
&#8230;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Burnout mit leichter Ironie</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/04/burnout-mit-leichter-ironie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 12:04:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Burnout]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer stets fleißig ist wie eine Biene, Kräfte hat wie ein Stier, arbeitet wie ein Pferd, abends müde ist wie ein Hund, der sollte mal zum Tierarzt gehen, denn vielleicht ist er ein Kamel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer stets fleißig ist wie eine Biene,</strong><br />
<strong>Kräfte hat wie ein Stier,</strong><br />
<strong>arbeitet wie ein Pferd,</strong><br />
<strong>abends müde ist wie ein Hund,</strong><br />
<strong>der sollte mal zum Tierarzt gehen,</strong><br />
<strong>denn vielleicht ist er ein Kamel.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufmerksamkeitsdefizit bei Sinnmangel</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/04/aufmerksamkeitsdefizit-bei-sinnmangel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 12:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[ADHS]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektivenwechsel]]></category>
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					<description><![CDATA[In unserer Praxis kommt zuweilen als Nebenthema der eigentlichen therapeutischen Arbeit das Problem von Eltern ins Gespräch, dass ihre Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizit verbunden mit starker Aktivität hätten und sie mit diesem ADHS kaum zurechtkämen. Von diesem Syndrom wissen wir heute, dass es deutlich häufiger auftritt und nicht nur in der Kindheit oder Jugendzeit erscheint, sondern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Praxis kommt zuweilen als Nebenthema der eigentlichen therapeutischen Arbeit das Problem von Eltern ins Gespräch, dass ihre Kinder ein Aufmerksamkeitsdefizit verbunden mit starker Aktivität hätten und sie mit diesem ADHS kaum zurechtkämen. Von diesem Syndrom wissen wir heute, dass es deutlich häufiger auftritt und nicht nur in der Kindheit oder Jugendzeit erscheint, sondern auch im Erwachsenenalter erlebt werden kann.</p>
<p>Im Kern wird das Syndrom so interpretiert, dass die Person unfähig ist, sich selbst und andere Menschen adäquat wahrzunehmen und als Mangel der Aufmerksamkeitssteuerung diagnostiziert wurde. In vielen Fällen gibt man als Ursache dem Phänomen der exzessiven Nutzung von Informations- und Kommunikationsmedien die Schuld.</p>
<p>Dreht man dieses Phänomen jedoch einmal um, dann erscheint die ‚Aufmerksamkeitsunfähigkeit‘ als eine spezielle Form der Aufmerksamkeit. Erlaubt man sich diesen Perspektivenwechsel, dann kann man im Verhalten des ‚Betroffenen‘ ein ausgesprochen eigensinniges, ausschließlich persönliche Interessen fokussierendes Verhalten erkennen. Wer eigenen Zwecken folgt, erscheint für andere vielleicht rebellisch oder undisziplinert. Aus eigener ADHS-Perspektive zielt dieses Verhalten jedoch darauf, in reizüberfluteter Welt sich selbst nicht zu verlieren. Man könnte es daher auf die Formel bringen: Weltkomplexität trifft auf innere Zerrissenheit mit ihr umzugehen, mit der Folge, sich an sich selbst und nicht an der Welt zu orientieren.</p>
<p>So betrachtet wird ADHS zum Selbstschutzmuster. Und Muster dieser Art lassen vermuten, dass dem ‚Betroffenen‘ eine Form eines Sicherheitsgefühl fehlt, das anzubieten Eltern womöglich leicht möglich ist, aber auf das Kind oder Jugendlichen individuell ‚zugeschnitten‘ werden muss. Dies weitergedacht, gehört nicht das Kind in ADHS-Therapie, sondern die Bezugspersonen gehören eingeladen in ein Gespräch über das, was aus ihrem Wissen heraus ihr Kind braucht.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Es kann keineswegs alles anders werden</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/04/es-kann-keineswegs-alles-anders-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 11:40:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit persönlichen Lebenslagen]]></category>
		<category><![CDATA[Geistige Dimension]]></category>
		<category><![CDATA[Psyche]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[Transition]]></category>
		<category><![CDATA[Trigger]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Es muss sich alles ändern.&#8220; &#8222;Das kann keinesfalls so weitergehen.&#8220; &#8222;Das muss jetzt endlich aufhören.&#8220; So oder ähnlich formulieren Klienten zuweilen ihren Selbstanspruch an Veränderung, oft aus einem Affekt der Wut, der Angst oder einer Abscheu heraus. Die Motivation für ein Reset ist groß und doch wird allzu oft versäumt zu berücksichtigen, wie stabil eigene [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Es muss sich alles ändern.&#8220; &#8222;Das kann keinesfalls so weitergehen.&#8220; &#8222;Das muss jetzt endlich aufhören.&#8220; So oder ähnlich formulieren Klienten zuweilen ihren Selbstanspruch an Veränderung, oft aus einem Affekt der Wut, der Angst oder einer Abscheu heraus. Die Motivation für ein Reset ist groß und doch wird allzu oft versäumt zu berücksichtigen, wie stabil eigene Routinen, Überzeugungen, Chiffren und Praktiken sind, die den Menschen eben auch zu einem Gewohnheitstier machen.</p>
<p>Eskalieren wir weiter und belassen es nicht nur bei einem Stress-Affekt, der entsteht, wenn einmal so richtig der Kaffee überläuft. Kommen wir an bei einem &#8218;krassen&#8216; Trigger. Einem Auslöser für einen Impuls, dem man nicht mehr ausweichen kann. Der einen vor die Wahl stellt &#8211; entweder wachsen oder untergehen. Mit großem Unbehagen fühlt der Mensch, dass es jetzt um etwas geht, das mehr ist als es seine Resilienz erlaubt. Er weiß, dass Nichtstun keine Alternative ist, dass die Suche nach Verantwortlichen (um nicht gleich von Schuldigen zu sprechen) auch nichts bringt und andere einem die Last des Triggers nicht abnehmen. Weil es bei diesem Trigger um die Verletzung eines eigenen Wertes geht, eines Selbstwertes, eines Lebenswertes. Wenn ein solcher wesentlicher Wert verletzt wird, wird der Mensch aufgerufen, zu dieser Verletzung Stellung zu beziehen. In diesem Moment muss jegliche Selbstlimitierung verworfen werden &#8211; Limitierungen, die einem die eigene Psyche immerfort anbietet. Geht ein Mensch in einem solchen Moment nicht über seine psychischen Limitierungen heraus, dann &#8211; so meine These &#8211; verfehlt er sich. Dann hat der Trigger das Ruder übernommen und damit teilweise die Kontrolle über das Leben der Person.</p>
<p>Die Wirkung des Triggers verspürt ein Mensch in seiner Psyche. &#8218;Psyche&#8216; ist die Adresse für alle Formen eines Abwehrmechanismus, mit dem sie einen Menschen zu schützen versucht. Als Schutzmacht kontrolliert sie das weitere Vorgehen: fliehen, kämpfen oder erdulden. Indem der Mensch sich in einer dieser Weisen verhält, unterwirft er sich gleichsam seiner Psyche und wird von ihrer individuell spezifischen Verfasstheit abhängig. Mit dieser Abhängigkeit kontrolliert nun der Mensch quasi seine eigene Psyche, indem er sie beauftragt, ihn immer wieder &#8211; vielleicht sogar auch immer stärker &#8211; in der &#8218;bewährten&#8216; Weise zu schützen.</p>
<p>Diese seltsame, musterhafte Dialektik (die Psyche kontrolliert die Person, die Person kontrolliert die Psyche usw.) aufzubrechen, ist die Aufgabe des <em>Geistes</em> als dritte Dimension neben der menschlichen Physis und Psyche. Mit dem Geistigen steht der psychischen Dimension quasi ihr Musterbrecher gegenüber. Das Geistige ist nicht Schutzmacht der Person, vielmehr ihre Trotzmacht. Trotz begrenzter Ressourcen und trotz psychischer Limitierungen, die dazu führen, dass die Psyche der Person &#8218;einredet&#8216;, auf einen Trigger mit einer genannten Reaktionsweisen zu &#8218;antworten&#8216;, steht stets die geistige Dimension der Person dafür zur Verfügung, &#8218;andere Sätze&#8216; dafür zu finden, wie sie mit dem Einfluss des Triggers umgehen kann.</p>
<p>Die Besonderheit &#8218;geistiger&#8216; Sätze besteht in ihrem Fokus auf <em>Transzendenz des Selbst</em>. Im Unterschied dazu kann man die Besonderheit &#8218;psychischer&#8216; Sätze darin sehen, dass sie zu einer Art <em>Transformation des Selbst</em> aufrufen. Mit jeder Flucht, jeder Vermeidung, jedem Angriff, jeder Leugnung, jeder Erduldung mehr, transformiert sich das Selbst-Verständnis eines Menschen immer stärker in Richtung eines dysfunktionalen Verhaltens im Kontext eines wahrgenommenen Triggers. Am Ende steht da ein Mensch, der sagt &#8222;ich kann nicht anders&#8220;. Das Leben nach einem Trigger wird so für einen Menschen zur Dauerflucht, zu einem Dauerkampf oder einer Dauererduldung. Und damit zu einem Dauerstress.</p>
<p>Dass derart gestressten Menschen viele Hilfsmittel zur Verfügung stehen, diesem Stress mindernd entgegenzuwirken, ist &#8211; so meine Vermutung &#8211; jedem Leser bereits bewusst. Es ist ein riesiger Markt, und vieles in diesem Markt leistet wirkungsvoll Ent-Lastung. Dennoch bleibt die Psyche eines Menschen ein Wahrscheinlichkeitsraum, in dem Ordnungsmuster oft sehr viel träger vorfindlich sind, als es der Mensch selbst wahrhaben mag. Eine Trägheit, die sich für die Bewältigung alltäglicher Aufgaben durchaus als Stabilisierungsfaktor anbietet, im Kontext eines Triggers aber zu einer Verengung des Möglichkeitsraums führt, der zu Ende gedacht, einen alternativen Umgang mit Triggern verunmöglicht. Das ist tragisch, führt es den Menschen doch zu einer Dauernutzung stressmindernder Hilfsmittel.</p>
<p>Wer sich auf diese Hilfsmittel einlässt, der tut dies aufgrund des eigenen, oftmals aber auch eines fremden Erwartungsmanagements. Man erwartet von der Person, dass sie sich im Griff hat, ihren Aufgaben gerecht wird, sich nicht gehen lässt, sich doch nicht so anstellt und so weiter. Und damit das Level an Erwartung hoch bleibt, wird der Person vermittelt, dass doch jeder Stress habe und jeder mit seinem fertig werden müsse. In dieser Dynamik findet sich sodann der Keim für weitere dauerhafte Gewohnheiten &#8211; jetzt aber nicht von der eigenen Psyche ausgehend, sondern als Antwort auf Erwartungen, wie denn mit der eigenen Psyche umzugehen sei. Erfüllt nun der Mensch diese Erwartungen, indem er in die riesige Schublade der Hilfsmittel greift, spart er &#8211; vermeintlich &#8211; Energie, die er aufwenden müsste, um anstelle permanenter <em>Transformation </em>in die <em>Transzendenz seines Selbst</em> zu gelangen.</p>
<p>Um an den Titel dieses Beitrags zu erinnern:<em> Es kann keineswegs alles anders werden</em>. Will meinen, die Psyche wird durch das Geistige nicht obsolet. Aber der Umgang mit Triggern kann ein anderer sein als ein rein psychischer. Um ins automatische alltägliche Gewohnheitshandeln zu kommen, braucht es kaum Selbsttranszendenz. Dafür reichen Empfindungsfähigkeit, Lebenserfahrung, gesunder Menschenverstand und viele andere kognitive und emotionale Ingredienzien völlig aus. Bei Triggern jedoch, mit ihrem Grad an unvorhersehbarer Unzumutbarkeit, reichen sie nicht aus.</p>
<p>Ein Trigger macht deutlich, was die Bedrohungslage ist. Sie zeigt sich in einer psychischen Überforderung individueller Gewohnheiten. Trigger (Sie können schon einmal überlegen, welche Ihre schon waren oder sein könnten) setzen das, was ein Mensch unter Normalität versteht, außer Kraft. Sie führen zu Kontrollverlust und zu einer Veränderungen in der Selbstkommunikation. Trigger greifen bewährte Werte an und je wesentlicher die angegriffenen Werte sind, umso entwertender wirken Trigger auf den Menschen ein &#8211; sofern der oder das, was da triggert, auch trifft.</p>
<p><span style="color: #808000;"><strong>&#8222;Das Einzige, was du mir nicht nehmen kannst, ist die Art und Weise, wie ich auf das, was du mir antust, reagieren will. Die letzte der Freiheiten, die man hat, ist die Wahl der eigenen Haltung unter den gegebenen Umständen.&#8220;</strong></span><br />
Viktor Frankl</p>
<p>Nutzt man einen Vergleich, so findet sich im persönlichen Parlament eine Koalition aus Körper und Psyche und in der Opposition alles, was diese beiden Koalitionäre angreift. Die Koalition sollte ihren Beitrag dafür leisten, die Konflikte, die durch die Opposition eingebracht werden, zweckdienlich und damit gesund aufzugreifen, ihre konstruktiven Anteile zu integrieren und Dysfunktionales herauszufiltern.</p>
<p>Die Präsidentin ist die geistige Dimension. Als per se gesunde, freie und verantwortliche Instanz hält sie die kommunikativen Kanäle in die Lebenswelt der Person offen, erhält ihr damit eine angemessene Spannung und einen Möglichkeitsraum zur Verwirklichung von Werten. Je aufgewühlter die Verfassung des Parlamentes ist, um so schwieriger ist es zuweilen für die Präsidentin, das von ihr wahrgenommene Sinnhafte den Koalitionären zu vermitteln. Dringt sie gar nicht mehr durch, zeigt sich damit die Unerschütterlichkeit der Gewohnheiten im Parlament. Erst, wenn diese Gewohnheiten auch nicht mehr durch Hilfsmittel beibehalten werden können, dann &#8211; so scheint es &#8211; wird der Weg freier für grundlegende, damit wesentlich wertebewusstere Ausrichtungen der Person. In solcher Situation fragt der Mensch nach dem Existenziellen und sucht nach einer Antwort, die er seinem Leben geben kann und die gleichwohl die Eigendynamiken seiner beiden Koalitionäre einhegt, die womöglich immer noch versuchen, sich mittels Selbstreflexion anzustrengen, doch noch Herr im Haus zu bleiben.</p>
<p>Als Therapeut kenne ich das Phänomen, dass Menschen sich eingedenk ihrer entstandenen Lebenssituation bereits das Hirn zermartert haben, was denn nun die Ursache für die Situation gewesen sei, wer die Schuld dafür habe, warum gerade sie nun betroffen seien, warum Sicherheiten nicht mehr gegriffen haben usw.. Aber &#8211; leider &#8211;  vieles an mühevoller (Selbst-)Reflexion verpufft wirkungslos, die Lage bleibt wie sie ist, der Stress wird giftig und die Sinnsuche beginnt. Und mit dieser Suche beginnt eine Art Zeitenwende. War die Reflexion noch der nicht mehr veränderbaren Vergangenheit gewidmet, steht die Gegenwart bereit für die Suche nach Sinn. Und war die Vergangenheit eine Zeit, in der auch Dinge geschahen, die nicht hätten geschehen sollen-müssen-dürfen &#8230;, beginnt mit der Gegenwart eine neue Freiheit, die natürlich die Vergangenheit nicht tilgt, aber zu einer neuen Bewusstheit im Umgang mit dem, was jetzt die Lage ist, beitragen kann.</p>
<p>Und diese Bewusstheit, dass jeder Mensch jederzeit Sinn in seinem Leben finden kann, entsteht durch die Erkenntnis, dass Finden von Sinn eine Bereitschaft bedingt, anders als bisher auf das eigene Leben zu schauen. Dieses Andersschauen können wir auch <em>Selbstdistanzierung</em> nennen. Eine Wendung von der Nabelschau der eigenen Person hin zur Öffnung zu dem, was die Person ihre <em>Welt</em> nennt. Diese offene Weltwahrnehmung funktioniert daher nur durch Wegsehen von der eigenen Person. Ungewöhnlich mag dieser Gedanke sein: je mehr ich von mir wegsehe, um so mehr nehme ich Gestalt in meiner Welt an und je mehr ich zu mir hinsehe, um so mehr sehe ich, welche Gestalt ich bislang noch nicht aus mir geformt habe. Und wieder steht der Markt bereit&#8230;</p>
<p>Denn, wer ich noch nicht war, der könnte ich ja noch werden &#8211; mit Hilfsmitteln, Optimierungsanstrengungen, Eigenaufträgen und vielem mehr. Und so passt sich Mensch seinem eigenen und-oder fremdem Erwartungsmanagement an und versucht, sich so selbst Sinn zu machen. Leider mit einem fatalen Denkfehler, denn der, der ich noch nicht war, kann ich niemals mehr werden. Der, der ich gerade jetzt noch nicht bin, der kann ich werden. Denn nur jetzt gibt es die Bedingungen für mich, jetzt der zu werden, der ich jetzt noch nicht bin. Die Bedingungen, in denen ich noch nicht der wurde, der ich heute anstrebe zu werden, sind nicht mehr die Bedingungen von jetzt. Ergo, Reflexion führt nicht zur Entwicklung, sondern bestenfalls zur Erkenntnis, jetzt das zu tun, was ich jetzt werden kann. Und zur Erkenntnis, dass, wenn ich das jetzt nicht tue, morgen womöglich gerne der sein würde, der ich gestern hätte werden können &#8211; nur, dass sich zwischenzeitlich schon wieder die Bedingungen geändert haben.</p>
<p>Bedingungen, seien es familiäre, gesundheitliche, berufliche, finanzielle oder soziale, führen alltäglich zu einem meist ausreichendem Maß an Routineproblemen. Diese gilt es zu lösen, das ist zweckdienlich und für die menschliche Psyche in aller Regel auch leistbar. Aber darüber sprechen wir ja nicht, sondern über Trigger. Mischen sie sich als unerwünschte Bedingungen zu denen des Alltags hinzu, dann ist die Summe vergleichbar mit einer Schallplatte, die gleichzeitig auf beiden Seiten abgespielt wird. Die eine Seite bringt Musik zu Gehör, die man kennt und gewöhnlich &#8211; dank einer positiven Trägheit &#8211; auch gerne hört &#8211; die Alltagsthemen werden bewältigt. Die Klänge der anderen jedoch belästigen &#8211; der Trigger schmerzt. Die Not zu wenden scheint einfach &#8211; man wende doch bloß die Platte. Jedoch, auf diese Weise von der Notwendigkeit bereits auf die Möglichkeit zu schließen, muss ein Trugschluss sein. Wäre es so einfach, dann wären die Praxen der Psychotherapie leer. Was also hindert den Menschen auf seinem Weg in die Möglichkeit? (Wieder bietet es sich an, kurz zu verweilen, um Ihnen die Gelegenheit zu geben, sich diese Frage &#8211; so sie spannend für Sie ist &#8211; einmal vorzulegen und auf die Antwort zu warten, die Ihnen Ihr Innerstes gibt).</p>
<p>Wird eine Person getriggert, dann ergibt sich eine Differenz zwischen ihrer angemessenen und ihrer als bedrohlich empfundenen Lebensweise. Übersteigt die Bedrohung die Angemessenheit, und kann die Bedrohung nicht wirkungsvoll gemindert werden, verliert die Person einerseits zunehmend an Unabhängigkeit und andererseits geraten ihre psychischen Möglichkeiten sukzessive ins Hintertreffen. Wir sprechen dann davon, dass die sogenannte Dekompensationsgrenze der Person nicht mehr unter ein für sie erträgliches Maß fällt. In einem solchen Zustand wünschen sich viele Betroffene, dass etwas derart geschieht, dass alles anders wird. Hauptsache, der Trigger wird abgestellt.</p>
<p>Operativ gesprochen wird Klienten, die über einen Trigger berichten, irgendwann zwar klar, dass sie nur über eine Änderung ihres eigenen Verhaltens sich dem Einfluss des Triggers entledigen können. Meist zeitgleich wird ihnen aber auch klar, dass diese Änderung sich in ihren gegenwärtigen sozialen Bezügen bewähren muss. Hierzu ein Beispiel: Eine 24jährige Frau wird schwanger. Sie berichtet ihrer Mutter davon, diese erzählt es ihrem Mann und der wiederum eröffnet ihr in einem Telefonat, dass er nicht daran glaube, dass sie es schaffe, ihrer Rolle als Mutter gerecht zu werden. Schließlich wäre sie ja noch nie auf eigenen Beinen gestanden. Nach einigen unerfreulichen Gesprächen mit ihrem Vater wird für sie irgendwann klar, dass dieser sich immer schon lieber einen Sohn wünschte und die entstandenen Lebensbedingungen seiner Tochter ihn in seinem Urteil nun bestätigten. Die Beziehung zum Kindsvater sind fragil, die finanziellen Bedingungen erschwert, die junge Frau arbeitet für ihren Lebensunterhalt, doch ihre Schwangerschaft bereitet ihr Zukunftssorgen. Das alles sind für sich bereits anspruchsvolle Problemstellungen, der Trigger aber, sich zum ersten Mal &#8218;unerwünscht&#8216; zu fühlen, überfordert die Frau komplett. Ihre bis dahin konstruierte Lebenswelt war bei allen Schwierigkeiten immer noch irgendwie kontinuierlich &#8211; nun aber &#8217;schießt&#8216; sie der Trigger völlig aus der Bahn. Nicht nur wird mit einem mal sichtbar, was die junge Frau mit ihren Anstrengungen alltäglich in der Lage war, wegzumoderieren. Auch wird für sie sichtbar, dass ihre Anstrengungen aus der Sicht ihres Vaters von ihr vollzogen wurden, ohne dabei auf eigenen Beinen zu stehen. &#8222;Wäre es doch bloß alles anders und ich wäre ein Mann&#8220;, murmelt die werdende Mutter und merkt dabei nicht, wie sie sich in der Vergangenheit ihres Vaters verstrickt.</p>
<p>Trigger versuchen es immer wieder, eine gesunde psychische Trägheit, die erforderlich ist, um eine funktionierende Lebenspraxis sicherzustellen, auf die Probe zu stellen. Trifft ein Trigger auf lebensrelevante Bedingungen, wird er zu einer veritablen Zumutung. Als bloße Meinung geäußert, kann ein Trigger &#8211; auch, wenn er verletzend einwirkt &#8211; wegmoderiert werden. Dann ist man zwar enttäuscht, traurig oder entsetzt. Ist er aber mehr als Meinung, ist er etwa ein <em>Urteil</em>, dann steht eine existenzielle Frage im Raum: Woran will ich mein Leben messen lassen?</p>
<p>Wenn ein Mensch seinen Werten entsprechend so handelt, dass er sich (einem) Menschen oder Aufgaben hingibt und es dabei schafft, seine alltäglichen Herausforderungen auch in eigener Sache mit hinreichend funktionierenden Arrangements zu bewältigen, dann können wir von einer lebenskompetenten Person sprechen, die sinnorientiert agiert und praktische Problemstellungen im Rahmen der täglichen Routine meistert. Wer so aufgestellt ist, der mag besser gerüstet sein für triggerhafte Einflüsse, so dass aus präventiver Sicht es ein Gebot der Unterstützung ist, Menschen im Auf- und Ausbau ihrer Sinnwahrnehmung und Lebenspraxis zu helfen. Eine solche Unterstützung vermag es, einen personenzentrierten Übergangsprozess im Sinne einer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, die dazu beiträgt, dass die Person ihre Steuerungsfähigkeit soweit ausbaut, dass auch erfreuliche wie unerfreuliche unerwartete Überraschungen, Zufälle und Unvorhersehbarkeiten von ihr mit ins Kalkül gezogen werden. Einen Übergangsprozess einer zwar fordernden, dennoch aber handhabbaren Transition, die nicht &#8211; wie bei einer Transformation &#8211; einen Wandel bedeutet, dem sich die menschliche Psyche mit ihrer Widerständigkeit in der Regel ohnehin verschließt. Einen Prozess, an dessen Beginn eine Einstellungsmodulation steht, durch die die Person ihre Bereitschaft aufbaut, sich perspektivenwechselnd einen Lebensentwurf zu erarbeiten, der den Ansprüchen gelingender künftiger Lebensphasen besser gerecht wird. Einen Prozess, dem kleine umsetzende Schritte folgen, die in die konkreten gegenwärtigen Situationen der Person passen. Derart präventive Entwicklungsarbeit lässt Menschen sich an mögliche neue Zukünfte gewöhnen, ohne dass sie derart in Bedrohlichkeit ausarten wie es Trigger in der Lage sind, die auf einen auf sie unvorbereiteten Menschen treffen. Hat man einmal verstanden, dass man von einem Menschen nur verlangen kann, wozu er durch persönliche, materielle, soziale, strukturelle und finanzielle Bedingungen befähigt ist, dann ist der anfängliche Rahmen für die Entwicklungsarbeit abgesteckt. Denn: Es kann keineswegs alles anders werden.</p>
<p>Sie fragen sich, wie denn nun das Gespräch mit der 24jährigen Frau geführt wurde? In etwa so:</p>
<p data-start="308" data-end="434"><strong data-start="308" data-end="322">Therapeut:</strong> Sie sagen: <em data-start="334" data-end="366">„Es muss alles anders werden.“</em> Darf ich Sie fragen, was genau im Moment unerträglich geworden ist?</p>
<p data-start="436" data-end="556"><strong data-start="436" data-end="445">Frau:</strong> Dieses Gefühl, unerwünscht zu sein. Als hätte mein Vater mit einem Satz entschieden, dass ich scheitern werde.</p>
<p data-start="558" data-end="776"><strong data-start="558" data-end="572">Therapeut:</strong> Das klingt nach einem Trigger, der nicht nur schmerzt, sondern einen Ihrer wesentlichen Werte trifft. Ihre Psyche will Sie nun schützen: kämpfen, fliehen oder erdulden. Spüren Sie das?</p>
<p data-start="778" data-end="872"><strong data-start="778" data-end="787">Frau:</strong> Ja. Ich will entweder beweisen, dass er Unrecht hat – oder am liebsten verschwinden. Allemal ist es würdelos, was mir mein Vater gesagt hat.</p>
<p data-start="874" data-end="1123"><strong data-start="874" data-end="888">Therapeut: </strong>Beides sind verständliche Antworten Ihrer Psyche, die versucht, Sie vor weiterer Entwertung zu schützen. Doch solange Sie nur reagieren, bleibt das Urteil Ihres Vaters der Maßstab, an dem Sie sich ausrichten.</p>
<p data-start="959" data-end="999"><strong data-start="959" data-end="968">Frau:</strong> Und wie sollte es sonst gehen?</p>
<p data-start="1001" data-end="1334"><strong data-start="1001" data-end="1015">Therapeut:</strong> Nicht indem Sie stärker werden, nicht indem Sie sich rechtfertigen und auch nicht, indem Sie verschwinden. Sondern indem Sie innerlich einen Schritt Abstand nehmen zu seinem Urteil und auch zu Ihrem ersten Impuls darauf. In diesem Abstand entsteht etwas Drittes: die Möglichkeit, selbst Stellung zu beziehen.</p>
<p data-start="1336" data-end="1416"><strong data-start="1336" data-end="1345">Frau:</strong> Sie meinen, ich müsste entscheiden, ob ich dieses Urteil gelten lasse?</p>
<p data-start="1418" data-end="1552"><strong data-start="1418" data-end="1432">Therapeut:</strong> Genau. Nicht widerlegen. Nicht bekämpfen. Sondern entscheiden, ob es definieren darf, wer Sie sind und wofür Sie leben. Mit Ihrer Stellungnahme beginnt Ihre Freiheit. Nicht die Freiheit, dass alles anders wird, sondern die Freiheit, nicht von diesem Urteil bestimmt zu werden. Ihr Vater spricht ein Urteil. Sie müssen es nicht zu Ihrem Maßstab machen.</p>
<p data-start="1441" data-end="1475"><strong data-start="1441" data-end="1450">Frau:</strong> Und was bleibt mir dann?</p>
<p data-start="1477" data-end="1704"><strong data-start="1477" data-end="1491">Therapeut:</strong> Die Verantwortung für das, was jetzt für Sie Sinn hat. Nicht, wer Sie hätten sein sollen. Sondern, wofür Sie sich heute hingeben wollen – vielleicht Ihrem Kind, vielleicht einer Aufgabe, die größer ist als der Schmerz des väterlichen Triggers.</p>
<p data-start="1706" data-end="1753"><strong data-start="1706" data-end="1715">Frau:</strong> Also nicht gegen den Trigger kämpfen oder ihm ausweichen?</p>
<p data-start="1755" data-end="1943"><strong data-start="1755" data-end="1769">Therapeut:</strong> Nein. Ihn ernst nehmen, aber ihm nicht das Ruder überlassen. Der Trigger zeigt, wo es um etwas Wesentliches geht. Ihre Antwort darauf entscheidet, wer Sie jetzt werden.</p>
<p data-start="1945" data-end="1991"><strong data-start="1945" data-end="1954">Frau:</strong> Dann kann nicht alles anders werden?</p>
<p data-start="1993" data-end="2104"><strong data-start="1993" data-end="2007">Therapeut:</strong> Nein. Aber Ihr Umgang damit kann ein anderer sein. Und das genügt, um Sinn zu verwirklichen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein echt passender Buchtitel</title>
		<link>https://www.krisenpraxis.de/2026/01/ein-passender-buchtitel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ralph Schlieper-Damrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jan 2026 11:04:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Individuelle Krisenprävention]]></category>
		<category><![CDATA[Integrale Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit persönlichen Lebenslagen]]></category>
		<category><![CDATA[Werte]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Meme]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn]]></category>
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					<description><![CDATA[Da verletzt sich ein Mann an einem Messer, infiziert sich mit Streptokokken, bekommt rasant eine lebensgefährliche Sepsis und stellt sich irgendwann die Sinnfrage. Über die er dann in einem Buch schreibt, das schnell zum Spiegel-Bestseller wird. Wie es in vielen Büchern steht, fragt sich auch diese Person, was ist Glück und kommt zum mittlerweile trivialen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Da verletzt sich ein Mann an einem Messer, infiziert sich mit Streptokokken, bekommt rasant eine lebensgefährliche Sepsis und stellt sich irgendwann die Sinnfrage. Über die er dann in einem Buch schreibt, das schnell zum Spiegel-Bestseller wird. Wie es in vielen Büchern steht, fragt sich auch diese Person, was ist Glück und kommt zum mittlerweile trivialen Schluss: Geld und Macht sind es nicht. Gut, das sehen manche noch anders, aber lass diese Menschen erst mal eine Sepsis haben.</p>
<p>Und &#8211; kaum zu glauben &#8211; der Autor entfaltet seine Gedanken hin zur waghalsigen Idee, dass es wohl Beziehungen sind, die dem Menschen zum Lebensglück verhelfen. Nun, dass wir soziale Wesen sind und wir alle systemisch miteinander verbunden sind, haben viele schon gelernt und immer mehr begreifen auch, dass es wirklich so ist, dass das Verhalten eines Menschen im brasilianischen Urwald ein wenig dazu beiträgt, wie wir uns in Augsburg verhalten. Und umgekehrt. Und austauschbar, egal wo ein Mensch lebt. Dass das mit dem Begreifen der systemischen Wirklichkeit fraglos noch besser laufen kann, beweist uns jeden Tag die Natur. Sie lässt sich bewahren oder zerstören, nur kann man mit ihr nicht verhandeln oder einen Deal machen. Die Natur führt uns immer und überall in die Entscheidung: <em>so</em> oder <em>so</em>. So verhalten oder so verhalten. Wir können uns lustvoll verhalten, oder machtvoll, oder voll-ständiger, oder sinnvoll. Das haben uns die vier wichtigsten Schulen der Psychotherapie gelehrt, und andere Schulen haben diese Seins-Richtungen weiter aufgefächtert, manchmal auch verschlimmbessert.</p>
<p>Wenn nun der Autor das Lebensglück in &#8218;Beziehungen&#8216; wähnt, was bedeutet das dann aus der Perspektive der vier Schulen? Wie bringt man <em>Trieb und Beziehungen</em>, <em>Macht und Beziehungen</em>, <em>Individuation und Beziehungen</em> oder <em>Sinn und Beziehungen</em> zueinander und worum geht es einem Menschen je nach Perspektive?</p>
<p>Ein Klient eines hidden champions aus dem Mittelstand berichtet mir, dass er seine jüngsten Beziehungen über Datingplattformen gefunden hat und dass er dabei immer wieder konkret nachfragt, wie viele Beziehungen die auserkorene Person denn schon hatte. &#8222;Schließlich will ich im Bett nicht erst Nachhilfeunterricht geben&#8220;. Okay, diese Haltung kann man haben. Im Job beschreibt er sich seines Einflusses durchaus bewusst. &#8222;Fehler macht man bei Menschen am Anfang, nicht am Ende&#8220;, sagt er und so prüft er jede neue Beziehung auf seine Robustheit und Loyalität. &#8222;Wer da durch mein Raster fällt, ist draußen, denn auf dem Markt sind meine Gegner, die mich fordern und da will ich meine Energie nicht mit Inhouse-Gegnern vergeuden.&#8220; Okay, diese Haltung kann man haben. Für seine eigene Erbauung nutzt er regelmäßig Retreats in einem Kloster. &#8222;Da baue ich quasi meinen Seelenmüll ab und mein Immunsystem wieder auf. Mit den Brüdern spreche ich gerne, denn in der Beziehung zu ihnen merke ich immer den Zwang, dem sie unterliegen. Sie nennen es Freiwilligkeit. Ich nenne es Unterwerfung. Nach der Zeit im Kloster ist mir klar, dass ich meinen Weg weitergehe.&#8220; Okay, diese Haltung kann man haben. Ich frage den Klienten, worin das besteht, was ihn am meisten erfreut. &#8222;Wenn ich weltweit unterwegs bin und sehe, dass unsere Produkte hoch wirksam und auch unter extremen Bedingungen in der Lage sind, äußerst sensible technische Geräte nach ihrer Nutzung schnell wieder keimfrei zu machen und dadurch zum Wohl gefährdeter Menschen und Ressourcen lange im Einsatz bleiben können, dann erfreut mich das jedes Mal. Das ist das, worum es mir geht.&#8220; Okay, diese Haltung kann man haben.</p>
<p>Würde mit dieser Person (keine Kinder, Vater in Südamerika lebend, viele Freunde, Liebhaber alter französischer Autos, Kenner des Portweins &#8230;) weitergesprochen, dann fänden wir wohl weitere Beziehungen in unterschiedlichster Bedeutung.</p>
<ul>
<li>&#8222;Fühlen Sie sich glücklich?&#8220; &#8222;Glück ist keine Kategorie für mich.&#8220;</li>
<li>&#8222;Was dann?&#8220; &#8222;Ein Container-Begriff, nicht mehr.&#8220;</li>
<li>&#8222;Wenn es ein Begriff ist, der für Menschen etwas positiv Erreichtes bedeutet. Was wäre dann der für Sie passende?&#8220; &#8222;Lebendigkeit.&#8220;</li>
<li>&#8222;Gibt es etwas aus Ihrer Erzählung, das dem, was für Sie &#8218;Lebendigkeit&#8216; bedeutet, am ehesten entspricht?&#8220; &#8222;Nein, alles, was ich beschrieben habe ist Teil meiner Lebendigkeit. Das fühlt sich insgesamt gut an.&#8220;</li>
<li>&#8222;Gibt es einen Unterschied zwischen der Lebendigkeit und der Freude?&#8220; &#8222;Die ist für mich sowas wie ein seltenes Sahnehäubchen, wenn ich sehe, welchen Beitrag ich eingebracht habe. Die Lebendigkeit ist quasi der notwendige Grundton und die Freude entsteht für mich in den seltenen Momenten der Resonanz.&#8220;</li>
<li>Gibt es Menschen, die eine Lebensfreude in Ihnen so auslösen wie die Situationen, die Sie beschrieben haben, wenn Sie in der Welt Ihre Beiträge sehen? &#8222;Nein. Ich werde von vielen Menschen verstanden, und das reicht mir. Ich kenne viele, die sich nicht verstanden fühlen und sich daraus ein Problem machen, das sie nicht lösen können und dann von Unglücklichsein sprechen.&#8220;</li>
</ul>
<p>Halten wir das Gespräch, das im Rahmen eines Coachings zur Krisenprävention geführt wurde, hier einmal an und kommen zurück zum Bestseller-Buch, in dem von &#8218;Beziehungen sind die Basis von Glück&#8216; gesprochen wird. Ich möchte meinen, dass hier eine Person einen Lebensentwurf beschreibt, der dazu aufrufen kann, genauer zu schauen, was für einen selbst das ist, was man aus einer Beziehung &#8218;be-zieht&#8216;. Nutzen wir hierzu aus dem integralen Kontext der bereits in der KrisenPraxis beschriebenen vMeme von Graves die Hinweise zu den unterschiedlichen Ebenen der Bewusstheit, dann können wir in den Ausführungen des Klienten <em>situativ</em> das Thema &#8218;Beziehung&#8216; einmal mit dem Ich-vMeme Rot (Stärke, Dominanz, Abgrenzung, Macht) in Verbindung bringen. Dann aber auch in den Kontext des Übergangs von Rot zu Blau, wenn es darum geht, dass der Klient entscheidet, wann sich wie eine Person sich ihm gegenüber loyal verhält. Die Gespräche wiederum, die er mit seinen Sparringspartnern im Kloster führt, scheinen Hinweise zu geben auf ein Ich-vMeme Orange, das sich deutlich von einer &#8218;Unterwerfung&#8216; (Wir-vMeme Blau: Regelsysteme und Glaubensordnung) abheben will, das er im Lebensmodell seiner Gesprächspartner entdeckt. Im Wir-vMeme Grün schließlich findet der Klient in der Beziehung zur Wirkung seiner Beiträge eine Resonanz, die ihn erfreut. Mit seinem vMeme Orange wird diese Resonanz utilisiert, im Sinne eines &#8218;es ist gut, dass ich einen Beitrag leiste (Orange), der zum Wohl eines größeren Ganzen (Grün) führen kann&#8216;.</p>
<p>Meine Hypothese lautet hier: Angesichts eines Impulses, den der Klient irgendwann irgendwo erreichte und ihn dazu aufrief, etwas in die Welt zu schaffen, das als Gegenentwurf für ein bestehendes Problem dienen könnte, hat er gehandelt. Dabei wurde das bestehende Problem für den Klienten zu einem <em>Gegenstand</em>, auf den er sich seither bezieht &#8211; mit seinen Kompetenzen und mittels Verwirklichung seiner Werte. Die <em>Beziehung</em> zu diesem Gegenstand aufrechtzuerhalten, diese Beziehung zu gestalten, etwas für sie zu tun, erfüllt den Klienten mit dem Gefühl von Resonanz, die ihn erfreut.</p>
<p>Jetzt frage ich Sie, die Leserin, den Leser dieses kurzen Beitrags: Hatten Sie Vorurteile bezüglich des Klienten als Sie seine ersten Ausführungen zum Thema &#8218;Beziehungen&#8216; lasen? Hatten Sie ein Vorurteil hinsichtlich seiner Haltung zum Thema &#8218;Glück&#8216;? War er Ihnen sympathisch &#8211; grundsätzlich ja oder nein? Oder wenn Sie ahnen, wie er seinen Trieb auszuleben versucht, oder seine Macht, oder seine Suche nach voll-ständigerer Entwicklung? Oder, wenn es für ihn um eine Sinnerfüllung ging?</p>
<p>Übrigens: Der Buchtitel lautet &#8218;Jetzt gerade ist alles gut&#8216;.<br />
Ich will meinen: Wie passend, denn es geht wirklich darum, auf das<em> &#8218;jetzt gerade&#8216;</em> zu schauen.</p>
<p>Integraler betrachtet: Ein Mensch, der <em>Beziehung</em> (jetzt gerade) aus einem vMeme Grün heraus gestaltet, setzt ein völlig anderes Bewusstheits-Schema ein als jemand, der das Thema <em>Beziehung</em> (jetzt gerade) mit einem Schema entlang eines vMeme Purpur, Rot, Blau &#8230; gestaltet.<br />
(Und &#8211; kleine Übung &#8211; nehmen Sie statt des Begriffs <em>Beziehung</em> einen konkreteren Stellvertreter wie beispielsweise Unterhaltung mit A &#8230;, Sex mit B &#8230;, Freundschaft mit C &#8230;, Ehe mit D, Nachbarschaft mit E &#8230;, Projekt X, Projekt Y, Vater, Mutter, Kind, Gott, Haustier &#8230; also einen Begriff, der eine emotionale, kognitive und-oder soziale Beziehung mit oder zu Jemandem oder Etwas beschreibt, dann können Sie überlegen, welches vMeme die Grundlage Ihres Verhaltens und Ihrer Handlungen in jedem dieser Kontexte ist, und zwar so als wären Sie &#8218;jetzt gerade&#8216; in der jeweiligen <em>Be-ziehung</em>.)</p>
<p>Beziehungen <em>an sich und für mich</em>, so mein Resümee, sind niemals die Basis möglichen Lebensglücks.<br />
Beziehungen, die <em>für jemanden</em> oder<em> für etwas</em> gestaltet werden, um Resonanz zu ermöglichen, schon.</p>
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