Schlagwort-Archiv: Blockade

‚Ungünstiges‘ im Prozess der Krisenbewältigung …

Sind durch eine Krise die bisherigen Handlungswege versperrt und erscheint die Zukunft unüberschaubar und unkontrollierbar, erleben die Betroffenen meist einen hohen Druck, da sie selbst oder auch ihre Umwelt eine ‚Funktionserwartung‘ haben, die es ihnen schwer macht, ihre Lage mit Distanz zu betrachten. Zunehmende Ratlosigkeit führt dann oft zur Resignation und zur irrationalen Ansicht, ein neues Ziel würde schon ausreichen, um endlich wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen.

Wird nun eine Entscheidung für ein Ziel getroffen nur der Entscheidung willen und tritt mit ihr nicht die erhoffte Verbesserung der Situation ein [z.B. eine spontane Entscheidung zum Jobwechsel und einer Ernüchterung, wenn die Integration ins neue Umfeld nicht glückt], dann sind die Selbstzweifel nicht fern, der Druck steigt, den Rest kann man sich denken.
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Blockaden im Sinnerleben

Leben Menschen in Bedingungen, die in ihnen Hilflosigkeitsempfindungen, Abhängigkeiten, Ohnmachtsgefühle, Selbstwertzweifel o.a. Phänomene bewirken, die jedoch nicht mit einer grundsätzlichen Frage nach dem Sinn im Leben stehen, dann sprechen wir von einer Sinnleere, sondern einer Richtungslosigkeit der eigenen Motive. Ein Mensch kann also den gegenwärtigen Sinn seinem Leben sehr wohl ausgemacht haben [z.B. eine berufliche Lehre zu beginnen, um als Gärtner
Menschen, die empfänglich sind für florale Ästhetik, in deren Wohnumfeld zu erfreuen], doch erlebt er die damit verbundenen bürokratischen oder zwischenmenschlichen Prozesse als derart hindernd, dass er in eine Demotivationsspirale gerät, die ihm den Blick auf das Sinnvolle erschwert und nach und nach in das Empfinden von Sinnverlust führen kann.

Es ist oft in Therapie und Coaching zu beobachten, dass Menschen ihre Absichten, etwas als sinnhaft Geklärtes, nur deshalb nicht in die Handlung führen, weil sie Einschränkungen anderer Art zulassen, die das Sinnhafte quasi diskreditieren. „Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich ja, aber …“ Sinnbremsen dieser Art können darin liegen, dass man glaubt, über ein zu geringes Maß an Kompetenzen zu verfügen oder dass man meint, mit einem erfreuenden Einstieg ins Berufsleben andere Familienmitglieder, die einen solche Bezug zum Arbeitsleben nicht aufgebaut haben, vor den Kopf zu stoßen … oder

– dass man meint, gegen bestimmte Obrigkeiten, Mächte, Strukturen usw. das als Sinnvoll erachtete deshalb nicht durchsetzen zu können, weil sich einzubringen oder sich mit einer Sache mit ganzem Herzen einzusetzen, als unerwünscht empfunden wird;

– dass man meint, das als Sinnvolles erkannte könnte womöglich doch nicht sinnvoll sein, weil man ja bislang ’nichts besonderes zu Wege gebracht hat‘, ‚andere sicher nicht auf einen warten, wenn man mit diesem Gedanken kommt‘, ‚weil man nicht intelligent genug sei und der erkannte Sinn wohl doch eher eine Fata Morgana sei“

– dass man meint, durch bei anderen wahrgenommenes Desinteresse, Ignoranz, Lethargie etc. einen Hinweis dafür zu erhalten, ‚doch besser die Finger von der Sache zu lassen‘. Auch die abwertend formulierte Zuschreibung, wohl ein ‚Gutmensch‘ zu sein, kann zu einer Demotivation des durchaus als sinnvoll erkannten führen;

– dass man meint, das als sinnvoll Angesehene könnte nicht zu sinnvollen Zielen und sinnvollen Maßnahmen heruntergebrochen werden, weil man ja bislang von ‚keinem Mensch nach diesem Sinnhaften gefragt wurde‘

Hindernisse wie diese hören wir immer wieder in Therapie- und Coachinggesprächen und könnten dazu verleiten, das sinnzentrierte Arbeiten zu verlassen und mit dem Menschen stärker vergangenheitsorientiert [warum sehen Sie sich so, wie hat Ihre Familie Sie geprägt, ….] zu arbeiten. In meiner Praxis habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, Patienten und Klienten darauf aufmerksam zu machen, dass in einem logotherapeutischen Arbeitsprozess die Vergangenheitsreflexion ’so viel wie nötig und so wenig wie möglich‘ erfolgt und ich in meiner Rolle meinen Gesprächspartner nicht ‚zum Sinn zwinge‘, ich in meiner Prozessverantwortung jedoch darauf achte, dass er ’sich selbst nicht um den von ihm erspürten Sinn in seinem Leben bringt‘, indem er seinen Blockaden mehr Bedeutung beimisst als seinen Möglichkeiten. Ich mache dabei transparent, dass dabei für mich das gute alte Pareto-Prinzip gilt, das in diesem Kontext besagt, dass mit 20% der verhaltenstherapeutischen Zeit bereits 80% der mit Vergangenheitsaspekten verbundenen Erkenntnisse gewonnen werden können. 80% der Zeit verbleiben so im Sinne der sinnzentrierten, nach vorne auf ein gelingendes Leben gerichteten Arbeit,