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Motivation = Sinn x Möglichkeiten. Grundlage des neuen Präventionskonzepts Life2Me®

Eine Krise tritt ein und der Mensch geht mit ihr um. Eine Vielzahl der Ereignisse haben sich in kleineren aufeinander folgenden Schritten eskalierend abgezeichnet [ich habe es an sich kommen sehen …], andere treten urplötzlich ein. Das Leben stellt dem Menschen die Aufgabe, sich neu zu ‚ver-wende-n‘, dazu muss er Kraft ‚auf-wende-n‘, um sich dem Neuen zuzu-wende-n. Stirbt mein Kind und meine Rolle als Vater kennt ihr Drehbuch nicht mehr, dann braucht es letztlich eine neue Rolle, aus der heraus ich handeln kann. Verliere ich meinen Arbeitsplatz und meine Rolle als Facharbeiter kennt ihr Drehbuch nicht mehr, dann braucht es auch hier eine neue Rolle zum handeln. Brennt mein Haus nieder und meine Rolle als Gastgeber und guter Nachbar kennt ihr Drehbuch nicht mehr, dann ebenfalls. Wir werden in der KrisenPraxis immer wieder herausarbeiten, dass die Motivation [die Bewegung] zum neuen Handeln mit den individuellen Werten im Einklang stehen muss. Und dass umkehrt jeder Mensch auf [s]ein Wertesystem zugreifen kann, um eben seine neue Rolle zum Handeln zu formen. Die Geschichte hat [nur] einen kleinen Haken: Der Mensch muss sich selbst [er]kennen und sich seine Werte bewusst machen [siehe hierzu die entsprechenden Beiträge im Verlauf der KrisenPraxis].

Die Formel des Frankl Schülers, Walter Böckmann, ist hier eine gute Orientierung. Findet der Mensch durch die Verwirklichung seiner Werte in ihm möglichen Handlungsfeldern neuen Sinn, dann entsteht letztlich die zur Überwindung einer Krise erforderliche Motivation.

Motivation = Sinn x Möglichkeiten.

Das Ende einer Krise markiert die Handlung. Sie erfolgt durch den Menschen selbstverantwortlich. Die Wendung des Lebens wirkt auf den Menschen ein, der Umgang des Menschen mit der Wendung wirkt sich auf sein Leben aus. „Ich handle nicht nur gemäß dem, was ich bin, sondern ich werde auch gemäß dem, wie ich handle.“ [Frankl] Diese Perspektive ist für jeden Menschen in anscheinend aussichtsloser Lage kräftigend: Er ist aufgerufen, etwas zu bewirken, er ist der Situation nie machtlos ausgeliefert.

In vergleichbarer Weise können wir das Thema ‚Krisenprävention‘ beleuchten.

Die Motivation zur Krisenprävention ist ein Produkt aus dem Sinn dieses Vorgehens [ergo den durch die Prävention erarbeiteten, im Krisenfall wirksamen Werteverwirklichungsaussichten] und den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Ein Mensch, der sich aufgrund seiner Werte ‚Loyalität‘, ‚Nähe‘, ‚Achtsamkeit‘ und ‚Offenheit‘ einem Freund besonders verbunden fühlt und womöglich den unter Umständen plötzlichen Tod dieses Freundes ohne Prävention kaum zu verkraften vermag und lange braucht, um den Verlust einigermaßen zu überwinden, könnte sich zur Krisenprävention motivieren, wenn er rechtzeitig den Umgang mit Trennung und Vergänglichkeit reflektiert und eine Handlungsweise entwirft, deren Umsetzung als tragfähig empfunden und erfühlt wird. Dieser Lernprozess ist auch dann die Persönlichkeit weiterentwickelnd, wenn das Krisenereignis – hoffentlich – nie eintritt. Und natürlich: Ein solcher Lernprozess steht auch nicht über der Traurigkeit, die sich einstellt, tritt – wie in diesem Beispiel – der Tod des Freundes ein; er befähigt jedoch den betroffenen Menschen dazu, einen Umgang mit der Situation zu pflegen, die ihn vor einer Fehlentwicklung bewahrt.

Das Konzept Life2Me® [wir arbeiten daran und erwarten das konkrete Ergebnis gegen Ende 2016] strebt daher an, einen präventiven Beitrag dafür zu leisten, dass durch einen besseren Umgang mit eintretenden Krisenereignissen eine Fehlentwicklung vermieden wird, indem der Betroffene wertestabile und sinnstiftende Handlungsweisen entwirft.
Kurz: Life2Me pflegt ein Bild von Menschen, der stets ein Recht darauf hat, ein gelingendes Leben zu führen und ein Bild von Krise, die deshalb ihre Wortbedeutung verliert, weil der Umgang mit ihr durch Frühaufklärung erlernt worden ist.

Krisenpraxis - Krisenprozess                           Das Krisenmodell von Gerald Caplan und Robert Felix

 

„Für das menschliche Leben gilt, dass es auf Heilsein, auf Heilheit angelegt ist.
Ein jeder kann in eine Situation geraten, in der nur Besinnung hilft, Sinnsuche. Dieser Sinn liegt in der Situation selbst. Heilen heißt deshalb Hinführen zum Sinn, Hilfe bei der Sinnsuche, und Heilsein bedeutet, eingebettet sein in den Sinn-Zusammenhang, der unser Leben mit dem der anderen verbindet“.

Walter Böckmann, Psychologie des Heilens. Arbeit – Konflikt – Kranksein in der Industriegesellschaft, Freiburg: Herder Verlag 1982, S. 155