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Corona-Blog: Stresskommunikation [Macher]

Wer seine Motivation aus konkretem Handeln zieht, der ist gerade wohl am schlechtesten dran. Zu Hause hocken – für viele ‚Macher‘ steht das Leben gefühlt komplett still, und gerade das zu ertragen, fällt ihnen anders als anderen Menschen enorm schwer. Macher wollen Action, einen Baum ‚ausreißen‘, mehr tun als reden. Aus ihrem Kommunikationsstil hört man den Druck heraus, unter dem sie stehen, wenn für sie einfach zu wenig geschieht. Sie fordern, dass etwas passiert [zuweilen, wie bei Präsident Trump mit einem Hauch von Irrationalität] und man hört förmlich das Ausrufezeichen hinter ihren meist kurzen, knappen Sätzen. Andere emotional zu unterstützen ist nicht das Ding eines Machers – der ‚Befehlston‘ schon. Aber, wenn es ungerecht zugeht, dann kann ein Macher schon deutlich mit der Faust auf den Tisch hauen und damit seinem Umfeld signalisieren, ‚ich bin für Euch da – mit meinen Taten‘.

Kommunikationsstil: MACHER
Kommunikationsbedürfnis: Austausch von Handlungsmöglichkeiten [Lets talk about a deal!]
Psychisches Bedürfnis:
Will Aufregung und Aktion
Verhalten unter Alltagsstress:
Erwartet von anderen, dass sie stark sind und sich selbst helfen Verhalten unter Dauerstress: Ignoriert oder bricht Regeln, versucht zu manipulieren
Lebensthema:
Bindung
Authentisches Gefühl wäre:
Nähe
Scheingefühl [die ‚Masche‘]: zeigt anderen seine ‚Rache‘ 

Macher unter Corona-Stress neigen dazu, in die Situation Streit und Anklagen hineinzutragen und damit die eingetretene massive Belastung noch weiter zu eska­lieren. Rachevolles Verhalten wird denen gegenüber gezeigt, die dem Macher in welcher Form auch immer, die Handlungs-Handschellen anlegen wollen. Die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und -distanzierung ist unter Stress vielen Machern nicht wirklich gut gegeben. Wollen ihm vertraute Personen den ,eigenen Anteil an der Verschärfung der Situation‘ ansprechen, dann erfahren sie hierfür Ablehnung und Abweisung bis hin zur Trennung. In der Begleitung eines ,Machers‘ gilt es, seine Vertrauensresistenz, Handlungsschnelligkeit und Offen­sivkraft durch eine erfahrungsbasierte Unterstützung mit deutlicher Grenzziehung und klaren Vereinbarun­gen zu steuern, ohne ihn dabei zu demütigen oder ihn mit Moralvorstellungen zu lenken.

Günstig ist seine grundsätzliche Haltung des ’nur dem Mutigen gehört die Welt‘. Sie ermöglicht ihm die tatkräftige und zügige Umsetzung umfassend reflektierter Entscheidungen. 

Morgen komme ich zum Abschluss, mit dem Rebellen.
Und wenn Sie daran interessiert sind, zum Beispiel Auswertungen der Kommunikationsbedürfnisanalyse für sich und Ihre Familie zu beauftragen, dann stehe ich Ihnen dafür gerne zur Verfügung. Die Ergebnisse erhalten Sie als pdf und das Auswertungsgespräch können wir dann zeitnah über Skype, Zoom oder auf einem anderen Weg sicher leicht realisieren.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.

Corona-Blog: Man kann doch nicht den ganzen Tag lesen …

Die eigenen vier Wände – manchmal können sie einem aber auch zu eng werden. Und wenn dann auch noch die Sonne lacht, dann rumort es innerlich: Ich bin ein Mensch, holt mich hier raus!
Und in Anlehnung an eine Strophe in einem Grönemeyer-Song: Der Fuß will vor die Tür, aber er darf nicht – jedenfalls nicht überall hin. Was kann also getan werden, um das angeschlagene Gemüt zu erheitern und zu beruhigen? Ein paar Tipps:

  • Wenn es die Räumlichkeiten zulassen, dann stellen Sie Ihr TV-Gerät so auf, dass Sie nicht automatisch hinschauen, sollte es eingeschaltet sein. Wählen Sie einen Sender, der nicht pausenlos dieselben Nachrichten abspult, sondern einen guten Mix zwischen Nachrichten, Kommentaren und Unterhaltung anbietet. Mein Favorit: phoenix.
  • Nehmen Sie sich an jedem Abend ein konkretes ‚Unangenehmes‘ vor, das Sie am Folgetag abschließend erledigen wollen. Mit Abschluss der Sondersituation, die wir alle erleben, haben Sie dann den Kopf wieder richtig frei für die schönen Dinge im Leben. Was mache ich selbst morgen? Schuheputzen, o graus. Heute war es die private Ablage, die mich/uns hier auch nicht mehr länger mahnt, erledigt werden zu wollen.
  • Lüften Sie jeden Tag. Frische Luft in der Wohnung tut ebenso gut wie ein Spaziergang.
  • Die Klassiker gelten natürlich weiterhin: Sport, Sex, gute Musik, gute Filme, gute Bücher, Telefonate mit Freunden, die mit dem Satz beginnen: Lass uns sprechen, aber bitte nicht über Corona und seine Folgen. Was mir selbst zudem auch immer gut tut: Blumen. Ein festes Ritual und immer ein erfreuender Blickfang.
  • Machen Sie eine Liste der Aktivitäten, mit denen Sie wieder beginnen werden, wenn die Sondersituation überwunden sein wird. Wo und mit wem werden Sie zuerst feiern? Wen oder was werden Sie zuerst besuchen? Welches Geschenk werden Sie sich zuerst bereiten? Vielleicht gilt es aber auch, etwas nun würdevoll zu betrauern?
  • Wer etwas Geld übrig hat: Vielleicht können Sie eine kulturelle Einrichtung Ihres Wohnortes unterstützen, mit einer Spende oder einer Hilfe beim Einsatz der sozialen Medien? Jazzclubs, Marionettentheater, Kleinkunstbühne, Zirkus, … es gibt viele Adressen, die sich freuen, wenn sie mit Ihrer Hilfe leichter über die Runden kommen. Ich selbst habe gestern unserem rührigen Kinounternehmen bereits einen Schwung Kinokarten abgekauft.
  • Haben Sie einen positiven Lieblingssatz, den Sie sonst auch immer zu sich sagen, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht? Dann nutzen Sie unseren Countdown bis zum Ende des Lockdowns auf unserer Seite oben und sprechen Sie Ihren Satz genauso häufig aus wie es noch Countdown-Tage hat.
  • Vielleicht haben Sie ja auch Freude an einer Weiterbildung, die Sie zu Hause durchführen können oder die Sie für die Zeit danach einplanen wollen? Es gibt unglaublich viele Angebote dazu, ich beschränke mich hier nur auf unsere eigenen 🙂 – Vorsicht: Eigenwerbung : www.life2me.de, www.ausbildung-zum-krisencoach.de [führende deutschsprachige Individualausbildung, keine Gruppe], www.coachpro.de, www.jellbull.de und eine Reihe anderer Angebote auf http://www.wertepraxis.de
  • Und ist das Herz wirklich einmal zu schwer und niemand da, mit dem man sich gut austauschen kann:
    Die deutschen Logotherapeuten helfen Ihnen gerne weiter.
    Ebenso die Telefonseelsorge.
    Viele gute Tipps finden Sie auch im Psychiatrienetzwerk. Und auch hier in der KrisenPraxis hoffen wir, dass Sie Beiträge finden, die Ihnen gerade jetzt gut weiterhelfen können.
  • Allemal hilfreich: LACHEN. Bei Youtube gibt’s auch immer wieder Amüsantes jenseits des C-Wortes. Hier ein Beispiel.

Bleiben Sie gesund!

Corona-Blog: Stresskommunikation [Träumer]

Ludger K. ist Facharbeiter in einem Augsburger Unternehmen und wie viele unmittelbar betroffen vom Corona-Problem. Gemeinsam mit seiner Frau kommt er in die von ihr initiierten Paar-Logotherapie. Sie eröffnet das Gespräch damit, dass es eigentlich nicht der aktuellen Situation bedurft hätte, um sich zusammenzusetzen, aber jetzt ist es eben besonders schlimm. Ihr Mann würde einfach nur rumhängen und wenig Produktives zustande bringen. „Er bekommt den Hintern nicht hoch – wie immer, wenn die Lage ein entschlossenes Handeln erforderlich machen würde. An sich ist es eine beneidenswerte Gabe, sich von nichts anfassen zu lassen, aber es ginge nun mal auch nicht, sich realitätsfremd zu verhalten.“

Bei den Worten seiner Frau zeigt Ludger keine sonderliche Überraschung. Er erwidert nur kurz, es brächte ja nun nichts, sich aufzuregen oder in hektische Betriebsamkeit zu verfallen – was seine Frau zum Anlass nimmt aufzuzählen, an welchen Stellen in der Kindeserziehung, im Haushalt oder auch in der beruflichen Weiterentwicklung die Gegebenheiten kein Nachlassen der Aktivitäten zuließen.

Ludger hört sich alles an und meint nur, der Spuk wäre schon irgendwann wieder vorbei und dann wäre immer noch Zeit, sich neu auszurichten. Seine Anmerkungen geben mir zu verstehen, dass sich da eine Person durchaus vital mit der Situation auseinandersetzt – nur eine völlig andere Sichtweise einnimmt als seine Frau. Ludgers Temperament zeigt Züge einer eher phlegmatischen Abwartehaltung, seine Stimme und Wortwahl sind unaufgeregt, es wirkt als würde er sich eher wundern darüber, dass sein Umfeld die Situation mit Sorgen, Grübeleien und Negativszenarien kommentiert.

Mich erinnern die beobachtbaren Phänomene an das Kommunikationsbedürfnis eines Träumers. In der Hoffnung, die Belastungssitua­tion würde sich womöglich wie von ‚Geisterhand‘ auflösen, verpassen diese ,Krisenaussitzer‘ wichtige Zeitpunkte, um aktiv und selbstverantwortlich zu handeln. Meist haben vertraute Personen vergeblich versucht, sie zu deutlichen Entscheidungen und Aktionen zu bewegen – das Ergebnis sind tendenziell halbherzige Schritte, ein ‚Sich-Verzetteln‘ in wenig wirkungsvollen Maßnahmen und eine Reduzierung der Kommuni­kation auch mit wohlgesinnten, konstruktiven Gesprächspartnern.

In der Begleitung eines ‚Träumers‘ gilt es, seine Beratungsresistenz, die Fokussierung auf seine Innenwelt und seine Vorsicht vor proaktivem Handeln durch eine profunde und direktive Unterstützung mit konkreten Arbeits- und Zeitplänen zu steuern, ohne ihn dabei zu überfordern oder ihm seine Eigenverantwortung zu beschneiden.
Günstig ist seine grundsätzliche Haltung eines ‚in der Ruhe liegt die Kraft‘. Sie bewahrt den Träu­mer vor vorschnellen Handlungen und ermöglicht ihm, wichtige existenzielle Entscheidungen nach ausreichender Überlegung auch zu treffen.

In der Auswertung des Fragebogens des Prozesskommunikationsmodells bestätigt sich die Hypothese. Der Träumeranteil [Ludger: „Mein Vater ließ sich auch nie aus der Ruhe bringen!“] wird bestätigt und der ihn flankierende, ebenfalls hohe Beharrerstil verstärkt die Grundhaltung Ludgers zudem darin, dass sein ‚Vorgehen‘ passend sei für die Bewältigung der Bedingungen.

 

Kommunikationsstil: Träumer
Kommunikationsbedürfnis:  
Austausch über Vorstellungen und Reflexionen
Psychisches Bedürfnis:
Will mit sich allein sein und Ruhe
Verhalten unter Alltagsstress: Z
ieht sich zurück, wird passiv
Verhalten bei Dauerstress: W
artet solange, bis er aus der Reserve gelockt wird; fühlt sich fehl am Platz und bringt seine Arbeiten nicht zum Ende
Lebensthema:
Autonomie
Authentisches Gefühl wäre:
Selbstbewusstsein
Scheingefühl [Masche]: Äußert 
Bedeutungslosigkeit

Morgen geht’s weiter. Mit dem Macher.
Bleiben Sie gesund.
Haben Sie Fragen oder Anregungen? Über Ihre Nachricht [Mailfunktion ganz oben auf dieser Seite] freue ich mich.

 

 

Corona-Blog: Stresskommunikation [Logiker]

Was geschieht, wenn ein Mensch in Stress gerät und zu wenig von der positiven Zuwen­dung erhält, die er braucht? Anfänglicher Stress, quasi Alltagsstress wird dadurch zu verringern versucht, indem die Person das Verhalten seines Basis-Kommunikationsstils weiter verstärkt, das ak­tuell das stärkste ist. Der Logiker würde – wenn er keine Anerkennung für seine Analysen, genauen Überlegungen, Recherchen, Berechnungen oder Vergleiche erhält – sein Wissen und seine Informationen noch detaillierter ausführen. Immer in der Erwartung, zumindest jetzt die Bestätigung für seine Bemühungen zu erhalten. Geschieht dies immer noch nicht, dann kann es in der nächsten Stressstufe durchaus vorkommen, dass der Logiker infrage stellt, dass sein Gegenüber überhaupt in der Lage ist nachzuvollziehen, wieviel Leistung in seiner Arbeit steckt. Oder dass jemand [Politiker, Ärzte, Journalisten …] überhaupt begreifen, wie schlimm die konkrete Situation wirklich ist.

Je mehr Stress im Spiel ist, umso negativer wird das kommunikative Verhalten – einzig, weil es dem Logiker nicht gelingt, seinen Stress herab zu regulieren und in ein gesundes MaB der Selbstberuhigung zu kommen. Es muss demnach et­was Schwerwiegendes sein, was diesen Prozess behindert, und das, was hier schwer wiegt, ist das ,Lebensthema‘.

Was nun könnte das Lebensthema für einen Logiker sein? Erinnern wir, dass ein Logiker alles dafür tut, um die relevanten Daten, Informatio­nen und Erfahrungswerte beisammen zu haben, um pünktlich und genau entscheiden und han­deln zu können. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass ihn Situationen schmerzen, in denen er einen Verlust oder einen Abschied erlebt. Für Logiker, die an alles denken, und dann doch etwas verlieren [sei es materieller oder immaterieller Art] oder die eine Trennung erleben, die eine Person einleitet [z. B. Scheidung], ist ein solches Ereignis meist völlig unverständlich oder unbegreiflich – wie konnte das nur passieren?  

Anstatt nun den erlittenen Verlust oder Weggang mit dem passenden Gefühl des Traurigseins zu kommunizieren, äußern sich die Logiker, die dies zu tun nicht gelernt haben, eher frustriert und verärgert.

Woran kann es liegen, dass ein passendes Gefühl nicht gelernt wurde? Dies können frühe kindliche Erfahrungen sein, bei denen das Kind beobach­tete, wie erwachsene Personen mit ihrem Stress umgingen. Es können Glaubenssätze sein, die irgendwann einer Person ‚glauben‘ machten, nur ein bestimmtes Verhalten sei für eine Stresssitua­tion richtig. Schaut man hinter die von Mensch zu Mensch immer individuellen Kulissen, dann zeigt sich aber stets, dass ein authentisches Gefühl zu zeigen immer auch ein Stück weit zum Ausdruck bringt, fehlbar zu sein. Kein Logiker liegt immer zu 100% richtig, kein Beharrer [er kommt morgen dran]bringt immer 100%ige Qualität, kein Macher [er folgt im Laufe der Woche]hat immer zu 100% das Heft des Handelns in seiner Hand usw. – nur, sich dies einzugestehen fällt schwer und weil das so ist, zeigen Menschen eher ihre Scheingefühle [Ihre ‚Masche‘] als das, was wirklich in ihnen vorgeht.

Kommunikationsstil: Logiker
Kommunikationsbedürfnis:
Austausch von Information und Wissen
Psychisches Bedürfnis:
Will Anerkennung für seine Leistung und sein Zeitmanagement
Verhalten unter Alltagsstress:
Denkt, perfekt sein zu müssen, erklärt daher übergenau oder überträgt mögliche Aufgaben nicht an andere, weil er denkt, dass es andere nicht so genau und richtig machen wie er selbst.
Verhalten bei Dauerstress:
Kontrolliert und kritisiert andere dafür, dass sie nicht klar denken Lebensthema: Verlust
Authentisches Gefühl wäre: T
rauer
Scheingefühl: Äußert 
Frustration und Ärger

Und nun trifft Corona oder ein anderes unvorhersehbares, unberechenbares Ereignis einen Logiker. Sofort schaltet er in den Denk-Notfallmodus: Grübeln und mustergültig die Situation sezieren. Schließlich gilt für ihn: Eine Krise muss man doch ‚verstehen‘ können: Mit einem genauen Lageplan, einer tiefen Analyse des Geschehens und einem Hin-und-her-Abwägen besticht dieser ‚Krisentyp‘, ohne dabei überzeugend vermitteln zu können, wie der konkrete nächste Schritt denn ausschauen soll. Das, was war, ist klar – was nun sein soll, noch völlig diffus. Corona wird als Verlust­ereignis erlebt und darüber muss trefflich immer wie­der nachgedacht werden. Meist findet der Logikergrübler alle möglichen ,Wenn das nicht gewesen wäre, dann wäre … ‚ -Gründe für seine Belastung.

Raten ihm vertraute Personen zu einem ,Weniger-ist­- mehr‘ und zu einer gewissen Leichtigkeit im Umgang mit der Situation, dann werden sie mit einem ,Was versteht ihr denn schon?‘ oder einem ,Das geht nicht, weil … ‚ in ihre Denkschranken verwiesen. Irrationales, wie das Angebot, den eigenen Gefühlen mehr Raum zu geben, wird oftmals schroff widersprochen, denn nur ein kühler Kopf sei in der Lage, alles zu über­blicken und in dieser besonderen Situation keinen Fehler zu machen.

In der Begleitung eines Logikers empfiehlt es sich, seine Handlungsresistenz, Deutungsüberschärfe und mentale Selbstüberforderung zu thematisieren. Dies gelingt gut, wenn er durch verschiedene Blickwinkel und eine humorvolle Gesprächsführung für konkrete Aktionen ermuntert wird. Natürlich, ohne dabei seine bisherigen Anstrengungen zu diskreditieren.

Günstig ist seine grundsätzliche Haltung ,es kann mich niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden‘ [Adenauer]. Sie befähigt ihn zu grundsätzlich vernünftiger Argumentation und Risikoeinschätzung in relevanten Entscheidungen.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund. 

Corona-Blog: Stresskommunikation [Empathiker]

In Fortsetzung des gestrigen Beitrags komme ich heute zur Stresskommunikation. Und Stress haben heute ja nun wirklich viele Menschen – die Gründe dafür sind unterschiedlich. Angst, Überforderung, Hilflosigkeit, Erregung, Ärger, das kleine Virus triggert ganz mächtig unsere Emotionen. Und dabei verliert der ein oder andere schon einmal die Contenance, die Impulskontrolle oder lässt einfach seine gute Kinderstube vermissen. Oder aber es machen sich der Galgenhumor, der Sarkasmus oder auch der Rückzug in die Passivität breit. Neben diesem Stressverhalten zeigt sich die individuelle Belastung auch in der Stresskommunikation. Sie bei sich und anderen besser zuordnen zu können, schafft mehr Verständnis füreinander und ermöglicht Lernprozesse, um sich von seiner eigenen Stress- und Sprachwelt nicht alles gefallen zu lassen.

Rufen wir uns in Erinnerung, dass die eigene Sprachwelt und uns die dahinter stehenden Bedürfnisse von unseren wichtigsten Bezugspersonen [meist Eltern] vermittelt wurden. Dazu kommt nun die nächste Erkenntnis: Wurden die Bedürfnisse, die unsere Bezugspersonen mittels Kommunikation ’sendeten‘ nicht befriedigt, dann gerieten diese Menschen in Stress. Zuerst in eine Art Alltagsstress, in der sie eine Kommunikation pflegten, die dazu dienen sollte, doch noch ihre Bedürfnisse befriedigt zu bekommen. Oft ging dies auch gut und die Person ‚entspannte‘ sich [Beispiel: wurde Mutter laut, weil das Kind wieder sein Zimmer nicht aufgeräumt hatte und gehorchte es nun, dann wurde das Bedürfnis der Mutter befriedigt und es wurde ‚ruhig‘: ‚Braves Kind‘. Wurde das Kindesverhalten sogar belohnt, dann war klar: Mutter wird laut, dann muss ich als Kind gehorchen, dann winkt Belohnung]. Als Kind haben wir diesen psychischen Prozess oft genug wahrgenommen und da wir die Kommunikationsbedürfnisse unserer Bezugspersonen unbewusst erlernten, taten wir dies auch bei den Mustern der Stresskommunikation. Es mag daher eine spannende Reflexion sein, die persönlichen Stressmuster in der Kommunikation einmal mit denen zu vergleichen, die als Kind bei den eigenen Bezugspersonen erlebt wurden.

Nicht jeder kommunikativer Umgang mit dem Alltagsstress führt nun aber dazu, dass die nicht befriedigten Bedürfnisse durch Einsatz von Stresskommunikation befriedigt werden. Die Folge ist irgendwann eine Art Dauerstress. Man versucht dann – immer stärker sich selbst und andere überfordernd, womöglich sogar verbal verletzend – doch noch irgendwie die Anerkennung, Wertschätzung und Befriedigung zu erlangen, die man für sich erwartet. In diesem Prozess zeigt sich deutlich das ‚Lebensthema‘ [siehe im weiteren Text beispielhaft die Informationen zum Kommunikationsbedürfnis des ‚Empathikers‘ – ab morgen dann auch die jeweils anderen fünf], das förmlich dazu aufruft, anders ins Leben integriert zu werden als die Person es unter Stresseinfluss in der Lage zu sein scheint.

Dem Lebensthema geht eine Person, die es noch nicht im Zuge reifer Persönlichkeitsentwicklung integriert hat, förmlich aus dem Weg. Der Empathiker hat als Lebensthema den ‚Ärger‘. Ihm geht er aus dem Weg, eben weil er alles daran setzt, die Harmonie zu seinem Umfeld zu wahren. Ärger wäre da aus seiner Sicht kontraproduktiv, also schluckt er ihn herunter und zeigt alternativ seinem Umfeld ein sogenanntes Schein- oder ‚Maschengefühl‘. Beim Empathiker ist dies die ‚Trauer‘. Anstatt also das authentische Gefühl mitzuteilen – beim Lebensthema ‚Ärger‘ ist dies auch der ‚Ärger‘ – kommuniziert der Empathiker eine aus seiner Sicht zum Kontext passende Trauer. So ‚betrauert‘ er zum Beispiel, dass viele Menschen einfach so viel um die Ohren haben, so dass es ihnen nicht gelingt, die Sorgen und Nöte anderer wahrzunehmen – anstatt seinem Ärger [angemessen und andere nicht verletzend] Ausdruck zu verleihen, dass ihm gerade nicht die persönliche Zuwendung einer bestimmten Person zuteil wird, die er sich wünscht, um zu fühlen, dass er von ihr anerkannt und gebraucht wird.

Fassen wir bis hierhin zusammen:

Kommunikationsstil: EMPATHIKER
Kommunikationsbedürfnis: Austausch von Gefühlen
Psychisches Bedürfnis:
Will Anerkennung als Person und sinnliche Anregungen
Verhalten unter Alltagsstress: Fühlt
, es anderen recht machen zu müssen und passt sich anderen der Harmonie willen übermäßig an
Verhalten unter Dauerstress: Ü
berdehnt seine Fürsorge und lädt aufgrund seiner Anpassung an die Wünsche und Erwartungen anderer zur Kritik ein
Lebensthema: Ärger

authentisches Gefühl wäre: Ä
rger
Scheingefühl [Masche]: äußert 
Trauer

Und nun Corona. Trifft es auf einen Menschen mit einem Basisbedürfnis eines Empathikers, dann auf jemanden mit der Haltung: „Opfern und alles geben“. Ich erlebe in meiner Praxis diese Menschen einerseits sich sehr über das virale Ungemach in der Welt ärgern, andererseits aber auch bereit, den Familienmitgliedern, Kollegen, Freunden und Nachbarn alles zu geben, damit die Belastungssituation für jeden nur bald endet und wieder friedliches Fahrwasser erreicht wird. Dass diese Haltung, es allen mit dem eigenen Helfergeist recht machen zu wollen – sich dabei möglicherweise sogar schuldig zu fühlen, dass man nicht alles schafft, weil die eigenen Kräfte nicht ausreichen – einen wesentlichen Anteil an zusätzlicher Belastung haben kann, ist für den ,Belastungsharmoniker‘ kaum zu glauben. Kritisieren vertraute Personen seine hilfsbereite und mitleidende Haltung und raten zu ,gesunder Distanz‘, dann fühlt sich der Empathiker meist verunsichert, selbstzweifelnd und ungeliebt.

Seinem Muster folgend, versucht er, den eigenen Ärger über die Gegebenheiten durch eine überstarke Zuwendung zu den Akteuren im belasteten System zu verdecken. Dieses irgendwann durchsichtige Manöver [das von anderen zum Beispiel als Überfürsorge, oder als subtile Form, anderen von einem abhängig zu machen] führt zügig in eine Teufelsspirale, an dessen Ende eine zutiefst deprimierte und sich selbst verletzende Person stehen kann.

Bei allem Risiko, sich in den Nachrichten über Todesfälle, schwere Lungenerkrankungen, Folgen für die Familien der Betroffenen und über eine sich aufopfernde, riesige Gruppe von Ärzten und Pflegern zu verlieren und sorgenvoll schlaflose Nächte zu durchleben, ist die grundsätzliche Lebenseinstellung des Empathikers ebenso so wichtig wie es auch die anderer Menschen sind. ,Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid‘ [da Vinci]. Diese Haltung bewahrt einen Menschen mit stark ausgeprägten Empathikerbedürfnissen davor, hartherzig oder die Belange anderer Menschen missachtend, nur seine eigene Situation entlasten und verbessern zu wollen. Es ist gut, dass es sie gibt, die Empathiker. So wie auch die Logiker, aber um die geht es morgen.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.

Corona-Blog: Was der Umgang mit Corona mit der Kindheit zu tun hat

Wenn Kinder im dritten Lebensjahr beginnen, sich in grammatikalisch vollständigen Sätzen auszudrücken, dann aufgrund der Wahrnehmung von Sprache, die ihnen durch ihre unmittelbaren Bezugspersonen vermittelt wurden. Bis sie in Kindergarten und Schule ihre Sprachkompetenz weiter verfeinern, haben sie also vornehmlich das Vokabular aufgenommen, das ihnen von ihrem direkten Umfeld – meist den Eltern – angeboten wurde. Jedoch, und dies greife ich nun auf, stehen hinter die­sem Vokabular eben auch die Kommunikationsbedürfnisse Ihrer Eltern [oder derer, die Sie als die wichtigsten Bezugspersonen Ihrer Kindheit ansehen].

Im kommunikationspsychologischen Mo­dell des amerikanischen Psychologen Dr. Taibi Kahler [Prozesskommunikationsmodell] wird nun der Zusammenhang hergestellt zwischen den Bedürfnissen, sich anderen Menschen mitzuteilen, dem damit verbundenen Vokabular, einem der Sprache angemessenen Verhalten und den Veränderungen, die Sprache und Ver­halten unter Stress erfahren. 

Welche Bedürfnisse hat ein Mensch, wenn er diese durch Kommunikation [z.B. im Rahmen seiner Gespräche über Corona und dessen Auswirkungen auf die eigene Lebensgestaltung] zu befriedigen sucht? In Kahler’s empirischer Forschung konnten sechs Kommunikationsstile und die mit ihnen verbundenen psychischen Bedürfnisse voneinander abgegrenzt und benannt werden. Ab morgen stelle ich alle sechs genauer vor. Hier erst einmal ein grober Überblick.

Mit dem Kommunikationsstil des Logikers zeigt dieser sein psychisches Bedürfnis an, Anerkennung erhalten zu wollen für eine Leistung, die er in einem klar umrissenen Zeitfenster erbracht hat. Menschen mit diesem Stil suchen den Austausch mit anderen, um Informationen und Wissen auszutauschen.

Mit seinem Kommunikationsstil weist der Beharrer auf sein psychisches Bedürfnis hin, Anerkennung erhalten zu wollen für seine aus tiefer Überzeugung erbrachten Leistungen. Menschen mit diesem Stil suchen das Gespräch mit anderen, um Meinungen auszutauschen.

Der Kommunikationsstil des Empathikers entspricht dessen psychischem Bedürfnis, sinnlich angeregt zu werden und Anerkennung zu erhalten für sein Dasein als Mensch. Empathiker suchen den Austausch mit anderen, um ihre Gefühle mitzuteilen.

Der Kommunikationsstil des Rebellen bringt das psychische Bedürfnis zum Ausdruck, Anerkennung erleben zu wollen durch Kontakte mit hohem Spassfaktor. Menschen mit Rebell-Stil suchen den Austausch mit anderen, um zu lachen und einen spielerischen Umgang mit Themen zu erfahren.

Mit seinem Kommunikationsstil zeigt ein Macher sein psychisches Bedürfnis an, Anerkennung erhal­ten zu wollen durch aufregende und spannende Projekte und Grenzerfahrungen. Macher suchen den Austausch mit anderen, um durch klare Ansagen für Neues stimuliert zu werden.

Der Kommunikationsstil des Träumers entspricht schließlich dem psychischen Bedürfnis, Anerken­nung durch Ruhe zu erhalten und dadurch, in Ruhe gelassen zu werden. Menschen mit diesem Stil suchen den Austausch mit anderen, um ihre Vorstellungen, die sie von etwas haben, einzubringen.

Erinnern wir, dass Kinder ihre Sprachwelt durch ihre unmittelbaren Bezugspersonen eröffnet bekommen, so können wir annehmen, dass die­se Personen ihre psychischen Bedürfnisse auch dann befriedigt bekommen wollten, als sie im Gespräch mit ihren Kindern standen. Um dies zu erreichen, nutzten sie die mit ihren Bedürfnissen verbundenen Wortfelder [das Vokabular einer Person mit zum Beispiel einem starken Empathiker- und Macheranteil ist ein hörbar anderes als das einer zum Beispiel ‚Beharrer-Rebell-Person‘]. Die Bandbreite dieser Felder ist dabei umso größer, je mehr Kommunikationsstile die jeweilige Bezugsperson ihrerseits in ihrem Leben entwickelt hat. Erfährt ein Kind so zum Beispiel über seine Eltern die Wortwelten des Empathikers, Logikers und Machers, dann lernt es dadurch indirekt auch die damit verbundenen psychischen Bedürfnisse seiner Eltern kennen. Die Bedürfnisse des Rebellen, Beharrers und des Träumers blieben in diesem Beispiel dem Kind eher vorenthalten, die damit verbundenen Sprachelemente wurden nicht oder kaum ver­mittelt.

Bedenkt man, dass gerade in den ersten Jahren der Spracherziehung die neuronalen Bahnungen im Gehirn eines Kindes durch das sich immer wiederholende und damit vertiefende Worteangebot gelegt werden, dann versteht man, dass im Prozesskommunikationsmodell davon aus­gegangen wird, dass sich bis zum Schuleintritt einer der sechs Kommunikationsstile als der am stärksten entwickelte herauskristallisiert. Dieser Stil bildet das ‚Basiskommunikationsbedürfnis‘.  

Eine zweite Annahme des Modells besteht darin, dass auch die Reihenfolge der restlichen fünf Stile hinsichtlich ihrer bis zum Schuleintritt entwickelten Stärke bis zum sechsten Lebensjahr ,gesetzt‘ ist und sich über das Leben hinweg ebenso wenig ändert wie das Basisbedürfnis.

Die eigenen Kommunikationsbedürfnisse zu kennen ist für sich genommen bereits eine interessante Facette der Persönlichkeitsentwicklung. Für den Kontext Umgang mit Stress wird sie jedoch noch aufschlussreicher, wenn man über­legt, dass psychische Bedürfnisse von Menschen verletzt werden können – durch andere Menschen [durch deren bewusstes oder unbewusstes Kommunikationsverhalten] oder auch durch Ereignisse wie Krisen oder komplexe Veränderungserfordernisse wie zum Beispiel Corona.  

In einer solchen Situation wird der Mensch konfrontiert mit einem spezifischen ,Lebensthema‘ [jedes Kommunikationsbedürfnis adressiert ein solches Lebensthema – ab morgen dazu mehr]. Tritt eine Situation ein, die das Lebensthema freilegt, dann ist dieser psychische Prozess stets mit Gefühlen verbunden, die die Person entwe­der  gelernt hat, konstruktiv kommunikativ mitzuteilen [authentisches Gefühl] oder die die Person nicht authentisch, sondern vermeintlich aus Gründen des Selbstschutzes als ,Scheingefühl‘ kommuniziert.

Ich fasse kurz zusammen, was ich Ihnen bisher vermitteln wollte:

  • Ihre heutige Kommunikation ist geprägt von einem in Ihrer Kindheit vollzogene Lernprozess, bei dem Ihnen Ihre Bezugspersonen [Eltern] durch deren Sprache auch ihre psychischen Bedürfnisse vermittelt haben. Diesem Prozess konnten Sie sich nicht entziehen. Ihre Sprachwelt ist also zu einem Großteil die Sprachwelt Ihrer Eltern.
  • Ihnen fehlt es an nichts. Will meinen: Sie haben alle sechs Kommunikationsstile verfügbar, nutzen jedoch präferiert das sogenannte Basiskommunikationsbedürfnis. Mit ihm ist eine spezifische Sprachwelt, ein spezifisches Vokabular, verbunden.
  • Das Basiskommunikationsbedürfnis ist mit dem sechsten Lebensjahr fix und ändert sich Ihr Leben lang nicht mehr. Ebenso gilt dies für die Reihenfolge der anderen Stile. [Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre persönliche Kommunikations-Architektur ausschaut, dann biete ich Ihnen gerne eine Auswertung (basierend auf einem Fragebogen, der von Ihnen ca. 20 Minuten Online-Zeit erfordert und einem einstündigen telefonischen Auswertungsgespräch zum Preis von Euro 395 netto) an. Schreiben Sie mir einfach bei Interesse eine Mail an team@krisenpraxis.de
  • Jedem Kommunikationsbedürfnis liegt ein ‚Lebensthema‘ zugrunde.

Morgen ergänze ich zu diesen ersten Ausführungen Informationen zur Veränderung der Kommunikation unter Stress. Da Sie wie ich derzeit unter besonderen Lebensbedingungen stehen [Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice, Kinder zu Hause, Organisationsaufwand, …] liegt nahe anzunehmen, dass sich neben der Kommunikation, die wir pflegen, wenn wir in einem entspannten Zustand stand, immer wieder auch eine Stresskommunikation [gegenüber anderen Menschen oder im Rahmen der Selbstgespräche auch gegenüber einem selbst] zeigt. Sie belastet das Miteinander und das persönliche Wohlbefinden und wirkt in der Regel zusätzlich negativ. Es ist also günstig zu wissen, wie man persönlich kommuniziert und warum gerade in der Weise, wie man es tut. Und dass es gut ist, dies zu wissen, gilt nicht nur für eine Zeit wie die, die wir gerade kollektiv erleben.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.

Corona-Blog: Verhalten im Zeichen des Virus.

Gerade bin ich jemandem begegnet, der fest davon überzeugt ist, dass das Virus von der Weltmacht WHO über die Menschheit gekommen ist. Die Weltgesundheitsorganisation also ist eine der vielen Adressen, denen zugeschrieben wird, uns das Böse zu verabreichen. Diesmal in Form kleiner viraler Häppchen. Gut, des Menschen Glaube ist sein Himmelreich. Und rechnet man einmal heraus, dass es neben Millionen Bundestrainern im Fußball und weiteren Millionen Experten der internationalen Flüchtlingspolitik nun auch ebenso viele Virologen gibt, die ihren Unwissenheitssenf zum Besten geben, dann bleibt doch bei jeder dieser Äußerungen so etwas wie Stress übrig, den die einzelne Person hat und den sie nun auf ihre Art und Weise zum Ausdruck bringt.

Bevor ab morgen auf die sechs verschiedenen Stressmuster eingegangen wird, von denen Menschen immer eines aktualisieren und von denen keines wirklich besser ist als das andere, hier die aus unserer Sicht beste Umgangsweise, nicht nur bei Corona:

Dieser Umgang lautet: ‚Radikale Akzeptanz dessen, was ist und mit eigenen Ressourcen nicht abgewendet werden kann, um sich über den Verzicht der Auflehnung gegen das Ereignis den Möglichkeitsraum offen zu halten, in dem getan werden kann, worum es jetzt zu gehen hat‘.
Therapeutisch gesprochen kombiniert dieser Umgang die sinnzentrierte Psychotherapie nach Viktor Frankl mit der dialektisch-behavioralen Therapie nach Marsha Linehan. Im Alltag hat diese sinnorientierte, akzeptierende Haltung sofort Folgen, zum Beispiel:
– man geht nichtssagendem, dusseligem, negativem, herunterziehendem Gequatsche anderer aus dem Weg; man schaltet quasi die Ohren auf Durchzug;
– man meidet die Flutung mit täglich wiederkehrenden Nachrichten, die im Kern aber solange irgendwie gleich klingen, bis jemand, der die Situation dank seiner Primärkompetenz beurteilen kann, Entwarnung gibt. Auch wenn sich der ein oder andere Virologe aktuell in einer Situation befindet, die auch ihn dazu vielleicht ermuntern mag, über seine Karriere- und Profilierungsmöglichkeiten nachzudenken: seine Kompetenzen sind allemal höher einzustufen als die zum Beispiel von Politikern, die der Ansicht sind, sie könnten per Dekret ein Virus zum Osterfest abstellen;
– man kommuniziert – auch nahestehenden – Menschen, dass man sich von sich selbst und anderen nicht alles gefallen lassen will, um ‚bei besten Kräften‘ zu bleiben, die man braucht, wenn sich die Lage wieder wendet [und sie wird sich wenden!]. Dazu gehört dann eben auch, dass man radikal akzeptiert, sich von der ein oder anderen Person [zeitweise] zu ‚trennen‘;
– man kümmert sich ausschließlich um das, was man trotz der Gegebenheiten für sich, seine Familie, seine Freunde, Mitarbeiter, Kollegen und so weiter durch konkretes Handeln in die Welt schaffen kann.

Radikal meint auch, nicht nur montags und donnerstags oder nur zwischen 12 und 13 Uhr. Sondern ein konsequentes Akzeptieren, was ist, wie es ist – sofern keine eigenen Ressourcen zur Verfügung stehen, es zu ändern. Klar, wenn mein Tischtuch brennt, werde ich löschen. Wenn das des Nachbarn brennt und er mich ruft, um ihm beim Löschen zu helfen, dann werde ich helfen, wenn ich dazu in der Lage bin. Wenn aber zum Beispiel ein Virus gerade das medizinische Personal einer Klinik komplett fordert, dann werde ich akzeptieren was ist und darauf verzichten, mich dagegen aufzulehnen, dass die Behandlung meines Tinnitus [oder irgendeines anderen Beschwernisses] gerade nicht die höchste Aufmerksamkeit erfährt.

Es gilt also Haltung zu bewahren, wenn man vor einem Problem steht, das durch eigenes Handeln nicht gelöst werden kann, eben weil eine Situation nicht veränderbar ist. Und dass es vieler dieser Nicht-Veränderbarkeiten gibt, weiß der Mensch [eigentlich]:
– alles, was in der Vergangenheit mit mir oder mir Nahestehendem geschah, hat bereits stattgefunden, tat und tut vielleicht noch weh. Radikales, sinnorientiertes Akzeptieren bedeutet nun: „Das ist so. Worum kann es mir nun trotz allem gehen?“
– alles, was ich nicht erreichte, obwohl ich es sooo gerne [auch] erreicht hätte, macht mich traurig, wütend …, aber jetzt: „Das ist so. Worum kann es mir nun trotz allem gehen?“

Kleiner Tipp zur Selbsttherapie: Schreiben Sie eine Liste auf mit den Themen, Problemen usw., die vergangen und geschehen sind. Schreiben Sie dazu auf, wie sie emotional und gedanklich bislang mit diesen Themen und Problemen umgegangen sind. Und nun notieren Sie zu jedem Punkt:
„Das ist so. Worum kann es mir nun trotz allem gehen?“
Beginnen Sie nun damit, [kleine, vielleicht erste] Handlungen durchzuführen [nicht nur planen, sondern agieren!].

Wer radikal akzeptiert, lässt nicht zu, sich von belastenden Ereignissen auffressen zu lassen und sich von seinen – für sich selbst oder anderen –  negativen Impulse leiten zu lassen. Das ist gut und bringt einen Menschen weiter.

Nicht, dass wir uns missverstehen. Es geht nicht darum, sich JETZT alles gefallen zu lassen. Wer JETZT etwas erlebt, was schmerzt, und dagegen JETZT etwas unternehmen kann (sich wehren oder sich helfen lassen …], der soll dies tun. Es gibt keinen guten Grund, JETZT zu leiden. Wenn man in einer Situation aber mit eigenen Ressourcen etwas nicht unternehmen kann oder wenn helfende Ressourcen anderer nicht zur Verfügung stehen [Beispiel Tinnitus und überlastete Kliniken], der tut gut daran, radikal zu akzeptieren. Denn es gibt immer ein ‚Worum trotz allem‘.

Corona-Blog: Was von Corona ist wirklich Krise?

Erinnern wir die Definition von Individual-Krise: „Krise ist ein belastender, temporärer, in seinem Verlauf und in seinen Folgen offener Veränderungsprozess der Person, der gekennzeichnet ist durch eine Unterbrechung der Kon­tinuität des Erlebens und Handelns, durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation und eine Destabilisierung im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmal des Selbstzweifels und durch ein Bündel notwendiger Ressourcen, die die Person entweder nicht hat oder von denen sie nicht weiß, dass sie sie hat, um die Situation zu meistern.“ [eng angelehnt an Bernd Ulich, Psychologie-Professor der Universität Augsburg]

Und nun haben wir ein Mega-Ereignis, das Virus. Rein sprachlich haben wir also keine Corona-Krise, sondern einen erforderlichen ‚Umgang mit einem Ereignis‘, der – würde er wirklich nicht geleistet werden können – bei Menschen eine Krise auslösen kann.

Ich will nun entlang meiner Wahrnehmungen nach vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Situationen in den vergangenen zwei Wochen ein wenig genauer schauen:

  • Das Ereignis ist belastend.
    Hier zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Für eine Reihe der Menschen war das Leben vor Corona bereits belastend. Das Virus hat es für einen Anteil dieser Menschen weiter erschwert, für einige aber sogar auch erleichtert, weil sich nun Lebensthemen gewidmet werden kann, die zuvor zu kurz kamen. Nach dem Guten im Schlechten zu schauen, fällt womöglich nicht leicht, lohnt aber dennoch!
  • Das Ereignis ist temporär. Sicher, auch dieses Virus grassiert über einen endlichen Zeitraum. Soviel ist sicher. Aber niemand kann zur Zeit sagen, wie lange es dauert, bis das Ende in Sicht ist. Und worin die Kriterien genau bestehen, von einem Ende sprechen zu können. Diese Unsicherheit führt bei vielen Menschen [und Systemen] zur massiven [Stress-]Belastung. Wo stehen wir im Prozess, wohin geht die Reise, wie geht es weiter? Wir könnten also statt von Corona-Krise wohl eher von Planungskrise sprechen. Und wenn wir das tun, dann kann sich jeder fragen, was er früher tat, wenn eine Planung nicht realisiert werden konnte?
  • Das Ereignis ist in seinem Verlauf und in seinen Folgen ein offener Veränderungsprozess der Person. Bei diesem Kriterium finde ich nichts, was gegen es spricht. Meine Gesprächspartner formulierten dies zum Beispiel so: ‚Ich stehe im Moment im Dunkeln, wo mich das alles hinführt‘; ‚ich habe damals, 2001, das ‚9/11′ aus beruflichen Gründen vor Ort miterlebt, aber das jetzt ist noch einmal eine ganz andere Dimension für mich, denn die kollektive Betroffenheit an sich aller Menschen weltweit ist ein Phänomen, das ich noch bisher nicht kannte. Weil es aber alle betrifft, ist es irgendwie auch leichter‘, ‚ändern kann ich es nicht, nur das Beste draus machen – im Moment suche ich noch nach dem Besten’…
  • Das Ereignis ist gekennzeichnet durch eine Unterbrechung der Kon­tinuität des Erlebens und Handelns. Hier wiederum gibt es von Mensch zu Mensch kaum Unterschiede, es sei denn man lebt unter sehr stabilen Bedingungen [die stabilsten finden sich derzeit wohl im Gefängnis].
  • Das Ereignis zeichnet sich durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation aus. Im Kreis meiner Gesprächspartner gab es niemanden, der nicht hinreichend viel zu tun hatte und hat, um seine Tagesaufgaben neu zu justieren [hier sei im übrigen empfohlen, sich bestimmte, seien es noch so ‚kleine‘ Rituale trotz aller Unterschiede aufrecht zu erhalten, zum Beispiel, dass man sich so anzieht, als würde man ins Büro fahren, auch wenn man gleich im Home-Office sitzt]. Als am häufigsten genanntes ‚Problem‘ sind dabei die Kinder, die den Tag lebendigst durcheinander wirbeln. Aber kennen Menschen diese ‚Störungen‘ im täglichen Handeln nicht auch aus anderen Lebenslagen? Ich selbst kenne das Phänomen aus den Zeiten einer unerwarteten Auftragsflut oder aus der Zeit der Unterstützung meiner Mutter im 600km entfernten Pflegeheim.
  • Das Ereignis destabilisiert im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmal des Selbstzweifels. Ja, der emotionale Bereich kann durch die medizinisch-politischen Rahmenbedingungen in der Tat mächtig unter Druck geraten. Das Spektrum reicht dabei von einer Zunahme- oder Verstärkung von Angst-, Zwangs-, Depressions- und Suchtstörungen, über Probleme mit der Selbstkontrolle [Aggressivität, Lethargie …] bis hin zu kriminellem Verhalten [erste Fälle von Anspucken anderer Personen, Wohnungspartys bei bewusster Infektion – man erinnere ähnliche Verhaltensweisen von seinerzeit AIDS-Infizierten].
    Jedoch, und das lässt mich dafür plädieren, die aktuelle Situation individuell nicht als Krise, sondern als äußerst komplexes und [über]forderndes Problem zu benennen: Dass Menschen an ihrem Selbst, an ihren Werten und Grundüberzeugungen eingedenk von Corona zweifeln, habe ich bisher nicht wahrgenommen. Die virusbedingte Extrembelastung gibt wirklich wenig Grund dafür, sich eine Schuld, eine Verfehlung, ein Versäumnis zuzuschreiben – eine Zuschreibung also, in der man sich fragt, ob man selbst noch einen guten Grund dafür hat, seinen Werten entsprechend zu leben. Wenn Corona als solches also nicht dafür herangezogen werden kann, von Krise zu sprechen, dann darf nicht übersehen werden, dass sehr wohl aber der Umgang mit den Bedingungen zu einer Krise führen kann. Wer sich zum Beispiel von morgens bis abends von den medialen Ergüssen berieseln lässt, der schafft weder das Problem aus der Welt, noch etwas in die Welt. Die Folge ist letztlich der Selbstzweifel a là ‚es ist ja alles so schlimm, ich kann selbst gar nichts ausrichten‘. Erst, wer sich diesen Gedankenstrudel zu eigen macht, läuft Gefahr, in eine Individualkrise zu gelangen. Um in diese Gefahr zu kommen, braucht es aber nicht ein Virus, sondern die Unkenntnis der eigenen Werte [hierüber, insb. wie man die eigenen Werte erkennt, wurde in der Krisenpraxis bereits an vielen Stellen berichtet].
  • Das Ereignis erfordert ein Bündel notwendiger Ressourcen, die die Person entweder nicht hat oder von denen sie nicht weiß, dass sie sie hat, um die Situation zu meistern. Aktuell wird besonders die Ressource Geld thematisiert. Klar, wenn einer Person die finanzielle Puste ausgeht, dann kommen Ängste aller Art hoch – in den allermeisten Fällen jedoch fangen die verschiedenen Schutzschilde den Einzelnen auf, zumindest in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern. Das allein ist fraglos zu kurz gesprungen, denn in unserem globalen Dorf verdienen viele Menschen einen Teil ihres Geldes über ihre Unternehmen und Organisationen mit Partnern, deren Volkswirtschaften deutlich stärker durch die aktuellen Bedingungen in die Knie gehen werden. Oder sie arbeiten in einer selbständigen oder freiberuflichen Tätigkeit, in der sie ohne nennenswerte Rücklagen für solche Notsituationen bei längerem Auftragsausfall an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten stoßen. Das wiederum wird dazu führen, dass Corona [es hätte auch jedes andere Mega-Ereignis können] auch in Deutschland trotz Ausschöpfen aller [Einspar-]Quellen zu einer höheren Arbeitslosigkeit und Insolvenzquote führen wird.
    Weiter gedacht erscheint dann jedoch aus unserer psychologischen Perspektive das eigentliche Problem am Horizont, das sich zu einer individuellen Krise auswachsen könnte, würde daran nicht gearbeitet: „Das Bedrückende ist nicht die Arbeitslosigkeit an sich, sondern das Sinnlosigkeitsgefühl. Der Mensch lebt nicht von der Arbeitslosenunterstützung allein.“ [Viktor Frankl]
    Womit wir beim zentralen Thema der Sinntheorie Viktor Frankls sind. Weiß der Mensch um seine wesentliche Ressource, seine Werte, dann findet sich ein Ausweg aus der empfundenen Sinnlosigkeit. Dann findet sich eine Antwort auf die Frage: Wozu ruft mich die jetzige Situation auf? Worum hat es mir jetzt zu gehen? Wer seinem Leben auf diese Fragen antworten kann, findet wieder Anschluss – vielleicht nicht gerade und genau da, wo man zuvor stand, aber doch robust genug, um sich bei aller Veränderung nicht zu verfehlen.

Corona-Blog: Pandemic Footprint Index

Ermitteln Sie in wenigen Schritten Ihren pandemischen FußabdruckJeder einzelne kann dazu beitragen die Pandemie einzudämmen. Verhaltensempfehlungen für den Alltag. Berechnen Sie Ihren Indexwert zwischen 0 und 1.000 – je geringer der Wert, desto besser.

Bleiben Sie gesund.
Morgen geht’s weiter. Mit der Frage, was aktuell wirklich Krise ist.

Corona-Blog: Ja, sind wir denn nun ganz von der Rolle?

Die Nachrichten sind zwischenzeitlich voll von aufregenden Ereignissen rund ums Papier für stille Minuten. Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern wird das gerollte Papier zu einer Art Aktie für den Notfall. Selbst die Politik muss darauf aufmerksam machen, dass ein Notstand der Güter des täglichen Bedarfs überhaupt kein Thema ist – besuche ich selbst den Großhandel, zum Beispiel Metro, Selgros oder den Edeka-Großhandel, dann sind die Regale proppevoll. Was soll das also? Kurz gesagt: Die Psyche meldet sich auf ihre langweiligste Art und Weise. Der Raubtierkapitalismus manch ‚kleinen Mannes‘ – auch Frau – scheint voll durchzuschlagen. Andere stehen fassungslos diesem Treiben gegenüber und fragen sich, wie sich das Phänomen erklären lässt?

Im Coaching werden diese Persönlichkeitsakzentuierungen gerne herangezogen, um Hypothesen darüber zu bilden, was wohl der Urknall für Verhalten wie diese gewesen sein könnte. Dieser ‚Übung‘ will ich nun auch etwas nachhängen [so, wie ich dies in meiner, übrigens den aktuellen Kontaktregeln ensprechenden, Coachingausbildung mit den Teilnehmer*innen praktiziere], ohne Anspruch auf Vollständigkeit – im Gegenteil, eher als Anregung für Sie, vielleicht im Kreise der Familie [gerade Kinder machen da gerne mit] über diese oder andere Besonderheiten in Zeiten des Virus nachzudenken und miteinander zu plaudern.

Lust auf Rolle, weil

  • Ausscheidung ist schambesetzt. Das will man vermeiden.
  • Gier als Verhaltensmuster bestimmter Menschentypen ist die Ursache.
  • Der berühmte Herdentrieb – früher war es der Sommerschlussverkauf, heute die Rolle.
  • Zeitungspapier, Wasser oder Bärlauchblätter – diese Möglichkeiten aus Kriegszeiten will man in unserer zivilisierten Welt nicht mehr in Betracht ziehen.
  • Die Rolle ist eine Ersatzhandlung – das flauschige Papier tut gut in rauer Zeit.
  • Der Virus könnte besonders am Ausgang sitzen, viel Virus, viel Papier. Logisch, oder?
  • Zur Ausscheidung ging man bisher zu McDonalds, ins Museum, zu Freunden und/oder man nahm – als Zusatznutzen – den Besuch im Schwimmbad, im Seniorenheim, natürlich auch den Arbeitsplatz usw. für die Örtchen-Momente in Anspruch. Folge: zu Hause ist nun Papier-Ebbe.
  • Ausgehbeschränkungen führen zu Warteschlangen vor dem Wohnungsklo – die ganze Familie muss, das ins neu und bedarf der Vorratshaltung. Außerdem wird mangels Restaurant wieder mehr zu Hause gegessen, mit den entsprechenden Verdauungsfolgen.
  • Der Virus zwingt uns zu Veränderungen – gegen ihn können wir unmittelbar nichts tun. Anders beim Zwang des eigenen Körpers, da haben wir mit der Rolle ein Sicherheitsgefühl, noch handeln zu können.
  • Nicht zu vergessen, in der Steinzeit haben wir gejagt und gesammelt – wo gibt es diese Gelegenheit noch in einer Überflussgesellschaft?
  • Menschen könnten schlicht den Dreisatz nicht beherrschen: wenn ich eine Rolle in drei Tagen benötige, wie viele sind es dann in zwei, vier, zehn Wochen? Gut, dafür hilft der Rollenkalkulator.
    [Wem die Statistik reicht: Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche in seinem Leben 3.651 Rollen, pro Jahr 46, pro Sitzung 57 Blätter – Quelle: Industrieverbands für Körperpflege und Waschmittel. Jetzt aber hurtig ins Bad und nachzählen.]
  • Das Virus ist unbekannt – zumindest der Normalbevölkerung. Die Vorstellung seiner Herkunft, seien es Fledermaus, chinesische Wildtiere oder andere von sogenannten Fachleuten formulierten Spekulationen, bereiten Angst, vielleicht auch Ekel. Das Klopapier ist dagegen ein Hort der Sicherheit und des Kontrollerhalts.
  • Mit den Rollen kann man prima auch die von der Regierung verordnete Abschottungszeit rechnen. Sprechen da manche in den Medien von Monaten der sozialen Quarantäne, dann kann man am Verbrauch der Rollen das Ende des Virus kommen sehen. Fast so wie das Maßband, das Soldaten abschneiden, wenn es an das Ende der Dienstpflicht geht. Die letzte Rolle als Maß aller Hoffnung – das ist fast schon lyrisch.
  • Leider – auch das gehört dazu – werden manche Menschen mit spezifischen Zwangserkrankungen besonders auf das Klopapier angewiesen sein. Vielleicht sollten alle Therapeuten diese Perspektive im Auge behalten und mit ihren Patienten den Umgang mit der besonderen Situation erörtern.
  • Auch nicht ganz abwegig mag die Vorstellung sein, dass sich das Papier für ganz andere Nutzungen anbietet als der bekannten. Basteln, spielen, auch die Anfertigung von Lockenwicklern oder der Einsatz als Putzlappenersatz sollten den Massenkonsum mit erklären helfen.
  • … Hier ist Platz für Ihre eigenen Hypothesen …

Natürlich: Wenn man nun für sich und – [eventuell] ungewohnt – für die ganze Familie plus im Zuge der Nachbarschafts- oder Altenhilfe zur Rolle greift, dann kann schon mal ein größeres Gebinde nachvollziehbar sein. Für das aktuelle Hortungs- und Hamster-Geschehen jedoch findet sich keine rechte Sinnhaftigkeit. Vielleicht also doch kurz in den Faktor Vernunft investieren und sich an Immanuel Kant orientieren: „Kaufe Klopapier nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“.

Bleiben Sie gesund.
Morgen geht’s weiter.