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Jede Tatsache, die ein Mensch vorfindet, ist noch unvollendet

Schauen Sie um sich: Was ist so unvollendet, dass es später nur an Ihnen und Ihrer Verantwortung gemangelt haben kann, würde es weiterhin unvollendet bleiben? Wenn Sie nun sagen: Da gibt’s rein gar nichts, dann nehmen Sie bitte unser virtuelles Stirnerunzeln zur Kenntnis. Wir wissen, dass Menschen sich so sehr selbst im Wege stehen können, dass ihr Blick immer wieder nur reflektiert wird vom eigenen Spiegelbild. Geschieht das, dann steht jeder Mensch in der Gefahr, in einen Zustand höchstpersönlicher Gleichgültigkeit zu verfallen.

Da wo Sie und nur Sie gemeint sind, da findet sich Ihre aktuelle Sinnfrage Ihres Lebens. Eine solche Frage braucht nicht so ‚groß‘ zu sein, dass man unter der erforderlichen Antwort zusammenbricht. Aber wenn die Beantwortung anstehender Fragen nur deshalb nicht erfolgt, weil die eigene Befindlichkeit dadurch beeinträchtigt wird, dann kommt die Person in ihrem Leben schlicht und ergreifend kein Stück weiter. Dann wird Sinn so beliebig, dass es völlig egal wird, ob und in welcher Weise man sich für irgendetwas einsetzt. Dann wird Sinn zum reinen Selbstzweck, zur rein egoistischen Nützlichkeitserwägung. Leider stellen nicht nur wir in der Psychologie fest, dass der Anteil derer, die ihr Leben auf diese Weise verfehlen, ja vergeuden, permanent zunimmt.

Nun könnte man leicht sagen, dass es doch menschlich sei, eingedenk der Flut von Unvollendeten nicht mehr erkennen zu können, wofür die eigene Verantwortung einzusetzen sich wirklich lohne. Wer so mit seinem Leben verfährt, der verfährt sich. Und er landet in der Sackgasse, an deren Ende er erkennen muss, Handlungen und Entscheidungen vermieden zu haben, eben um die eigene Befindlichkeit nicht durch Selbstverantwortung zu stören.

Noch einmal: Schauen Sie um sich! Was ist unvollendet? Was wartet auf Sie? Manche Menschen denken, dass bestimmte Themen so sehr auf andere warten, so dass man sich selbst nicht bewegen muss, da es sicher schon andere richten werden. Eine solche Haltung ist dem sehr nahe, was Viktor Frankl schon vor 100 Jahren als Pathologie des Zeitgeistes ausmachte, mit Folgen, die letztlich die ganze Welt ins Unheil führte. Aber wie gesagt: Es kommt nicht darauf an, die Welt zu retten, sondern das sicht- und/oder fühlbar Unvollendete mit selbstverantwortlichen Handlungen in eine Sinnverwirklichung zu führen. Und dabei kommt es eben nicht darauf an zu handeln, damit man sich fühlt, sondern darum, wofür man gut ist. Und die damit verbundene Frage des eigenen Lebens lautet: „Was wäre wohl einmal nicht geworden ohne mich und ohne meine Verantwortlichkeit.“

Unvollendetes wartet jederzeit auf einen, meinen, Beitrag. Und dieser Beitrag kann zum Beispiel sein, etwas zu schaffen, zu mindern, zu lindern, zu ändern, zu heilen, zu danken, zu klären und vieles mehr. Kein Beitrag dagegen zeigt sich im Abwenden, Schulterzucken, Warten auf den Anderen und vielen anderen Sinn-Abwehrmechanismen mehr. Wem der Moment egal ist, der ist sich selbst egal, psychologisch ein absehbar lebenskritischer Zustand. Und so gar nicht dem Menschen in die Wiege gelegt. Denn der Mensch ist das einzige bekannte Lebewesen, das von Anbeginn an die Hoffnung und Vision von einer stets besseren Welt entwickelte.

Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb so viele Menschen trotz erheblicher persönliche Einschnitte in die Lebensplanung und -qualität nicht aufgeben etwas dafür zu tun, dass sich die pandemische Situation am Ende zur Kräftigung des Gemeinwohls entwickeln wird. Etwas zu tun, also einige der vielen Sinnmöglichkeiten heute zu verwirklichen und nicht zu verwirken meint, aus einem noch Unvollendeten in persönlicher Freiheit und Verantwortung etwas beizutragen, was in die Welt hineingeschafft gehört. Viktor Frankl hatte diesen Gedanken auch bereits pointiert als er meinte, es sei nicht die Aufgabe des Menschen etwas aus der Welt, sondern etwas in die Welt zu schaffen.

Was also soll sein, nachdem Sie sich umgeschaut haben? Jeder Mensch entscheidet sich immerfort. Jammern, Schimpfen, Klagen, Zaudern, Meckern oder Handeln, ohne sich dabei selbst im Weg zu stehen.

Wer nun meint, die Welt sei sowieso zum Scheitern verurteilt, weil man ja nur um sich herum schauen muss, um Leid in allen Formen zu erblicken, der mag vielleicht einmal die Perspektive wechseln: Wer sich bei allem Unvollendeten nicht bewegt und bis zum jüngsten Tag wartet, auf den wird man vielleicht einmal schauen und sagen: Dieser Mensch stand in der Welt, um ihn herum ein Meer der Möglichkeiten und er ertrank in sich selbst.

Fehlt es an Orientierung für richtiges Handeln?

In den bisherigen Monaten der Pandemie wurden und werden wir wie selten zuvor mit individuell-ethisch und -moralischen Fragen konfrontiert. Wollen wir unsere Freiheit von Verboten einschränken lassen? Wie wollen wir die Zukunft unserer Selbstverantwortung noch verstanden wissen, wenn wir diese durch zahlreiche Gesetze und Verordnungen deutlich eingeschränkt erleben? Wie stehen wir zum Kontext Impfung, wie zu Menschen, deren Meinungsbild sich in diesem Thema deutlich vom eigenen unterscheidet? Von wo beziehen wir unsere Bewertungsmaßstäbe? Wem gestehen wir zu, uns für die eigenen Entscheidungen und Handlungen ethische Impulse zu liefern? Wem gestehen wir letztlich zu, uns maßgeblich auf dem Weg der Gesellschaftsentwicklung voranzugehen? Ist es das Bundesverfassungsgericht? Oder Ethikkommissionen? Oder Kabarettisten? Oder die Kirchen? Oder vielleicht der Stammtisch – sofern man sich dort im gebührenden Abstand zueinander austauscht? Oder ist es der eigene Hausarzt, der Nachbar oder jemand, der mit einem Megafon in der Hand auf dem Marktplatz die Menschen mit den eigenen Überzeugungen zutextet? Haben wir bei aller Pluralität verlernt, uns der Singularität einer ethischen Maxime und-oder eines grundlegenden Menschenbildes hinzugeben und uns darüber Lebensorientierung zu holen? Oder ist es uns sogar ganz recht, heute links und morgen rechts herum im Meer der Perspektiven zu schwimmen, vielleicht sogar im Kreis, um bloß nicht in die Verpflichtung zu kommen, eben einer dieser Orientierungen zu folgen?

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde, schrieb einst Immanuel Kant. Aber wer rät uns heute zu einer Handlungs-Maxime, die morgen noch Bestand haben kann? Greta? Biden? Putin? Xi Jinping? Karl Lauterbach? Der Papst? Ihr Chef? Meine Frau?


Ich habe mich an einem der stillen Vorfrühlingsabende jüngst mit dieser Frage selbst auseinandergesetzt. Dabei habe ich mich gefragt, wer meine wesentlichen moralischen Instanzen waren, als ich mich auf dem Weg ins Erwachsenwerden befand – und, wer heute diese Funktion einnimmt? Zu diesem Ergebnis bin ich gekommen: 70er Jahre: Willy Brandt, Hannah Arendt, Hans Jonas, Joseph Beuys, Pink Floyd, David Bowie.
Heute: Viktor Frankl, Ferdinand von Schirach, Joseph Beuys


Ob es heute vielen so geht, dass ihnen die moralisch handlungsanregende Luft immer dünner wird? Tritt statt des Einflusses einer Vorbildhaftigkeit bestimmter Persönlichkeiten immer mehr Selbstbezüglichkeit des Einzelnen in den Mittelpunkt des Handelns? Womöglich hätte das den Vorteil, dass potenzielle Vorbilder entlastet werden von der Bürde, dass ihre Grundüberzeugungen zu gesellschaftlichen Handlungsmaximen extrapoliert werden. Andererseits hätte dies den Preis, dass jeder Einzelne über ein inneres Lot verfügen müsste, persönliche Rechte mit Pflichten und Verantwortungen für das Gemeinwohl austarieren zu können. Ob die Menschen unseres Landes überdurchschnittlich über ein solches Lot verfügen mag eine Frage an die sozialpsychologische Forschung sein. Ebenso die Fragen, was dieses Lot heute sein sollte, worum es einer Person im Kern geht, die über ein solches Lot verfügt und welchem Risiko eine Person ausgesetzt ist, ihr inneres Lot im Kontext einer medial permanenten Sichtbarkeit transparent zu machen.

In eigener Anschauung des winzigen individuellen Weltausschnitts habe ich Zweifel daran, dass es ausreichend, geschweige denn über den Durchschnitt hinaus genügend Menschen gibt, die sich neben der Pflege ihrer verfassungsgemäßen Rechte auch ihrer Verpflichtung für das über sie wirklich hinausgehende Gemeinwohl annehmen. Wenn – wie es Howard Gardner beschreibt -„Intelligenz die Fähigkeit ist, Probleme zu lösen oder Produkte zu schaffen, die für eine bestimmte Gemeinschaft oder Kultur von Bedeutung sind“, dann erscheint sich diese Intelligenz mir hierzulande noch zu sehr auf die Bedürfnisbefriedigung des Einzelnen in einer Hochleistungsgesellschaft auszurichten. Der offenkundig mühevolle Lernprozess, sich als Person zu transzendieren auf ein kollektiv-Anderes, in dem der eigene Nutzen hintansteht, ist für mich zwar spürbar im Gange. Ob dieses Lernen jedoch schnell genug verläuft, damit der ‚Transzendenz-Ruck durchs Land‘ wirkungsvoll und zukunftsweisend wird, bleibt mir eine der spannendsten Fragen überhaupt. Die Gefahr des Scheiterns dieses bislang noch zarten Gesellschafts-Pflänzchens scheint mir mit einem Zitat von Mark Twain recht gut getroffen: „Streite niemals mit dummen Leuten, sie werden dich auf ihr Niveau bringen und dich dann mit Erfahrung besiegen.“ Vielleicht ist dies die grundlegendste Verantwortung, die ein Mensch übernehmen kann ….

 

 

 

Ohne Werte wird aus ‚handeln‘ nur ein ‚machen‘

„Die Charakteranlage ist auf keinen Fall das jeweils Entscheidende; letztlich entscheidend ist vielmehr immer die Stellungnahme der Person. In ‚letzter Instanz‘ entscheidet die [geistige] Person über den [seelischen] Charakter, und in diesem Sinne läßt sich sagen: zuletzt entscheidet der Mensch über sich selbst. Daß er dies nicht immer faktisch tut, wohl aber fakultativ, ändert nichts an der prinzipiellen Gültigkeit dieser Aussage. Der Mensch hat also nicht nur Freiheit gegenüber Einflüssen aus seiner Umwelt, sondern auch gegenüber seinem eigenen Charakter.“ [Viktor Frankl]

Die von Frankl genannte ‚letzte Instanz‘ ruht in der Kenntnis, dass jeder Mensch ein [ihm womöglich nicht klares und selbst-bewusstes] Wertesystem hat, aus dem heraus über Prozesse der Bedeutungsgebung und Bewertung am Ende der Wirkungskette ein bestimmtes Handeln steht. Studien kommen immer wieder zum Ergebnis, dass Werte der eigentliche Auslöser des Handelns sind (Bamberg 1996, Adlwarth/Wimmer 1986, Iser/Schmidt 2005 u.a.]

Für Frankl sind Werte ‚Sinnuniversalien‘ – das individuelle Wertesystem vermag es daher bestenfalls, einem Menschen ein ‚Universum‘ möglicher Sinnangebote zu eröffnen. Kennt ein Mensch jedoch sein Wertesystem nicht oder hat er ein ausgesprochen enges Wertespektrum [zum Beispiel überwiegend Werte aus dem Kontext ‚Leistung'[, dann reduziert dies den Zugang zum ‚Universum‘ der per se gegebenen Sinnmöglichkeiten. Kommt nun ein derart ‚fokussierter‘ Mensch in eine Krise, weil genau das, was er fokussiert, angegriffen wird [Leistungswerte => Krise durch Arbeitslosigkeit oder Unfall usw.] dann steht er im Risiko, nicht mehr wertebasiert handeln zu können, sondern nur noch irgendetwas zu machen. Dies zu verändern, ist krisenpräventiv leistbar, in einer manifesten Krise jedoch deutlich erschwert.

Verstehen wir Werte als relativ konstante persönliche Überzeugungen, die darüber entscheiden, welche Handlung vollzogen wird, dann wird klar, warum individuelle Krisen im Kern immer Wertekrisen sind. Dazu erinnern wir an die Definition von Krise, in der das entscheidende Kriterium, um überhaupt von einer Krise sprechen zu können, der Selbstzweifel ist. Zweifelt ein Mensch an seinem Selbst, dann zweifelt er daran, auf der Basis seiner Werte handeln zu können. Würde man zum Beispiel ’nur‘ an seiner Kompetenz zweifeln, dann wäre es recht einfach, eine Krise zu überwinden. Man müsste sich dann nur Personen annehmen, die in diesem Krisenkontext kompetent sind. Ein ‚Selbst-Zweifel‘ hingegen ist nicht zu delegieren, seine Auflösung bedarf der Werteklärung und -entwicklung. Wer diese Schritte geht, ermöglicht es seinen Werten, aktiv eine Form anzunehmen, so wie es einmal Werteforscher Schwartz beschrieb: Desirable transsituational goals, varying in importance, that serve as guiding principles in the life of a person”.

Jüngst wurde ich von einem Patienten gefragt …

Kann ein Mensch wissen, ohne zu glauben?
Wie ist das bei Ihnen, meinem Therapeuten?

Zugegeben, an eine weise Gestalt mit weißem Bart konnte ich schon als Kind nicht glauben. Das Gerede vom Himmel nahm ich nicht ernst, die Hölle tauchte in meiner protestantischen Erziehung glücklicherweise gar nicht erst auf, erst recht nicht das ‚jüngste Gericht‘ oder ein Gott als strafende Instanz.

An sich fühlte ich mich frei, nicht im Sinne Nietsches, sondern eher in einer konstruktiven Naivität, die ein unbeschwertes Leben gut ermöglicht. Nun, der Zahn der Zeit ist auch an mir nicht vorbei gegangen. Mit Mitte 50 nehme ich andere Rollen ein, habe ich auch andere als erhoffte Lebenserfahrungen gemacht und nicht alle waren so, dass in ihnen konstruktive Naivität gefragt gewesen wäre.

All das, von dem ich meine, dass es mein besonderes Leben war, habe ich bislang gemeistert. Ich bekam, was ich wollte – zumeist jedenfalls. Mein Verdrängungskonto ist nicht besonders angefüllt – meine ich jedenfalls. Ich habe Menschen willentlich nicht enttäuscht oder verletzt – hoffe ich jedenfalls. Mit einem Streben nach dem Guten etwas zu tun, habe ich getan – denke ich jedenfalls. Vieles meines Lebens erinnere ich, vieles weiß ich. Aber was glaube ich?

Ich finde, dass ein Mensch ernsthaft sein Leben nur im Vertrauen auf seine eigenen Kräfte leben kann. Dieses Selbstvertrauen umfaßt für mich auch das Vertrauen in die Welt, Vertrauen in den guten Lauf der Dinge. Ob das die konstruktive Naivität ist, die ich meine zu leben? Wer kann mir schon garantieren, dass es gut wird? Trends, Vorhersagen und Zukunftsprognosen sicher nicht.

Im Kern kommt das Leben für mich stets von vorn, in aller Wucht und für mich mit einem fröhlichen Blick. Ich bin voller Zuversicht, etwas zu bewirken, etwas zu erreichen, einen Beitrag leisten zu können. Der Sinn in meinem Leben ist mir klar – ich weiß gerade jetzt um meinen Sinn. Das tut gut. Der gute Gott liegt für mich im guten Tun. Am Anfang ist das Wort – und Gott ist in der Tat – in der Tat, da ist Gott. Eine liebende Instanz, die Instanz des Sinns. Kommt der Sinn, geht die Suche, geht die Frustration, geht die Leere. Kommt der Sinn, kommt Vertrauen, kommt das uneingeschränkte Ja, der uneingeschränkte gute Wille. Dann ist Gott da. Das weiß ich, also kann ich auch glauben.

Sinn-Wegweiser

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. [Rousseau]

Nicht jeder kann tun, was er will. Es gibt Grenzen. Geschriebene, ungeschriebene, vom Gewissen gesetzte. Jeder Mensch lebt in solchen Bedingungen. Und jeder Mensch schafft Bedingungen.

Für Sie sind diese von mir verfassten Texte gerade eine ‚Bedingung‘. Und dadurch, dass Sie gerade
lesen, schaffen Sie sich und Ihrem Umfeld Ihrerseits ‚Bedingungen‘.
Selten reflektiert und dennoch Fakt: Wir leben in Bedingungen und sind doch immer frei, uns zu ihnen zu stellen. Das ist einer der Leitsätze von Viktor Frankl..

Der Mensch muss nicht tun, was er nicht will. Sie müssen diese Texte nicht lesen, wenn Sie nicht wollen. Ist das nicht herrlich frei? Sie können wählen zu lesen, sie können wählen nicht zu lesen, Sie
können wählen anderes zu lesen – nur Sie können eines nicht, nämlich Beides.
Sie können nur einem der Wegweiser folgen. Oder Sie können stehen bleiben. Versuchen Sie beides, werden Sie scheitern. So erklärt sich der Satz von Frankl: Der Mensch hat seinem Leben zu antworten. Zu jeder Zeit. Der Mensch hat zu verantworten. Es ist nur ihm zueigen, dass er verantworten kann. Auch das macht ihn erst zu einem Wesen, das Sinnvolles von Sinnlosem unterscheiden kann.

Der Sinn, der sich in Handlungen formt, begründet den individuellen Ethos. Der Sinn ist unser
wesentlicher Wegweiser. Wozu ist es gut, dass ein Mensch einem Wegweiser folgt, und wann ist es für ihn gut, innezuhalten? Wie muss ein Wegweiser gestaltet sein, so dass ein Mitarbeitender in einem Unternehmen ihm folgt? Was muss ein Wegweiser tun, um zu scheitern? Auf welchen
– wie es der Philosoph Peter Strasser nennt – ethischen Horizont weist der Weg? Was brauchen Führungskräfte, um Wegweiser zu sein?

  • Wegweiser müssen erkennen, welche anderen Wegweiser ihnen ihren eigenen Weg gewiesen haben. Und sie sollten sich bewusst sein, dass dies Bedingungen waren, zu denen sie sich jetzt und immer wieder „so oder so“ stellen können.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass sie auf ein Ziel weisen. Und sie sollten sicher sein, dass sie selbst um das Ziel wissen.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass sie zu Veränderungen führen. Sie stellen für andere Menschen Bedingungen dar. Um ihnen entsprechend zu handeln, müssen die Veränderungen
    sinnvoll sein.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass es einen guten Grund braucht, dass ihnen gefolgt wird. Dazu dient zuerst die Klarheit darüber, den guten Grund zu wissen, warum man selbst
    Wegweiser wurde.
  • Wegweiser können nicht nicht Wege weisen. Sie verlieren nie diese Verantwortung. Wegweiser
    sollten daher genau beachten, welche Folgen es hat, wenn man ihnen folgt. Ein Wegweiser muss gerade stehen, und er muss für sich „gerade stehen“.

Blaise Pascal meinte einst, „wenn der geworfene Stein Bewusstsein hätte, so würde er sagen, ich fliege, weil ich will.“ Folgt dieser Stein jedoch einem solchen Wegweiser, so wird er sagen, „ich fliege, weil ich genau so will.“