Schlagwort-Archiv: Kommunikation

Corona-Blog: Stresskommunikation [Rebell]

Ja, einer fehlt noch. Der Rebell. Belastungssituationen und Krisen verleiht er so etwas wie eine Theaterspiel-Atmosphäre. Mit Grandezza, Dramatik oder einem enormen rhetorischen Aufwand formt dieser Verhaltensakrobat die aktuellen Gegebenheiten nach außen mit einer  gewissen spielerisch-trotzigen Leichtig­keit. Gewähren ihm vertraute Personen keinen Beifall für seine ‚Bemühungen‘, das Ernste nicht zu ernst zu nehmen, sondern sprechen ihn vielmehr auf ein höheres Maß an Eigenverant­wortlichkeit an, versteht er sich darauf, die Schuld für die eingetretene Situation bei anderen zu suchen und zu finden. In der jetzigen Situation kann man sich Personen vorstellen, die zum Beispiel ein kleines, florierendes Geschäft führten, aus ihren Erlösen – obwohl möglich gewesen – nichts in die Rücklagen steckten. Nun mit der Lage konfrontiert, können sie nicht verstehen, dass ihnen andere Menschen ihren Mangel an Prävention ‚vorwerfen‘. 

Eine reflexive sachliche Auseinandersetzung mit den eigenen Anteilen wird von Rebellen gerne ‚zurückgestellt‘ – zu wuchtig wäre wohl der Schmerz. Lieber greift der Problemluftikus zu Ablenkungen aller Art, bis seine Ausblendungs­methoden nicht mehr greifen und er ,bei aller Freundschaft‘ aufgefordert wird, endlich Position zu beziehen und einen Beitrag zur konstruktiven Veränderung der Situation zu leisten.

In der Begleitung eines ,Rebellen‘ gilt es, seine Reali­tätsresistenz, Naivität und Trotzigkeit durch eine ermutigende, ernstnehmende Unterstützung mit bildhafter Gesprächsführung zu steuern, ohne ihn für seine Haltung zu belächeln oder seine Ergebnisverant­wortung in Frage zu stellen. Denn: Günstig ist seine grundsätzliche Haltung ,unter den Menschen gibt es viel mehr Kopien als Originale‘. Sie bewahrt ihn davor, fremdbestimmenden ‚Einflüsterungen‘ von Dritten zu folgen und erhält ihm seine Wahrnehmungsvielfalt und Handlungsflexibilität für wichtige Entscheidungen.

Kommunikationsstil: REBELL
Kommunikationsbedürfnis:
Freiheitsgrade und Vernetzung
Psychisches Bedürfnis:
Will Kontakt und Spaß
Verhalten unter Alltagsstress:
Reagiert mit großer Anstrengung auf Anforderungen, bemüht  sich aber vergeblich, diese in ihrer Tragweite zu erfassen
Verhalten unter Dauerstress: Sucht die Schuld bei anderen, klagt und jammert
Lebensthema:
Eigenverantwortung
Authentisches Gefühl wäre:
Aufrichtiges Bedauern
Scheingefühl [die ‚Masche‘]: Äußert 
Rache und Trotz

Morgen dazu eine kleine Episode aus einer Familientherapie mit Einsatz der Prozesskommunikation.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund. 

Corona-Blog: Stresskommunikation [Macher]

Wer seine Motivation aus konkretem Handeln zieht, der ist gerade wohl am schlechtesten dran. Zu Hause hocken – für viele ‚Macher‘ steht das Leben gefühlt komplett still, und gerade das zu ertragen, fällt ihnen anders als anderen Menschen enorm schwer. Macher wollen Action, einen Baum ‚ausreißen‘, mehr tun als reden. Aus ihrem Kommunikationsstil hört man den Druck heraus, unter dem sie stehen, wenn für sie einfach zu wenig geschieht. Sie fordern, dass etwas passiert [zuweilen, wie bei Präsident Trump mit einem Hauch von Irrationalität] und man hört förmlich das Ausrufezeichen hinter ihren meist kurzen, knappen Sätzen. Andere emotional zu unterstützen ist nicht das Ding eines Machers – der ‚Befehlston‘ schon. Aber, wenn es ungerecht zugeht, dann kann ein Macher schon deutlich mit der Faust auf den Tisch hauen und damit seinem Umfeld signalisieren, ‚ich bin für Euch da – mit meinen Taten‘.

Kommunikationsstil: MACHER
Kommunikationsbedürfnis: Austausch von Handlungsmöglichkeiten [Lets talk about a deal!]
Psychisches Bedürfnis:
Will Aufregung und Aktion
Verhalten unter Alltagsstress:
Erwartet von anderen, dass sie stark sind und sich selbst helfen Verhalten unter Dauerstress: Ignoriert oder bricht Regeln, versucht zu manipulieren
Lebensthema:
Bindung
Authentisches Gefühl wäre:
Nähe
Scheingefühl [die ‚Masche‘]: zeigt anderen seine ‚Rache‘ 

Macher unter Corona-Stress neigen dazu, in die Situation Streit und Anklagen hineinzutragen und damit die eingetretene massive Belastung noch weiter zu eska­lieren. Rachevolles Verhalten wird denen gegenüber gezeigt, die dem Macher in welcher Form auch immer, die Handlungs-Handschellen anlegen wollen. Die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und -distanzierung ist unter Stress vielen Machern nicht wirklich gut gegeben. Wollen ihm vertraute Personen den ,eigenen Anteil an der Verschärfung der Situation‘ ansprechen, dann erfahren sie hierfür Ablehnung und Abweisung bis hin zur Trennung. In der Begleitung eines ,Machers‘ gilt es, seine Vertrauensresistenz, Handlungsschnelligkeit und Offen­sivkraft durch eine erfahrungsbasierte Unterstützung mit deutlicher Grenzziehung und klaren Vereinbarun­gen zu steuern, ohne ihn dabei zu demütigen oder ihn mit Moralvorstellungen zu lenken.

Günstig ist seine grundsätzliche Haltung des ’nur dem Mutigen gehört die Welt‘. Sie ermöglicht ihm die tatkräftige und zügige Umsetzung umfassend reflektierter Entscheidungen. 

Morgen komme ich zum Abschluss, mit dem Rebellen.
Und wenn Sie daran interessiert sind, zum Beispiel Auswertungen der Kommunikationsbedürfnisanalyse für sich und Ihre Familie zu beauftragen, dann stehe ich Ihnen dafür gerne zur Verfügung. Die Ergebnisse erhalten Sie als pdf und das Auswertungsgespräch können wir dann zeitnah über Skype, Zoom oder auf einem anderen Weg sicher leicht realisieren.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.

Corona-Blog: Man kann doch nicht den ganzen Tag lesen …

Die eigenen vier Wände – manchmal können sie einem aber auch zu eng werden. Und wenn dann auch noch die Sonne lacht, dann rumort es innerlich: Ich bin ein Mensch, holt mich hier raus!
Und in Anlehnung an eine Strophe in einem Grönemeyer-Song: Der Fuß will vor die Tür, aber er darf nicht – jedenfalls nicht überall hin. Was kann also getan werden, um das angeschlagene Gemüt zu erheitern und zu beruhigen? Ein paar Tipps:

  • Wenn es die Räumlichkeiten zulassen, dann stellen Sie Ihr TV-Gerät so auf, dass Sie nicht automatisch hinschauen, sollte es eingeschaltet sein. Wählen Sie einen Sender, der nicht pausenlos dieselben Nachrichten abspult, sondern einen guten Mix zwischen Nachrichten, Kommentaren und Unterhaltung anbietet. Mein Favorit: phoenix.
  • Nehmen Sie sich an jedem Abend ein konkretes ‚Unangenehmes‘ vor, das Sie am Folgetag abschließend erledigen wollen. Mit Abschluss der Sondersituation, die wir alle erleben, haben Sie dann den Kopf wieder richtig frei für die schönen Dinge im Leben. Was mache ich selbst morgen? Schuheputzen, o graus. Heute war es die private Ablage, die mich/uns hier auch nicht mehr länger mahnt, erledigt werden zu wollen.
  • Lüften Sie jeden Tag. Frische Luft in der Wohnung tut ebenso gut wie ein Spaziergang.
  • Die Klassiker gelten natürlich weiterhin: Sport, Sex, gute Musik, gute Filme, gute Bücher, Telefonate mit Freunden, die mit dem Satz beginnen: Lass uns sprechen, aber bitte nicht über Corona und seine Folgen. Was mir selbst zudem auch immer gut tut: Blumen. Ein festes Ritual und immer ein erfreuender Blickfang.
  • Machen Sie eine Liste der Aktivitäten, mit denen Sie wieder beginnen werden, wenn die Sondersituation überwunden sein wird. Wo und mit wem werden Sie zuerst feiern? Wen oder was werden Sie zuerst besuchen? Welches Geschenk werden Sie sich zuerst bereiten? Vielleicht gilt es aber auch, etwas nun würdevoll zu betrauern?
  • Wer etwas Geld übrig hat: Vielleicht können Sie eine kulturelle Einrichtung Ihres Wohnortes unterstützen, mit einer Spende oder einer Hilfe beim Einsatz der sozialen Medien? Jazzclubs, Marionettentheater, Kleinkunstbühne, Zirkus, … es gibt viele Adressen, die sich freuen, wenn sie mit Ihrer Hilfe leichter über die Runden kommen. Ich selbst habe gestern unserem rührigen Kinounternehmen bereits einen Schwung Kinokarten abgekauft.
  • Haben Sie einen positiven Lieblingssatz, den Sie sonst auch immer zu sich sagen, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht? Dann nutzen Sie unseren Countdown bis zum Ende des Lockdowns auf unserer Seite oben und sprechen Sie Ihren Satz genauso häufig aus wie es noch Countdown-Tage hat.
  • Vielleicht haben Sie ja auch Freude an einer Weiterbildung, die Sie zu Hause durchführen können oder die Sie für die Zeit danach einplanen wollen? Es gibt unglaublich viele Angebote dazu, ich beschränke mich hier nur auf unsere eigenen 🙂 – Vorsicht: Eigenwerbung : www.life2me.de, www.ausbildung-zum-krisencoach.de [führende deutschsprachige Individualausbildung, keine Gruppe], www.coachpro.de, www.jellbull.de und eine Reihe anderer Angebote auf http://www.wertepraxis.de
  • Und ist das Herz wirklich einmal zu schwer und niemand da, mit dem man sich gut austauschen kann:
    Die deutschen Logotherapeuten helfen Ihnen gerne weiter.
    Ebenso die Telefonseelsorge.
    Viele gute Tipps finden Sie auch im Psychiatrienetzwerk. Und auch hier in der KrisenPraxis hoffen wir, dass Sie Beiträge finden, die Ihnen gerade jetzt gut weiterhelfen können.
  • Allemal hilfreich: LACHEN. Bei Youtube gibt’s auch immer wieder Amüsantes jenseits des C-Wortes. Hier ein Beispiel.

Bleiben Sie gesund!

Corona-Blog: Stresskommunikation [Träumer]

Ludger K. ist Facharbeiter in einem Augsburger Unternehmen und wie viele unmittelbar betroffen vom Corona-Problem. Gemeinsam mit seiner Frau kommt er in die von ihr initiierten Paar-Logotherapie. Sie eröffnet das Gespräch damit, dass es eigentlich nicht der aktuellen Situation bedurft hätte, um sich zusammenzusetzen, aber jetzt ist es eben besonders schlimm. Ihr Mann würde einfach nur rumhängen und wenig Produktives zustande bringen. „Er bekommt den Hintern nicht hoch – wie immer, wenn die Lage ein entschlossenes Handeln erforderlich machen würde. An sich ist es eine beneidenswerte Gabe, sich von nichts anfassen zu lassen, aber es ginge nun mal auch nicht, sich realitätsfremd zu verhalten.“

Bei den Worten seiner Frau zeigt Ludger keine sonderliche Überraschung. Er erwidert nur kurz, es brächte ja nun nichts, sich aufzuregen oder in hektische Betriebsamkeit zu verfallen – was seine Frau zum Anlass nimmt aufzuzählen, an welchen Stellen in der Kindeserziehung, im Haushalt oder auch in der beruflichen Weiterentwicklung die Gegebenheiten kein Nachlassen der Aktivitäten zuließen.

Ludger hört sich alles an und meint nur, der Spuk wäre schon irgendwann wieder vorbei und dann wäre immer noch Zeit, sich neu auszurichten. Seine Anmerkungen geben mir zu verstehen, dass sich da eine Person durchaus vital mit der Situation auseinandersetzt – nur eine völlig andere Sichtweise einnimmt als seine Frau. Ludgers Temperament zeigt Züge einer eher phlegmatischen Abwartehaltung, seine Stimme und Wortwahl sind unaufgeregt, es wirkt als würde er sich eher wundern darüber, dass sein Umfeld die Situation mit Sorgen, Grübeleien und Negativszenarien kommentiert.

Mich erinnern die beobachtbaren Phänomene an das Kommunikationsbedürfnis eines Träumers. In der Hoffnung, die Belastungssitua­tion würde sich womöglich wie von ‚Geisterhand‘ auflösen, verpassen diese ,Krisenaussitzer‘ wichtige Zeitpunkte, um aktiv und selbstverantwortlich zu handeln. Meist haben vertraute Personen vergeblich versucht, sie zu deutlichen Entscheidungen und Aktionen zu bewegen – das Ergebnis sind tendenziell halbherzige Schritte, ein ‚Sich-Verzetteln‘ in wenig wirkungsvollen Maßnahmen und eine Reduzierung der Kommuni­kation auch mit wohlgesinnten, konstruktiven Gesprächspartnern.

In der Begleitung eines ‚Träumers‘ gilt es, seine Beratungsresistenz, die Fokussierung auf seine Innenwelt und seine Vorsicht vor proaktivem Handeln durch eine profunde und direktive Unterstützung mit konkreten Arbeits- und Zeitplänen zu steuern, ohne ihn dabei zu überfordern oder ihm seine Eigenverantwortung zu beschneiden.
Günstig ist seine grundsätzliche Haltung eines ‚in der Ruhe liegt die Kraft‘. Sie bewahrt den Träu­mer vor vorschnellen Handlungen und ermöglicht ihm, wichtige existenzielle Entscheidungen nach ausreichender Überlegung auch zu treffen.

In der Auswertung des Fragebogens des Prozesskommunikationsmodells bestätigt sich die Hypothese. Der Träumeranteil [Ludger: „Mein Vater ließ sich auch nie aus der Ruhe bringen!“] wird bestätigt und der ihn flankierende, ebenfalls hohe Beharrerstil verstärkt die Grundhaltung Ludgers zudem darin, dass sein ‚Vorgehen‘ passend sei für die Bewältigung der Bedingungen.

 

Kommunikationsstil: Träumer
Kommunikationsbedürfnis:  
Austausch über Vorstellungen und Reflexionen
Psychisches Bedürfnis:
Will mit sich allein sein und Ruhe
Verhalten unter Alltagsstress: Z
ieht sich zurück, wird passiv
Verhalten bei Dauerstress: W
artet solange, bis er aus der Reserve gelockt wird; fühlt sich fehl am Platz und bringt seine Arbeiten nicht zum Ende
Lebensthema:
Autonomie
Authentisches Gefühl wäre:
Selbstbewusstsein
Scheingefühl [Masche]: Äußert 
Bedeutungslosigkeit

Morgen geht’s weiter. Mit dem Macher.
Bleiben Sie gesund.
Haben Sie Fragen oder Anregungen? Über Ihre Nachricht [Mailfunktion ganz oben auf dieser Seite] freue ich mich.

 

 

Corona-Blog: Stresskommunikation [Beharrer]

Wer kennt sie nicht – die Beharrer. Menschen, die sich pflichtbewusst durchbeißen und unter Stress eifrig predigen, was denn nun das Wichtigste zu tun sei. Seine Grundhaltung: Augen zu und durch – dass man womöglich selbst Anteile daran hat, sich in einer Situation verrannt zu haben, kommt einem Beharrer nicht in den Sinn. Andere müssen perfekt sein, und da sie es nicht waren hat sich die Lage verfahren – daran glaubt der Beharrer felsenfest und kommuniziert es auch. Und wenn es schon so ist, dann muss er natürlich weitermachen, sich bis zur Erschöpfung einbringen, mit dem Kopf durch die dickste Wand gehen. Das ist er sich wert, das findet er gut, dafür gebührt ihm aus seiner Sicht Respekt.  

Für seine Anstrengungen will er Erfolg und den Besitz an der finalen Lösung. Wer mit ihm in belastender Situation spricht, sollte daher gewappnet sein – denn sein Widerstand und Widerspruch gegen andere Ansichten kann mächtig sein und jeder, der gegen ihn verliert, wirkt wie neuer Treibstoff auf dem Weg zu dem aus seiner Sicht einzig Wahren. Der ‚Beharrer-Apostel‘ sieht in der ihn belastenden Situation nicht vorrangig sich selbst als Person unter Druck stehend, sondern vielmehr das von ihm bis heute Geschaffene, Entwickelte, Geleistete. Wie ein Mensch, der nicht wahrhaben kann, dass eine neue Generation die Welt anders interpretiert, kämpft er, ,weil die Traditionen zu erhalten sind‘. Oft wirkt er stur, wo atmosphärische Intelligenz gefragt wäre.

Empfehlen ihm vertraute Personen eine neuen Sicht auf Zeitgeist und Gegebenheiten, dann hören sie ihn nicht selten Aspekte ansprechen wie ‚persönliches Lebenswerk in Gefahr‘, ‚erlittene Demütigung‘, ‚weiter harte Arbeit leisten müssen‘ oder ‚Gewissenlosig­keit anderer‘.

In der Begleitung eines ‚Beharrers‘ gilt es, seine Zukunftsresistenz, seine Neigung zur Abwertung der Ansichten seines Umfeldes und seine zuweilen dogmatische Selbstüberschätzung anzusprechen. Dabei ist hilf­reich, ihn biografisch auf frühere Lernprozesse zu befragen, ohne dabei die für ihn wichtige Diskretion in Frage zu stellen. Günstig ist seine grundsätzliche Haltung des ,Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren‘ [Brecht]. Sie bewahrt ihn davor, aufzuste­cken oder seine Grundüberzeugungen dem Opportu­nismus zu opfern.  

Kommunikationsstil: Beharrer
Kommunikationsbedürfnis:
Austausch von Meinungen
Psychisches Bedürfnis: Will Anerkennung für seine Leistung und seine Überzeugungen
Alltagsstress: Erwartet, dass andere perfekt sind, findet daher schnell etwas
auszusetzen, beharrt dann auf seinen Ansichten
Dauerstress:
missioniert oder predigt seine Überzeugungen
Lebensthema:
Angst
Authentisches Gefühl wäre:
Angst
Scheingefühl [
Masche]: Äußert Selbstgerechtigkeit und Ärger

Warum Angst als Lebensthema? Im Kern geht es dem Beharrer darum, seine Wertemaßstäbe, Grundüberzeugungen, Qualitätsvorstellungen heraus- und als Maß aller Dinge darzustellen. Und in der Tat – was Beharrer auch gegen Widerstände durchsetzen, ist vielfach bemerkenswert. Umso größer ist die Angst davor, dass das nicht mehr gelingt, dass die eigene Meinung nichts mehr zählt, dass man als ‚unwichtig‘ gilt. Dagegen wehrt sich der Beharrer und erwartet von seinem Umfeld, dass auf perfekte Weise [seinen] Empfehlungen gefolgt wird.

Dass viele Politiker einen hohen Beharreranteil in ihrer Kommunikationsbedürfnisarchitektur haben, dürfte kaum überraschen. Manche suchen förmlich nach jeder Gelegenheit, die eigene Position in die Kamera sprechen zu können. Auch bei Corona kann man den Eindruck gewinnen, dass viele – auch diejenigen, die weder Gesundheits- noch Wirtschaftskompetenz haben – danach drängen, sich zu produzieren. Wer um sich herum viele Beharrer weiß, der kennt die Meinungsvielfalt, teilweise im Überbietungswettbewerb. Beharrer mit hohem Logikeranteil können ihre Meinungen unterfüttern mit Zahlen, Daten und Fakten – sie wirken oftmals glaubwürdiger [ebenso wie Logiker mit hohem Beharreranteil, also Personen, die aus ihren Analysen und vergleichenden Datenrecherchen ihre Meinungsbildung ableiten] als Menschen mit anderen Kommunikationsstilen.

Morgen geht’s weiter. Mit dem Träumer.
Bleiben Sie gesund.

Corona-Blog: Stresskommunikation [Logiker]

Was geschieht, wenn ein Mensch in Stress gerät und zu wenig von der positiven Zuwen­dung erhält, die er braucht? Anfänglicher Stress, quasi Alltagsstress wird dadurch zu verringern versucht, indem die Person das Verhalten seines Basis-Kommunikationsstils weiter verstärkt, das ak­tuell das stärkste ist. Der Logiker würde – wenn er keine Anerkennung für seine Analysen, genauen Überlegungen, Recherchen, Berechnungen oder Vergleiche erhält – sein Wissen und seine Informationen noch detaillierter ausführen. Immer in der Erwartung, zumindest jetzt die Bestätigung für seine Bemühungen zu erhalten. Geschieht dies immer noch nicht, dann kann es in der nächsten Stressstufe durchaus vorkommen, dass der Logiker infrage stellt, dass sein Gegenüber überhaupt in der Lage ist nachzuvollziehen, wieviel Leistung in seiner Arbeit steckt. Oder dass jemand [Politiker, Ärzte, Journalisten …] überhaupt begreifen, wie schlimm die konkrete Situation wirklich ist.

Je mehr Stress im Spiel ist, umso negativer wird das kommunikative Verhalten – einzig, weil es dem Logiker nicht gelingt, seinen Stress herab zu regulieren und in ein gesundes MaB der Selbstberuhigung zu kommen. Es muss demnach et­was Schwerwiegendes sein, was diesen Prozess behindert, und das, was hier schwer wiegt, ist das ,Lebensthema‘.

Was nun könnte das Lebensthema für einen Logiker sein? Erinnern wir, dass ein Logiker alles dafür tut, um die relevanten Daten, Informatio­nen und Erfahrungswerte beisammen zu haben, um pünktlich und genau entscheiden und han­deln zu können. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass ihn Situationen schmerzen, in denen er einen Verlust oder einen Abschied erlebt. Für Logiker, die an alles denken, und dann doch etwas verlieren [sei es materieller oder immaterieller Art] oder die eine Trennung erleben, die eine Person einleitet [z. B. Scheidung], ist ein solches Ereignis meist völlig unverständlich oder unbegreiflich – wie konnte das nur passieren?  

Anstatt nun den erlittenen Verlust oder Weggang mit dem passenden Gefühl des Traurigseins zu kommunizieren, äußern sich die Logiker, die dies zu tun nicht gelernt haben, eher frustriert und verärgert.

Woran kann es liegen, dass ein passendes Gefühl nicht gelernt wurde? Dies können frühe kindliche Erfahrungen sein, bei denen das Kind beobach­tete, wie erwachsene Personen mit ihrem Stress umgingen. Es können Glaubenssätze sein, die irgendwann einer Person ‚glauben‘ machten, nur ein bestimmtes Verhalten sei für eine Stresssitua­tion richtig. Schaut man hinter die von Mensch zu Mensch immer individuellen Kulissen, dann zeigt sich aber stets, dass ein authentisches Gefühl zu zeigen immer auch ein Stück weit zum Ausdruck bringt, fehlbar zu sein. Kein Logiker liegt immer zu 100% richtig, kein Beharrer [er kommt morgen dran]bringt immer 100%ige Qualität, kein Macher [er folgt im Laufe der Woche]hat immer zu 100% das Heft des Handelns in seiner Hand usw. – nur, sich dies einzugestehen fällt schwer und weil das so ist, zeigen Menschen eher ihre Scheingefühle [Ihre ‚Masche‘] als das, was wirklich in ihnen vorgeht.

Kommunikationsstil: Logiker
Kommunikationsbedürfnis:
Austausch von Information und Wissen
Psychisches Bedürfnis:
Will Anerkennung für seine Leistung und sein Zeitmanagement
Verhalten unter Alltagsstress:
Denkt, perfekt sein zu müssen, erklärt daher übergenau oder überträgt mögliche Aufgaben nicht an andere, weil er denkt, dass es andere nicht so genau und richtig machen wie er selbst.
Verhalten bei Dauerstress:
Kontrolliert und kritisiert andere dafür, dass sie nicht klar denken Lebensthema: Verlust
Authentisches Gefühl wäre: T
rauer
Scheingefühl: Äußert 
Frustration und Ärger

Und nun trifft Corona oder ein anderes unvorhersehbares, unberechenbares Ereignis einen Logiker. Sofort schaltet er in den Denk-Notfallmodus: Grübeln und mustergültig die Situation sezieren. Schließlich gilt für ihn: Eine Krise muss man doch ‚verstehen‘ können: Mit einem genauen Lageplan, einer tiefen Analyse des Geschehens und einem Hin-und-her-Abwägen besticht dieser ‚Krisentyp‘, ohne dabei überzeugend vermitteln zu können, wie der konkrete nächste Schritt denn ausschauen soll. Das, was war, ist klar – was nun sein soll, noch völlig diffus. Corona wird als Verlust­ereignis erlebt und darüber muss trefflich immer wie­der nachgedacht werden. Meist findet der Logikergrübler alle möglichen ,Wenn das nicht gewesen wäre, dann wäre … ‚ -Gründe für seine Belastung.

Raten ihm vertraute Personen zu einem ,Weniger-ist­- mehr‘ und zu einer gewissen Leichtigkeit im Umgang mit der Situation, dann werden sie mit einem ,Was versteht ihr denn schon?‘ oder einem ,Das geht nicht, weil … ‚ in ihre Denkschranken verwiesen. Irrationales, wie das Angebot, den eigenen Gefühlen mehr Raum zu geben, wird oftmals schroff widersprochen, denn nur ein kühler Kopf sei in der Lage, alles zu über­blicken und in dieser besonderen Situation keinen Fehler zu machen.

In der Begleitung eines Logikers empfiehlt es sich, seine Handlungsresistenz, Deutungsüberschärfe und mentale Selbstüberforderung zu thematisieren. Dies gelingt gut, wenn er durch verschiedene Blickwinkel und eine humorvolle Gesprächsführung für konkrete Aktionen ermuntert wird. Natürlich, ohne dabei seine bisherigen Anstrengungen zu diskreditieren.

Günstig ist seine grundsätzliche Haltung ,es kann mich niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden‘ [Adenauer]. Sie befähigt ihn zu grundsätzlich vernünftiger Argumentation und Risikoeinschätzung in relevanten Entscheidungen.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund. 

Corona-Blog: Stresskommunikation [Empathiker]

In Fortsetzung des gestrigen Beitrags komme ich heute zur Stresskommunikation. Und Stress haben heute ja nun wirklich viele Menschen – die Gründe dafür sind unterschiedlich. Angst, Überforderung, Hilflosigkeit, Erregung, Ärger, das kleine Virus triggert ganz mächtig unsere Emotionen. Und dabei verliert der ein oder andere schon einmal die Contenance, die Impulskontrolle oder lässt einfach seine gute Kinderstube vermissen. Oder aber es machen sich der Galgenhumor, der Sarkasmus oder auch der Rückzug in die Passivität breit. Neben diesem Stressverhalten zeigt sich die individuelle Belastung auch in der Stresskommunikation. Sie bei sich und anderen besser zuordnen zu können, schafft mehr Verständnis füreinander und ermöglicht Lernprozesse, um sich von seiner eigenen Stress- und Sprachwelt nicht alles gefallen zu lassen.

Rufen wir uns in Erinnerung, dass die eigene Sprachwelt und uns die dahinter stehenden Bedürfnisse von unseren wichtigsten Bezugspersonen [meist Eltern] vermittelt wurden. Dazu kommt nun die nächste Erkenntnis: Wurden die Bedürfnisse, die unsere Bezugspersonen mittels Kommunikation ’sendeten‘ nicht befriedigt, dann gerieten diese Menschen in Stress. Zuerst in eine Art Alltagsstress, in der sie eine Kommunikation pflegten, die dazu dienen sollte, doch noch ihre Bedürfnisse befriedigt zu bekommen. Oft ging dies auch gut und die Person ‚entspannte‘ sich [Beispiel: wurde Mutter laut, weil das Kind wieder sein Zimmer nicht aufgeräumt hatte und gehorchte es nun, dann wurde das Bedürfnis der Mutter befriedigt und es wurde ‚ruhig‘: ‚Braves Kind‘. Wurde das Kindesverhalten sogar belohnt, dann war klar: Mutter wird laut, dann muss ich als Kind gehorchen, dann winkt Belohnung]. Als Kind haben wir diesen psychischen Prozess oft genug wahrgenommen und da wir die Kommunikationsbedürfnisse unserer Bezugspersonen unbewusst erlernten, taten wir dies auch bei den Mustern der Stresskommunikation. Es mag daher eine spannende Reflexion sein, die persönlichen Stressmuster in der Kommunikation einmal mit denen zu vergleichen, die als Kind bei den eigenen Bezugspersonen erlebt wurden.

Nicht jeder kommunikativer Umgang mit dem Alltagsstress führt nun aber dazu, dass die nicht befriedigten Bedürfnisse durch Einsatz von Stresskommunikation befriedigt werden. Die Folge ist irgendwann eine Art Dauerstress. Man versucht dann – immer stärker sich selbst und andere überfordernd, womöglich sogar verbal verletzend – doch noch irgendwie die Anerkennung, Wertschätzung und Befriedigung zu erlangen, die man für sich erwartet. In diesem Prozess zeigt sich deutlich das ‚Lebensthema‘ [siehe im weiteren Text beispielhaft die Informationen zum Kommunikationsbedürfnis des ‚Empathikers‘ – ab morgen dann auch die jeweils anderen fünf], das förmlich dazu aufruft, anders ins Leben integriert zu werden als die Person es unter Stresseinfluss in der Lage zu sein scheint.

Dem Lebensthema geht eine Person, die es noch nicht im Zuge reifer Persönlichkeitsentwicklung integriert hat, förmlich aus dem Weg. Der Empathiker hat als Lebensthema den ‚Ärger‘. Ihm geht er aus dem Weg, eben weil er alles daran setzt, die Harmonie zu seinem Umfeld zu wahren. Ärger wäre da aus seiner Sicht kontraproduktiv, also schluckt er ihn herunter und zeigt alternativ seinem Umfeld ein sogenanntes Schein- oder ‚Maschengefühl‘. Beim Empathiker ist dies die ‚Trauer‘. Anstatt also das authentische Gefühl mitzuteilen – beim Lebensthema ‚Ärger‘ ist dies auch der ‚Ärger‘ – kommuniziert der Empathiker eine aus seiner Sicht zum Kontext passende Trauer. So ‚betrauert‘ er zum Beispiel, dass viele Menschen einfach so viel um die Ohren haben, so dass es ihnen nicht gelingt, die Sorgen und Nöte anderer wahrzunehmen – anstatt seinem Ärger [angemessen und andere nicht verletzend] Ausdruck zu verleihen, dass ihm gerade nicht die persönliche Zuwendung einer bestimmten Person zuteil wird, die er sich wünscht, um zu fühlen, dass er von ihr anerkannt und gebraucht wird.

Fassen wir bis hierhin zusammen:

Kommunikationsstil: EMPATHIKER
Kommunikationsbedürfnis: Austausch von Gefühlen
Psychisches Bedürfnis:
Will Anerkennung als Person und sinnliche Anregungen
Verhalten unter Alltagsstress: Fühlt
, es anderen recht machen zu müssen und passt sich anderen der Harmonie willen übermäßig an
Verhalten unter Dauerstress: Ü
berdehnt seine Fürsorge und lädt aufgrund seiner Anpassung an die Wünsche und Erwartungen anderer zur Kritik ein
Lebensthema: Ärger

authentisches Gefühl wäre: Ä
rger
Scheingefühl [Masche]: äußert 
Trauer

Und nun Corona. Trifft es auf einen Menschen mit einem Basisbedürfnis eines Empathikers, dann auf jemanden mit der Haltung: „Opfern und alles geben“. Ich erlebe in meiner Praxis diese Menschen einerseits sich sehr über das virale Ungemach in der Welt ärgern, andererseits aber auch bereit, den Familienmitgliedern, Kollegen, Freunden und Nachbarn alles zu geben, damit die Belastungssituation für jeden nur bald endet und wieder friedliches Fahrwasser erreicht wird. Dass diese Haltung, es allen mit dem eigenen Helfergeist recht machen zu wollen – sich dabei möglicherweise sogar schuldig zu fühlen, dass man nicht alles schafft, weil die eigenen Kräfte nicht ausreichen – einen wesentlichen Anteil an zusätzlicher Belastung haben kann, ist für den ,Belastungsharmoniker‘ kaum zu glauben. Kritisieren vertraute Personen seine hilfsbereite und mitleidende Haltung und raten zu ,gesunder Distanz‘, dann fühlt sich der Empathiker meist verunsichert, selbstzweifelnd und ungeliebt.

Seinem Muster folgend, versucht er, den eigenen Ärger über die Gegebenheiten durch eine überstarke Zuwendung zu den Akteuren im belasteten System zu verdecken. Dieses irgendwann durchsichtige Manöver [das von anderen zum Beispiel als Überfürsorge, oder als subtile Form, anderen von einem abhängig zu machen] führt zügig in eine Teufelsspirale, an dessen Ende eine zutiefst deprimierte und sich selbst verletzende Person stehen kann.

Bei allem Risiko, sich in den Nachrichten über Todesfälle, schwere Lungenerkrankungen, Folgen für die Familien der Betroffenen und über eine sich aufopfernde, riesige Gruppe von Ärzten und Pflegern zu verlieren und sorgenvoll schlaflose Nächte zu durchleben, ist die grundsätzliche Lebenseinstellung des Empathikers ebenso so wichtig wie es auch die anderer Menschen sind. ,Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid‘ [da Vinci]. Diese Haltung bewahrt einen Menschen mit stark ausgeprägten Empathikerbedürfnissen davor, hartherzig oder die Belange anderer Menschen missachtend, nur seine eigene Situation entlasten und verbessern zu wollen. Es ist gut, dass es sie gibt, die Empathiker. So wie auch die Logiker, aber um die geht es morgen.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.

Corona-Blog: Was der Umgang mit Corona mit der Kindheit zu tun hat

Wenn Kinder im dritten Lebensjahr beginnen, sich in grammatikalisch vollständigen Sätzen auszudrücken, dann aufgrund der Wahrnehmung von Sprache, die ihnen durch ihre unmittelbaren Bezugspersonen vermittelt wurden. Bis sie in Kindergarten und Schule ihre Sprachkompetenz weiter verfeinern, haben sie also vornehmlich das Vokabular aufgenommen, das ihnen von ihrem direkten Umfeld – meist den Eltern – angeboten wurde. Jedoch, und dies greife ich nun auf, stehen hinter die­sem Vokabular eben auch die Kommunikationsbedürfnisse Ihrer Eltern [oder derer, die Sie als die wichtigsten Bezugspersonen Ihrer Kindheit ansehen].

Im kommunikationspsychologischen Mo­dell des amerikanischen Psychologen Dr. Taibi Kahler [Prozesskommunikationsmodell] wird nun der Zusammenhang hergestellt zwischen den Bedürfnissen, sich anderen Menschen mitzuteilen, dem damit verbundenen Vokabular, einem der Sprache angemessenen Verhalten und den Veränderungen, die Sprache und Ver­halten unter Stress erfahren. 

Welche Bedürfnisse hat ein Mensch, wenn er diese durch Kommunikation [z.B. im Rahmen seiner Gespräche über Corona und dessen Auswirkungen auf die eigene Lebensgestaltung] zu befriedigen sucht? In Kahler’s empirischer Forschung konnten sechs Kommunikationsstile und die mit ihnen verbundenen psychischen Bedürfnisse voneinander abgegrenzt und benannt werden. Ab morgen stelle ich alle sechs genauer vor. Hier erst einmal ein grober Überblick.

Mit dem Kommunikationsstil des Logikers zeigt dieser sein psychisches Bedürfnis an, Anerkennung erhalten zu wollen für eine Leistung, die er in einem klar umrissenen Zeitfenster erbracht hat. Menschen mit diesem Stil suchen den Austausch mit anderen, um Informationen und Wissen auszutauschen.

Mit seinem Kommunikationsstil weist der Beharrer auf sein psychisches Bedürfnis hin, Anerkennung erhalten zu wollen für seine aus tiefer Überzeugung erbrachten Leistungen. Menschen mit diesem Stil suchen das Gespräch mit anderen, um Meinungen auszutauschen.

Der Kommunikationsstil des Empathikers entspricht dessen psychischem Bedürfnis, sinnlich angeregt zu werden und Anerkennung zu erhalten für sein Dasein als Mensch. Empathiker suchen den Austausch mit anderen, um ihre Gefühle mitzuteilen.

Der Kommunikationsstil des Rebellen bringt das psychische Bedürfnis zum Ausdruck, Anerkennung erleben zu wollen durch Kontakte mit hohem Spassfaktor. Menschen mit Rebell-Stil suchen den Austausch mit anderen, um zu lachen und einen spielerischen Umgang mit Themen zu erfahren.

Mit seinem Kommunikationsstil zeigt ein Macher sein psychisches Bedürfnis an, Anerkennung erhal­ten zu wollen durch aufregende und spannende Projekte und Grenzerfahrungen. Macher suchen den Austausch mit anderen, um durch klare Ansagen für Neues stimuliert zu werden.

Der Kommunikationsstil des Träumers entspricht schließlich dem psychischen Bedürfnis, Anerken­nung durch Ruhe zu erhalten und dadurch, in Ruhe gelassen zu werden. Menschen mit diesem Stil suchen den Austausch mit anderen, um ihre Vorstellungen, die sie von etwas haben, einzubringen.

Erinnern wir, dass Kinder ihre Sprachwelt durch ihre unmittelbaren Bezugspersonen eröffnet bekommen, so können wir annehmen, dass die­se Personen ihre psychischen Bedürfnisse auch dann befriedigt bekommen wollten, als sie im Gespräch mit ihren Kindern standen. Um dies zu erreichen, nutzten sie die mit ihren Bedürfnissen verbundenen Wortfelder [das Vokabular einer Person mit zum Beispiel einem starken Empathiker- und Macheranteil ist ein hörbar anderes als das einer zum Beispiel ‚Beharrer-Rebell-Person‘]. Die Bandbreite dieser Felder ist dabei umso größer, je mehr Kommunikationsstile die jeweilige Bezugsperson ihrerseits in ihrem Leben entwickelt hat. Erfährt ein Kind so zum Beispiel über seine Eltern die Wortwelten des Empathikers, Logikers und Machers, dann lernt es dadurch indirekt auch die damit verbundenen psychischen Bedürfnisse seiner Eltern kennen. Die Bedürfnisse des Rebellen, Beharrers und des Träumers blieben in diesem Beispiel dem Kind eher vorenthalten, die damit verbundenen Sprachelemente wurden nicht oder kaum ver­mittelt.

Bedenkt man, dass gerade in den ersten Jahren der Spracherziehung die neuronalen Bahnungen im Gehirn eines Kindes durch das sich immer wiederholende und damit vertiefende Worteangebot gelegt werden, dann versteht man, dass im Prozesskommunikationsmodell davon aus­gegangen wird, dass sich bis zum Schuleintritt einer der sechs Kommunikationsstile als der am stärksten entwickelte herauskristallisiert. Dieser Stil bildet das ‚Basiskommunikationsbedürfnis‘.  

Eine zweite Annahme des Modells besteht darin, dass auch die Reihenfolge der restlichen fünf Stile hinsichtlich ihrer bis zum Schuleintritt entwickelten Stärke bis zum sechsten Lebensjahr ,gesetzt‘ ist und sich über das Leben hinweg ebenso wenig ändert wie das Basisbedürfnis.

Die eigenen Kommunikationsbedürfnisse zu kennen ist für sich genommen bereits eine interessante Facette der Persönlichkeitsentwicklung. Für den Kontext Umgang mit Stress wird sie jedoch noch aufschlussreicher, wenn man über­legt, dass psychische Bedürfnisse von Menschen verletzt werden können – durch andere Menschen [durch deren bewusstes oder unbewusstes Kommunikationsverhalten] oder auch durch Ereignisse wie Krisen oder komplexe Veränderungserfordernisse wie zum Beispiel Corona.  

In einer solchen Situation wird der Mensch konfrontiert mit einem spezifischen ,Lebensthema‘ [jedes Kommunikationsbedürfnis adressiert ein solches Lebensthema – ab morgen dazu mehr]. Tritt eine Situation ein, die das Lebensthema freilegt, dann ist dieser psychische Prozess stets mit Gefühlen verbunden, die die Person entwe­der  gelernt hat, konstruktiv kommunikativ mitzuteilen [authentisches Gefühl] oder die die Person nicht authentisch, sondern vermeintlich aus Gründen des Selbstschutzes als ,Scheingefühl‘ kommuniziert.

Ich fasse kurz zusammen, was ich Ihnen bisher vermitteln wollte:

  • Ihre heutige Kommunikation ist geprägt von einem in Ihrer Kindheit vollzogene Lernprozess, bei dem Ihnen Ihre Bezugspersonen [Eltern] durch deren Sprache auch ihre psychischen Bedürfnisse vermittelt haben. Diesem Prozess konnten Sie sich nicht entziehen. Ihre Sprachwelt ist also zu einem Großteil die Sprachwelt Ihrer Eltern.
  • Ihnen fehlt es an nichts. Will meinen: Sie haben alle sechs Kommunikationsstile verfügbar, nutzen jedoch präferiert das sogenannte Basiskommunikationsbedürfnis. Mit ihm ist eine spezifische Sprachwelt, ein spezifisches Vokabular, verbunden.
  • Das Basiskommunikationsbedürfnis ist mit dem sechsten Lebensjahr fix und ändert sich Ihr Leben lang nicht mehr. Ebenso gilt dies für die Reihenfolge der anderen Stile. [Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre persönliche Kommunikations-Architektur ausschaut, dann biete ich Ihnen gerne eine Auswertung (basierend auf einem Fragebogen, der von Ihnen ca. 20 Minuten Online-Zeit erfordert und einem einstündigen telefonischen Auswertungsgespräch zum Preis von Euro 395 netto) an. Schreiben Sie mir einfach bei Interesse eine Mail an team@krisenpraxis.de
  • Jedem Kommunikationsbedürfnis liegt ein ‚Lebensthema‘ zugrunde.

Morgen ergänze ich zu diesen ersten Ausführungen Informationen zur Veränderung der Kommunikation unter Stress. Da Sie wie ich derzeit unter besonderen Lebensbedingungen stehen [Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice, Kinder zu Hause, Organisationsaufwand, …] liegt nahe anzunehmen, dass sich neben der Kommunikation, die wir pflegen, wenn wir in einem entspannten Zustand stand, immer wieder auch eine Stresskommunikation [gegenüber anderen Menschen oder im Rahmen der Selbstgespräche auch gegenüber einem selbst] zeigt. Sie belastet das Miteinander und das persönliche Wohlbefinden und wirkt in der Regel zusätzlich negativ. Es ist also günstig zu wissen, wie man persönlich kommuniziert und warum gerade in der Weise, wie man es tut. Und dass es gut ist, dies zu wissen, gilt nicht nur für eine Zeit wie die, die wir gerade kollektiv erleben.

Bis morgen.
Bleiben Sie gesund.

Präsidiale Persönlichkeitsmerkmale

Auf allen Kanälen: Mr. President. Warum wurde er gewählt, was ist nur mit den Amerikanern los, ein Psychopath an der Macht, man bekommt es bei ihm mit der Angst zu tun, welch ein Narzisst, der trumpelt alles nieder …

In der Beobachtung und Interpretation des präsidialen Verhaltens erscheint – und hier seien einige Deutungen aus den letzten zwei Wochen aus TV-Beiträgen wiedergegeben – eine Person, die

  • der Komplexität der Welt mit Entscheidungen begegnet, die auf exklusivem Machtanspruch beruhen
  • sich nicht auf breiter Basis berät, um ausgewogene Entscheidungen zu treffen und dies selbst bei Themen, für die Zeit zum Diskurs gegeben wäre
  • temporeich frühere Handlungen anderer revidiert, eigene Handlungabsichten beurkundet und mit der Quantität seiner Absichten den Blick auf das, was wirklich in die konkrete Umsetzung kommt erschwert
  • rigide kurze schrille Töne sendet, die eine Kombination aus persönlicher Meinung und affekthafter Reaktion darstellen
  • schnell den ablehnt, der sich kritisch mit ihr auseinandersetzt und ihr dadurch bedingt, ’nahe‘ kommt
  • einem Masterplan zu folgen scheint, der einen Teil der Massen mit ’neuer Gerechtigkeit für die bisher Vergessenen‘ auf charmante Weise lockt und dem anderen Teil der Gesellschaft zuruft, sie wären die Ursache dafür, dass Amerika heute nicht mehr ‚groß‘ sei
  • die Politik geschäftsmäßig zu betreiben scheint, die dabei aber in einer Weise strategiebefreit vorgeht, wie es ein Vorstand kaum längere Zeit ohne Intervention seiner höheren Aufsichtsebenen ausleben könnte
  • die Grenzen, die ein demokratisches System auszeichnet, austestet, diese Grenzen damit im Kern in Frage stellt und damit an sich behauptet, dass es Fragen gibt, für die es innerhalb der demokratischen Grenzen keine Antworten gibt und die Antworten, die sie geben will, sich ergo nur außerhalb dieser Grenzen finden ließen
  • leicht beeinflussbar ist, wenn man ihr direkt einen Deal anbietet, der ihr die Möglichkeit gibt, diesen als ihren darzustellen
  • an vielen Stellen Wissen darüber vermissen lässt, wie sich die Welt in den Nachkriegsjahren zu einer neuen Weltordnung bereits geformt hat, deren Geburt sich auf Sicht der kommenden Jahrzehnte nicht mehr aufhalten lassen wird, allemal nicht mit Verhütungsmitteln eines Protektionismus, dessen Haltbarkeitsdatum längst überschritten ist
  • an manchen Stellen Einzeldaten benennt [Unwuchten in der Verteilung der Verteidigungskosten der NATO-Mitgliedsländer, in der Außenhandelsbilanz Deutschlands, im Abwandern amerikanischer Unternehmen ins Ausland, …], die zu kritisieren angemessen sind, deren Veränderung sich jedoch nicht dadurch bewirken lässt, indem einseitig versucht wird, die Uhr in anderer Richtung mit dem Schlüssel aufzuziehen
  • ….

Nun haben nur wenige Menschen Mr. President persönlich je gesprochen. Mediale Inszenierungen, Biografisches und Twittergewitter sind die weitgehend einzigen Quellen. Mehr aber haben wir von vielen anderen [politischen] Würdenträgern auch nicht verfügbar. Also kann der Versuch unternommen werden, den Teil des Verhaltens genauer anzuschauen, der am stärksten zu uns durchdringt – das Kommunikationsverhalten.

Wenn wir annehmen, dass kommunikatives Verhalten darauf setzt, psychische Bedürfnisse zu befriedigen, dann lohnt ein Blick in ein Verfahren, mit dem genau dieser Zusammenhang aufgedeckt wird. Das Prozesskommunikationsmodell [PCM] von Taibi Kahler, das wir in Beratung, Therapie und Coaching nutzen, um Kommunikationskonflikte handhabbar zu machen, kennt sechs verschiedene Kommunikationsstile, die hinreichend voneinander abgegrenzt sind und es ermöglichen, auf die der Kommunikation vorausgehenden psychischen Prozesse ein Licht zu werfen.
Weiterlesen