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Die Wirkung von Kontrollüberzeugungen

Das theoretische Konzept der Kontrollüberzeugungen nimmt im Rahmen unserer Krisenforschung nach und nach mehr Raum ein. Der Terminus „Locus of control of reinforcement“ wurde vom Lerntheoretiker Rotter in den 1960er Jahren geprägt. Dabei wird die internale Kontrollüberzeugung als generalisierte Erwartungshaltung eines Menschen verstanden, durch eigenes Verhalten wichtige Ereignisse in seinem Leben kontrollieren zu können. Bei einer externalen Kontrollüberzeugung ist der Mensch der Auffassung, dass das eigene Schicksal eher durch äußere Faktoren beeinflusst ist.

Für die Überwindung von Krisenereignissen ist nun nach unserer phänomenologisch geprägten Erfahrung die Wirkung internaler Kontrollüberzeugungen deutlich günstiger. Zeigen Menschen in Krisen eher Symptome der Angst oder Depression, so liegt diesen eher Kommentare aus dem Feld externaler Kontrollüberzeugungen vor. Internale hingegen wirken positiv abfedernd und hoffnungsstärkend auf den mit der Krise verbundenen Belastungsstress. Die Einschätzung der Situation aus dieser Perspektive hat die Wirkung, dass Klienten beratungsoffener, gestaltender und leichter über ihre Situation kommunizierend auftreten.

Klienten mit internalen Kontrollüberzeugungen zeigen sich nicht minder belastet in Krisen, jedoch spürbar selbstgesteuerter. Auch Angebote der Krisenprävention werden zu einem signifikant größeren Anteil von Menschen mit internalen Kontrollüberzeugungen in Anspruch genommen. Hier wird meist die Ansicht vertreten, dass man als Mensch selbst seines Glückes Schmied sein kann. Dazu gehören dann auch die Bereitschaft, eigene Verhaltensakzentuierungen auf den Prüfstand zu stellen, Handlungsszenarien zu entwerfen und für sich neue Lebensthemen lernend zu erschließen, die Einseitigkeiten im Alltag vorbeugen.