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Krise oder Nichtkrise – das ist im Wald die Frage

Große Aufruhr im Wald! Es geht das Gerücht um, der Bär habe eine Todesliste. Alle fragen sich, wer denn nun da drauf steht. Als erster nimmt der Hirsch allen Mut zusammen und geht zum Bären und fragt ihn:“Sag mal Bär, steh ich auch auf deiner Liste?“
„Ja,“ sagt der Bär „auch dein Name steht auf der Liste.“

Voller Angst dreht sich der Hirsch um und geht. Und wirklich, nach zwei Tagen wird der Hirsch tot aufgefunden. Die Angst bei den Waldbewohnern steigt immer mehr. Die Gerüchteküche brodelt, wer denn noch auf der Liste steht.

Der Keiler ist der Erste, dem der Geduldsfaden reißt. Er geht zum Bär und fragt ihn, ob er auch auf der Liste steht. „Ja“, antwortet der Bär, „auch du stehst auf der Liste“. Verängstigt verabschiedet sich der Keiler vom Bären. Und auch ihn findet man nach zwei Tagen tot auf.

Nun bricht die Panik bei den Waldbewohnern aus. Nur der Hase traut sich noch, den Bären aufzusuchen. „Bär, steh ich auch auf der Liste?“ Ja, auch du stehst auf der Liste!“ „Kannst du mich da streichen?“ „Ja klar, kein Problem.“

[unbekannt]

Der Krise entgegensingen

Iren werden sich noch genau erinnern. 4:0 steht es bei der Fußball EM 2012. Es ist die 88. Minute. Es scheint alles vorbei und die Polizei rüstet sich bereits, um Ausschreitungen in den Griff zu bekommen. Doch weit gefehlt: Mit einem Mal beginnen über zwanzigtausend Fans „Fields of Athenry“ zu singen. Diese Haltung, eine sportliche Tragödie in einen menschlichen Triumph zu verwandeln, ging in die Geschichte des Fußballs ein. Das Lied handelt vom Leid des irischen Volkes in der Mitte des 19. Jahrhunderts, und die Iren sind davon überzeugt, dass Singen die Menschen zurückführt in ihr Glück.

 

Was sich ein Mensch in einer Krise erlauben sollte …

Ja, ich darf unsicher sein.
Und meine Unsicherheit muss nicht sofort aufgelöst werden. Schon gar nicht für andere.

Ja, ich darf schwanken.
Und meine Entscheidung muss jetzt nicht in Stein gemeißelt werden. Schon gar nicht für andere.

Ja, ich darf meinen Körper leiden spüren.
Und meine Schmerzen muss ich nicht betäuben. Schon gar nicht für andere.

Ja, ich darf meine Grenzen erfahren.
Und meine inneren Antreiber müssen nicht sofort zur Ruhe gebracht werden. Schon gar nicht für andere.

Ja, ich darf zweifeln.
Und was ich höre, das kann, muss ich aber nicht glauben. Schon gar nicht für andere.

Ja, ich darf irren.
Und was ich heute tue, kann ich morgen gewissenhaft korrigieren und übermorgen muss dies dennoch nicht mehr gültig sein. Schon gar nicht für andere.

Ja, ich darf meine Krise für beendet erklären.
Und wenn ich merke, dass sie wieder aufflammt, dann muss ich mich dennoch nicht so verhalten wie bisher. Schon gar nicht für andere.

‚Ungünstiges‘ im Prozess der Krisenbewältigung …

Sind durch eine Krise die bisherigen Handlungswege versperrt und erscheint die Zukunft unüberschaubar und unkontrollierbar, erleben die Betroffenen meist einen hohen Druck, da sie selbst oder auch ihre Umwelt eine ‚Funktionserwartung‘ haben, die es ihnen schwer macht, ihre Lage mit Distanz zu betrachten. Zunehmende Ratlosigkeit führt dann oft zur Resignation und zur irrationalen Ansicht, ein neues Ziel würde schon ausreichen, um endlich wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen.

Wird nun eine Entscheidung für ein Ziel getroffen nur der Entscheidung willen und tritt mit ihr nicht die erhoffte Verbesserung der Situation ein [z.B. eine spontane Entscheidung zum Jobwechsel und einer Ernüchterung, wenn die Integration ins neue Umfeld nicht glückt], dann sind die Selbstzweifel nicht fern, der Druck steigt, den Rest kann man sich denken.
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