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Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik für die Krisenprävention – Teil 3

Selbststeuerungskompetenzen können aktiv erworben werden und Krisenprävention dient dazu als Entwicklungsprozess. Ihr Ziel ist es, Menschen darin zu unterstützen, ihr Leben bewusst zu gestalten und nicht zum Opfer des Schicksals, der Umstände oder der Fremdbestimmung zu werden – selbst dann, wenn eine ‚Ausnahmesituation‘ derart ernst ist, dass fundamentale Motive der betroffenen Person zeitweise oder dauerhaft nicht mehr aktiviert werden können.

Die Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik vermag, die handlungssteuernden Motive eines Menschen zu messen, also zu klären, in welchem Maß seine Bedürfnisse nach Nähe und sozialem Austausch, nach Leistungserbringung, Lernen und Kompetenzaufbau, nach Durchsetzung und Beeinflussung und nach autonomen Selbstsein sein Verhalten und Handeln prägen.

Das Wertesystem eines Menschen stellt die Quelle seiner Motive dar, die ihn dazu führen, seine Aufmerksamkeit auf Beziehungsgestaltung, Leistungswillen, Machtanspruch oder Freiheitsgrade zu richten. Motivation und Emotion werden durch die ihnen zugrunde liegenden Werte quasi erst energetisiert. Können durch Krisen individuelle Werte nicht mehr oder nur noch eingeschränkt verwirklicht werden, erlischt auch die Motivation zu weiterer Handlung. Es sei denn, die Person hat sich präventiv mit ihren Werten bewusst befasst und Wege erarbeitet, im Falle eines Wegfalls bestimmter Werteverwirklichungsmöglichkeiten auf Alternativen zurückgreifen zu können. Diese Alternativen erarbeitet und verfügbar zu haben, steigert unweigerlich das ‚Selbstwert-Gefühl‘ eines Menschen, macht ihn robuster für Belastungen und stärkt seine ‚Resilienz‚.

Das diagnostische Verfahren von Professor Kuhl kann aber noch mehr: Es kann darüber Auskunft geben, in welcher Weise eine Person bestimmte Affektlagen spontan als sogenannte ‚Erstreaktion‘ bevorzugt und ob und wie sie – sollten diese unangemessen sein – in der Lage ist, diese Affekte zu regulieren [‚Zweitreaktion‘]. Eine Strophe in einem Lied von Grönemeyer bringt das auf den Punkt: „Die Faust will in sein Gesicht [Erstreaktion], aber sie darf nicht [Zweitreaktion, i.S.: Selbststeuerung].“ Gerade in Krisensituationen, in denen es Menschen oft schwerfällt, Fassung zu bewahren oder sich selbst zu beruhigen, ist es wichtig, über die persönlichen Verhaltensweisen Bescheid zu wissen.

Persönlichkeitsdiagnostik in dieser Qualität ist eine exzellente Grundlage für individuelle Krisenprävention. Zu wissen, was genau ein individuelles Verhalten motiviert, auf welche Weise ein Erleben Stress bewirkt, wie sich Belastungsstress abbauen lässt, wie ein Mensch seine Affekte regulieren kann: all das ist heute viel besser möglich als noch vor wenigen Jahren. Dieses Wissen sollte genutzt werden, um sich vor den Widrigkeiten des Lebens, so unabwendbar sie auch sein mögen, zu wappnen, denn: Der Mensch ist nicht auf dieser Welt dazu da, um zu leiden.

Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik für die Krisenprävention – Teil 2

Investiert ein Mensch in Krisenprävention durch eine Vorausschau auf in der kommenden Lebensphase nicht vollends auszuschließender und bei ihrem Eintreten äußerst belastender Ereignisse, dann aktiviert er nach und nach

  • sein ‚Empfindungssystem‘ [was ist das, was sich für mich als Krise darstellen würde?],
  • sein ‚Denksystem‘ [was wäre zu planen, um die Wirkung einer potenziellen Krisensituation zu mindern?],
  • sein ‚Fühlsystem‘ [wofür ist es gut, dass ich mich mit meiner ganzen Lebenserfahrung auf Situationen dieser Art einstelle?] und
  • sein ‚Intuitionssystem‘ [wie muss ich mich vorbereiten, so dass ich in einer solchen Situation im Einklang mit mir selbst bleibe?]

Ein zentraler Aspekt der Krisenprävention ist die Bewusstwerdung der eigenen Affekt- und Stimmungslage in Krisen. Zweifelsfrei triggert eine Krise durch ihre Belastung das ‚Empfindungssystem‘ und die mit diesem System verbundene negativ-ernste Stimmung und Affektlage. Dieser negative Affekt [z.B. Wut, Angst, Trauer] ist in einer realen Krise derart stark, dass er oftmals den Zugang zum ‚Denksystem‘ mit seiner eher nüchtern-sachlichen Stimmung versperrt. In der Krisenprävention jedoch kann dieser traumatisierende Effekt vorbeugend mentalisiert werden, zum Beispiel in der Form, dass eine Person lernt, sich die für sie passenden Leitsätze zu formulieren, die einen stabilisierenden Beitrag leisten können, käme die Person in eine Krisensituation.

Wir arbeiten in diesem Kontext mit einer auf dem Personality Pattern Inventory von Taibi Kahler beruhenden Methode der Erfassung individueller psychischer Bedürfnisse unter Stress. Da diese Bedürfnisse im Alltagsgeschehen von Menschen vorhersagbar verbalisiert werden, lassen sich präventiv auch diejenigen passenden Sätze finden und formulieren, die einen Beitrag zur Bedürfnisbefriedigung auch unter massivem Stresseinfluss leisten. Um diese Sätze zu formulieren, braucht es jedoch eine gelassene-selbstberuhigte Stimmung – diese wiederum ist in einer Krise nicht gegeben, bei präventiver Vorgehensweise jedoch schon. In einer solchen stressbefreiten Stimmung vermag es eine Person zudem, respektvoll auf ihr bisheriges Leben zu schauen, Ressourcen zu entdecken und sich ihrer Werte bewusst zu werden.

Ist dieser Klärungsprozess vollzogen, beginnt die Arbeit an den handlungsleitenden Sätzen. Dies sind Aussagen darüber, was eine Person trotz eines massiv belastenden Erlebnisses für sich bewahren und verteidigen will. Empfindet die Person diese Sätze als stimmig und passend, so stellt sich damit ein tiefes positives Gefühl ein.

Die Erkenntnisse aus der Forschung von Professor Kuhl, dem Entwickler der Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik, zeigen: Die vier psychischen Funktionssysteme ‚Empfinden‘, ‚Fühlen‘, ‚Denken‘ und ‚intuitives Handeln‘ sind in ihren Wechselbeziehungen allesamt mit Affekt- bzw. Stimmungslagen verbunden. Im Krisenkontext ist zumeist das ‚Empfinden‘ mit seinem negativ-ernsten Affekt besonders aktiv, nur langsam stellt sich das ‚Denken‘ mit seinem nüchternen Affekt auf die eingetretene Lage ein. Im therapeutischen oder beratenden Begleitprozess wird dann daran gearbeitet, auch die anderen beiden Systeme wieder zu aktivieren und damit zur Entlastung der Person beizutragen.

Im Präventionskontext werden die Stimmungen durch Provokation [provocare: auffordern] aktiviert. Die Person lernt die eigenen erwartbaren psychischen Prozesse in Belastungssituationen kennen und Wege, die mit ihnen verbundenen Affekte zu regulieren. Dies wiederum wird nicht künstlich trainiert, sondern durch Klärung der individuellen Werte, deren Erhalt letztlich jedem Menschen die Kraft spendet, um auch schwierigsten Situationen zu trotzen.

Die Fähigkeit des Menschen, Affekte zu regulieren, nennen wir Selbststeuerungskompetenz. Ihr kommt im Krisenkontext eine überragende Bedeutung zu. Sie jedoch erst dann aufbauen zu müssen, wenn sie an sich bereits erforderlich wäre, ist in der heutigen Zeit, in der Krisensituationen schneller und – aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung – auch häufiger zu erwarten sind, keine gute Idee.
[wird fortgesetzt]

Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik für die Krisenprävention – Teil 1

Das Wissen um die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns, gekoppelt mit den neuesten Erkenntnissen der Psychologie, gibt uns heute die Gelegenheit, genauer als je zuvor Menschen darin zu beraten, in eine ihnen angemessene Weise individueller Krisenprävention zu investieren. Wesentlich in diesem Zusammenhang ist es, Einsichten darüber zu gewinnen, wie die Wege der Motivation eines Menschen gebahnt sind, wie er Ziele umsetzt, wie er seine Gefühle reguliert, wie er auf seine Lebenserfahrungen zurückgreift und ob und was ihn blockiert. Julius Kuhl, Professor für differentielle Psychologie an der Universität Osnabrück, hat mit seiner ganzheitlichen Persönlichkeitstheorie die Grundlagen für diese Einsichten geschaffen.

Vier Systeme zeichnen das Psychische des Menschen aus: Das Empfinden, das Fühlen, das Denken und das handlungsorientierte Intuieren [Intuition: Gespür]. Alle vier Systeme sind für Überlegungen der Krisenprävention von Bedeutung.

Mit dem bewussten ‚Empfinden‘ öffnet der Mensch seinen Blick in Richtung potenzieller zukünftiger Lebensrisiken [das ‚Empfinden‘ ist unsere persönliche innere Kontroll- und Prüfinstanz]. Das damit verbundene negative Gefühl gilt es herabzuregulieren – und den Menschen unterstützt dabei sein ‚Fühlen‘, dem System, in dem alle seine Lebenserfahrungen und seine Ressourcen bewahrt sind [das ‚Fühlen‘ ist unser persönlicher innerer Ratgeber und Navigator].

Sich der Facetten dieses System bewusst zu werden, dient dazu, dass der Mensch im dritten System, dem ‚Denken‘, eine Absicht dafür bilden kann, im Falle einer eintretenden Belastungssituation auf bestimmte, ihm angemessene Weise, zu handeln [das ‚Denken‘ ist so etwas wie die Arbeitsvorbereitung, die bei neuen, komplizierten oder komplexen Themen erforderlich ist] unser persönlicher innerer Ratgeber und Navigator].

Da einen Vorsatz umzusetzen mit Arbeit verbunden ist, braucht der Mensch die Fähigkeit, sich ’selbstmotiviert‘ positive Gefühle heraufzuregulieren. Ohne diese positiven Gefühle, bleibt es bei der fixen Idee – mit ihnen gewinnt der Mensch im Rahmen der Krisenprävention das ‚gute Gefühl, im Falle des Falles gewappnet zu sein‘. Gelingt die Aktivierung der positiven Gefühle, dann handelt Mensch zunehmend gewohnheitsmäßig, aus ‚dem Bauch heraus‘ [das ‚Gespür‘ hilft uns daher, etwas tun zu können, ohne langwierige Prüf- oder Vorbereitungsschritte unternehmen zu müssen – in Krisen um diese Gabe zu verfügen, würde einem Menschen daher manches von der Last abnehmen können, über die sonst so oft so berichtet wird].

Die von Julius Kuhl begründete Theorie vermittelt uns ein tiefes Verständnis individueller Motivation, des Bewältigungsverhaltens, der Selbststeuerungsfähigkeiten und des Handlungswillens. Dabei verliert sich der Ansatz nicht im abstrakten Klein-Klein anderer Wissenschaftskonzepte, sondern ist bei aller erforderlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit doch äußerst praktisch in seiner Anwendung.

[wird fortgesetzt]