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Posttraumatische Belastungsstörung

Eine Posttraumatische Belastungsstörung [PTBS] entsteht als eine verzögerte oder verlängerte Reaktion auf ein massiv belastendes kurzes oder langes Ereignis mit außergewöhnlichem Bedrohungspotenzial oder katastrophenartigem Ausmaß. Sie ist meist verbunden mit tiefer Verzweiflung. Psychische und psychosomatische Symptome treten als Traumafolgen auf und nehmen dabei Einfluss auf das Ausmaß und den Grad der Manifestation der Störung. Durch eine frühzeitige psychotherapeutische Intervention kann der Entwicklung einer PTBS entgegengewirkt werden,

Symptome:
– ständiges Wiedererleben des traumatischen Ereignisses
– wiederholte, sich aufdrängende Erinnerungen an das Ereignis
– wiederkehrende belastende Träume
– plötzliche Handlungen oder Gegühle, als ob das Ereignis wiedergekehrt wäre
– intensives Leiden nach Konfrontation mit Reizen, die einem Aspekt des traumatischen Ereignisses ähnlich sind
– anhaltendes Vermeiden von Reizen, die mit dem traumatischen Ereignis in Verbindung stehen, wie z.B. Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, Gesprächen, Aktivitäten, Orten oder Kontakten
– Ein- und Durchschlafstörungen
– Reizbarkeit oder Verlust der Impulskontrolle
– Konzentrationsschwierigkeiten
– extrem erhöhte Aufmerksamkeit
– übertriebene Schreckhaftigkeit

Verlauf
– Symptome tauchen mit deutlicher Verzögerung zum Ereignis auf (ab 4 Wochen bis mehrere Jahre!)
– Symptome müssen mindestens einen Monat lang auftreten und deutliche Auswirkungen im sozialen, familiären und beruflichen Kontext haben, um von einer PTBS sprechen zu können
– das Anhalten der Symptome über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten sind Anzeichen einer
akuten PTBS, danach gilt die PTBS als chronifiziert.

 

Die Krise des Wolfgang Z. – Praxisbericht

Patient: Wolfgang Z. – Inhaber eines Unternehmens der Autozulieferindustrie,
55 Jahre, athletischer Körperbau

Kasuistik: Der Patient berichtet, gemeinsam mit seiner Frau als Kunde einen Banküberfall erlebt zu haben, der nach erfolgreicher Intervention der Polizei mit der Festnahme des Täters noch in der Bank geendet hätte. Bei der anschließenden Fahrt nach Hause hätte er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und einen Unfall verursacht, bei dem seine Frau tödlich verletzt worden sei. Andere Personen sei nicht zu Schaden gekommen, er selbst hätte lediglich starke Prellungen erlitten.Seine beiden erwachsenen Söhne seien im Ausland berufstätig, aus dem Freundeskreis sei anfangs hilfreiche Unterstützung gekommen. In seinem Unternehmen wäre ein Fernbleiben über die Tage der eigenen Genesung und der Beerdigung seiner Frau hinaus nicht möglich gewesen, da Kundenaufträge termingebunden seien und seine Präsenz erfordert hätten. „Anfangs hat mich die Arbeit in der Firma und zu Hause abgelenkt, später dann wurde ich immer fahriger und dünnhäutiger. Ich bin privaten Einladungen oder Anrufen aus dem Weg gegangen, habe seit Wochen nun Schlafstörungen, kann mich nur noch schlecht erinnern und mich überkommen immer wieder starke Schuldgefühle.“

Herr Z. berichtet, unter hausärztlicher Betreuung zu stehen. Eine Medikation wurde empfohlen, Herr Z. hat dies bislang abgelehnt. Seine größte aktuelle Sorge sei, dass er in seinem Unternehmen nicht mehr Herr der Lage bliebe. Der Patient deutet an, ‚regelmäßiger als sonst‘ Alkohol zu trinken und morgens sehr früh aus dem Haus zu gehen, um mit seinem Fahrrad bis zur Erschöpfung zu fahren. Bewegung hätte ihm im Stress immer schon gut getan, nur wundere er sich, dass das jetzt nicht so gut anschlage. Mit seiner Frau, der zweiten in seinem Leben, sei er 12 Jahre verheiratet. Die Ehe sei nicht frei von Problemen gewesen, das größte war, dass es zu keinen gemeinsamen Kindern kam – er wollte dies nicht und seine Frau habe irgendwann eingelenkt.

[wird fortgesetzt]