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Menschenbild des Behaviourismus

Auch das Menschenbild des Behaviorismus ist wie bei der Psychoanalyse auch vom Konzept eines biologischen Materialismus geprägt. Auch hier hat das Geistige keinen Raum, Begriffe wie Seele, Transzendenz oder Geist werden nicht besprochen. Da das menschliche Seelenleben selbst nicht beobachtbar und messbar ist, sich lediglich Verhalten und innere physiologische Vorgänge messen lassen, wird der Mensch anfänglich reduziert auf seine Reiz-Reaktions-Schemata.

Da es über die Zeit aber wissenschaftlich interessant wurde, danach zu fragen, was sich zwischen Reiz und Reaktion abspielt, führte man mit der Organismus-Variable eine erklärende Instanz ein. Als nicht messbares Konstrukt versteht man sie als Set von Gehirnstrukturen, die zwischen sich vollziehenden physiologischen Abläufen vermittelt. Trotz dieser Instanz interessiert das kognitive und affektive Erleben des Menschen weiterhin aber nicht. Dies wird lediglich als Äußerung des Verbalverhaltens aufgefasst und nur als solches einer Analyse unterzogen.

Auch der Behaviorismus ist daher streng deterministisch gefärbt. Organische Strukturen und Umweltfaktoren bedingen den Menschen. Sein Verhalten wird ausschließlich erklärt durch Prozesse der Konditionierung. Verhalten, dessen Foigen angenehm und lustbetont sind oder durch das unangenehme Foigen verhindert werden kann, wird verstärkt. Bleibt der Erfolg nach einem gezeigten Verhalten aus, so wird es ‚gelöscht‘. Wiederum ist der Regelmechanismus des Verhaltens das hedonistische Lust-Unlust-Prinzip. Willensfreiheit findet sich hier ebenso wenig wie im Konzept der Psychoanalyse. Auch Aussagen über die ‚Natur‘ des Menschen sucht man vergeblich. Gewissen – im sinnzentrierten Menschenbild Frankls von großer Bedeutung – ist im Behaviourismus nicht mehr als bloß ein konditionierter Reflex.

Verhalten des Menschen ist weder gut noch böse, sondern entweder angepasst oder unangepasst. Da der Mensch als Summe von Konditionierungen verstanden wird, ist er prinzipiell im Rahmen seiner konstitutionellen Möglichkeiten ‚machbar‘. Skinner, einer der Begründer dieser Schule, entwarf entlang dieses Gedankens das utopisch anmutende Bild einer Gesellschaft, die durch eine völlige psychologische Kontrolle ‚befriedet‘ ist.