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Wenn der Mensch die Krise kriegt – 2

‚Die Psyche‘ sucht nach einem Ausweg – und was hier wie eine fremde Instanz klingt, ist letztlich die individuelle Melange aus Emotionen und Gedanken, ein im Gehirn entzündetes neuronales Feuerwerk, das die Situation als gefährlich, verletzend, demütigend usw. erleben lässt. Aus dem Verlust einer Arbeitsstelle wird so über diverse Deutungsebenen hinweg der Verlust des Selbstwertes aufgrund verloren gegangener Anerkennungsmöglichkeiten. Diese hatte die Person bislang vielleicht lange genug in ausreichendem Maße erhalten, der psychische Trampelpfad ‚Job – Leistung – Anerkennung – Befriedigung‘ war lange gegangen worden und Alternativen wurden nicht bedacht. Nun fällt plötzlich eine Säule der Identität in sich zusammen und die Neuronen funken.

Erlebt der Mensch nun bei allen Versuchen keine Stabilisierung seiner Lage, baut sich ein neuer Trampelpfad auf ‚Job weg – Versager – Selbstinfragestellung – Fluchtverhalten‘. Lange genug gegangen, übernimmt dieser Trampelpfad die Funktion, das Denken und Fühlen der Person zu kanaliseren. Die Aufmerksamkeit der Person wird auf das Misslingen, die Schwäche, den Verlust, vielleicht auch die Wut oder Angst gelenkt. Der Körper reagiert entsprechend – Frankl hat dies mit dem Begriff ‚psycho-physischer Parallelismus‚ beschrieben. Die Liste der psychosomatischen Phänomene ist lang und wird von betroffenen Menschen meist sehr passend formuliert: ‚mir stockt der Atem‘, ‚ich fühle mich wie gelähmt‘, ‚ich bin morgens schon sehr gereizt‘ …

 

Wenn der Mensch die Krise kriegt – 1

Es ist passiert. Die Krise ist da.

Aber eins gilt in der Psychologie nun als gesichert. Nicht das Ereignis macht etwas zu einer Krise. Vielmehr ist es die Weise, wie das Ereignis verarbeitet wird und wie sich der Mensch während und nach seiner ‚Verarbeitung‘ selbst erlebt. Ist dieses ’neue‘ Erleben negativ, dann wirkt sich dies auf die Bewertung der persönlichen Selbststeuerungskräfte entsprechend aus. Der betroffene Mensch empfindet sich als hilflos, ohne Orientierung, ohne Kraft, ‚ich schaff es nicht‘, ‚ich komme nicht darüber hinweg‘.

Ein Mensch, der in einem solchen Zustand anderen über sich berichtet, wird meist beginnen mit: ‚Ich habe das Problem, dass ich nicht ….‘ Begründet wird das Problem dann mit dem ’neuen‘ Erleben, zum Beispiel der Hilflosigkeit o.a. Auf dieser Weise wird das an sich erlebte Phänomen selbst zum Problem. Nicht das Ereignis bleibt dann im Mittelpunkt und wird bearbeitet, sondern das Phänomen wird zentral – die Folge: Der Mensch ver-rückt das, worum es eigentlich geht.

Nun ist es aber normal, dass ein Mensch seine Ressourcen als zu schwach empfindet, wenn er in eine Krisensituation gerät [es sei denn, er hat bewusst und rechtzeitig in individuelle Krisenprävention investiert]. Was er anstelle schwacher Ressourcen lieber hätte, wäre, dass seine Bedürfnisse nicht durch das Krisengeschehen beeinträchtigt würden. Werden sie aber, also stellt sich die Frage, wie es zu einer Befriedigung dieser Bedürfnisse kommen kann? Die Antwort gibt dabei meist die Psyche. Sie versucht, mit ihrem über das Leben erlernten Paket an Abwehrmechanismen, dem Menschen dazu zu verhelfen, sein Selbstbild wieder geradezurücken.

Verliert ein Mensch seinen Arbeitsplatz und empfindet er dies in der Folge als erniedrigend und seinen Selbstwert mindernd [sein Bedürfnis nach Anerkennung, Stolz o.a. wird also angegriffen], dann kann seine Psyche mit dem Griff in die Abwehrkiste zu einer Strategie greifen, mit der es irgendwie doch gelingen soll, die Bedürfnisbefriedigung hinzubekommen.

Wie so etwas in einer konkreten Lebenssituation ausschauen kann, wird in diesem Beitrag gezeigt.

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