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Die Krisen großer Musiker – heute: Ludwig van Beethoven

Wer kennt sie nicht, die Ode ‚an die Freude‘ von Ludwig van Beethoven (1770-1827) mit dem Grundtext von Friedrich Schiller:

„Freude, schoener Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Fluegel weilt.“

Bei der Uraufführung der 9. Sinfonie im Mai 1824 im Wiener Hoftheater war Beethoven bereits  völlig ertaubt. Er selbst schildert den Beginn seiner Schwerhörigkeit mit rund 30 Jahren als Hochton- und Sprachverständlichkeitsverlust, quälende Ohrgeräusche, Verzerrungen und Überempfindlichkeit für Schall. Seinen suizidalen Gedanken entkam er letztlich durch die Freude an der Musik, wie Auszüge aus seinem Testament nahelegen:

O ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misantropisch haltet oder
erkläret, wie unrecht tut ihr mir; ihr wißt nicht die geheime Ursache von dem, was
euch so scheinet […] aber bedenket nur, daß seit 6 Jahren ein heilloser Zustand
mich befallen, durch unvernünftige Ärzte verschlimmert, von Jahr zu Jahr in der
Hoffnung, gebessert zu werden, betrogen, endlich zu dem Überblick eines
dauernden Übels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern oder gar unmöglich ist)
gezwungen, mit einem feuerigen, lebhaften Temperamente geboren, selbst
empfänglich für die Zerstreuungen der Gesellschaft, mußte ich früh mich absondern,
einsam mein Leben zubringen […] wie ein Verbannter muß ich leben […] solche
Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endigte
selbst mein Leben – nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück […] und so fristete ich
dieses elende Leben – wahrhaft elend; einen so reizbaren Körper, daß eine etwas
schnelle Veränderung mich aus dem besten Zustande in den schlechtesten versetzen
kann […] o Menschen, wenn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr mir unrecht
getan, und der Unglückliche, er tröste sich, einen seinesgleichen zu finden, der trotz
allen Hindernissen der Natur, doch noch alles getan, was in seinem Vermögen stand,
um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen aufgenommen zu werden …

Aber nicht nur das Gehör bereitete Beethoven Probleme, eine Vielzahl anderer Erkrankungen wie Pocken, Masern, Asthma bronchiale, Kurzsichtigkeit, Gelbsucht galt es für ihn zu überstehen.
Der Sinn, den er im Beitrag seiner Musik für die Menschen sah, wird die Grundlage dafür gewesen sein, ‚trotzdem Ja zum Leben gesagt zu haben‘.

Die Krisen großer Musiker – heute: Frédéric Chopin

Frédéric Chopin (1810-1849) ,in Żelazowa Wola geboren, schrieb mit 20 Jahren: ‚Ich denke, dass ich abreise, um zu sterben.‘

1830 verlässt Chopin seine Heimat in Polen und reist nach Paris und 1838 nach der Heirat mit George Sand nach Mallorca. Schon 1835 litt er unter Husten, später dann unter einer Lungenentzündung und Tuberkulose. Die Zeit auf Mallorca – so findet es sich in seiner Biografie – muss permanent von seiner Krankheit geprägt worden sein. Nicht ohne Ironie schreibt er in dieser Zeit: ‚Die drei berühmtesten Ärzte der ganzen Insel haben mich untersucht; der eine beschnupperte, was ich ausspuckte, der zweite klopfte dort, von wo ich spuckte, der dritte befühlte und horchte, wie ich spuckte. Der eine sagte, ich sei krepiert, der zweite meinte – dass ich krepiere, der dritte – dass ich krepieren werde.‘

1839 geht es für Chopin zurück nach Paris, seine Lunge ist chronisch entzündet, er nimmt Opiumtropfen zur Schmerzlinderung. Ab 1843 ist er oft bettlägrig. 1847 wird die Ehe geschieden. 1849 stirbt Chopin durch Lungen- und Herzschwäche sowie an Morphinsucht und Abmagerung.

 

Die Krisen großer Musiker – heute: Robert Schumann

Robert Schumann (1810-1856), in Zwickau geboren, schreibt mir 19 Jahren den Vers: „Mir träumte, ich wäre im Rhein ertrunken“. Ob er wohl ahnte, wie sein Leben enden würde? Schaut man auf die Krankheitsgeschichte des großen Romantikers, so wird diese zeitlich begonnen  als seine Schwester mit fast 30 Jahren sich suizidiert. Schumann, 22 Jahre alt, bekommt eine rechtsseitige Fingerlähmung, was seine Karriere am Klavier beeendet.

Als Komponist entwarf er fortan eine Vielzahl konzertanter Werke, Stücke für Orchester und Kammer und eine Oper.

1840 wurde ihm die Ehrendoktorwürde zum Dr.phil. der Philosophischen Fakultät der Universität Jena verliehen. 1844 dann ein Jahr im Zustand völliger nervöser Erschöpfung mit Phänomen, die heute mit Tinnitus bezeichnet würden, 1849 wird berichtet, dass Schumann immer schweigsamer wird, seine Aussprache schwerfällig anmutet und er über akustische Halluzinationen berichtete. Trotz der ‚Engelsstimmen mit choralartigem Thema‘, die er wahrnahm, komponiert er sein Werk: Variationen über ein Thema in Es-Dur („Geistervariationen“).

1854 unternimmt Robert Schumann einen Suizidversuch und stürzt sich von der Alten Rheinbrücke in Bonn. Er wird gerettet und in die Nervenheilanstalt Bonn-Endenich verbracht, wo er 1856 stirbt.

Musik über Krise

In der LinkedIn Gruppe ‚Krisenkommunikation‘ wurden die 15 Musiktitel gewählt, die im Umgang mit Krisensituationen hilfreiche Botschaften parat haben. Vielleicht haben auch Sie ein Lied, das Ihnen in einer schwierigen Lebenslage half? Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie es heute hören?

Hier die LinkedIn-Liste:

„Help“ – The Beatles
„End of the World as We Know It“ – REM
„Pressure“ – Billy Joel
„We Won’t Get Fooled Again“ – The Who
„Get the Fire Brigade“ – The Move
„Under Pressure“ – Queen/David Bowie
„999 Emergency“ – Motorhead
„Bad Moon Rising“ – Creedence Clearwater Revival
„God Only Knows“ – The Beach Boys
„We Didn’t Start the Fire“ – Billy Joel
„Comfortably Numb“ – Pink Floyd
„The Final Countdown“ – Europe
„The Good, The Bad and The Ugly“ – Ennio Morricone
„Until the End of the World“ – U2
„Eve of Destruction“ – Barry McGuire