Kategorie-Archiv: Viktor E. Frankl

Substanz oder Relation? In der Logotherapie gibt es den dritten Weg: Substanz und Relation.

Wer sich mit dem Gedankengut Viktor Frankls tiefergehend auseinandersetzt, der stößt irgendwann einmal auf eine besondere Facette seines Menschenbildes. Frankl versteht das Geistige eines Menschen, das geistige Bezogensein auf die Welt, die ihn umgibt, nicht als Prozess des individuellen Verstandes, Intellekts, einer Denkleistung oder der Vernunft [also nicht das ‚Gehirn-Geistige‘]. Das Geistige ist die unbewusste Suche nach den Verwirklichungsmöglichkeiten individueller Werte. Diese Suche ist auf die Welt gerichtet, die jederzeit Sinn-Impulse bereit hält. Impulse, die wir als das ‚Gesollte‘ verstehen können. Als das, was – wenn nicht von der einzelnen Person, von wem denn dann – hier und jetzt handelnd in die Welt geschafft werden kann. In jedem Moment, in jeder Situation hält die Welt jedem Menschen ein solches Gesolltes bereit. Sinn ist also per se gegeben. Dass Menschen ihn manchmal nicht finden, hat verschiedene mögliche Gründe – in der KrisenPraxis habe ich dazu bereits geschrieben.

An dieser Stelle möchte ich den Aspekt beleuchten, dass das Geistige sich in Koexistenz mit dem Psychischen und dem Körperlichen des Menschen befindet. Das Geistige können wir also nicht loslösen von Psyche und Körper, aber eben auch nicht mit einem der beiden gleichsetzen. Das Geistige ist die dritte Dimension. Geistig Seiendes ist damit nicht materiell Seiendes. Während materiell Seiendes ‚da‘ ist, ist das Geistige ein Sein jenseits von Zeit und Raum. Ich habe versucht, diesen Gedanken Frankls in meinem Buch ‚Coaching des Todes‚ vertiefend zu beleuchten.

Allemal soll hier mit Frankl festgehalten werden, dass der Mensch eben nicht nur Mensch, sondern immer auch ‚Mensch in Welt‘ ist, es also nicht nur Antworten nach dem ‚Was ist der Mensch‘ gibt, sondern auch nach dem ‚Worum geht es dem Menschen in der Welt‘. Während sich viele Antworten auf die erste Frage naturwissenschaftlich-empirisch beantworten lassen, sehen wir in der Logotherapie mit Beantwortung der zweiten Frage die geistige Person sowohl als eine Substanz, die als unteilbare, in keiner Masse aufgehende und einzigartige Einheit zum Psychophysikum hinzutritt als auch als Relation, die sich stets im Anderssein eines jeden Menschen vom Sein eines anderen darstellt. In der wissenschaftlichen Praxis ist ein derartiges Doppelverständnis eines Begriffes eine Art No-Go. Substanz und Relation. Relation und Substanz. Wieso geht Frankl diesen Weg?

Das relationsontologische Verständnis hat eine lange Tradition. Cicero, Hobbes, Hegel und andere haben Personsein als das Spielen einer Rolle verstanden, die sich durch die Beziehung zu anderen Rollen definiert. Das Wesen des Menschen gibt es nicht unabhängig vom Bezogensein auf etwas im Außen. Personsein wird durch In-Beziehung-stehen. Das Bezogensein wird so zum Anfangspunkt des Werdens der Person. Oder wie Buber es kurz fasste: Am Du erst werden wir zum Ich.

Das substanzontologische Verständnis sieht die Person nun als unabhängig von Relationen und zufällig auftretenden Eigenschaften. Auch diese Perspektive haben viele Philosophen eingenommen, wie beispielsweise Aristoteles oder Descartes. Bei ihr wird als Person eine unteilbare, individuelle Substanz einer zu Vernunft und Bewusstsein befähigten Natur angesehen. Mit anderen Worten: Person ist Substanz, die bewirken und denken kann, individuell, unteilbar und primär vor allem Bezogensein.

Substanzontologische Aussagen zur Person stehen neben relationsontologischen – dies zumindest in einem vorurteilsfreien Diskurs. Wer das eine meint dem anderen vorziehen zu können, läuft Gefahr, den Menschen zu reduzieren. Dies entspricht nicht sinntheoretischem Gedankengut. Das wiederum macht die Arbeit entlang Viktor Frankls Menschenbild fordernd und anspruchsvoll.
Dies wiederum sind uns die Menschen im sinnorientierten Coaching und Therapie ‚wert‘.

Sie möchten dazu mehr Futter?

Hier in Kürze ‚das Wesentliche‘ der Logotherapie:
https://www.youtube.com/watch?v=dGsuZm2lano (7 Minuten)

Hier ein Interview mit der bedeutendsten “Schülerin” von Viktor E. Frankl: Elisabeth Lukas: https://www.youtube.com/watch?v=qhdRbnlavtM (37 Minuten)

Neue Rezension zum Buch ‚Coaching des Todes‘

In der Tradition anspruchsvoller Coachingfachbücher, die sich der Transformation der sinnzentrierten Arbeit mit Menschen widmen und mit dem Namen Viktor Frankl unverrückbar verbunden sind, hat der Augsburger Coach, Therapeut und Autor Ralph Schlieper-Damrich erneut ein besonderes Leseformat entwickelt. In meiner Anschauung erstmalig, bietet hier ein Coach sowohl einen biografischen Einblick in aus seinem Empfinden existenzielle Lebenssituationen als auch eine mutige Weiterentwicklung des Frankl‘schen Gedankengebäudes, der sich nachvollziehbar dargestellte Gespräche mit Klienten anschließen. Indem der Autor sein Werk selbst hybrides Ideenbuch nennt, macht er schon zu Beginn deutlich, dass sich der Leser auf Multiperspektivität, die ein oder andere Provokation und Grenzbetrachtung zwischen Psychologie, Philosophie und gesellschaftlichen Entwicklungen einstellen kann. Spannend fand ich die Idee, Begriffe wie Tod, Abschied, Gefühl, Punkt oder auch Verantwortung in einen mir neuen Verstehensraum zu setzen. Als Führungskraft in einem international tätigen Unternehmen habe ich schon oft mit Coachs zu den verschiedensten Anlässen zusammengearbeitet. Mit dem Coachphilosophen Schlieper-Damrich, dessen inhaltsreiche Arbeit ich bereits lange verfolge, bin ich einig, dass Coaching künftig wesentlich stärker aus dem Schatten der Selbstoptimierungsunterstützung, Performanztreiberei und eines Erfüllungsgehilfen sinnentleerter Führungsstrukturen heraustreten muss. Das Buch Coaching des Todes hat mir dabei auf anregende, zuweilen fordernde, aber auch amüsante Weise zu ganz neuen Überlegungen verholfen. Und ganz nebenbei fanden sich gerade jetzt zu Corona-Zeiten ganz hilfreiche Anknüpfungspunkte – vom Autor unbeabsichtigt, aber das macht ein Buch vielleicht ja gerade aus, dass es sich in Situationen anbietet, wenn man gar nicht daran denkt.

Michael Dagenhof

Corona-Blog: Krisenprävention in eigener Sache

Zum Ende des achten Lebensseptils [Lebensalter 52-58 Jahre] ist es nun für mich selbst auch wieder einmal die Zeit, einen präventiven Blick in die nächste Lebensphase zu werfen. Gründe dafür gibt es genug, schließlich sind viele Veränderungen, auch in Form von Loslösungen, Trennungen und Abschieden, eingetreten – räumlich, zwischenmenschlich, beruflich, familiär.
Zeit für einen verantwortlichen Blick nach vorn ist zudem ausreichend gegeben, und die erforderlichen Tools und Methoden zur Werteanalyse und -entwicklung dafür habe ich selbst entwickelt. Es mangelt also an nichts. Worum soll es also in den nächsten Jahren gehen? Würde ich eine solche Frage Sigmund Freud stellen, so müsste ich mich seiner legendären Antwort rechnen: „Im Moment, da man nach Sinn und Wert des Lebens fragt, ist man krank“. Freuds Schüler, Viktor Frankl, sah das ganz anders: „Nun, ich persönlich bin nicht der Ansicht, dass es sich da um eine Krankheit handelt, etwa um das Symptom einer Neurose. Vielmehr meine ich, dass der Mensch damit, dass er die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt, ja mehr als das, dass er wagt, die Existenz eines solchen Sinnes sogar in Frage zu stellen, – ich meine, dass der Mensch damit nur seine Menschlichkeit manifestiert. Noch nie hat ein Tier danach gefragt, ob das Leben einen Sinn hat. Das tut eben nur der Mensch, und das ist nicht Ausdruck einer seelischen Krankheit, sondern der Ausdruck seiner Mündigkeit würde ich sagen.“

Einen mündigen Blick auf das Leben zu werfen, das auch für mich von vorn kommt und für das ich zu entscheiden habe, worum es mir gehen soll, bedingt einen tieferen Blick. Einen Blick auf die persönlichen Werte, denen ich [erstmals, erneute oder veränderte] Aufmerksamkeit schenken will. Erst, wenn diese Werte geklärt sind, ergeben sich Fragen nach wertebasierten Zielen, wertebasierten Beziehungskonstellationen, wertebasierten Engagements usw. – zuerst das Wertefundament, dann die Überlegungen, wie die Zimmeraufteilung des Wertehauses ausschauen soll.

Mithilfe unserer LebensWerte-Karten, einem schönen und ungestörten Platz an der Sonne und ausreichend Zeit mache ich mich ans Werk. Aus den über 400 Werte-Begriffen wähle ich in aller Ruhe diejenigen, bei denen ich mit Blick auf meine nächste Lebensphase spontan ein positives Gefühl verbinde. Viele Werte, die bislang voller Bedeutung waren, verlieren dabei nicht an Wert, doch werden sie fühlbarer nachrangiger. Sie tauchen in der Auswahl der ’neuen‘ Wertelandschaft nicht mehr auf. Und auch in der Auswahl [siehe Bild] finden sich einige Werte, die in einem bestimmten Kontext auch bislang schon ihren ‚StellenWert‘ in mir hatten, nun aber nach einem ‚frischen Sinn-Wind‘ suchen. Diese Werte sehnen sich nach etwas, die ‚Sehnsuche‘ mit ihrem Wert der ‚Sehnsucht‘ entdecke ich als Mittelpunkt der Wertelandschaft. Als ich die Karte in der Hand halte, überrascht und erstaunt sie mich, und ich fühle: Dieser Wert ist für mich der neue Einstellungswert [mehr zu dieser Wertekategorie finden Sie hier in der KrisenPraxis]. Wohin genau er sich ausrichten wird, ist längst noch nicht entschieden und klar. Aber er ermöglicht eine neue aufmerksame Orientierung. Der Sinn wird sich finden, dessen bin ich mir bewusst. Und so wie im vergangenen Lebensseptil auch, das geprägt war durch den Satz „ich leiste einen Beitrag dafür, dass Menschen sich nicht verfehlen„, wird es für die Zeit vor mir wieder einen Sinnbeitrag geben. So ungewiss es noch ist, welche Worte sich unerwartet einstellen werden, eines ist mir jetzt bereits klar: Der neue Sinn wird nichts, aber auch rein gar nichts mit Corona zu tun haben. Denn ich werde mir weiterhin weder von mir alles gefallen lassen, noch nun von einem Virus.

Corona-Blog: Und vor meinen Augen wurde mein Spielkamerad zerfetzt

1943 war meine Mutter 13 Jahre alt. Sie lebte mit ihren Eltern in Duisburg und sah zu, wie ihre Stadt bombardiert und nach und nach zerstört wurde. Und, wie dies auch zu menschlichen Tragödien führte. So wurde bei einem britischen Bombenangriff im Mai auch ihr Stadtteil getroffen und dabei einer ihrer Freunde aus der Nachbarschaft. ‚Vor meinen Augen wurde mein Spielkamerad zerfetzt …‘ Über zwei Jahre lang stand die Bevölkerung unter Angst und Schrecken – die Verluste waren gewaltig. Immer wieder erzählte meine Mutter die Situation, wie der neogotische Turm der Salvatorkirche zusammenbrach oder wie sich die Umgebung darstellte, wenn sie und andere Menschen nach einem Angriff aus dem Bunker wieder heraustraten.

Schaut man auf die von Viktor Frankl beschriebenen drei Säulen des Menschseins, die – wenn balanciert entwickelt – ein sinnerfülltes Leben ermöglichen, dann fällt nicht schwer zu erkennen, wie erschüttert diese Säulen zu Kriegszeiten gewesen sein müssen.

Säule 1: Verwirklichung von schöpferischen Werten mit Aufbau und Erhalt individueller Leistungsfähigkeit: Die Personen leitet einen sinnvollen Beitrag für die Welt.
Säule 2: Verwirklichung von Erlebniswerten mit Aufbau und Erhalt individueller Liebesfähigkeit. Die Person ist welt- und wahrnehmungsoffen für das, was in der Welt sinnerfüllend geschieht.
Säule 3: Verwirklichung von Einstellungswerten mit Aufbau und Erhalt individueller Leidensfähigkeit. Die Person vermag sich zu Unabänderlichem in Freiheit und Verantwortlichkeit zu stellen.

Aktuell spricht die ‚Corona-Politik‘ weiterhin ein kriegerisches Vokabular, von massiver Krise und einer katastrophalen Lage. In der Berichterstattung wird dargestellt, dass Familien unter den Gegebenheiten leiden, dass Kinder zu Hause zum Problem werden, dass die Leute vor lauter Angst vor der Arbeitslosigkeit ihre geplanten Investitionen zurückhalten würden, dass die Verbraucherstimmung am Boden sei usw.

Die Empfehlung, den Blick 80 Jahre rückwärts zu richten und dann diese Bilder [finden sich zuhauf im Internet, sollte man niemanden mehr haben, der einen an die Zeit erinnert] mit einem Blick aus dem eigenen Fenster zu vergleichen, ist für viele Menschen keine Hilfe. „Das kann man doch nicht vergleichen:“ Stimmt, damals war alles kaputt, viele tot, das System wirklich am Ende ….

Heute? Corona ermöglicht Lernprozesse, die vielleicht auch ohne das Virus begonnen worden wären, die nun aber einen Schub erhalten haben und ergänzende Formen der Kommunikation, Kooperation und Kollaboration befördern. Wenn ein Mensch weiß, worum es ihm geht, wenn er über ‚Leistungsfähigkeit‘ spricht, dann kann ihm durch die Corona-Sondersituation womöglich ein Verwirklichungsfeld entstehen, das ihm zuvor durch das ‚Alltagsgeschehen‘ nicht nahe lag.

Corona ermöglicht Beziehungsprozesse, die in ihrer Fülle und Kreativität zuvor vielerorts auch noch nicht erlebt wurden. Ob es die Tochter ist, die mit ihrer Mutter, vor dem Fenster des Seniorenheims stehend, fröhliche Witze reißt; ob es der Erhalt lustiger Handynachrichten ist, die von mehr oder weniger nahe stehenden Bekannten verschickt werden, um andere Menschen zu erheitern. Ob es neue Formen der Fürsorge, künstlerischen Entfaltung usw. sind – auch hier finden sich Verwirklichungsfelder, die genutzt werden können, wenn ein Mensch weiß, worum es ihm geht.

Corona ermöglicht Abschiedsprozesse, die ohne Besinnung auf das Wesentliche sich nicht in den Vordergrund gerückt hätten. Von was kann man sich trennen, materiell, ideell, zwischenmenschlich.? Welchen Verzicht kann man üben, weil dies für andere und einen selbst lebensdienlicher ist? Welche Form der Hilfe kann man bei allem Autonomiestreben annehmen, weil man seiner Begrenzungen nun bewusster wird? Was ist durch Corona nun ‚tot‘ und ruft nach Übernahme einer neuen Verantwortung für das ‚Leben danach‘? Wenn ein Mensch weiß, worum es ihm im Leben geht, welche Werte seine eigenen sind – und welche nicht -, dann wird es leichter, trotz Virus sinnvoll zu handeln und sich sinnvoll zu verhalten.

Freiheit droht in Willkür auszuarten,
sofern sie nicht in Verantwortlichkeit gelebt wird.

Viktor Frankl

„In Euch wohnt ein ‚Sinn-Organ’ namens Gewissen! Säubert es vom Gestrüpp sämtlicher Fremdeinflüsse und Indoktrinationen und lauscht ihm in Ruhe, Einsamkeit und absoluter Ehrlichkeit! Es wird Euch, einem inneren Navigationsgerät gleich, stets die Richtung weisen. Die eine, die gerade jetzt und exakt für Euch stimmig ist. Es lässt Euch nicht im Stich. Folgt Eurem Gewissen und blickt mutig in die Zukunft! Die Welt ist nicht heil, aber heil-bar. Sie braucht Euch, sie wartet auf Euch und Euer Engagement. Sie ist die Spielwiese und zugleich der Prüfstein des menschlichen Geistes …“

Elisabeth Lukas zum 115. Geburtstag von Viktor Frankl am 26.3.2020

 

Corona-Blog – Drängt das Virus den Menschen zur nachhaltigen Lebensstil-Veränderung?

Kaum ein Tag vergeht nun, an dem nicht ein Szenario-, Zukunfts- oder Trendguru zum Besten gibt, was sich nach Corona für die und in der Gesellschaft wohl verändern wird. Von einem entschleunigten, sozialeren, wärmeren, deglobalisierteren Deutschland wird da gesprochen, manche sehen gar eine neue Weltordnung auf uns zukommen, schließlich sei es das erste Mal, dass so ziemlich jeder Zipfel dieser Welt mit derselben Sondersituation zu tun bekommen hat. Überall wird gestorben und gelitten, überall fehlt es an Ähnlichem, überall wird improvisiert und überall zeigt sich das Menschliche in allen möglichen Hilfsbereitschaften. Wenn das keine Gründe sind, aufgerüttelt zu werden und den Menschen zu einer Weiterentwicklung seiner selbst zu führen?

Meine – therapeutische – Perspektive fragt sich bei all diesen Ansagen, ob da nicht ein Knick in der Optik der Vater der Gedanken ist. Ich will es kurz machen: Wird sich im Selbstverständnis des Menschen etwas hinsichtlich seines Lebensstils ändern? Meine Antwort: Nein. Es wird auf individueller Ebene alles so weitergehen wie bisher. Warum? Weil sich die individuellen Wertesysteme durch das aktuelle Geschehen nicht verändern werden. Wer vorher bereits Werte wie Fürsorge, Hilfsbereitschaft, Nähe oder Zuwendung sein eigen nannte, der zeigt diese in seinem Verhalten heute wie zuvor, vielleicht aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit und Begrenzungen nur intensiver – und dies wohl kaum, damit er dafür Held genannt wird. Wer zuvor bereits Werten wie Loyalität, Pflicht, Ordnung, Disziplin folgte, der bleibt auch jetzt bei der Stange und erledigt seine Aufgaben selbst unter widrigen Bedingungen. Auch Helden.

Das ließe sich nun beliebig weiter ausführen, am Ende steht immer der Wert Gesundheit, der als Kollektivwert vom Virus attackiert wird und dem sich alle anderen Wertemaßstäbe unterordnen – bei den allermeisten Menschen zumindest. Weil das so ist und von der Wissenschaft bei allen Widersprüchlichkeiten und Deutungsvielheiten hinreichend genug transparent dargestellt wird, in welcher Weise die Gesundheit bedroht wird, sind Menschen weit überwiegend bereit, in ihren Behausungen zu bleiben und sich an Auflagen und Empfehlungen zu halten. Weil die Politik sich auf Wissenschaft beruft, funktioniert das. Wo Politik dies nicht tut, werden grandiose Fehler begangen und der führende Politiker, der sie begeht wird sein Verhalten, das sich nicht sofort dem Kollektivwert Gesundheit unterordnete, eher über kurz als lang bezahlen [auf die nächsten Wahlen in den USA, Brasilien, UK, in den italienisch von der Lega gefärbten Regionen oder in den auch in den Bundesländern mit Vorlieben für gewisse aber nicht gewissenhafte Deutschlandalternativen bin ich heute schon gespannt. Für Schweden hoffe ich nur das Beste]. Würde die Wissenschaft ihren Job nicht richtig machen und die Politik zudem herumlarvieren, die Katastrophe wäre vorprogrammiert.

Erfährt der Kollektivwert Gesundheit aber keine gravierende Schädigung, eben weil die meisten Menschen anfangs mit ihrem eigenen Verhalten einen Beitrag dafür leisteten, die politischen Bedingungen angemessen gesetzt wurde und schließlich die Pharma- und Impfstoffforschung es schafften, mit einem starken Wirkstoff um die Ecke zu kommen, dann wird das individuelle Verhalten anschließend wieder zurückfallen in das jeweilige Wertesystem des Einzelnen. Mit dem Bojenmodell will ich das kurz skizzieren. Die folgenden Bilder zeigen metaphorisch den Zusammenhang zwischen Werten und Verhalten auf.

Das Wertesystem mit unseren Überzeugungen stellt quasi den Anker dar, mit dem wir unser Verhalten gut begründen können. Wenn wir gute Gründe haben, dann formulieren wir sie als Grundüberzeugungen, die uns entweder wichtig sind, damit bestimmte Zwecke unseres Verhaltens und unserer Handlungen erfüllt werden. Sind diese Überzeugungen sogar wesentlich, also dem individuellen Wesen entsprechend, dann findet eine Person mit ihren formulierten Grundüberzeugungen und den sie begründenden Werten einen Sinn in der Situation, im Alltag oder sogar im ganzen Leben.

Das Wertesystem leistet somit den Hauptbeitrag dafür, dass eine Person eine Haltung einnehmen oder eine Einstellung für etwas entwickeln kann. Dieser Entwicklungsprozess wiederum führt zu Motiven der Person, die sie letztlich zu Verhaltensweisen und Handlungen bewegt und ihr auch eine entsprechende Kommunikation über ihre Motivationen, Handlungen und ihr Verhalten ermöglicht.

Wird das Wertesystem nun in Unruhe versetzt und kommt die Person aus welchen spezifischen Gründen auch immer unter Stress, dann lohnt sich ein Blick auf die durch diese Unruhe verletzten Werte. Oft vermögen es Menschen, durch ihre Fähigkeit zur Selbstberuhigung eine Gelassenheit zu entwickeln, die dazu dient, eine Werteverletzung nicht zu lange als Beschwernis ertragen zu müssen. Tritt aber ein Sonderereignis wie zum Beispiel Corona ein, dann wirbelt dies die Boje [in diesem Modell das sichtbare menschliche Verhalten und seine erlebbaren Handlungen] aufgrund hoher Schockwellen besonders stark herum. Die Person muss nun deutlich mehr Energie aufwenden, um sich wieder zu stabilisieren als dies in Alltagsstress-Situationen erforderlich ist.

Der Weg hin zu einer Re-Stabilisierung kann erleichtert werden durch sogenannte Resilienz-Faktoren [bei Interesse finden Sie dazu in der KrisenPraxis verschiedene Beiträge dazu]. Jenseits dieser Faktoren muss allemal darauf geachtet werden, dass nicht zu viele der individuellen ‚Halteseile‘ [Haltungen und Einstellungen] reißen und ein Mensch sich als Spielball des Ereignisses ansieht [wie dies im dritten Bild angezeigt ist]. Will sagen, Menschen wollen Herr im eigenen Wertehaus sein und bleiben. In Extremsituationen muss die Politik und die ihnen folgenden staatlichen Instanzen ihre Interventionen so planen, dass die meisten Menschen nicht den Eindruck gewinnen, ihre Werte und die sich aus ihnen ergebenen Einstellungen und Haltungen wären der Politik ‚nichts wert‘. Solange – wie gerade – ein kollektiv übergeordneter Wert wie ‚Gesundheit‘ in Gefahr gerät, die Schockwelle also gefährlich ist, werden Menschen eingeleitete Maßnahmen solange akzeptieren wie das ‚Halteseil‘ hält.

Werden jedoch Interventionen gesetzt, obwohl Menschen diese nicht mehr als notwendig empfinden, dann überdehnt das Seil ohne ‚triftigen Grund‘ und droht zu reißen. Die Folge davon sind im Extremfall anarchische Prozesse, im einfachen die Abwahl derer, die diese Interventionen setzten.

Man sollte also schon recht genau einschätzen können, welche individuellen Wertesysteme hinter einem kollektiven Oberwert wie Gesundheit stehen und dann verteidigt werden, wenn der Oberwert nicht mehr gefährdet erscheint.

Es ist ein bisschen wie in der Schule. Reißt ein Schüler zum Zwischenzeugnis die erforderlichen Noten, dann ist seine Versetzung gefährdet. Empfindet der Schüler dies als Bedrohung, weil er vielleicht durch Nichtversetzung den Kontakt zu seinen Freunden, den Liebesentzug seiner Eltern oder den potenziellen Karriereknick in seiner Laufbahn befürchtet, dann wird die Zeugnis-Intervention [die Schockwelle] dazu führen können, dass er die Anspannung seines Halteseils durch einen intensiven Lernprozess wieder lockert. Empfindet der Schüler das Versetzungsszenario jedoch als nicht bedrohlich, dann pfeift er förmlich auf die möglichen Folgen. Das Problem dabei ist, dass dies nur dann gut geht, wenn es gute Gründe des Schülers dafür gibt, seine Situation als nicht bedrohlich anzusehen. Gute Gründe stellen für uns in der Logotherapie Verhaltens- und Handlungsentscheidungen einer Person dar, die sie auf Basis eines geklärten, für sie stimmigen und mit positiven Gefühlen verbundenen Wertesystems trifft. Gibt es diese guten Gründe nicht [zum Beispiel, weil die Person in Unkenntnis ihrer eigenen Werte ihr Leben lebt], dann läuft eine Person -hier der Schüler – Gefahr, aus Naivität, Fehleinschätzung, mangelnder intellektueller Verarbeitungskapazität oder schlicht Dummheit ein Verhalten zu zeigen, dass inadäquat zur Situation ist.

Nicht übersehen werden darf, dass Menschen zuweilen ihre Situation als überbedrohlich empfinden, sie also eine Schockwelle in ihrer Wirkung deutlich überbewerten und ihre ‚Boje‘ mehr als erforderlich aus der vermeintlichen Gefahrenzone steuern. Man weicht also zum Beispiel einem auf dem Gehweg fälschlicherweise fahrenden Radfahrer nicht nur ein wenig aus, sondern wechselt gleich auf den anderen Bürgersteig. Diese Angst frisst auf Dauer die Seele auf und führt – sofern sie vergesellschaftet wird – zu einer Abhängigkeit derer, die suggerieren, sie könnten mit Interventionen wie Abschottung, Schuldzuschreibung oder der – an sich latente Hilflosigkeit anzeigenden – Nutzung eines kriegerischen Vokabulars die Lage wieder in Ordnung bringen.

  • Anmerkung: Mir persönlich reicht eine gewissenhafte Finanz- und Fiskalpolitik aktuell völlig aus. Der Extrem-Sprech einer ‚Bazooka‘ oder anderer Begrifflichkeiten, die den jeweiligen Sprecher medial kurzzeitig nach oben bringen, ist ebenso unnötig wie töricht. Ich schätze, die Menschen werden sich einst erinnern, wer sie in dieser Situation ruhig, besonnen und lernfähig führte. Und daran, wer nichts Brauchbares von sich gab oder weiterhin die bereits zuvor stets mit kesser Lippe abgesonderten kruden Ideen vortrug. Für Härte in der Sache [nicht in der Polemik] und Verbindlichkeit in der Form [anstatt irgendwelcher alternativer Verschwörungstheorien] gibt es meines Erachtens in Deutschland eine deutliche Wählergunst. Eben, weil dann die Menschen fühlen, dass sie entlang dessen geführt werden, wofür die Paragraphen der europäischen und der deutschen Verfassung stehen.

Schauen wir nach vorne und wissen um die sukzessive nachösterliche Wiederberuhigung des zuvor vom Virus massiv in Wallung versetzten ‚Wertewassers‘. Was wird geschehen? Die individuelle Boje wird wieder in ihre Ursprungslage zurückkehren [wollen]. Sie hat gelernt wie es ist, wenn der Anker – das Wertesystem – überstrapaziert wird und sie wird ‚motiviert‘ sein, sich nun wieder in dem Radius zu bewegen, den die Ent-Spannung ihr nun wieder ermöglicht. Solange der Oberwert Gesundheit weiterhin als potenziell gefährdet verstanden wird, wird diese Ent-Spannung langsamer verlaufen, aber sie wird verlaufen. Sie wird für diejenigen leichter verlaufen, die in ihrem Leben eine Balance gefunden haben zwischen Freiheitsrechten und Verantwortungspflichten. Wer meint, seine Freiheitsrechte über die Verantwortungspflichten zu stellen, wird ebenso auffällig werden wie das bei ihm schon vor Corona vermutlich war. Wer die Verantwortungspflichten weit vor die eigenen Freiheitsrechte stellt, der wird ebenso auffällig werden – zum Beispiel durch den schnellen Ruf, doch diejenigen ausfindig zu machen, die für die Ausbreitung des Virus verantwortlich waren. Extremisten werden schreien: Stellt sie an die Wand. Extremen Freiheitsrechtlern wird es egal sein, Hauptsache es ist ‚vorbei‘ und man kann es wieder krachen lassen. So wie anders tut Ausgleich gut.

Wer aber im Einklang mit seinen Werten lebt und dabei eine Balance zwischen den beiden Leitplanken [eines jeden Wertesystems], den Werten ‚Freiheit‘ und ‚Verantwortung‘ bewahrt hat, der wird die Sondersituation mit ihren individuellen Stressoren leichter meistern.

Kleine Schritte sind besser als große Worte, oder – wie schon Viktor Frankl wusste – am Ende des Tages zählt nur die Handlung, nicht die Erkenntnis. Wer also aktuell in finanziellen Schwierigkeiten, in der Angst um den Arbeitsplatz, in Sorge um die eigene oder die Gesundheit eines anderen ist, der kann sich ein Blatt Papier nehmen und als Kopfzeile notieren:

Jeder Mensch hat derzeit ‚Corona-Bedingungen‘,
aber jeder Mensch ist frei und verantwortlich, sich zu ihnen einzustellen.

Darunter dann eine Zeile: Meine eigenen Corona-Bedingungen, die mir derzeit am meisten Ärger, Angst, Sorge, Stress, Wut, Trauer … bereiten sind:
1.
2.
3.

Darunter dann zwei Spalten:
Spalte 1: ‚Handlungs- und Verhaltensfreiheiten‘
Spalte 2: ‚Handlungs- und Verhaltensverantwortungen‘.

Hier schreiben Sie nun hinein, wofür es gut ist, die bestehenden Freiheiten in Form von Handlungen und Verhaltensweisen zu nutzen und wofür es gut ist, die bestehenden Verantwortungen in Handlungen und Verhaltensweisen konkret umzumünzen. Und dann beginnen Sie. Konkret. Am besten jetzt!

Bleiben Sie gesund.
Bald wird’s leichter.

Corona-Blog: Sich ’so oder so‘ den Bedingungen stellen

Unser globales Dorf hat einen winzigen Gegner. Ungefähr 150 Nanometer ist er groß. Ein Nanometer verhält sich zu einem Meter wie der Durchmesser einer 1-Cent-Münze (16,25 mm) zu dem des Erdballs (12.714 km). 150 nm, also 0,00015 mm – ein unsichtbares, winziges Wesen

Im Vergleich: Eine Gehirnzelle ist etwa fünf bis 100 Mikrometer (1 μm = 0,001 mm) groß, also bis zu 0,1 mm und damit x-mal größer als das Virus. Zwar auch winzig, aber in jedem Menschen in Massen vorhanden, und in unserem globalen Dorf schier unendlich verfügbar. Also sollten wir uns von Corona nicht alles gefallen lassen, sondern vielmehr das nutzen, was reichlich verfügbar ist. Hirnzellen.

Viktor Frankl sagte schon: „Jeder Mensch hat Bedingungen, doch er kann sich so oder so diesen Bedingungen stellen„. Das Virus ist eine der aktuell alltäglichen Bedingungen vieler Menschen. Ihm kann man sich nun psychisch oder geistig stellen (und dies in den beiden Varianten: infiziert / nicht infiziert):

[noch] nicht infiziert
psychisch-dysfunktional – z.B. ‚dann krieg ich eben Corona, Hauptsache Spaß‘ oder der Aufbau einer stattlichen Klopapier-Sammlung [dazu morgen mehr].
Personen mit diesem Verhalten zeigen ‚kein Interesse an der Welt‘ und eine provisorische Daseins-Haltung. Tendenziell leben sie entlang ihrer Langeweile in den Tag hinein und aus ihren Trieben heraus [Corona-Party …]. Oder sie zeigen ‚keine Initiative für die Welt‘ und eine fatalistische Lebens-Einstellung. Tendenziell folgen sie der Idee ‚wo der Glaube zurückgeht, wächst der Aberglaube‘ [z.B.: ‚Die Hauptsache ist jetzt Klopapier‘ oder die Neigung, sich Verschwörungstheorien anzuschließen oder – wie auf Fehmarn geschehen – Urlaubsgäste in die eigene Ferienherberge zu ’schmuggeln‘ …].

infiziert
psychisch-dysfunktional – z.B. das vollbewusste Anhusten anderer Menschen nach zuvor vollzogener privat beendeter Quarantäne oder das Verschweigen eigener, bekannter Symptome nach Aufenthalt in einem Risikogebiet, um die Teilnahme des eigenen Kindes an einer Reha-Behandlung zu sichern – mit der Folge, dass eine ganze Kinderklinik gesperrt werden musste.
Personen mit diesem Verhalten lassen deutlich eine Orientierung am Gewissen vermissen. Das Gewissen ist die intuitive geistige Fähigkeit, den einmaligen und einzigartigen Sinn aufzuspüren, der in jeder Situation verborgen ist. Dass individueller extremer Belastungsstress oft als die Quelle für derart verfehltes Verhalten zur Begründung herangezogen wird, rechtfertigt nicht die jedem Menschen per se gegebene Möglichkeit, dem Streben nach Selbstverwirklichung die der Sinnverwirklichung voranzustellen.

[noch] nicht infiziert
geistig-funktional – alle Handlungen, die ein Mensch setzt, „in einem Werk, das er schafft oder in einem Erlebnis von Kunst, Natur, Schönheit, Wahrheit, wissenschaftlicher Forschung, oder in dem Erlebnis von Güte, in dem Erlebnis eines anderen Menschen, in dessen Einmaligkeit und Einzigartigkeit.“ [Frankl]
Personen mit diesem Verhalten zeigen ‚Interesse an der Welt‘ und eine wertebasierte  Daseins-Haltung. Tendenziell schaffen sie entlang ihrer Werte etwas in die Welt hinein. Oder sie zeigen ‚Initiative für die Welt‘ und eine hoffnungsvolle Lebens-Einstellung. Tendenziell folgen sie der Idee: ‚wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch‘ [Hölderlin], und handeln, indem sie sich Menschen oder Themen annehmen, ohne dass die Wirkung ihres Handelns auf sie selbst gerichtet ist. Zu einer solchen Handlung gehört auch, sich zum Wohl anderer von Menschen [auch geliebten] fernzuhalten, solange die Gefahr besteht, dass ein anderes, [auch gut gemeintes] Handeln zu einem Schaden werden kann. Die Beurteilung eines solchen möglichen Schadens bedarf einer Primärkompetenz, die aktuell einzig denen zugestanden werden muss, die um die Bewertung der Bedingungen am besten wissen. Es gilt daher hier das Primat der medizinischen Wissenschaft.

infiziert
geistig-funktional: Gerade dort, wo ein Mensch sichtlich hilfloses Opfer einer sichtlich hoffnungslosen Situation konfrontiert ist mit einem Schicksal, das er gar nicht ändern kann, dass gerade dort noch immer eine letzte Sinnmöglichkeit besteht und zwar, Zeugnis abzulegen davon, wessen der Mensch und nur er fähig ist, nämlich eine Tragödie in einen Triumph zu verwandeln, oder ein Leiden in eine menschliche Leistung umzukehren. Das heißt, dass eigentlich es keine Lebenssituation gibt, die wirklich bar wäre jedweden Sinns. [Frankl]. Menschen zeigen dies in ihrem Verhalten, indem sie zum Beispiel nicht aufbegehren, sollte eine sonst erwartbare medizinische Leistung nicht erbracht werden können. Indem sie zum Beispiel tapfer erdulden, was zu ändern gerade nicht möglich ist. Psychisch zuweilen kaum erträglich, kann sich geistig in menschlicher Großartigkeit verhalten werden – in einer Weise, wie es Außenstehende nicht für möglich erachten. Und doch: man muss sich von seiner Psyche nicht alles gefallen lassen.

Jetzt ist eine Zeit, in der das Psychische oder das Geistige bei jedem Menschen vollsichtbar werden. Wer kurz innehalten mag, um hineinzufühlen, wie Geistiges sich individuell vollziehen kann, dem können diese Fragen weiterhelfen:

  • Wer will ich als Opa, Oma, Vater, Mutter, Sohn, Tochter … unter den Corona-Bedingungen gewesen sein?
  • Wer will ich als Mitarbeiter*in meines Unternehmens gewesen sein?
  • Worum geht es mir jetzt konkret und unmittelbar?
  • Was täte mir leid, es gerade jetzt nicht getan, gestaltet, entschieden, gesagt zu haben?
  • Welche meiner Handlungen sind unter den aktuellen Bedingungen eher hoffnungs- oder leidvermehrend?
  • Sehe ich die Kraft des Satzes: „Das Leben hat unter allen Umständen Sinn“ ?

„Es gibt keine Lage, die sich nicht veredeln ließe,
entweder durch Leisten oder durch Dulden“
Goethe

Bleiben Sie gesund.
Hier geht’s morgen weiter. Mit Klopapier.

Neues Buch von Ralph Schlieper-Damrich

Gerne möchte ich Ihnen mein soeben erschienenes neues Buch für Logotherapeuten und sinnorientiert arbeitende Coachs vorstellen.
Ich freue mich, wenn es auf interessierte Leserinnen und Leser trifft.

Zum Buch: Jetzt kommen Sie doch einmal auf den Punkt! Hinter diesem Appell steht meist eine bei einer Person erlebte Unklarheit, Langsamkeit, Unschlüssigkeit oder Ineffizienz. Man wünscht sich ein verbindliches und eindeutiges Wort. Was aber, wenn es einem Menschen selbst im inneren Dialog an solch deutlichen Worten fehlt? Und was, wenn dann zudem eine Situation eintritt, die sich durch einen unumkehrbaren, unwiederbringlichen, unersetzlichen Verlust oder eine sich plötzlich auftuende, einmalige Möglichkeit auszeichnet? Eine Situation, die eine klare Stellungnahme erzwingt? Ralph Schlieper-Damrich nennt diese Situationen ‚Tode im Leben‘ und das, was ihnen bestenfalls folgt ‚existenzielle Abschiede‘. Deren Besonderheiten und Hintergründe beleuchtet dieses Buch – psychologisch, auf Basis der Sinntheorie Viktor Frankls existenzphilosophisch und mit zahlreichen Fallvignetten aus der Praxis. Und es lädt ein, sich zum Prozesscharakter in Logotherapie und –coaching eine erweiterte Perspektive zu erarbeiten, denn: Problementstehungsprozess, Coach/Therapeutenauswahlprozess, Coaching/Therapieprozess, Veränderungsprozess, Lösungsprozess, wohin man auch schaut, der Prozess dominiert – nicht der Punkt. Aus gutem Grund rückt er daher in diesem Buch in den Vordergrund. Denn es geht um die Todespunkte im Leben. Besondere Punkte, die zu besonderen Abschieden führen, besondere Stellungnahmen erfordern und besondere Gefühle auslösen. Punkte, die den Klienten dazu aufrufen, sofort verantwortungsvoll und wertebasiert zu handeln. Das Buch bietet Geschichten über diese Punkte und über existenzielle Abschiede. Und es sensibilisiert für die Besonderheit existenzieller Gefühle. Es integriert eine kleine ‚Philosophie des Punktes‘, es regt zu einer Neubetrachtung der von Viktor Frankl so genannten Einstellungswerte und zu seinen Thesen zur Person an – und es versucht den Beweis anzutreten, dass jeder Mensch an ‚Leben nach Tod‘ glaubt.

Zur Person: Ralph Schlieper-Damrich zählt zu den erfahrensten Krisencoachs und Logotherapeuten im deutschsprachigen Raum. Seine Berater- und Therapeutentätigkeit umfasst bislang mehrere Hundert von ihm begleiteter akuter Krisen- und existenzieller Lebenssituationen. Er ist Autor zahlreicher Buch- und Online-Publikationen in den Themen Krise, Krisenprävention und Sinn. Als Pionier in der Transformation der Logotherapie Viktor Frankls ins Coaching positioniert er sich deutlich jenseits des aktuellen Coachingmainstreams. Zu seinen Kunden zählen große und mittelständische Industrieunternehmen, Banken und Versicherungen, Organisationen aus dem Dienstleistungs- und IT-Sektor, politiknahe Institutionen und zahllose Einzelpersonen. Ralph Schlieper-Damrich studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gefolgt von dreizehn Jahren in leitenden Funktionen im Personal-, Qualifizierungs- und Kulturmanagement von Konzernen und internationalen Bildungsinstitutionen. Er promovierte in Philosophie zum Kontext ‚logos und crisis – sinnorientierte Krisenberatung nach Viktor Frankl‘ und verfügt durch seine Vollausbildung in der originären Logotherapie mit anschließend langer klinischer Hospitation über die Erlaubnis zur Leitung einer psychotherapeutischen Praxis. Dr. Ralph Schlieper-Damrich lebt und arbeitet mit seiner Frau in Augsburg.

Die Internet-Seite zum Buch lautet: https://buecher.perspektivenwechsel.de/