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Biografie zurück und nach vorn

Der Philosoph Wilhelm Dilthey meinte einst: „Was der Mensch ist, sagt ihm nur seine Geschichte“. Und so verstehen wir unter Biografie auch eine in einem lebensandauerndem Prozess erworbene Aufschichtung von Erfahrungen, die bewusst oder unbewusst in menschliches Handeln eingehen.

Lebensgeschichte in Form von Erinnerungen und Erinnerungsspuren prägt die verschiedenen Gedächtnissebenen, also neben der kognitiv-rationalen Ebene hinaus auch die körperliche Ebene, die seelisch-feinstoffliche Ebene und die Bewusstheitsebene, mit der ich meine Lebensgeschichte nicht nur erinnere, sondern stets auch de- und rekonstruiere, Nicht nur, dass der Mensch seine Wirklichkeiten konstruiert und Visionen entwickelt, er ist immer auch Konstrukteur seines Damals, seiner Re-Visionen. Viele kennen dieses Phänomen, wenn wir einmal nicht so gut über einen Menschen sprechen, den wir erinnern und dann ein anderer Mensch aber Vorzüge erwähnt, die wir nicht vollends auch bei der Person, über die gesprochen wird, ausschließen können. Hier kommt ein Unterschied hinzu, der einen solchen „macht“ und mit ihm wird eine „Erinnerungsspur“ um einen weiteren Aspekt ergänzt und justiert.

Biografien sind daher permanent im Wandel. Umso wichtiger ist ein Ausgangspunkt. Die sozialwissenschaftliche Biografieforschung bietet einen solchen Punkt an, wenn sie das Betrachtungssystem erweitert und nicht nur individuelle, sondern insbesondere gesellschaftliche Lebensbedingungen adressiert. Dies ist zum Beispiel ein Grund, warum ich selbst derzeit die “Zeitungszeugen“ lese, die mir eine Möglichkeit bietet, die regionalen Bedingungen besser zu verstehen, in denen zum Beispiel meine Eltern in der Nazi-Zeit lebten. Sie erweitern das biografische Spektrum aus persönlichen Erzählungen, fremder Biografien und medialer Dokumentationen.

„Biografie“, im Sinne einer Geschichte über das eigene Gewordensein und Werden, die in individuelle und gesellschaftliche Kontexte eingebunden ist, steht auch immer in Abhängigkeit zur Zeit: Die Beziehung zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als zeitliche Dimensionen ist aber abhängig von Situationen und Lebenslagen. Es gibt Zeiten, in denen wir gegenwartsbezogener leben, ein anderes Mal konzentrieren wir uns mehr auf das, was in der Zukunft geschehen kann bzw. soll oder lenken unsere Aufmerksamkeit mehr auf das, was in der Vergangenheit passierte. Zudem entwickeln Menschen bestimmte Lebensstile, die sich mehr an Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft ausrichten und sowohl durch individuelle Vorlieben als auch die kulturellen Hintergründe bedingt sind.

Eine Biografie hat sehr stark auch einen selbstreflexiven Anteil. Reflexion meint dabei die (Wieder-) Aneignung von Aspekten der eigenen Lebensgeschichte. Die für den Einzelnen bedeutsamen Erfahrungen, die seine ‚Werdensgeschichte’ prägten und sowohl sein aktuelles als auch zukünftiges Handeln beeinflussen, können durch methodisch angeleitete Reflexionsprozesse strukturiert und damit verstehbarer werden. Ein derart angeleitetes selbstreflexives Tätigsein bedeutet, einer Person einen Zugriff auf ihre Innenwelten (Gedanken, Gefühle, Vorstellungen, Glaubenssätze, körperlichen Empfindungen…) zu ermöglichen, ihnen Ausdruck zu verleihen und sich mit ihnen in Beziehung zu setzen. Unterstützende Impulse können dabei Zeitreisen, Postkartenreisen, Visualisierungen, Szenische Arbeiten, Arbeit mit Düften, Musikpuzzles, Selbstzeugnisse, Tagebücher, Gedichte, Fremdfeedbacks, usw. sein.

Unsere Lebenserfahrungen erwerben wir in konkreten gesellschaftlichen und historischen Bezügen. Biografische Selbstreflexion enthält immer auch das Mitdenken der Kontextverwobenheit, die Einbettung in soziale und historische Bezüge, sie geht in ihrer Deutung von Lebensgeschichten auf das gesellschaftlich Typische ein. Die kulturellen, gesellschaftlichen, historischen und familialen Bedingungen, vor deren Hintergrund sich biografische Erfahrungen aufgeschichtet haben, spiegeln sich in der einzelnen Lebensgeschichte wieder. Über das eigene „Weltbild“ hinaus, besteht so die Möglichkeit, andere Sinnkonstruktionen kennen zu lernen, eine Wertschätzung für das jeweils individuelle eines Menschen entwickeln zu können und die Welt in ihrer Gesamtheit bzw. Unterschiedlichkeit besser zu verstehen.

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Viktor Frankl – biografischer Streifzug durch sein Leben

26. März 1905: Viktor Emil Frankl wird als zweites von 3 Kindern in Wien geboren. Die Mutter stammt aus Prag, der Vater – Direktor im Ministerium für soziale Verwaltung – aus Südmähren.

In der Gymnasialzeit beschäftigt sich Frankl mit den Naturphilosophen und besucht Volkshochschul-Kurse über Angewandte Psychologie. Er kommt mit der Psychoanalyse in Kontakt.

Erster Vortrag Frankls 1921 mit dem Thema: „Über den Sinn des Lebens“. Er wird Funktionär der Sozialistischen Arbeiterjugend.

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