Kategorie-Archiv: Individuelle Krisenprävention

„Wie geht’s“ – V

Fortsetzung vom 20.4.19

Wer sich jedoch präventiv seiner Emotio­nen klar wird, kann sie im Fall des Falles annehmen, justieren, regulieren und damit leichter aus dem Stimmungstief herauskommen. In einer Krise diese Emotionsarbeit zu leisten ist natürlich ebenso möglich – nur ungleich schwerer, da neben dieser Klärungsarbeit der eigentliche Anlass ja auch bedrückt. Was Menschen in einer solchen Situation oft versuchen ist, dem Ereignis einen Sinn ab­zuringen – ‚für irgendetwas wird es gut sein‘. Dieses sehr menschliche Vorgehen entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als [weitere] Illusion. Der Illusion, man bliebe wohl verschont von bestimmten Ereignissen, gesellt sich nun die zweite, dass man wohl erst durch die Krise einen Reifungsschritt hat gehen können. Ist dieses Menschenbild in einer Zeit, in der so viel zur Verfügung steht, um sich selbst gut kennenzulernen, angemessen?

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Krisenprävention verhindert keine Krisen. Ihr Beitrag besteht vielmehr darin, den Umgang mit Krisen zu verbessern. Durch sie wird es möglich, sich über das Wesentliche bewusst zu werden, über das, was jede Krise überdauern wird – die eigenen Werte [Betonung auf eigene]. Wer sie kennt, setzt klare Prioritäten, entscheidet wertebewusst, bleibt weltoffen und sensibel für die trotz allem auf den Menschen wartenden Sinnangebote.

Krisenprävention kann man nicht delegieren. Wer sie also selbstbewusst vollzieht, kann Krisen in eigener Stärke trotzen. Krisenprävention kostet nicht viel an Zeit oder Geld. Es kostet vorrangig Überwindung des Glaubens an eine lllusion. Ist sie überwunden, lässt sich auf die Frage ‚Wie geht’s‘ selbstbewusst antworten: „Danke, ich stehe im Einklang mit mir.“

 

„Wie geht’s“ – IV

Fortsetzung vom 17.4.19

Warum Krisenprävention so hilfreich ist

Die vier großen K [Konflikt, Krankheit, Krise, Katastrophe] sind mehr oder minder lange Zeiträume mit starker emotionaler Aufladung. Angst Verzweiflung, Wut, Trauer oder Scham führen in eine psychische Verfassung, die nach Abwehr ruft. Versuche, solchen Situationen mit Weglächeln oder Ignoranz zu begegnen, schlagen meist fehl. Dahinter steht oft der Irrtum, dass man Emotionen unterdrücken sollte, um dem Umfeld eine vermeintliche Schwäche nicht anzuzeigen oder um sich nicht selbst einer vernünftigen Lösung der Situation zu entsagen. Viele Menschen kennen zum Beispiel bei Todesfällen den Umstand, dass man einfach nur noch funktioniert, um allen Anforderungen zum Beispiel von Ämtern zu genügen. Hierfür braucht es zwar wirklich einen kühlen Kopf, dennoch merken viele Menschen schnell, dass sie sich die Zeit für die emotionale Verarbeitung der Situation ebenso nehmen müssen. Das ist auch gut so, denn Emotionen sind weder bloße Begleiterscheinun­gen noch in ihrem Erscheinen verallgemeinerbar. Im Gegenteil, sie sind höchst individuelle Hinweise auf den Belastungsgrad, die Bedeutung des Ereignisses, die Bewertung der Situation und die Nähe der eigenen Person zum Tod [sei es einer Person oder auch einer Aufgabe, von der man Abschied nehmen muss].

Wenn man nun im Rahmen einer Krisenprävention die eigenen Emotionen erkundet [obwohl ein konkretes Krisenereignis noch gar nicht eingetreten ist], dann hat man eine Grundlage dafür, wie man sich steuern und regulieren kann, wenn eine extreme Belastung wirklich eintreten sollte [und jeder Mensch kann sich sicher sein: irgendwann kommt eine solche Situation]. Kommt die Krise unvorbereitet, dann liegt es für die Psyche nahe, einen Abwehrmechanismus zu starten [zum Beispiel Leugnung, Aggressivität, Rationalisierung u.v.a.m.]. Diese Abwehr jedoch lässt sich nicht ewig aufrecht erhalten, versucht man es dennoch, sind psychische oder psychosomatische Wirkungen beobachtbar… [Fortsetzung folgt]

„Wie geht’s“ – III

Fortsetzung vom 14.4.19

Ein oft anzutreffendes Phänomen in Krisentherapie oder –coaching ist der ‚Abwärtsvergleich‘. Treten völlig neue Situationen mit persönlich negativem Einfluss ein und weiß die Person dann nicht, ob ihr Empfinden angemessen ist oder nicht, dann sucht sie nach vergleichbaren Situationen, die andere Menschen erleben oder erlebt haben. Das Ergebnis eines solchen Vergleichs ist oftmals stabilisierend und positiv [‚wenn ich es recht überlege, dann geht es anderen noch schlechter als mir]. Abwärtsvergleiche sind Bewertungen, die mit der Wirklichkeit, also dem Empfinden der verglichenen Person[en] nichts zu tun haben müssen.  Das Interessante an Abwärtsvergleichen ist daher, dass sie auch dann funktionieren, wenn man sich einen Menschen bloß vorstellt, dem es schlechter geht als einem selbst. Allemal trösten sie also die Person über die eigene Situation hinweg, und oft motivieren sie parallel dazu, ‚sich von sich selbst nicht alles gefallen zu lassen‘ [Viktor Frankl].

Ein Problem, das in diesem Kontext fast logisch erscheint, ist die reale Anwesenheit von Menschen, denen es noch schlechter geht als einem selbst.  Es scheint als würde in solchen Situationen das Gewissen der Person eingreifen und nicht zulassen wollen, dass man sich quasi auf ‚Vergleichskosten‘ mit einem anderen Menschen besser fühlt. Häufig wird daher die konkrete Anschauung des Leidens des Anderen als Bedrohung der eigenen Person angesehen – ‚so schlecht wie diesem Menschen wird es mir vermutlich auch ergehen‘. Als passende Copingstrategie hat sich daher bewährt, im konkreten Erleben sich Menschen zuzuwenden, die in ihrem Verhalten zeigen, dass es trotz des Leidens positiv nach vorne geht… [Fortsetzung folgt]

„Wie geht’s“ – II

… Fortsetzung vom 12.4.19

Die Kunst mit Stressoren fertig zu werden, die über das normale Maß hinausgehen, zum Beispiel bei Traumata, und sie so einzusetzen, dass ein erfüllendes, gelingendes Leben wieder möglich wird, braucht einen heilsamen, begleitenden Prozess. Ihn unterstützt in der Regel eine gute Psychotherapie. Die Gespräche in der Logotherapie gehören fraglos dazu. Das Erzählen ist ohnehin eine günstige Art und Weise, mit Lebenskrisen umzugehen und Traumata zu überwinden. Sprachlosigkeit hinter sich zu lassen und die Dinge beim Namen zu nennen, ist heilsam – oft ist dies aber nur in einem geschützten und diskreten Rahmen möglich. Ein Ort, in dem sich das Aufgewühlte wieder beruhigen kann und in dem Emotionen, die sonst vielleicht belächelt würden, möglich sind.

Die Erzählungen aus dem unmittelbaren Kontext werden dann eingebettet in die übergeordnete Lebensgeschichte – schließlich hat und ist jeder Mensch mehr als seine aktuelle Situation und sein aktuelles Verhalten. Interessant sich dann beim Übergang vom ‚Kleinen‘ zum ‚Großen‘ das Gegensätzliche, Gemeinsame, die Unterschiede und Muster. An diesen ‚Kipp-Punkten‘ entstehen oft die möglichen Ansätze hilfreicher Veränderung. Um zu Ihnen zu kommen, braucht die Erzählung verschiedene Ebenen. Auf der Oberflächenebene berichtet der Klient das Ereignis, die Details und ermöglicht dem Therapeuten [oder Coach …], sich von der Abfolge, den beteiligten Personen, dem Ort u.a. ein Bild zu machen. Auf der Innenebene beschreibt er, wie er emotional und mental auf das Ereignis reagiert hat, was in ihm vorging, was er dachte, wie er handelte. Und auf der Reflexionsebene schaut er, wie er das Erlebnis einordnet in seine Lebensgeschichte, welche Lösungswege ihm offen stehen, welcher Hindernisse sich auftun, was bereits gelang, welcher Lernprozess sich anbietet, wie sich Geschehenes für Zukünftiges nutzen lässt… [Fortsetzung folgt]

„Wie geht’s?“ – I

„Wie geht’s?“ „Danke, alles gut, wie immer.“ Bei vielen Menschen läuft der Alltag in festen Bahnen, routiniert, zuweilen eintönig, irgendwie eben ‚wie immer‘. Wird das beschauliche Dasein aber durch die vier großen K, Konflikt, Krankheit, Krise, Katastrophe durcheinandergebracht, dann fühlt sich die erforderliche Anpassung an wie eine Lebensprüfung, von der man weiß, nicht genug für sie zuvor gelernt zu haben. Die Folge: Stress zum Abwinken. Und ist die ‚Dekompensationsgrenze‘ überschritten, auf Deutsch: das Maß ist voll, dann ist womöglich erst jetzt klar, dass der schwelende Konflikt, die Schmerzen, der Selbstzweifel, die Not nicht mehr alleine bewältigt werden können.

Vielleicht sind es auch äußere Bedingungen, die das Leben belasten, sei es die Unsicherheit der Rente, Terroranschläge, der Brexit, die rechte Gewalt oder andere gesellschaftliche Ereignisse. Manches davon kann so sehr unsicher machen, dass Menschen psychische Auffälligkeiten entwickeln. Oft können schon kleine Maßnahmen wie das berühmte tiefe Durchatmen, die kleine Entspannungsübung, der Sport, Yoga oder Meditation beitragen, die Situation besser zu handhaben. Manchmal aber reicht das nicht. Dann braucht es eine andere ‚Coping‘-Strategie, eine andere Art, mit Belastungen umzugehen … [Fortsetzung folgt]

 

Soma und Seele

Von Rudolf Virchow, dem berühmten Arzt der Berliner Charité, ist der Hinweis überliefert, er habe im Laufe seines Lebens an die tausend Leichen seziert, aber nie eine Seele gefunden. Wie er wohl nach ihr gesucht haben mag? Ob er überhaupt an sie glaubte? Mag sein, dass er als naturwissenschaftlich wie sozial ausgerichteter Mediziner auf andere Aspekte des menschlichen Lebens ausgerichtet war.

Virchow gilt auch als ‚Erfinder‘ des Begriffes ‚Kunstfehler‘, der einen „Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Heilkunst infolge eines Mangels an gehöriger Aufmerksamkeit oder Vorsicht“ zum Ausdruck bringt. Nicht zu erkennen, dass es eine Wechselwirkung zwischen Soma und Psyche gibt [Frankl spricht vom psychophysischen Parallelismus], die – einfach ausgedrückt – besagt, dass körperliche Beschwerden unmittelbare Wirkung auch auf psychischer Ebene zeigen und umgekehrt, müsste wohl als ärztlicher wie therapeutischer Kunstfheler angesehen werden.

Viele Krankheiten lassen sich nicht auf bloße körperliche Dysfunktionen zurückführen, sie haben oft seelische Ursachen. In der psychotherapeutischen Begleitung von Menschen sehen wir täglich, wie das unsichtbare Seelische auf die körperliche Konstitution Einfluss nimmt. Wir sehen es an der Körperhaltung, der Stimme, dem Gang, dem Gesichtsausdruck. Der psychosomatisch qualifizierte Arzt auch an organischen Symptomen, am Blutbild, an Krankheitsverläufen. Umgekehrt bedeutet dies für uns als Krisenpräventologen: Wenn Menschen sich mit möglichen Krisen präventiv befassen, dann bewahren sie sich einen Grundschutz ihrer Seele und werden weniger krankheitsanfällig, wenn eine brisante Situation wirklich eintritt. Ein wenig Prävention sollte sich daher jeder Mensch wert sein.

Ein kleiner Beitrag zur Krisenprävention

Mit unserem Verfahren Life2Me® konnten wir bereits viele Menschen hilfreich in der präventiven Krisenarbeit unterstützen. Anfängliche Beklemmungen, wohin einen wohl die Überlegungen führen würden, wichen schnell dem guten Gefühl, einen wichtigen Beitrag zur eigenen Stabilisierung geleistet zu haben. Am Ende des individuellen Reflexionsprozesses können Fragen wie diese klar beantwortet werden

  • Was sind meine wichtigsten liebenvollen und freundschaftlichen Beziehungen, die mich trotz einer Krise tragen werden?
  • Was sind meine wichtigsten Erfahrungen, auf die ich trotz einer Krise fest bauen kann?
  • Was ist trotz eines Krisengeschehens mein Sehnen, mein Träumen, mein Glaube …. mein weiterer Weg.
  • Was sind die Werte, die ich trotz einer Krise verwirklichen werde? [Anmerkung: diese Frage ist von zentraler Bedeutung in der Krisenprävention, denn in einer Krise kann ein Mensch nicht entscheiden, welche Werte Vorrang haben, zum Beispiel Freiheit oder Bindung, Sicherheit oder Risiko – Konsequenz oder Nachgiebigkeit, ….)
  • Welche Gewohnheiten werde ich trotz einer Krise pflegen, welches Verhalten werde ich entwickeln?
  • Welche Ängste werde ich trotz Krisenprävention zulassen, sollte eine Krise wirklich eintreffen, welche seelischen Verletzungen jedoch werde ich abweisen?
  • Was bleibt trotz einer Krise das Schöne, an dem ich mich orientieren werde?Antworten auf diese Fragen formen eine Geschichte, die nicht nur dann gut zu erzählen ist, wenn ein Mensch eine Krise erlebt. Im Gegenteil: Sie helfen im Hier und Jetzt dabei, das Leben sinnvoll auszurichten. Sie ermöglichen das gute Maß an Selbstliebe, das ‚hos seauton‚ (Liebe andere, ‚wie dich selbst‘)

Krise ‚Kündigung‘

Jeder Tag ist Kündigungstag. Selbst an Wochenenden werden sie ausgesprochen, zuweilen sogar per SMS. Es trifft alle Ebenen, und die Gründe sind vielfältig. Fusionen, Kostenbremsen, persönliche Fehden, Verlagerungen, Digitalisierung – wie auch immer: Der Wegfall des Arbeitsplatzes ist ein  gravierender Einschnitt und es gilt, ihn angemessen zu überwinden.

Soviel ist klar: zuerst braucht es eine Regulierung der mit der Situation verbundenen Affekte, seien es Trauer, Angst, Wut oder Scham. Zumeist hilft hierbei ein sofort offen geführtes Gespräch mit dem Partner – oder, wenn es diesen nicht gibt, mit einem guten Freund – oder, wenn es auch diesen nicht gibt, zum Beispiel mit einem Coach. Das Thema alleine mit sich herum zu schleppen, verschlimmert die Lage und führt in der Folge zu zusätzlichen Problemen und Erklärungsnöten.

Ist eine psychische Stabilisierung ausreichend hergestellt, sollten diese Aspekte bedacht werden, so nüchtern sie auch klingen mögen:

  • Ruhe ist die erste Bürgerpflicht – wird die Kündigung ausgesprochen, dann besonnen reagieren, nichts unterschreiben, nicht mit Kollegen sprachen und dabei eventuell Dinge sagen, die später die Verhandlung erschweren würden. Am besten: „Ich bedauere Ihre Entscheidung und muss damit nun erst einmal klarkommen. Gerne möchte ich mich mit meinen Angehörigen besprechen, steht etwas aus Ihrer Sicht im Wege, dass ich dies jetzt gleich tue?“
  • Ein Arbeitsverhältnis zu beenden ist Business. Natürlich, es kommt auf die Form an. Aber letztlich entscheiden die Interessen der Beteiligten. Es hilt also, eine Trennungsverhandlung als geschäftliche Aktion zu verstehen und darauf zu achten, ob im Vordergrund steht, den Prozess schnell, unaufgeregt und preiswert zu erledigen oder ob ein Prozess eines fairen Agreements eingeleitet wird.
  • Oft wird man nach ausgesprochener Kündigung freigestellt. Wichtig ist aber, dass die Kündigung sofort schriftlich ausgehändigt wird. Geschieht das nicht, dann muss der Gekündigte weiterhin arbeiten. Bleibt er der Arbeit fern, drohen arbeitsrechtliche Schritte.
  • Meist wird der Gekündigte von der IT abgekoppelt. Der Zugriff auf Daten, Mails usw. ist erschwert oder unmöglich. Auch das gehört zu diesem ‚Business‘.
  • Beginnen Sie sofort, jedes Gespräch zu dokumentieren: Wer hat was, an welchem Tag zu welcher Uhrzeit wo hinsichtlich der Kündigung gesagt (Anweisungen, Empfehlungen, Vorschläge, Drohungen ….) – wie hat man persönlich dazu Stellung bezogen? Nichts dazudichten, nur die Fakten.
  • Ein auf Arbeitsnehmerinteressen ausgerichteter Anwalt ist meist der beste Weg, um eine entspannte und gute Lösung mit dem Arbeitgeber zu verhandeln. Je nach beruflicher Position werden dabei die ‚Währungen‘ Abfindung, Freistellung, Outplacement, und-oder Beratungsleistungen ausgehandelt. Wird keine Einigung erzielt, braucht es in der Regel ohnehin anwaltliche Unterstützung, um den Gang vor das Arbeitsgericht vorzubereiten. Ob der Anwalt im Hintergrund bleibt und man zuerst selbst verhandelt, oder ob es besser ist, sofort den Anwalt für einen sprechen zu lassen, ist abhängig vom Klima und des wahrgenommenen Umgangs.
  • Ist die Kündigung schriftlich erfolgt, tickt die Uhr, denn innerhalb von drei Wochen nach Kündigungszugang kann eine Kündigungsschutzklage eingereicht werden. Dies zu tun, empfiehlt sich, um keine Nachteile bei der Arbeitsagentur zu bekommen.
  • Parallel zum Fachanwalt sollte Rat eines Steuerberaters eingeholt werden. Denn: Wird eine  Abfindung ausgehandelt, dann ist es wichtig, wie viel nach Steuern übrigbleibt.
  • [ohne Gewähr bzgl.der aktuellen Zeitlimits und Kontaktinfo] Liegt die Kündigung vor und soll ein Antrag auf Arbeitslosengeld beantragt werden, dann muss sich Gekündigte innerhalb von drei Werktagen arbeitslos und arbeitssuchend melden. Beträgt die Kündigungsfrist mehr als 3 Monate, dann ist es ausreichend, wenn sich spätestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses arbeitssuchend gemeldet wird. Über alles weitere informiert der Sachbearbeiter der Arbeitsagentur, [Infotelefon, wenn man sich arbeitssuchend melden möchte: 0800 4 55 55 00.
  • Prozesse der Kündigung sind endlich – das heißt, die Zukunft zu gestalten ist bald das wichtigste Thema. Wie soll es weitergehen? Business Coachs helfen, und entstehende Kosten sind steuerlich absetzbar.
  • Ein Coach wird – je nach dem, wann seine Leistungen in Anspruch genommen werden – auch ansprechen:
    – wie und zu welchem Zweck soll mit früheren Kollegen der Kontakt gehalten werden?
    – wie und zu welchem Zweck sollen Kunden informiert werden?
    – wie sieht die aktuelle psychische Verfassung aus?
    – was ist zu tun, um stabil Gespräche mit möglichen neuen Arbeitgeber führen zu können?
    – Bewerbung, aber wie?
    – Netzwerkpflege …

Präventiv: Eine Kündigung ist kein Thema, aber vielleicht gar nicht sooo unwahrscheinlich?
Dann sollten erwogen werden:

– Abschluss einer Rechtsschutzversicherung [Wartezeit beachten]
– Entwicklungscoaching durchführen, um sich Zukunftsoptionen stressbefreit zu erarbeiten
– Individuelle Krisenprävention mit Life2Me

Was wir über Burn-Out schon wissen – und: was wir wissen sollten [5]

Fortsetzung vom 24. Juni 2018

Gefundener Sinn im Leben führt zu einer stimmigen psychischen Selbstregulation. Ist der persönliche Sinnbeitrag geklärt [und dies gelingt nur mit zuvor geklärten Werten], dann entscheidet und handelt der Mensch wertebasiert, authentisch, schneller und nachhaltiger. Das Selbst reguliert sich auf den Sinn hin.

Der in anderen Therapieschulen vertretenen Vorstellung, man könne sich durch positives Einreden eines ‚ich bin okay‘ und der Selbsterlaubnis, störende innere Stimmen zuzulassen und nicht negativ zu bewerten, eine ähnlich stabile Selbstsicherheit entwickeln, stehen wir in der Logotherapie skeptisch gegenüber. Kurzfristig mag sich eine Besserung der psychischen Verfasstheit zeigen, ohne dauerhafte therapeutische Begleitung verpuffen jedoch viele der guten Ansätze allzu schnell.

Anders die das Risiko eines Burnouts mindernde Logotherapie [begründet von Viktor Frankl, dritte Wiener Schule für Psychotherapie, und theoretische Basis der von uns entwickelten Konzepte des sinnzentrierten Coachings [Logocoaching] und der individuellen Krisenprävention [Life2Me]], die auf verschiedene Weise dadurch Nutzen bringt, dass sie den Fokus auf die Klärung des eigenen Wertesystems legt:

  • Die Person kann sich wieder identifizieren mit dem was sie selbst ist, nicht nur, was sie hat oder leistet
  • Die Person kann sich im Berufskontext besser von sie schädigenden Bedingungen distanzieren, ohne dass darunter der Selbstwert leidet
  • Die Person kann das Erreichen von Zielen loslösen von der Verwirklichung von Werten – für das erste ist die Währung ‚Geld‘, für das zweite ‚Sinn‘. Wenn beide Währungen verfügbar sind, dann ist das gut. Wenn nicht, dann bleibt der Selbstwert stets auch dann erhalten, wenn der vermeintliche Leistungswert nicht den eigenen und-oder fremden Erwartungen entspricht
  • Die Person erlebt sich im Einklang mit sich und damit per se nicht mehr defizitär – ein Vorteil insbesondere dann, wenn die gegebenen Systembedingungen erwarten lassen, dass einem von verschiedenen Seiten Unzulänglichkeiten suggeriert werden
  • Die Person blockiert sich nicht selbst in ihrer Entwicklung. Wer darauf bedacht sein muss, sich vor Fremdbe- und -verurteilung zu schützen, entzieht sich die erforderliche Energie zur Persönlichkeitsreifung. Wer aber um seine Werte weiß, der kann auch entdecken, was er tun muss, um seine Werte nicht zu ideologisieren. Die Selbsterkenntnis hilft letztlich der wertebewussten Person als auch dem Unternehmen, der Familie, dem Freundeskreis usw.
  • Die Person braucht keine Anstiftung zur Motivation, ihr Wertesystem übernimmt die Steuerung, die Regulierung, die Kontrolle und die Entwicklung des Selbst.

Das erkannte auch Fredmund Malik als er schrieb: „Es ist das Beste, was je zur Frage von Motivation gesagt wurde. Ja, ich halte Frankls Sinn-Theorie für die richtige Motivationslehre schlechthin.“

Und er ergänzt mit Hinweis auf die ‚Frankl‘-Unkenntnis vieler Berater und Führungskräfte: „In den Literaturverzeichnissen der Managementliteratur im engeren Sinne findet sich kein oder nur selten ein Hinweis auf Frankls zahlreiche Schriften und Vor­träge. Wenn überhaupt, dann wird er meistens falsch zitiert.[…] Arbeitslosigkeit und Existenzangst, sowie der Verlust der Glaubwürdigkeit wirtschaftlicher und politischer Führung, sind Grund genug, um die Sinnfrage zu stellen. Alle wirklichen Kenner der Lehre von Frankl haben mir dasselbe berich­tet – sie hat ihr Leben verändert, zum Besseren, zu mehr Gelassenheit, zu in­nerer Ruhe, aber auch zu besserer Orientierung, weil sie plötzllch mit innerer Sicherheit wussten, wohin sie gehörten, zu mehr Orientierung und als Folge dessen zu größerem Engagement und mehr Leistungsfähigkeit – zur Identifika­tion mit sich selbst.[…]

Sinn, so Viktor Frankl, kann aber nicht gegeben, schon gar nicht gemacht wer­den, sondern er muss gefunden werden. „Sinnmacher“, Sinngeber, Sinnstifter zu sein, was von Führungskräften zwar zeitgeistkonform, aber in Unkenntnis des Werkes von Viktor Frankl gefordert wird, ist das genaue Gegenteil dessen, was er selbst vertreten hat. Als Manager können wir nur eines tun, nämlich den Menschen Möglichkeiten zu schaffen, ihren Sinn zu finden. Das aber müssen wir auch tun, damit so viele Menschen wie möglich Sinn in unseren Organisationen und ihrer Arbeit finden können. Suchen und finden muss ihn jede und jeder selbst, aber die Vorausset­zungen dazu sind vom Management, von jedem einzelnen Chef auf jeder Stufe in jeder Organisation für jede Person zu schaffen. Das ist der einzige Weg zu etwas, was dann die Bezeichnung „Motivation“ verdient. Es ist, wie man erkennen wird, etwas ganz anderes, als was man heute unter Motivation versteht.“

„…den Menschen Möglichkeiten zu schaffen, ihren Sinn zu finden“ [Malik]: Wann also kommt endlich die Zeit, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern durch professionelles, auf Frankls Wissen um den Menschen fundiertes Training oder Coaching die Gelegenheit geben, sich ihrer eigenen Werte bewusst zu werden? Muss es erst die nächste Krise in der Branche oder dem eigenen Unternehmen sein, über die dann die Menschen mit Burnout in die Praxen kommen?

Was wir über Burn-Out schon wissen – und: was wir wissen sollten [4]

Fortsetzung vom 20. Juni 2018

Folgt man der – verbreiteten – Ansicht, das Selbst entstünde in den ersten zwei Lebensjahren dadurch, dass dem Kind gespiegelt wird, dass es geliebt wird, Anerkennung erhält und Akzeptanz erfährt, dann ist die Folge, dass sich ein Kind, das dies nicht erhält, sich nur über seine Leistungen eine Bestätigung dafür einholen kann, dass es selbst etwas zuwege gebracht hat.

Erfährt das Kind in den ersten zwei Jahren Vernachlässigung, Gewalt, Missbrauch, dann entsteht kein Selbst und die Bedeutung der Leistung wird dafür immer größer. Führt diese Leistungsausrichtung dann zur Ausbeutung in eigener Sache, sabotiert der Mensch sich selbst und damit auch die Möglichkeit, ein eigenes Selbst zu entwickeln. Eine diesen Prozess unterstützende Therapie braucht Geduld und braucht an sich sogar das leidvolle Phänomen der Selbstsabotage, im Sinne der Sabotage des falschen Selbst und der Hoffnung, ein eigenes, tragfähiges Selbstbild zu entwickeln.

Das logotherapeutische Menschenbild beruht neben einer Reihe anderer Annahmen auf dem Gedanken Viktor Frankls, dass ‚der Mensch mit Geburt Person ist‘. Personsein in diesem Verständnis bedingt und bedeutet, von Anbeginn mehr zu sein als das durch Eltern Vererbte. Person sein heißt, dass etwas ‚ist‘, was von Anbeginn durchtönt [per-sonare – durch-tönen]. Das, was da durchtönt, ist in unserem Verständnis das dem Kind zueigene Wertesystem, das sich zeigt in seinem originären Charakterstil [Frankl: der Mensch hat ab Geburt Charakter]. Bevor also das Kind womöglich erlebt, dass es instrumentalisiert, sozialisiert, misshandelt, sanktioniert wird oder aber auch, bevor das Kind hoffentlich erlebt, dass es geliebt, gewärmt, gestützt, getröstet … wird, hat das Kind bereits einen Wesenskern herausgebildet, der nun mehr oder weniger durch das Verhalten seiner Bezugspersonen und-oder seiner Umwelt erodiert. Diesen Wesenskern wieder herauszuarbeiten, ist eine der Leistungen unserer Logotherapie, wenn ein Mensch das Empfinden hat, sich selbst verfehlt zu haben, nicht sich selbst zu sein … Menschen, die dieses Empfinden haben und die aus ihrer Selbstsabotage heraus zu ihrem originären Selbst zurückkehren wollen, brauchen eine Unterstützung zur Selbstbesinnung [und damit – im Kern – Zeit zur Erkenntnis ihrer  originären Werte]. Die logotherapeutische Arbeit unterstützt den Menschen, eine Haltung zu sich selbst wieder aufzubauen und dabei den Blick weniger darauf zu richten, wer oder was hat dazu geführt, dass auf die inneren Signale nicht geachtet wurde und man sich ständig weiter ausgebeutet und sabotiert hat – sondern mehr darauf, sich mit dem neugewonnenen Selbstbild auf das Sinnhafte in der Welt auszurichten, die originären Werte zu verwirklichen und sich in der Freiheit, die man hat, zur Selbst-Verantwortung zu bekennen.

Ist die Selbsterkenntnis [i.S.: Werte-Kenntnis] aufgebaut, vermag der Mensch sich in einer meist schnell spürbaren Wirkung, sich selbst zu regulieren, Wer dies gut vermag, trotzt auch ungünstigen Bedingungen, zum Beispiel in der Arbeitswelt. Wer dies vermag, braucht sich nicht über seine Erwartungen zu definieren, sondern kann seine eigenen Verantwortungen übernehmen. Ein Burn-Out und andere Formen der stressbedingten Depression haben in einem derart selbstregulierten Leben keinen Platz.

* wird fortgesetzt *