Kategorie-Archiv: Werte

LebensWerte-Kartenbox in der neuen Auflage

Seit über 15 Jahren arbeiten wir nun in Training, Coaching und Therapie mit den von uns exklusiv entwickelten LebensWerte-Karten. Nun ist die 7. Auflage erschienen.

Bestimmen Sie Ihre persönlichen Werte, analysieren Sie Ihr individuelles Wertesystem, gestalten Sie Ihre persönliche Werteentwicklung, vergleichen Sie Ihre Werte mit denen Ihres Lebenspartners, ihrer Kollegen, im Freundeskreis. Reflektieren Sie die persönlichen Wertvorstellungen im Team. Die LebensWerte-Karten erfreuen sich großer Beliebtheit in hunderten Unternehmen, sozialen Einrichtungen, Schulen, Therapieeinrichtungen, in der Pflege, Seelsorge und bei Privatpersonen und Familien.

Wie das Böse nicht gewinnt

Wenn Albert Einstein recht hat, dann ist die Welt nicht bedroht von Menschen, die böse sind, sondern von denen, die Böses zulassen. Wer Böses zulässt, hat meist Angst. Angst um seinen Job, Angst vor Einsamkeit, Angst vor Statusverlust. Da es unhandlich ist, permanent Angst zu haben, suchen Menschen nach Bewahrern guter Zustände. Manche nennen das Politik. Bereitet die Politik einem Menschen Angst, dann helfen die Grundlagen der Demokratie, diesen Zustand abzustellen. Dumm nur, wenn eine neue Politik dazu verhelfen soll, Zustände zu [re-]aktivieren, die mühsam vollzogene Entwicklungsprozesse in einer Gesellschaft wieder tilgen sollen. Gut nur, dass eine solche ‚neue Politik‘ heute sofort medial offengelegt wird, so dass an sich niemand sich mehr verstecken kann vor dem Wissen hinsichtlich möglicher Folgen der Nichtnutzung demokratischer Wahlmöglichkeiten. Dumm nur, dass es dennoch viele Menschen gibt, die dieses Spiel spielen. Daher können wir Einsteins Gedanken heute neu denken: Die Welt ist bedroht von denen, die als schweigende Mehrheit ihre Pflicht vernachlässigen, denen Einhalt zu gebieten, die bereit wären, Böses zuzulassen. Bald ist Bundestagswahl. Jeder hat die Wahl.

Firmen- und Führungswerteanalyse – online

In jedem Unternehmen arbeiten Führungskräfte und Mitarbeitende mit ihrer je individuellen Geschichte und ihren je individuellen Werten. Jeder Mensch wurde in seiner Entwicklung geprägt von der eigenen Familie, von Erziehung, Schule, Ausbildung und seinem persönlichen Umfeld. Und jeder Mensch hat selbst etwas aus sich gemacht, hat Lebensentscheidungen getroffen und seinen eigenen Grundüberzeugungen entsprechend gehandelt.

Wollen Führungskräfte mit ihren Mitarbeitenden in ihrem Unternehmen eine gemeinsame Richtung einschlagen, miteinander kooperieren und kollaborieren, Projekte realisieren oder sogar ein neues Unternehmen gründen, dann wird einem sehr schnell deutlich, wie wichtig es ist, sich nicht nur über eine Vision, eine Strategie und über Ziele zu verständigen, sondern sich auch über die eigenen Werte und die damit verbundenen Grundüberzeugungen und Verhaltenserwartungen auszutauschen. Wertekommunikation verringert daher Missverständnisse, Arbeitskonflikte und Unzufriedenheit und mehrt die persönliche Lebensfreude.

Die Firmen- und Führungswerteanalyse ermöglicht Ihnen zeitschonend und kostengünstig einen umfassenden Wertevergleich. Und damit wertvolle Gespräche mit Ihren Managementpartnern oder Ihrem Führungsteam. Wir wünschen Ihnen gute und spannende, neue Erkenntnisse.

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Werte in Ordnung?= Werteordnung

Für manche Menschen gibt es nur eine Sache auf der Welt. Mal ist es die Familie, mal die Leistung im Job, mal ein Sport, mal der Schutz der Natur – was auch immer: Wer eine solche pyramidale Werteorientierung hat, lebt ein Leben mit besonderer Mission. Für dieses Thema oder diese Aufgabe steht die Person ein, mit allem was sie hat. Andere Wertmöglichkeiten sind weniger wichtig, und darin liegt nun ein nicht unbeträchtliches Risiko. Bricht nämlich die Spitze der Pyramide weg, zum Beispiel durch Wegfall der beruflichen Herausforderung, durch Krankheit oder Tod einer Person, due mangelnde finanzielle Ressourcen o.ä., dann kann dies zu einer existenziellen Verlustsituation führen, zur Verlustkrise.

Andere Menschen wiederum führen eine Art Werte-Mischpult vor sich her. Sie leben in einer  parallelen Wert-Orientierung und haben mehrere und unterschiedliche Inhalte in ihrem Leben, die für sie viel bedeuten und die sich wertschätzen. Kommt es nun zu einem Wegfall der Möglichkeit, in einem Lebensbereich Werte zu verwirklichen, dann kann dies durch die Hinwendung zu anderen Lebensinhalten kompensiert und psychisch robust verarbeitet werden.

Wenn aber in unserer Gesellschaft, die noch weithin nach dem Strickmuster einer schnellen und möglichst umfassenden Befriedigung individueller Bedürf­nisse funktioniert, die sinnvolle Verwirklichung von Werten erschwert oder verunmöglicht wird, dann neigt die menschliche Psyche dazu, das offenkundige Sinndefizit ausgleichen zu wollen durch Wachstumsphantasien aller Art. Der Philosoph Odo Marquardt schrieb dazu: „Das Sinnlose [wird] zum Superleben transformiert. An die Stelle des Sinns treten die Zerstreuung, das Geld, der Erfolg, das Prestige, das Wachstum, die Korpulenz in physischer, technischer und ökonomischer Form: die moderne Anspruchsgesell­schaft ist der Kummerspeck des Sinndefizits. […] Weil das Leben, das man lebt, leer ist, braucht man es – und alles in ihm – mindestens zwei­mal: den Zweitfernseher, das Zweitauto, das Zweithaus, das Zweitstudium, die Zweit­frau oder den Zweitmann, das Zweitleben etwa als Urlaub […] Es gibt den Zweitberuf, die Zweitarbeit als Schattenwirtschaft und als Expansion der Nebentätigkeit.“ Und weiter: „Somit steigen die Lebensansprüche mit der Vertiefung des Sinndefizits. Kurz gesagt: Es geht um „Wachstum statt Sinn.“

Viktor Frankl hatte eine solche Haltung, in dessen Folge eine Person in ein existenzielles Vakuum rutscht, eine ‚provisorische Daseinshaltung‘ genannt. Sie zeigt sich in extremo in einer ‚Scheiß-egal-Haltung‘ mit Abgabe jeglicher Verantwortung und Selbstverpflichtung, einem Hinauszögern möglicher Entscheidungen und einem Nörgeln hinsichtlich vermeintlicher Aussichts- und Zukunftslosigkeit. Wer ein solches Leben lebt, der lebt ohne Werteordnung und die einzige Aufgabe kann nur darin zu bestehen, die eigenen Werte in Ordnung zu bringen.

Sinnquark

Eine Vorstellung hält sich hartnäckig: Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter für sich gewinnen will, dann muss es Sinn bieten. Dies ist ein ebensolcher Quark wie die Idee, man hätte als Führungskraft die Aufgabe, die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. Beides gehört geschreddert. Warum: Weil für beides die Werte eines Menschen ausschlaggebend sind. Und kann der Mensch diese Werte nicht verwirklichen, dann empfindet er sein Handeln als sinnentleert und sein Verhalten als unmotiviert. Dafür aber, dass ein Mensch seine Werte verwirklicht, ist nur einer verantwortlich: Der Mensch selbst. Deswegen nennt man das ja auch Selbst-Verantwortung. Würde nun ein Unternehmen versuchen, Sinn zu bieten, dann wäre die Bedingung, dass es auch die Werte des Mitarbeiters kennt (sofern dieser selbst seine Werte kennt – eine Voraussetzung, die wahrlich nicht immer gegeben ist). Da nun aber Werte durch Verhaltensweisen sichtbar werden, kann die Konsequenz ‚an sich‘ nur sein: Wenn die Verhaltensweisen des Mitarbeiters nicht den Verhaltenserwartungen des Unternehmens entsprechen, dann kann nur eine Trennung beiden helfen. Daher gilt eher: Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter für sich gewinnen will, dann muss es seine Verhaltenserwartungen formulieren.

Was aber tun Unternehmen? Sie suchen immer mehr nach Rezepten, um zu sinnstiftenden Unternehmen zu werden. Und auf dem Rezeptblock stehen dann erstens Ziele, zu deren Erfüllung Mitarbeiter ‚ja‘ sagen können. Zweitens stehen da Feedbacks, durch die Mitarbeiter erkennen sollen, dass sie Wirkung erzeugen. Und drittens stehen da oft Zustände, die hergestellt werden, damit sich Mitarbeiter wohl und zugehörig fühlen. Warum erinnert mich das nun an eine Hundetrainingsanlage?

Tja, Menschen sind keine Hunde, denn Menschen haben neben allem Tierischen auch das spezifisch Humane: Werte als Fundament ihrer Einstellungen, Haltungen, Motive, Verhaltensweisen, Handlungen und Kommunikationsweisen. Werte als innerer Kompass zur Selbst-Reflexion und selbstverantwortlichen Sinn-Orientierung.

Wenn Unternehmen also schon so etwas wie Sinn zum Thema machen wollen, dann wäre ihnen anzuraten, mit ihren Mitarbeitern über deren Werte zu sprechen. Aber Vorsicht: Mitarbeiter, die sich über ihre Werte klar werden, weil sie ihnen zuvor nicht klar waren, können mit einem Mal Entscheidungen treffen, die dem Unternehmen nicht behagen (man nennt das Selbstbewusstsein oder – analog zu Immanuel Kant – das Erwachen aus der bislang selbstverschuldeten Unmündigkeit). Und die Mitarbeiter, die im Unternehmen arbeiten und den (hoffentlich formulierten) Verhaltenserwartungen des Unternehmens entsprechen, brauchen keine ‚Sinnangebote‘, denn sie haben den Sinn in ihrer Arbeit schon gefunden.

Es wäre also so wohltuend, würde nicht so viel Sinnquark verzapft. Noch wohltuender wäre es, würde in Unternehmen mit Menschen gesprochen und nicht immer wieder der Versuch unternommen, Hunde zu trainieren.

Welchen Sinn lasse ich in mein Leben?

Eine komische Frage, werden Sie vielleicht denken. Welchen Sinn lasse ich ins Leben?
Und doch ist diese Frage wichtig und recht typisch für uns Logotherapeuten. Es gibt offenbar mehr als nur einen Sinn und es gibt stets nur eine Person, die verantwortlich ist für seine Auswahl. Und diese Person kann auch sagen: Nein, dieser Sinn kommt mir nicht ins Haus.

Werde ich in Therapie und Coaching gefragt, wie ich selbst das mit dem Sinn halte, dann antworte ich gerne konkret so:

Für mich gibt es zwei Arten von Sinn. Den subjektiven Gehirnsinn in Form eines Verständnisses von etwas, das ich wahrnehme und mental [mens = Verstand] verarbeite. Dieser Sinn ist abhängig von meiner psychophysischen Verfassung und an vielen Stellen von meinen bisherigen Lebenserfahrungen. Und dann gibt es den objektiven Weltsinn [logos = Sinn] in Form einer Verantwortung, die ich für etwas oder jemanden übernehme, der ich nicht selbst bin. Dieser Sinn ist abhängig von meiner geistigen Verfassung in Form von Gewissen, Transzendenz und Wertfühlen.

Der Organisations­forscher Karl E. Weick hat einmal gesagt: „Sense­ making is about how to stay in touch with context.“ Dem würde ich gerne zustimmen, wenn der Kontext verstanden wird als etwas Gesolltes, von dem das Leben [also nicht irgendwer oder irgendwas] erwartet, dass die Person, die dieses Leben lebt, mit ihm in Beziehung tritt. Wird entsprechend dieses Gesollten gehandelt und entschieden, dann werden diese Handlungen und Entscheidungen als sinnvoll erlebt.

Verantwortlich für die Annahmen des ‚Gesollten‘ ist immer und einzig die eigene Person. Niemand kann diesen Weltsinn einer Person machen oder stiften. Jeder kann zwar Themen anbieten, die für einen Menschen den Gehirnsinn anregt, ihn zum Nachdenken führt oder die für ihn nachvollziehbar und verstehbar sind. Jeder Tag ist voll von solchen Themen und zuweilen heißen Menschen, die andere zu solchen Themen führen ‚Führungskräfte‘, ‚Sinnstifter‘, ‚Motivationstrainer‘, ‚Eltern‘. Mit dem im Leben aber ‚Gesollten‘ haben diese Themen zuweilen sehr wenig bis gar nichts zu tun. Bestenfalls sind diese Themen dann zweckdienlich [um mit ihnen Geld zu verdienen oder um geliebt zu werden oder um einen Status zu erhalten], sinnvoll sind sie womöglich aber nie und nimmer.

Wann sage ich ’nein‘ zum Sinn? Mein Gehirn sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die ich selbst meinem Leben zuspreche, mindern. Solange ich mir selbst bedeutungs- und wertvoll bin, weiß ich, was mir richtig und wichtig ist. Sollten Sie dies nicht [mehr] wissen, dann lohnen einige Gespräche mit einem Logotherapeuten [m,w,d].
Mein Gewissen sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die mein Leben für etwas oder jemanden haben könnte, mindern. Solange ich eine Beziehung fühle zu Aufgaben und Menschen jenseits meiner selbst, erlebe ich mein Leben als sinnvoll. Sollten Sie dies nicht [mehr] fühlen, dann lohnt ein Sinnwahrnehmungstraining, auch dies ist ein Format in der Logotherapie.

Life2Me®- [Selbst-]Coaching

Vor einigen Jahren haben wir in unserer Augsburger Praxis für Logotherapie, Existenzanalyse und Schematherapie das in Deutschland einzige Online-Angebot zur Individuellen Krisenprävention entwickelt. Life2Me® vereint dabei eine umfassende Betrachtung potenzieller Belastungsereignisse und ein über 100 Seiten starkes Workbook, mit dem ein Nutzer dann seinen eigenen Umgang mit nicht auszuschließenden Krisen reflektieren kann.

Als psychologisches Fundament von Life2Me® dienen uns sowohl Erkenntnisse der Verhaltenstherapie als auch der sinnzentrierten Psychotherapie nach Viktor Frankl. Die einen Menschen auf seine ‚Lerngeschichte‘ reduzierende Verhaltenstherapie fokussiert auf ‚Fehlkonditionierungen‘, im Kern also auf die der Lebensqualität einer Person unzuträglichen Verhaltensweisen. Der Vorgeschichte der Belastungssymptome, die sich für die Person durch ihre Verhaltensweisen zeigen, wird in der Verhaltenstherapie eher weniger Bedeutung beigemessen. Vielmehr geht es hier um das Neulernen alternativer Verhaltensweisen, wobei wir wissen, dass dieses Vorgehen die alten dysfunktionalen Verhaltensweisen nicht auslöscht, sondern sie sozusagen ‚überschreibt‘.

Dieses Überschreiben ist fraglos dann schwierig, wenn sich das Verhalten als eine Art ‚Überlebensschema‘ bereits früh im Leben entwickelt hat. Solche Schemata erweisen sich im weiteren Lebensvollzug dann häufig als ‚Lebensfallen‘, weil die Person immer und immer wieder mit demselben Repertoire an Verhalten auch an sich veränderte Lebensumstände herangeht. Zum Beispiel kann eine Person ihre ‚Welt‘ als bedrohlicher ansehen als sie ist oder sie sieht sich selbst als bedeutungsloser an als ihr dies aus ihrem Umfeld zurückgespiegelt wird. Welches Schema auch immer in einer Person aktiviert ist, eines ist klar: das Schema versucht seinerseits zu überleben, denn es war lange Zeit die einzige Antwort, die die Psyche für die Bewältigung der sie belastenden Situationen verfügbar hatte. Dies gilt es aus unserer Sicht immer zuerst zu würdigen, bevor die Person eingeladen wird, sich von ihr zu distanzieren.

Ist die Person dazu jedoch bereit, dann arbeiten wir in unserer Praxis nicht mehr ‚oberflächlich‘ am Neulernen von Verhalten, sondern an einer Stärkung der Bewusstheit eigener Werte und ihres Wertegefühls. Hierfür ist für uns das sinn- und werteorientierte Therapiekonzept von Viktor Frankl die Methode der Wahl. In der von ihm entwickelten ‚Logotherapie‘. Mit ihr nimmt die Person sowohl kognitiv als auch emotional einen neuen Bezugspunkt zu dem vor ihr liegenden Leben ein. Nicht ‚warum‘ ist mir etwas im Leben geschehen, sondern ‚wofür‘ fühle ich mich heute und hier von meinem Leben aufgerufen steht im Vordergrund der Gespräche in Therapie oder Coaching.

Mit diesem integrativen Konzept können wir nun auch in Life2Me® arbeiten. Dabei richtet sich das an Menschen, die sich nicht in einer akuten Krisensituation befinden, die aber ein Interesse haben, sich in privater Umgebung und mit Ruhe und Muße mit ihrer bisherigen Persönlichkeitsentwicklung zu befassen als sich auch in die Situationen hineinzudenken und -fühlen, die das eigene Leben wohl als besondere Herausforderungen noch parat hat.

Wer sich auf diese Reise macht, der kann einem an Viktor Frankl angelehnten Gedanken folgen, nämlich dem, dass sich ein Mensch nicht alles von seinem Unbewussten, Vorbewussten, Verdrängten oder Traumatisierten gefallen lassen muss. Jeder Mensch ist weit mehr als das und richtet er seine Energie auf das, was ihm sein Leben an Sinn jederzeit bereithält, dann findet vieles im Leben seinen Platz dort, wo es hingehört: In den psychischen Aktenschrank des Gewesenen.

Sich, wie es die klassische Psychoanalyse und andere vergangenheitsorientierte Therapien in aller Regel tun, darauf auszurichten, das Unbewusste ins Bewusste zu heben, kann einen Menschen sehr lange von dem fernhalten, was die Welt an nur von ihm zu beantwortenden Fragen bereithält. Unser Menschenbild, das auch die Basis von Life2Me® ist, vertraut auf die Fähigkeit jedes Menschen zu einem solchen Perspektivenwechsel.

So wenig nur wie unbedingt nötig, lautet daher unsere Arbeitshaltung, wenn es darum geht, sich mit der Vorgeschichte von Störungen oder der individuellen mentalen und emotionalen Befindlichkeit entlang belastender Erinnerungen oder Erlebnisse zu beschäftigen. So viel wie irgend möglich dafür die Ausrichtung auf die Klärung und Entwicklung der eigenen Werte und auf die Sensibilisierung der weltoffenen Wahrnehmung auf das, was trotz aller Vergangenheit im eigenen Leben nie wertlos geworden ist.

Was geschehen kann, wenn Sie sich auf die Life2Me®-Reise – entweder ganz allein mit dem Selbstcoachingangebot und/oder in Ergänzung mit flankierenden Vertiefungsgesprächen – machen?

  • Erlernen alternativen Umgangs mit Belastungssituationen und Krisen
  • Stärkung des von Fremdeinflüssen bestmöglich befreiten, echten Selbstwertgefühls
  • Aufdecken ungeahnter Ressourcen zur Gestaltung des Lebens, das für Sie ‚von vorn‘ kommt
  • Deutlich verbesserte Orientierung und Konzentration auf das Mögliche im Kontext eigener Lebensziele

Neue Buchrezension zum ‚Coaching des Todes‘

So wichtig Prozesshaftigkeit, Lösungs- und Zielorientierung im Coaching sind, mit der Metapher „auf den Punkt kommen“ – so der Untertitel des Buches – wird mit der Publikation „Coaching des Todes“ ein innovativer Ansatz für die Begleitung existenzieller Situationen im Leben gewählt. Es mag auf den ersten Blick verwundern, weshalb das Buch nicht beispielhaft als „Sterbecoaching“ überschrieben ist. Allerdings spiegelt genau dies die spezielle Fokussierung auf Existenziale – und damit letztlich auf den Tod. Denn, wie jeder Seelsorger und Sterbebegleiter weiß, ist auch Sterben ein Prozess – ähnlich wie die allermeisten Begleitungen im Coaching –, der Tod indes ist dessen Endpunkt. Dieser Radikalität stellt sich „Coaching des Todes“, konsequent zu seinem Titel – und nicht zuletzt seinem durchweg (schwarzen) Einband.

In 43 einzelnen Kapiteln wird Schlieper-Damrichs Auseinandersetzung mit dem Thema Tod entfaltet, wobei man dem Buch durchgängig die Ausbildung und Erfahrung des Autors in den Coaching-Feldern Werte, Sinn und Krisen anmerkt. Wichtige und wiederkehrende Aspekte sind: Wertfülle, existenzielle Erfahrungen, Lebenssinn und Verantwortung. Der Augsburger Coach, Therapeut und Autor greift in seinen Fragestellungen und Reflexionen nicht nur – aber immer wieder – auf das Sinnkonzept und die Logotherapie von Viktor Frankl zurück, sondern verdichtet seine Betrachtungen mehrperspektivisch aus verschiedenen wissenschaftlichen Linien sowie aufgrund eigener Coachingprozesse und v.a. auch persönlicher Erfahrungen. Auf der Ebene des interdisziplinären Zugangs wird neben dem profunden Wissen des Autors auch die breite Unterstützung durch Expert*innen verschiedener Fachdisziplinen – der Logotherapie und Medizin, der Philosophie und Physik sowie dem Werte- wie Krisencoaching – durchweg deutlich. Die immer wieder eingeflochtenen Fallbeispiele, Aphorismen sowie Impulse zur Reflexion spiegeln die Erfahrungsdichte des Lebensthemas Tod. Die Reflexionstiefe, mit der sich der Autor dieses „Themas“ stellt, scheint nicht nur ein persönliches Interesse von Schlieper-Damrich zu sein, sondern wirkt zutiefst authentisch.

Wer Menschen auf dem Weg zum – physischen – Tod begleiten darf, der kennt das Phänomen einer nicht beschreibbaren letzten Klarheit: Da fällt kein Wort zu viel. Da stimmt der Ton. Da sind Botschaft und Sinn eindeutig. Diese Geist-Leib-Seele-Fokussierung im Angesicht des nahenden Todes steht aber sonstigen, üblichen Coaching-Aspekten diametral gegenüber: Wo Erfolg an erster Stelle steht, geht es hier um Werte. Wo Effizienz als oberstes Prinzip genannt wird, lauten die Ziele hier die Erfahrung und das Wiederfinden von Sinn. Schlieper-Damrich vermag es, ohne Betroffenheitspädagogik, hier und da sogar mit einem Hauch von Leichtigkeit bis hin zu einer Prise Humor für ein Thema zu öffnen, das in unserer Gesellschaft ansonsten ein emotionalisiertes und/oder mit Angst besetztes und verdrängtes Minenfeld ist. Leitend scheint das Interesse an einer Kompetenz zu sein, den Tod buchstäblich ins Wort zu nehmen, um so „auf den Punkt zu kommen“ – so der Untertitel. Damit kommt dem Tod – erstaunlicherweise nicht direkt so formuliert, aber unterschwellig auf der Haltungsebene deutlich – kein „Aus“ zu, sondern es bleibt eine Energie, die vom handelnden Subjekt Mensch zu verantworten ist. Und genau diese Visualisierung passt sich auf dem Cover auch in das sonstige Schwarz des Buches ein. Mit dem abschließenden Kapitel „Ja, aber“ – als Kontrapost aus der bis dahin durchlaufenden Nummerierung herausgenommen – und den drei folgenden Arbeitsblättern mit den Themen: „Die Brückenentscheidung“, „Der existenzielle Abschied“ und „Der Eigenauftrag“ mündet das Buch in ganz praktischen Anleitungen für ein Coaching des Todes. Zahlreiche Illustrationen unterstützen bis dahin die Leserfreundlichkeit dieser über 400-seitigen Monografie.

Nicht nur für Coaches, Berater und Therapeuten bietet „Coaching des Todes“ einen breiten Einblick in ein (zu) oft gemiedenes Thema. Auch Philosophen und Theologen dürfen dankbar sein, dass sich ein Kaufmann der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auf dieses Terrain vorwagt. Dadurch wirkt seine Auseinandersetzung nicht „ideologisch“ vorbelastet. Sondern sie gewinnt Klarheit und kann dadurch immer wieder „auf den Punkt“ kommen, weil sie das Abschiednehmen und Erfahren von Sinn auf voraufgehenden, tieferliegenden Werteebenen gründet. Der Ansatz ist daher auch gänzlich frei von weltanschaulichen Glaubensinhalten, sodass das hier vorgestellte Konzept für eine kulturell und religiös plurale Gesellschaft eine wichtige Grundlage darstellt. Eine diesbezügliche Rezeption ist „Coaching des Todes“ zu wünschen!

Fazit: Sterben und Tod sind in der westlichen Gesellschaft an Spezialisten delegiert worden. Damit ist das Thema nicht nur aus dem Alltag verdrängt worden, sondern in gewisser Weise auch ein Tabu. Die Corona-Pandemie hat wieder daran erinnert, dass der Tod zum Leben – und zum Beruf – gehört. Sie hat schmerzhaft in die Komfortzone eingegriffen und verdeutlicht, dass es auch im Leben und Beruf kleine und größere Tode gibt. Diese Tode lassen sich zwar für gewisse Zeit verdrängen, man muss sich ihnen aber stellen, um zur Klarheit zu gelangen und Sinn zu erfahren. Für die Begleitung dieses letzten Schrittes, „auf den Punkt zu kommen“, ist „Coaching des Todes“ eine sehr wertvolle Lektüre – gleichermaßen für die Bereiche Personal und Business Coaching. Als gut erweiterbar kann der Ansatz auch insbesondere für das Feld des Exit-Coachings und der Exit-Strategien empfohlen werden!

Zitat: „Ist eine Person auf den Punkt gekommen, so bringt sie damit zum Ausdruck, im Einklang zu stehen mit dem Wert, den sie frei verwirklichen will und mit dem sie sich verantwortlich auf einen Sinnanlass ausrichtet.“ (S. 150)

Dr. Thomas Hanstein

Corona-Blog: Krisenprävention in eigener Sache

Zum Ende des achten Lebensseptils [Lebensalter 52-58 Jahre] ist es nun für mich selbst auch wieder einmal die Zeit, einen präventiven Blick in die nächste Lebensphase zu werfen. Gründe dafür gibt es genug, schließlich sind viele Veränderungen, auch in Form von Loslösungen, Trennungen und Abschieden, eingetreten – räumlich, zwischenmenschlich, beruflich, familiär.
Zeit für einen verantwortlichen Blick nach vorn ist zudem ausreichend gegeben, und die erforderlichen Tools und Methoden zur Werteanalyse und -entwicklung dafür habe ich selbst entwickelt. Es mangelt also an nichts. Worum soll es also in den nächsten Jahren gehen? Würde ich eine solche Frage Sigmund Freud stellen, so müsste ich mich seiner legendären Antwort rechnen: „Im Moment, da man nach Sinn und Wert des Lebens fragt, ist man krank“. Freuds Schüler, Viktor Frankl, sah das ganz anders: „Nun, ich persönlich bin nicht der Ansicht, dass es sich da um eine Krankheit handelt, etwa um das Symptom einer Neurose. Vielmehr meine ich, dass der Mensch damit, dass er die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt, ja mehr als das, dass er wagt, die Existenz eines solchen Sinnes sogar in Frage zu stellen, – ich meine, dass der Mensch damit nur seine Menschlichkeit manifestiert. Noch nie hat ein Tier danach gefragt, ob das Leben einen Sinn hat. Das tut eben nur der Mensch, und das ist nicht Ausdruck einer seelischen Krankheit, sondern der Ausdruck seiner Mündigkeit würde ich sagen.“

Einen mündigen Blick auf das Leben zu werfen, das auch für mich von vorn kommt und für das ich zu entscheiden habe, worum es mir gehen soll, bedingt einen tieferen Blick. Einen Blick auf die persönlichen Werte, denen ich [erstmals, erneute oder veränderte] Aufmerksamkeit schenken will. Erst, wenn diese Werte geklärt sind, ergeben sich Fragen nach wertebasierten Zielen, wertebasierten Beziehungskonstellationen, wertebasierten Engagements usw. – zuerst das Wertefundament, dann die Überlegungen, wie die Zimmeraufteilung des Wertehauses ausschauen soll.

Mithilfe unserer LebensWerte-Karten, einem schönen und ungestörten Platz an der Sonne und ausreichend Zeit mache ich mich ans Werk. Aus den über 400 Werte-Begriffen wähle ich in aller Ruhe diejenigen, bei denen ich mit Blick auf meine nächste Lebensphase spontan ein positives Gefühl verbinde. Viele Werte, die bislang voller Bedeutung waren, verlieren dabei nicht an Wert, doch werden sie fühlbarer nachrangiger. Sie tauchen in der Auswahl der ’neuen‘ Wertelandschaft nicht mehr auf. Und auch in der Auswahl [siehe Bild] finden sich einige Werte, die in einem bestimmten Kontext auch bislang schon ihren ‚StellenWert‘ in mir hatten, nun aber nach einem ‚frischen Sinn-Wind‘ suchen. Diese Werte sehnen sich nach etwas, die ‚Sehnsuche‘ mit ihrem Wert der ‚Sehnsucht‘ entdecke ich als Mittelpunkt der Wertelandschaft. Als ich die Karte in der Hand halte, überrascht und erstaunt sie mich, und ich fühle: Dieser Wert ist für mich der neue Einstellungswert [mehr zu dieser Wertekategorie finden Sie hier in der KrisenPraxis]. Wohin genau er sich ausrichten wird, ist längst noch nicht entschieden und klar. Aber er ermöglicht eine neue aufmerksame Orientierung. Der Sinn wird sich finden, dessen bin ich mir bewusst. Und so wie im vergangenen Lebensseptil auch, das geprägt war durch den Satz „ich leiste einen Beitrag dafür, dass Menschen sich nicht verfehlen„, wird es für die Zeit vor mir wieder einen Sinnbeitrag geben. So ungewiss es noch ist, welche Worte sich unerwartet einstellen werden, eines ist mir jetzt bereits klar: Der neue Sinn wird nichts, aber auch rein gar nichts mit Corona zu tun haben. Denn ich werde mir weiterhin weder von mir alles gefallen lassen, noch nun von einem Virus.

Corona-Blog: Und vor meinen Augen wurde mein Spielkamerad zerfetzt

1943 war meine Mutter 13 Jahre alt. Sie lebte mit ihren Eltern in Duisburg und sah zu, wie ihre Stadt bombardiert und nach und nach zerstört wurde. Und, wie dies auch zu menschlichen Tragödien führte. So wurde bei einem britischen Bombenangriff im Mai auch ihr Stadtteil getroffen und dabei einer ihrer Freunde aus der Nachbarschaft. ‚Vor meinen Augen wurde mein Spielkamerad zerfetzt …‘ Über zwei Jahre lang stand die Bevölkerung unter Angst und Schrecken – die Verluste waren gewaltig. Immer wieder erzählte meine Mutter die Situation, wie der neogotische Turm der Salvatorkirche zusammenbrach oder wie sich die Umgebung darstellte, wenn sie und andere Menschen nach einem Angriff aus dem Bunker wieder heraustraten.

Schaut man auf die von Viktor Frankl beschriebenen drei Säulen des Menschseins, die – wenn balanciert entwickelt – ein sinnerfülltes Leben ermöglichen, dann fällt nicht schwer zu erkennen, wie erschüttert diese Säulen zu Kriegszeiten gewesen sein müssen.

Säule 1: Verwirklichung von schöpferischen Werten mit Aufbau und Erhalt individueller Leistungsfähigkeit: Die Personen leitet einen sinnvollen Beitrag für die Welt.
Säule 2: Verwirklichung von Erlebniswerten mit Aufbau und Erhalt individueller Liebesfähigkeit. Die Person ist welt- und wahrnehmungsoffen für das, was in der Welt sinnerfüllend geschieht.
Säule 3: Verwirklichung von Einstellungswerten mit Aufbau und Erhalt individueller Leidensfähigkeit. Die Person vermag sich zu Unabänderlichem in Freiheit und Verantwortlichkeit zu stellen.

Aktuell spricht die ‚Corona-Politik‘ weiterhin ein kriegerisches Vokabular, von massiver Krise und einer katastrophalen Lage. In der Berichterstattung wird dargestellt, dass Familien unter den Gegebenheiten leiden, dass Kinder zu Hause zum Problem werden, dass die Leute vor lauter Angst vor der Arbeitslosigkeit ihre geplanten Investitionen zurückhalten würden, dass die Verbraucherstimmung am Boden sei usw.

Die Empfehlung, den Blick 80 Jahre rückwärts zu richten und dann diese Bilder [finden sich zuhauf im Internet, sollte man niemanden mehr haben, der einen an die Zeit erinnert] mit einem Blick aus dem eigenen Fenster zu vergleichen, ist für viele Menschen keine Hilfe. „Das kann man doch nicht vergleichen:“ Stimmt, damals war alles kaputt, viele tot, das System wirklich am Ende ….

Heute? Corona ermöglicht Lernprozesse, die vielleicht auch ohne das Virus begonnen worden wären, die nun aber einen Schub erhalten haben und ergänzende Formen der Kommunikation, Kooperation und Kollaboration befördern. Wenn ein Mensch weiß, worum es ihm geht, wenn er über ‚Leistungsfähigkeit‘ spricht, dann kann ihm durch die Corona-Sondersituation womöglich ein Verwirklichungsfeld entstehen, das ihm zuvor durch das ‚Alltagsgeschehen‘ nicht nahe lag.

Corona ermöglicht Beziehungsprozesse, die in ihrer Fülle und Kreativität zuvor vielerorts auch noch nicht erlebt wurden. Ob es die Tochter ist, die mit ihrer Mutter, vor dem Fenster des Seniorenheims stehend, fröhliche Witze reißt; ob es der Erhalt lustiger Handynachrichten ist, die von mehr oder weniger nahe stehenden Bekannten verschickt werden, um andere Menschen zu erheitern. Ob es neue Formen der Fürsorge, künstlerischen Entfaltung usw. sind – auch hier finden sich Verwirklichungsfelder, die genutzt werden können, wenn ein Mensch weiß, worum es ihm geht.

Corona ermöglicht Abschiedsprozesse, die ohne Besinnung auf das Wesentliche sich nicht in den Vordergrund gerückt hätten. Von was kann man sich trennen, materiell, ideell, zwischenmenschlich.? Welchen Verzicht kann man üben, weil dies für andere und einen selbst lebensdienlicher ist? Welche Form der Hilfe kann man bei allem Autonomiestreben annehmen, weil man seiner Begrenzungen nun bewusster wird? Was ist durch Corona nun ‚tot‘ und ruft nach Übernahme einer neuen Verantwortung für das ‚Leben danach‘? Wenn ein Mensch weiß, worum es ihm im Leben geht, welche Werte seine eigenen sind – und welche nicht -, dann wird es leichter, trotz Virus sinnvoll zu handeln und sich sinnvoll zu verhalten.