Kategorie-Archiv: Werte

Happiness Humbug

Feelgood Manager, Corporate Happiness Guide, Positive Leadership Architect – die Ausbildungsangebote rund um das Schaffen von Wohlfühlkulturen in Unternehmen haben seit ein paar Jahren Konjunktur. Es klingt hipp und für die junge Generation womöglich auch als ein Kriterium, um sich im Beruf zu engagieren. Zumeist werden diesen postmodernen Rollen Qualifikationen zugeschrieben, die man in Ausbildungen im Kontext von Neurowissenschaft und positiver Psychologie entwickeln kann. Ausbildungsprogramme dieser Art schießen seit ein paar Jahren wie Pilze aus dem Boden und spiegeln das Zustandsgefühl der Sinnleere vieler Menschen wider. Das Versprechen, das solchen ‚Dienstleistungen‘ gerne zugrunde gelegt wird, klingt zum Beispiel so: Glückliche Mitarbeiter sind um x% produktiver und x mal engagierter. Sie sind loyaler, lösungsorientierter und können besser mit Veränderungen umgehen. Sie unterstützen eine agilere und positivere Unternehmenskultur. 

Das klingt verlockend und irgendwie nach Glückspille. Die derart ausgebildeten Gute-Stimmungsmacher bringen den Mitarbeitenden eine Haltung entgegen, die dazu beitragen soll, dass diese beflügelt, begeistert, beseelt, beachtet werden und in deren Folge wieder die Lust zunimmt, die eigenen Stärken auszuleben und im Unternehmen aktiv einzubringen. Davon letztlich profitieren alle, so die Mär. Und, um dem ganzen Irrwitz ein wissenschaftliches Mäntelchen umzulegen, zitieren die Anbieter Glücksstudien der Positiven Psychologie [zu den Möglichkeiten und Grenzen dieser psychologischen Denkschule finden sich in der KrisenPraxis verschiedene Beiträge].

Tja, und dann wird es ernst. Denn der Feelgoodmanager muss sich nun mit den Hintergrunderfahrungen des m-w-d-Feelbadmitarbeiters befassen, denn schließlich geht es um eingefahrene Handlungsmuster und ungünstige Vorerfahrungen, die das individuelle Glück blockieren. Das mag vielleicht sein, vielleicht aber auch nicht und wie auch immer, allemal gehört die Arbeit an diesen Blockaden nicht in die Hände von Laien. Zum Glück [sic!] passen aber Menschen zunehmend auf sich auf, denn zu viel an Scharlatanerie wurde in den letzten Jahren aufgedeckt und kritisch kommentiert. Zu viele Menschen wurden durch fadenscheinige Angebote außerhalb aber leider auch innerhalb von Unternehmensmauern weiter aus der Bahn geworfen, weil ihnen die Glücksversprechen so gut und verführerisch in den Ohren klangen. Viele haben vieles verloren: Zeit zur wirklichen Selbsterkenntnis, Geld, Würde, Beziehungen – so ist es gut, dass die meisten Menschen heute gesunde Vorsicht walten lassen und genauer hinschauen, was ihnen da als ‚Purpose‘, ‚Happiness‘ oder ‚Feelgood‘ verkauft wird.

Es mag nach Arbeit klingen, ist aber kein Hexenwerk: Klären Sie mit professionellen Werkzeugen Ihre individuellen Werte, nicht hopplahopp mit irgendwelchen kleinen Tools oder Internetprogrammen, sondern mit ausreichend Zeit und profunder Begleitung. Wenn Sie Ihre eigenen Werte kennen, können Sie wirklich wertebasiert entscheiden und handeln, ihren Werten gemäß ja oder nein sagen. Tun Sie dies, dann ist die Folge ‚Erfolg‘ und das Gefühl, ein gelingendes und glückliches Leben zu führen.

Der Sinn im Alter

Menschen suchen nach etwas, das ihrem Leben Bedeutung verleiht. Dieses Etwas ist nicht gleichzusetzen mit dem ‚Sinn‘, der im Leben eines jeden Menschen stets per se gegeben ist. Bedeutung meint die kognitiv bemessene Wichtigkeit, die ein Gegenstand, ein Sachverhalt oder auch ein Mensch für einen Menschen haben kann. Der Mensch deutet also in Etwas etwas hinein und interpretiert das Ergebnis dann als mehr oder minder bedeutungsvoll. Analog erhoffen Menschen, dass sie selbst, ihre Taten, Werke und Leistungen für andere voll von Bedeutung sind. Dass sie gebraucht werden, dass sie nachgefragt werden, dass sie zu etwas beitragen können, dass sie für etwas angesehen werden – es ist naheliegend, dass insbesondere im Beruf diese Hoffnungen auf Erfüllung warten. Aber Menschen im fortgeschrittenen Alter, die sich nach ihrer Berufstätigkeit nun in der Phase der Freitätigkeit befinden, sich also noch nicht im Ruhestand befinden, fühlen häufig ein Bedeutungsdefizit. Sie erleben, nicht mehr ‚gefragt‘ zu sein, ihr Wissen, ihre Erfahrungen, ihre Expertise, ihre Motivation sind mit einem Mal gefühlt wertlos. Faktisch ist dies meist ein Denkfehler. Nur, weil ein Luftballon, in den ich immer wieder im Beruf hineingeblasen habe, nun diese Luft nicht mehr bekommt, ist der Ballon ja weiterhin da. Es braucht ’nur‘ einen neuen, unverbrauchten Atem. Einen Atem der Identität, der eigenen Werte, des Willens zur Freiheit und Verantwortung, das eigene Wertesystem einzusetzen für neue Aufgaben. Die Bedingung? Das eigene Wertesystem muss man kennen. Ist es nicht reflektiert, dann hofft man auf Aufgaben und fällt über kurz oder lang auf die Nase, weil man sich in die Hände derer begibt, die der Ansicht sind, die Person mit irgendwelchen Themen beglücken zu müssen, damit sie irgendwie beschäftigt ist.

Also: Entdecken und erarbeiten Sie zuerst Ihr Wertesystem. Dann klären Sie, welche dieser Werte sie frei und verantwortlich verwirklichen wollen. Und dann schenken Sie sich etwas Geduld, damit Sie die Angebote und Aufgaben, die Ihnen aus Ihrer Lebenswelt entgegenkommen, daraufhin überprüfen können, ob damit diese Werte in einer erfüllenden Tätigkeit aufgehen können. Wenn nicht, dann sagen Sie wertebewusst ’nein‘. Wenn ja, dann erfreuen Sie sich der freitätigen Bedeutung solange Sie es wollen.

Das Schema coachen

Im Feld der Psychotherapie nimmt die Schematherapie einen zunehmenden Stellenwert ein. Anfang der 90er Jahren von Jeffrey Young als Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie konzipiert, leistet sie einen Beitrag dafür, Menschen zu helfen, in der Kindheit entstandene, unbefriedigte Grundbedürfnisse als Auslöser ihrer aktuellen Depression zu erkennen. Grundbedürfnisverletzungen werden dabei als ’negative emotionale Schemata‘ angelegt, die dann automatisierte Bewältigungsreaktionen bewirken, die ihrerseits – sofern sie nicht zu angemessenen Reaktionen entwickelt werden – auch im Erwachsenenleben weiterhin aktiv bleiben und unvernünftige Verhaltensweisen hervorbringen.

Da sich solche Verhaltensweisen auch im Berufsleben als Hindernis erweisen können, wurde das Wissen der schematherapeutische Grundlagen auch in einigen Ausbildungsprogrammen des Business Coachings aufgenommen. Im Coaching erhalten wir immer wieder als Auslöser für den Beginn einer Zusammenarbeit einen Mangel an Anerkennung, an Selbstüberforderung oder an Verdruss und Selbstzweifel im Job dargestellt. Stellen wir diese Empfindungen in einen biografischen Kontext so zeigt sich oftmals eine gewisse Analogie zur Kindheit. Liebe gegen Leistung, übervolle Kalender des Schülers, Mobbing in der Schulklasse, freudeloses Lernen oder Angst des Versagens – was hier ein Kind zu ‚managen‘ hat, geht ein in seine Interpretation dessen, was als ’normal‘ angesehen wird. Und dieses ‚Normale‘ hat keine Chance entlernt zu werden, sondern geht später über in die Interpretation von ‚Berufswelt‘.

Wir kombinieren in unserer Begleitung von Führungskräften das Schemacoaching mit den Erkenntnissen der Sinnlehre von Viktor Frankl. Dies indem wir die Schemaaktivierungen und automatisierten Bewältigungsreaktionen explorieren und dann aufbauend auf diesen kognitiven Erklärungen mit dem Klienten an der biografischen Entwicklung und Weiterentwicklungsmöglichkeit seiner Werte arbeiten. Da wir unbefriedigte Bedürfnisse des Kindes auch als Wertekonflikte verstehen können, die das Kind in seinem Umfeld hat aushalten müssen, so können Klienten diese Konflikte eingedenk ihrer weiteren Biografie, ihres erweiterten Rollenspektrums und ihrer aufgebauten Lebenserfahrung konstruktiv lösen, indem sie auf die Werte schauen, die sie trotz dieses erlebten Mangels in ihrem Leben verwirklicht haben und – darüber hinaus – welche sie künftig verwirklichen wollen.

Neurobiologisch ist ein Verhaltensschema ein Verband von Nerven­zellen. Dieser Verband wird durch Reise getriggert, das Schema wird aktiviert und die Person fühlt ihre Situation wie ‚einst als Kind‘. Die dabei entstehenden Emotionen können dabei ähnlich stark sein wie ‚damals‘ – für das Umfeld des Erwachsenen jedoch sind diese Emotionen unerklärlich [nicht selten sogar für den Betroffenen selbst]. Ist nun der Zusammenhang zwischen dem Aktualverhalten und dem einstigen Mangel an Bedürfnisbefriedigung hergestellt, wird im zweiten Schritt das Bündel seinerzeit der verletzten Werte herausgearbeitet und Wege besprochen, diese Werte zu revitalisieren und künftig vor Verletzungen zu schützen.

Die Aufgabe des logotherapeutisch-schemafokussierten Coachings besteht demnach darin, den Klienten zu stärken, die Aktivierung der Antreiberseite [Reaktionsverhalten] zu regulieren und sich die Aktivierung desjenigen Teils seines Wertesystems zu erlauben, das unter dem Einfluss des Schemas blockiert wurde.

Mit diesem Arbeitskonzept wird die Sinnlehre Viktor Frankls vollumfänglich integriert. Sein Menschenbild geht u.a. davon aus, dass der Mensch in der Lage ist, sich gegenüber dem zu distanzieren, was in der Schematherapie eben ‚Schema‘ genannt wird. Diese Fähigkeit zur Selbstdistanzierung ist nach Frankl notwendige Voraussetzung menschlicher Freiheit.

Frankl hat die Selbstdistanzierung einmal mit einer gerne von ihm erzählten Anekdote beschrieben:
Während des Ersten Weltkrieges saß ein jüdischer Militärarzt mit einem Oberst im Schützengraben, als ein heftiges Feuer einsetzte. Ihn hänselnd fragte der Oberst: „Jetzt haben Sie aber Angst, nicht wahr? Da sieht man wieder einmal, wie sehr die arische Rasse der semitischen überlegen ist.“ Worauf der Militärarzt antwortete: „Sicher habe ich Angst. Aber warum sprechen Sie von der Überlegenheit der einen Spezies gegenüber der anderen? Wenn Sie so viel Angst hätten wie ich, wären Sie vielleicht schon längst auf und davon gelaufen.“

LebensWerte-Kartenbox in der neuen Auflage

Seit über 15 Jahren arbeiten wir nun in Training, Coaching und Therapie mit den von uns exklusiv entwickelten LebensWerte-Karten. Nun ist die 7. Auflage erschienen.

Bestimmen Sie Ihre persönlichen Werte, analysieren Sie Ihr individuelles Wertesystem, gestalten Sie Ihre persönliche Werteentwicklung, vergleichen Sie Ihre Werte mit denen Ihres Lebenspartners, ihrer Kollegen, im Freundeskreis. Reflektieren Sie die persönlichen Wertvorstellungen im Team. Die LebensWerte-Karten erfreuen sich großer Beliebtheit in hunderten Unternehmen, sozialen Einrichtungen, Schulen, Therapieeinrichtungen, in der Pflege, Seelsorge und bei Privatpersonen und Familien.

Wie das Böse nicht gewinnt

Wenn Albert Einstein recht hat, dann ist die Welt nicht bedroht von Menschen, die böse sind, sondern von denen, die Böses zulassen. Wer Böses zulässt, hat meist Angst. Angst um seinen Job, Angst vor Einsamkeit, Angst vor Statusverlust. Da es unhandlich ist, permanent Angst zu haben, suchen Menschen nach Bewahrern guter Zustände. Manche nennen das Politik. Bereitet die Politik einem Menschen Angst, dann helfen die Grundlagen der Demokratie, diesen Zustand abzustellen. Dumm nur, wenn eine neue Politik dazu verhelfen soll, Zustände zu [re-]aktivieren, die mühsam vollzogene Entwicklungsprozesse in einer Gesellschaft wieder tilgen sollen. Gut nur, dass eine solche ‚neue Politik‘ heute sofort medial offengelegt wird, so dass an sich niemand sich mehr verstecken kann vor dem Wissen hinsichtlich möglicher Folgen der Nichtnutzung demokratischer Wahlmöglichkeiten. Dumm nur, dass es dennoch viele Menschen gibt, die dieses Spiel spielen. Daher können wir Einsteins Gedanken heute neu denken: Die Welt ist bedroht von denen, die als schweigende Mehrheit ihre Pflicht vernachlässigen, denen Einhalt zu gebieten, die bereit wären, Böses zuzulassen. Bald ist Bundestagswahl. Jeder hat die Wahl.

Firmen- und Führungswerteanalyse – online

In jedem Unternehmen arbeiten Führungskräfte und Mitarbeitende mit ihrer je individuellen Geschichte und ihren je individuellen Werten. Jeder Mensch wurde in seiner Entwicklung geprägt von der eigenen Familie, von Erziehung, Schule, Ausbildung und seinem persönlichen Umfeld. Und jeder Mensch hat selbst etwas aus sich gemacht, hat Lebensentscheidungen getroffen und seinen eigenen Grundüberzeugungen entsprechend gehandelt.

Wollen Führungskräfte mit ihren Mitarbeitenden in ihrem Unternehmen eine gemeinsame Richtung einschlagen, miteinander kooperieren und kollaborieren, Projekte realisieren oder sogar ein neues Unternehmen gründen, dann wird einem sehr schnell deutlich, wie wichtig es ist, sich nicht nur über eine Vision, eine Strategie und über Ziele zu verständigen, sondern sich auch über die eigenen Werte und die damit verbundenen Grundüberzeugungen und Verhaltenserwartungen auszutauschen. Wertekommunikation verringert daher Missverständnisse, Arbeitskonflikte und Unzufriedenheit und mehrt die persönliche Lebensfreude.

Die Firmen- und Führungswerteanalyse ermöglicht Ihnen zeitschonend und kostengünstig einen umfassenden Wertevergleich. Und damit wertvolle Gespräche mit Ihren Managementpartnern oder Ihrem Führungsteam. Wir wünschen Ihnen gute und spannende, neue Erkenntnisse.

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Werte in Ordnung?= Werteordnung

Für manche Menschen gibt es nur eine Sache auf der Welt. Mal ist es die Familie, mal die Leistung im Job, mal ein Sport, mal der Schutz der Natur – was auch immer: Wer eine solche pyramidale Werteorientierung hat, lebt ein Leben mit besonderer Mission. Für dieses Thema oder diese Aufgabe steht die Person ein, mit allem was sie hat. Andere Wertmöglichkeiten sind weniger wichtig, und darin liegt nun ein nicht unbeträchtliches Risiko. Bricht nämlich die Spitze der Pyramide weg, zum Beispiel durch Wegfall der beruflichen Herausforderung, durch Krankheit oder Tod einer Person, due mangelnde finanzielle Ressourcen o.ä., dann kann dies zu einer existenziellen Verlustsituation führen, zur Verlustkrise.

Andere Menschen wiederum führen eine Art Werte-Mischpult vor sich her. Sie leben in einer  parallelen Wert-Orientierung und haben mehrere und unterschiedliche Inhalte in ihrem Leben, die für sie viel bedeuten und die sich wertschätzen. Kommt es nun zu einem Wegfall der Möglichkeit, in einem Lebensbereich Werte zu verwirklichen, dann kann dies durch die Hinwendung zu anderen Lebensinhalten kompensiert und psychisch robust verarbeitet werden.

Wenn aber in unserer Gesellschaft, die noch weithin nach dem Strickmuster einer schnellen und möglichst umfassenden Befriedigung individueller Bedürf­nisse funktioniert, die sinnvolle Verwirklichung von Werten erschwert oder verunmöglicht wird, dann neigt die menschliche Psyche dazu, das offenkundige Sinndefizit ausgleichen zu wollen durch Wachstumsphantasien aller Art. Der Philosoph Odo Marquardt schrieb dazu: „Das Sinnlose [wird] zum Superleben transformiert. An die Stelle des Sinns treten die Zerstreuung, das Geld, der Erfolg, das Prestige, das Wachstum, die Korpulenz in physischer, technischer und ökonomischer Form: die moderne Anspruchsgesell­schaft ist der Kummerspeck des Sinndefizits. […] Weil das Leben, das man lebt, leer ist, braucht man es – und alles in ihm – mindestens zwei­mal: den Zweitfernseher, das Zweitauto, das Zweithaus, das Zweitstudium, die Zweit­frau oder den Zweitmann, das Zweitleben etwa als Urlaub […] Es gibt den Zweitberuf, die Zweitarbeit als Schattenwirtschaft und als Expansion der Nebentätigkeit.“ Und weiter: „Somit steigen die Lebensansprüche mit der Vertiefung des Sinndefizits. Kurz gesagt: Es geht um „Wachstum statt Sinn.“

Viktor Frankl hatte eine solche Haltung, in dessen Folge eine Person in ein existenzielles Vakuum rutscht, eine ‚provisorische Daseinshaltung‘ genannt. Sie zeigt sich in extremo in einer ‚Scheiß-egal-Haltung‘ mit Abgabe jeglicher Verantwortung und Selbstverpflichtung, einem Hinauszögern möglicher Entscheidungen und einem Nörgeln hinsichtlich vermeintlicher Aussichts- und Zukunftslosigkeit. Wer ein solches Leben lebt, der lebt ohne Werteordnung und die einzige Aufgabe kann nur darin zu bestehen, die eigenen Werte in Ordnung zu bringen.

Sinnquark

Eine Vorstellung hält sich hartnäckig: Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter für sich gewinnen will, dann muss es Sinn bieten. Dies ist ein ebensolcher Quark wie die Idee, man hätte als Führungskraft die Aufgabe, die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. Beides gehört geschreddert. Warum: Weil für beides die Werte eines Menschen ausschlaggebend sind. Und kann der Mensch diese Werte nicht verwirklichen, dann empfindet er sein Handeln als sinnentleert und sein Verhalten als unmotiviert. Dafür aber, dass ein Mensch seine Werte verwirklicht, ist nur einer verantwortlich: Der Mensch selbst. Deswegen nennt man das ja auch Selbst-Verantwortung. Würde nun ein Unternehmen versuchen, Sinn zu bieten, dann wäre die Bedingung, dass es auch die Werte des Mitarbeiters kennt (sofern dieser selbst seine Werte kennt – eine Voraussetzung, die wahrlich nicht immer gegeben ist). Da nun aber Werte durch Verhaltensweisen sichtbar werden, kann die Konsequenz ‚an sich‘ nur sein: Wenn die Verhaltensweisen des Mitarbeiters nicht den Verhaltenserwartungen des Unternehmens entsprechen, dann kann nur eine Trennung beiden helfen. Daher gilt eher: Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter für sich gewinnen will, dann muss es seine Verhaltenserwartungen formulieren.

Was aber tun Unternehmen? Sie suchen immer mehr nach Rezepten, um zu sinnstiftenden Unternehmen zu werden. Und auf dem Rezeptblock stehen dann erstens Ziele, zu deren Erfüllung Mitarbeiter ‚ja‘ sagen können. Zweitens stehen da Feedbacks, durch die Mitarbeiter erkennen sollen, dass sie Wirkung erzeugen. Und drittens stehen da oft Zustände, die hergestellt werden, damit sich Mitarbeiter wohl und zugehörig fühlen. Warum erinnert mich das nun an eine Hundetrainingsanlage?

Tja, Menschen sind keine Hunde, denn Menschen haben neben allem Tierischen auch das spezifisch Humane: Werte als Fundament ihrer Einstellungen, Haltungen, Motive, Verhaltensweisen, Handlungen und Kommunikationsweisen. Werte als innerer Kompass zur Selbst-Reflexion und selbstverantwortlichen Sinn-Orientierung.

Wenn Unternehmen also schon so etwas wie Sinn zum Thema machen wollen, dann wäre ihnen anzuraten, mit ihren Mitarbeitern über deren Werte zu sprechen. Aber Vorsicht: Mitarbeiter, die sich über ihre Werte klar werden, weil sie ihnen zuvor nicht klar waren, können mit einem Mal Entscheidungen treffen, die dem Unternehmen nicht behagen (man nennt das Selbstbewusstsein oder – analog zu Immanuel Kant – das Erwachen aus der bislang selbstverschuldeten Unmündigkeit). Und die Mitarbeiter, die im Unternehmen arbeiten und den (hoffentlich formulierten) Verhaltenserwartungen des Unternehmens entsprechen, brauchen keine ‚Sinnangebote‘, denn sie haben den Sinn in ihrer Arbeit schon gefunden.

Es wäre also so wohltuend, würde nicht so viel Sinnquark verzapft. Noch wohltuender wäre es, würde in Unternehmen mit Menschen gesprochen und nicht immer wieder der Versuch unternommen, Hunde zu trainieren.

Welchen Sinn lasse ich in mein Leben?

Eine komische Frage, werden Sie vielleicht denken. Welchen Sinn lasse ich ins Leben?
Und doch ist diese Frage wichtig und recht typisch für uns Logotherapeuten. Es gibt offenbar mehr als nur einen Sinn und es gibt stets nur eine Person, die verantwortlich ist für seine Auswahl. Und diese Person kann auch sagen: Nein, dieser Sinn kommt mir nicht ins Haus.

Werde ich in Therapie und Coaching gefragt, wie ich selbst das mit dem Sinn halte, dann antworte ich gerne konkret so:

Für mich gibt es zwei Arten von Sinn. Den subjektiven Gehirnsinn in Form eines Verständnisses von etwas, das ich wahrnehme und mental [mens = Verstand] verarbeite. Dieser Sinn ist abhängig von meiner psychophysischen Verfassung und an vielen Stellen von meinen bisherigen Lebenserfahrungen. Und dann gibt es den objektiven Weltsinn [logos = Sinn] in Form einer Verantwortung, die ich für etwas oder jemanden übernehme, der ich nicht selbst bin. Dieser Sinn ist abhängig von meiner geistigen Verfassung in Form von Gewissen, Transzendenz und Wertfühlen.

Der Organisations­forscher Karl E. Weick hat einmal gesagt: „Sense­ making is about how to stay in touch with context.“ Dem würde ich gerne zustimmen, wenn der Kontext verstanden wird als etwas Gesolltes, von dem das Leben [also nicht irgendwer oder irgendwas] erwartet, dass die Person, die dieses Leben lebt, mit ihm in Beziehung tritt. Wird entsprechend dieses Gesollten gehandelt und entschieden, dann werden diese Handlungen und Entscheidungen als sinnvoll erlebt.

Verantwortlich für die Annahmen des ‚Gesollten‘ ist immer und einzig die eigene Person. Niemand kann diesen Weltsinn einer Person machen oder stiften. Jeder kann zwar Themen anbieten, die für einen Menschen den Gehirnsinn anregt, ihn zum Nachdenken führt oder die für ihn nachvollziehbar und verstehbar sind. Jeder Tag ist voll von solchen Themen und zuweilen heißen Menschen, die andere zu solchen Themen führen ‚Führungskräfte‘, ‚Sinnstifter‘, ‚Motivationstrainer‘, ‚Eltern‘. Mit dem im Leben aber ‚Gesollten‘ haben diese Themen zuweilen sehr wenig bis gar nichts zu tun. Bestenfalls sind diese Themen dann zweckdienlich [um mit ihnen Geld zu verdienen oder um geliebt zu werden oder um einen Status zu erhalten], sinnvoll sind sie womöglich aber nie und nimmer.

Wann sage ich ’nein‘ zum Sinn? Mein Gehirn sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die ich selbst meinem Leben zuspreche, mindern. Solange ich mir selbst bedeutungs- und wertvoll bin, weiß ich, was mir richtig und wichtig ist. Sollten Sie dies nicht [mehr] wissen, dann lohnen einige Gespräche mit einem Logotherapeuten [m,w,d].
Mein Gewissen sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die mein Leben für etwas oder jemanden haben könnte, mindern. Solange ich eine Beziehung fühle zu Aufgaben und Menschen jenseits meiner selbst, erlebe ich mein Leben als sinnvoll. Sollten Sie dies nicht [mehr] fühlen, dann lohnt ein Sinnwahrnehmungstraining, auch dies ist ein Format in der Logotherapie.