Hervorgehobener Artikel

FÜR IHR RECHT AUF EIN GELINGENDES LEBEN: KRISENPRAXIS
Seit Januar 2014 leisten wir mit unseren Impulsen und Anregungen einen Beitrag zur Entwicklung und zum Ausbau individueller Krisenkompetenz. Dabei stützen wir uns immer wieder auf die Sinntheorie des Wiener Psychologen und Menschenfreunds Professor Viktor E. Frankl. Die KrisenPraxis wird unseren Leserinnen und Lesern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Buchprojekt

In unserer KrisenPraxis steht die nächste Etappe der Manuskripterstellung des neuen Buchprojektes an. Wir melden uns wieder am 31.3.2019 und wünschen Ihnen bis dahin eine krisenbefreite Zeit.

Vorher – Krise – Nachher

Krisen führen stets zu einem radikalen Ist-Soll-Vergleich. Vorher gab es Pläne, nun ist alles durcheinander, aktuelle Vorhaben sind blockiert, sich neu auszurichten fällt schwer – die Psyche hat noch die Oberhand und alles fest im Griff. Menschen, die Ihre Ideen und Maßnahmen wie Dominosteine zusammenstellen, werden durch Krisen besonders betroffen. Dann trifft es nicht nur einen einzelnen Aspekt im Leben, sondern ein Lebensmodell, ein Masterplan erfährt eine Kettenreaktion. Der Kontrollverlust ist gravierend.

Im sinnzentrierten Krisencoaching steht nun der Wiederaufbau der Selbstkontrolle im Vordergrund, Im Kern geht es dabei um die Werte, die als Fundament trotz der Krise einen Stabilitätsfaktor im Leben darstellen. Wofür hat die Person vor der Krise ihre Ziele gesetzt? Wofür hat er Energie verwendet? Wie hat er bereits gehandelt, um die Ziele zu erreichen? Was wurde schon erreicht? Was war zuvor erst Absicht und kann trotz der Krise nun in einen Plan übertragen und durch konkrete Handlungen umgesetzt werden? Wofür ist es wichtig, sich über die Anforderungen, die sich aus der Krise ergeben, zu erheben und trotzdem Ja für die Zeit danach zu sagen?

Die Dinge sind nie so wie sie sind.
Sie sind immer das, was man aus ihnen macht.

Jean Anouilh

Die logotherapeuti­sche „Übersetzung“ der Zehn Gebote lautet:

  1. Gebot: Du sollst den Bezug zur Transzendenz nicht verlieren.
  2. Gebot: Du sollst dir deine Empfänglichkeit für Werte erhalten.
  3. Gebot: Du sollst zeitweise innehalten zur Zwiesprache mit deinem Gewissen.
  4. Gebot: Du sollst deinen Eltern die Fehler, die sie an dir begangen haben, verzeihen.
  5. Gebot: Du sollst die Sinnhaftigkeit des Lebens bedingungslos bejahen.
  6. Gebot: Du sollst die Lust als Nebenwirkung eines Aktes der Liebe geschehen lassen.
  7. Gebot: Du sollst nur an dich und auf dich nehmen, was für dich gemeint ist.
  8. Gebot: Du sollst das zwischenmenschliche Leid in der Welt nicht vermehren.
  9. Gebot: Du sollst die Zusammengehörigkeit der Familie achten und bewahren.
  10. Gebot: Du sollst nicht ein Haben intendieren, sondern ein Sein.

(In: E. Lukas, Spirituelle Psychologie, München: Kösel Verlag 1998, S. 44f.)

Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.

Albert Schweitzer

Soma und Seele

Von Rudolf Virchow, dem berühmten Arzt der Berliner Charité, ist der Hinweis überliefert, er habe im Laufe seines Lebens an die tausend Leichen seziert, aber nie eine Seele gefunden. Wie er wohl nach ihr gesucht haben mag? Ob er überhaupt an sie glaubte? Mag sein, dass er als naturwissenschaftlich wie sozial ausgerichteter Mediziner auf andere Aspekte des menschlichen Lebens ausgerichtet war.

Virchow gilt auch als ‚Erfinder‘ des Begriffes ‚Kunstfehler‘, der einen „Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Heilkunst infolge eines Mangels an gehöriger Aufmerksamkeit oder Vorsicht“ zum Ausdruck bringt. Nicht zu erkennen, dass es eine Wechselwirkung zwischen Soma und Psyche gibt [Frankl spricht vom psychophysischen Parallelismus], die – einfach ausgedrückt – besagt, dass körperliche Beschwerden unmittelbare Wirkung auch auf psychischer Ebene zeigen und umgekehrt, müsste wohl als ärztlicher wie therapeutischer Kunstfheler angesehen werden.

Viele Krankheiten lassen sich nicht auf bloße körperliche Dysfunktionen zurückführen, sie haben oft seelische Ursachen. In der psychotherapeutischen Begleitung von Menschen sehen wir täglich, wie das unsichtbare Seelische auf die körperliche Konstitution Einfluss nimmt. Wir sehen es an der Körperhaltung, der Stimme, dem Gang, dem Gesichtsausdruck. Der psychosomatisch qualifizierte Arzt auch an organischen Symptomen, am Blutbild, an Krankheitsverläufen. Umgekehrt bedeutet dies für uns als Krisenpräventologen: Wenn Menschen sich mit möglichen Krisen präventiv befassen, dann bewahren sie sich einen Grundschutz ihrer Seele und werden weniger krankheitsanfällig, wenn eine brisante Situation wirklich eintritt. Ein wenig Prävention sollte sich daher jeder Mensch wert sein.

Ein kleiner Beitrag zur Krisenprävention

Mit unserem Verfahren Life2Me® konnten wir bereits viele Menschen hilfreich in der präventiven Krisenarbeit unterstützen. Anfängliche Beklemmungen, wohin einen wohl die Überlegungen führen würden, wichen schnell dem guten Gefühl, einen wichtigen Beitrag zur eigenen Stabilisierung geleistet zu haben. Am Ende des individuellen Reflexionsprozesses können Fragen wie diese klar beantwortet werden

  • Was sind meine wichtigsten liebenvollen und freundschaftlichen Beziehungen, die mich trotz einer Krise tragen werden?
  • Was sind meine wichtigsten Erfahrungen, auf die ich trotz einer Krise fest bauen kann?
  • Was ist trotz eines Krisengeschehens mein Sehnen, mein Träumen, mein Glaube …. mein weiterer Weg.
  • Was sind die Werte, die ich trotz einer Krise verwirklichen werde? [Anmerkung: diese Frage ist von zentraler Bedeutung in der Krisenprävention, denn in einer Krise kann ein Mensch nicht entscheiden, welche Werte Vorrang haben, zum Beispiel Freiheit oder Bindung, Sicherheit oder Risiko – Konsequenz oder Nachgiebigkeit, ….)
  • Welche Gewohnheiten werde ich trotz einer Krise pflegen, welches Verhalten werde ich entwickeln?
  • Welche Ängste werde ich trotz Krisenprävention zulassen, sollte eine Krise wirklich eintreffen, welche seelischen Verletzungen jedoch werde ich abweisen?
  • Was bleibt trotz einer Krise das Schöne, an dem ich mich orientieren werde?Antworten auf diese Fragen formen eine Geschichte, die nicht nur dann gut zu erzählen ist, wenn ein Mensch eine Krise erlebt. Im Gegenteil: Sie helfen im Hier und Jetzt dabei, das Leben sinnvoll auszurichten. Sie ermöglichen das gute Maß an Selbstliebe, das ‚hos seauton‚ (Liebe andere, ‚wie dich selbst‘)

Die Klugheit gibt nur Rat,
die Tat entscheidet.

Franz Grillparzer

Die Krisen großer Musiker – heute: Ludwig van Beethoven

Wer kennt sie nicht, die Ode ‚an die Freude‘ von Ludwig van Beethoven (1770-1827) mit dem Grundtext von Friedrich Schiller:

„Freude, schoener Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Fluegel weilt.“

Bei der Uraufführung der 9. Sinfonie im Mai 1824 im Wiener Hoftheater war Beethoven bereits  völlig ertaubt. Er selbst schildert den Beginn seiner Schwerhörigkeit mit rund 30 Jahren als Hochton- und Sprachverständlichkeitsverlust, quälende Ohrgeräusche, Verzerrungen und Überempfindlichkeit für Schall. Seinen suizidalen Gedanken entkam er letztlich durch die Freude an der Musik, wie Auszüge aus seinem Testament nahelegen:

O ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misantropisch haltet oder
erkläret, wie unrecht tut ihr mir; ihr wißt nicht die geheime Ursache von dem, was
euch so scheinet […] aber bedenket nur, daß seit 6 Jahren ein heilloser Zustand
mich befallen, durch unvernünftige Ärzte verschlimmert, von Jahr zu Jahr in der
Hoffnung, gebessert zu werden, betrogen, endlich zu dem Überblick eines
dauernden Übels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern oder gar unmöglich ist)
gezwungen, mit einem feuerigen, lebhaften Temperamente geboren, selbst
empfänglich für die Zerstreuungen der Gesellschaft, mußte ich früh mich absondern,
einsam mein Leben zubringen […] wie ein Verbannter muß ich leben […] solche
Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endigte
selbst mein Leben – nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück […] und so fristete ich
dieses elende Leben – wahrhaft elend; einen so reizbaren Körper, daß eine etwas
schnelle Veränderung mich aus dem besten Zustande in den schlechtesten versetzen
kann […] o Menschen, wenn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr mir unrecht
getan, und der Unglückliche, er tröste sich, einen seinesgleichen zu finden, der trotz
allen Hindernissen der Natur, doch noch alles getan, was in seinem Vermögen stand,
um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen aufgenommen zu werden …

Aber nicht nur das Gehör bereitete Beethoven Probleme, eine Vielzahl anderer Erkrankungen wie Pocken, Masern, Asthma bronchiale, Kurzsichtigkeit, Gelbsucht galt es für ihn zu überstehen.
Der Sinn, den er im Beitrag seiner Musik für die Menschen sah, wird die Grundlage dafür gewesen sein, ‚trotzdem Ja zum Leben gesagt zu haben‘.