Hervorgehobener Artikel

FÜR IHR RECHT AUF EIN GELINGENDES LEBEN: KRISENPRAXIS
Seit Januar 2014 leisten wir mit unseren Impulsen und Anregungen einen Beitrag zur Entwicklung und zum Ausbau individueller Krisenkompetenz. Dabei stützen wir uns immer wieder auf die Sinntheorie des Wiener Psychologen und Menschenfreunds Professor Viktor E. Frankl. Die KrisenPraxis wird unseren Leserinnen und Lesern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Neue Praxisräume

Die KrisenPraxis legt eine Einzugspause ein.

Unsere Privatpraxis für wertebasierte Psychotherapie, Logotherapie und Schematherapie mit ihren Schwerpunkten Therapie – Krisenberatung – Krisenprävention – Life2Me®-Coaching bekommt eine zweite Adresse. Auf der Maximilianstraße in Augsburg ziehen wir im April ein. Die Vorbereitungen
und das, was jeder kennt, wenn Möbelwagen vor der Türe stehen, erfordern unsere Aufmerksamkeit.

Die KrisenPraxis meldet sich daher wieder in der Woche nach Ostern.
Bis dahin wünschen wir Ihnen eine krisenbefreite Zeit.

 

Krisen als Reifeprüfung

Ulrich Weber, Vorstand Personal der Deutschen Bahn AG, schrieb jüngst in einem Xing-Forum:

Jeder kennt die Situation aus eigenem Erleben in der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz: Plötzlich passiert etwas, das alles auf den Kopf stellt – eine Krise wirbelt die Familie oder die Firma durcheinander. Wie geht es weiter? Was gelten die Absprachen, die Gewissheiten, die Routinen und Strukturen von gestern? Im ersten Moment wird die Krise als Schock erlebt. Wie nachhaltig die Erschütterung aber ist, hängt weniger davon ab, wie schwer die Krise ist; entscheidend ist vielmehr, wieviel Stärke die jeweilige Gruppe hat und wie autonom sie ein mögliches „Führungsvakuum“ füllen kann. […] Die Reifeprüfung einer Organisation ist die Situation, in der eine solche Führungspersönlichkeit und Identifikationsfigur plötzlich ausfällt [Anm.: Weber schreibt hier anläßlich des Weggangs des Vorstandsvorsitzenden Grube]. Dann zeigt sich, wie stark die Grundorientierung und die gemeinsamen Werte in der Mannschaft verankert sind oder wie sehr im Gegenzug das Handeln noch transaktional einzig auf eine Führungsfigur ausgerichtet war. Eine reife und selbstbewusste, aus sich selbst heraus fortwährend sich weiterentwickelnde Organisation erträgt ein vorübergehendes „Vakuum“, sie bleibt handlungs- und entscheidungsfähig.

Wir übersetzen das einmal auf die individuelle Krise:

Plötzlich passiert etwas, das alles auf den Kopf stellt – eine Krise wirbelt einen Menschen durcheinander. Wie geht es weiter? Was gelten die Ziele, der Besitz, die Routinen und Strukturen von gestern? Im ersten Moment wird die Krise als Schock erlebt. Wie nachhaltig die Erschütterung aber ist, hängt weniger davon ab, wie schwer die Krise ist; entscheidend ist vielmehr, wieviel Stärke die jeweilige Person hat und wie autonom sie ein mögliches ‚existenzielles Vakuum‘ [Frankl] füllen kann. Die Reifeprüfung einer Person ist eine Krise, trotz der sich die Person nicht verfehlt. Dann zeigt sich, wie stark ihre Werte verankert sind und wie sehr die eigene Handungsorientierung erhalten bleibt. Eine reife und selbstbewusste, aus sich selbst heraus fortwährend sich weiterentwickelnde Person erträgt ein vorübergehendes ‚Vakuum‘, sie bleibt handlungs- und entscheidungsfähig.

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf.
Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!

Bertolt Brecht

Spielverderber Sokrates

Sokrates, mittlerweile ist sein Werk auch schon seit 2.400 Jahren unauslöschlich in der Philosophie verankert, fordert uns Sinntheoretiker immer wieder heraus. So ist seine Erkenntnis, dass kein Mensch Wahrheit zweifelsfrei feststellen kann, vielmehr diese stets nur den konkret beobachtbaren Dingen vorbehalten ist, ein echter Brocken. Insbesondere, wenn wir von unserer Seite behaupten, dass für jeden Menschen zu jeder Zeit Sinn im Leben gegeben ist. Konkret beobachtbar ist er nicht und doch – so postulieren wir – ist er da. Eine sokratisch-philosophische Frechheit also, oder?

Für Sokrates war alles jenseits der Wahrheit pure Behauptung. Und wurde diese auch noch als die einzig wahre hingestellt, war einem die Zornesröte im Antlitz des alten Griechen sicher. Sokrates als Verderber des Spiels mit Konjunktiven, Eventualitäten, Reduktionismen und Absolutismen.

Als wahr gilt im Alltagsverständnis, was einen beobachtbaren Ausschnitt real gegebener Umstände zutreffend beschreibt. Wahr ist also, dass ich gerade vor einem Bildschirm sitze. Wahr ist, dass ich schreibe. Wahr ist, dass es knapp 11 Uhr ist. Wahr ist – glaube ich – auch, dass ich mir all dem subjektiv gewiss bin. Aber so einfach ist es nicht. Wenn ich es als wahr ansehe, dass ich schreibe, so bekämen einige Neurowissenschaftler bei diesem Satz eine Schnappatmung. Schließlich ist es doch das Gehirn, das den Befehl gibt, etwas motorisches so zu tun, dass eine bestimmte Taste gedrückt wird.

Bei den Anhängern Freuds wäre das, was ich hier gerade als wahr ansehe nichts anderes als überschüssige Libido. Irgendeinem Trieb folgend und unter Beachtung einer sozialen Norm ist mein Ich nun dabei, zwischen diesen beiden zu vermitteln und so etwas zu machen wie diesen Text. Andere ‚tiefen‘ Psychologen sehen das alles wieder anders, aber im Kern formulieren auch sie mehr Überzeugungen darüber was ‚Mensch‘ ist, als Wahrheiten. Ihre persönliche Überzeugungen werden so sukzessive zu Gewissheiten, zu subjektiven Gefühlen des Überzeugt-Seins.

Menschen brauchen diese Gefühle persönlicher Gewissheit, doch eins sollten sie nicht: Den Blick auf das zu versperren, was wahr ist. Bezweifelt ein Mensch seine Gewissheiten nicht, dann geschieht aber genau das. Die Wahrheit geht im Moor der Gewissheit unter. Um an die Wahrheit zu kommen, müssen ‚felsenfeste Überzeugungen‘ und die bekannte ‚absolute Sicherheit‘ für eine Weile weichen. Und damit auch der ‚Glaube‘, das ‚Bauchgefühl‘, die ‚Wahrscheinlichkeit‘, die ‚Intuition‘, der Mythos gemeinsam mit anderen sei man schlauer, Vorurteile und andere Nebengleise. Wahrheit braucht den rationalen, herrschaftsfreien Diskurs – mit anderen oder in der Selbstkommunikation.

Und wie ist das dann nun mit dem Sinn und der Wahrheit?

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Immer wenn ich versuche,
über meinen Schatten zu springen,
knipst jemand das Licht aus.

Volkstümliche Gemeinheit

Mens sana in corpore sano

Mens sana in corpore sano – selten wurde ein Sprichwort so oft so falsch übersetzt. Immer wieder als: ‚ein gesunder Geist ist in einem gesunden Körper‘ vorgestellt, wird kaum erkannt, dass mens die mentalen, also die im Gehirn stattfindenden Prozesse meint. Richtig wäre daher ein ‚gesunder Verstand‘ – während mit ’spiritus‘ das Geistige des Menschen thematisiert wird.

Dieser Unterschied ist für das sinnzentrierte Menschenbild Viktor Frankls wesentlich. Auf ihm aufbauend gehen in der ‚Logotherapie‘, in der Krisenprävention Life2Me® und im sinnzentrierten Coaching von einem Menschen aus, der neben seiner körperlichen und seiner psychischen Dimension auch über eine geistige verfügt. Während die ersten beiden ihn als ‚Menschen‘ auszeichnen, ist das Geistige der spezifisch Humane, mit dem der Mensch sich als ‚Mensch in Welt‘ versteht. Ein Mensch, der letztlich alles nur auf sich selbst bezieht und bestrebt ist, einzig sich selbst zu verwirklichen, bleibt quasi ‚ins sich stecken‘. Erst die Fähigkeit des Menschen sich selbst ‚zu vergessen‘ [sich zu transzendieren] und sich einer Sache oder einer Person hinzugeben, die er eben nicht selbst ist, bringt seine geistige Dimension zum Vorschein. Nur mit der Aktivierung des Geistigen vermag der Mensch Sinn zu finden – denn: Sinn kann man nicht machen, er ist kein Produkt des Gehirnverstandes, sondern ist stets in der Welt und steht bereit, vom Menschen gefunden zu werden.

Während Körper und Psyche erkranken können, bleibt das Geistige per se gesund. Jedoch kann das Psychophysikum das Geistige blockieren. Zum Beispiel, wenn in einer Krise die Angst den Menschen flutet und er sich den Sinnangeboten in der Welt nicht anzunehmen vermag. Dabei ist zu bedenken, dass sich Angst nur deshalb zeigt, weil der Mensch frei ist und Verantwortung hat. Wenn er dies nicht wäre, welchen Zweck hätte dann Angst?

Das Geistige ermöglicht es einem Menschen, den Sinn im Leben zu erfassen, der auf ihn wartet und zur ‚ErWARTung‘ wird. Und für die Aufgabe, die das Leben ihm stellt, eine ‚EinSTELLung‘ zu haben. Und bei jeder Sinnmöglichkeit zu merken, dass ihm die Gelegenheit gegeben ist, Werte zu verwirklichen. Dazu dient seine ‚AufMERKsamkeit‘ – die um so besser entwickelt ist, je bewusster die Werte sind, die der Mensch hat. Bleiben sie vage, diffus oder sind sie nicht differenziert hinsichtlich ihres Ursprungs, dann erscheint auch der ‚wartende‘ Sinn als einer, dem man nicht vertraut, für einen selbst da zu sein. Sind die Werte unklar, dann auch das ‚SelbstVERTRAUEN‘.

Gerade aus der Krisenberatung wissen wir, dass Werteklarheit den zentralen Beitrag leistet, damit ein Mensch sich nicht verfehlt. Dazu dient Selbstaufklärung. Mit seinen ‚klaren‘ Werten hat der Mensch ein unverlierbares Sein. Durch sie Sinn zu finden und mit ihm diese Werte zu verwirklichen, führt den Menschen in ein gelingendes Leben, das selbst dann, wenn eines Tages alles ‚gewesen‘ und das menschliche Wesen aus der Sichtbarkeit gegangen sein wird, für immer ‚geborgen’ bleiben wird. Vermag der Tod auch das Körperliche und das Psychische zu beenden, das Geistige bleibt unauslöschlich.

„Die Neugier steht immer
an erster Stelle eines Problems,

das gelöst werden will.“

Galileo Galilei

Positiv denken

Ein positiver Denkstil ist schon etwas Feines. Mit ihm wird der Glaube mitgeliefert, Situationen positiv verändern zu können. Beurteilt ein Mensch eine Situation positiv, dann vermeidet er dabei Verallgemeinerungen und schaut vielmehr auf die die Situation auszeichenden unterschiedlichen Gegebenheiten. So entdecken diese Denker auch in der misslichsten Lage etwas Positives und damit etwas, was ihr Selbstwertgefühl nicht schwächt. Diese Haltung zu sich selbst ermöglicht das Freisetzen von Energien zur Bewältigung von Problemen.

Ist ein derartiger Denkstil fester Teil der Persönlichkeitsarchitektur der Person – und nicht lediglich ein antrainiertes positives Denken – dann spricht die Wissenschaft vom ‚dispositionellen Optimismus‘. Eine solche Person besitzt dann eine durchgängige, auch angesichts von Misserfolgen und Schicksalsschlägen überdauernde, hoffnungsvolle Lebenseinstellung. Gemessen werden soll dieses Persönlichkeitsmerkmal mit dem Life-Orientation-Test. Personen mit einer optimistischen Lebenseinstellung haben ihre positiven Ergebniserwartungen auf viele unterschiedliche Situationen generalisiert und vertrauen auf den für die jeweilige Situation bestmöglichen Ausgang. Ob die Dinge sich von allein – im Sinne von ‚Glück gehabt‘ – entwickeln oder ob die Person ihre Lebenslage selbstkontrolliert und mit eigener Anstrengung in eine für sie positive Richtung verändert, bleibt in der Forschung jedoch unberücksichtigt.

Wer seine Pflicht erfüllt, hat Charakter.
Wer nur seine Pflicht erfüllt, hat keinen.

Hellmut Walters