Hervorgehobener Artikel

FÜR IHR RECHT AUF EIN GELINGENDES LEBEN: KRISENPRAXIS
Seit Januar 2014 leisten wir mit unseren Impulsen und Anregungen einen Beitrag zur Entwicklung und zum Ausbau individueller Krisenkompetenz. Dabei stützen wir uns immer wieder auf die Sinntheorie des Wiener Psychologen und Menschenfreunds Professor Viktor E. Frankl. Die KrisenPraxis wird unseren Leserinnen und Lesern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Menschenbild des Behaviourismus

Auch das Menschenbild des Behaviorismus ist wie bei der Psychoanalyse auch vom Konzept eines biologischen Materialismus geprägt. Auch hier hat das Geistige keinen Raum, Begriffe wie Seele, Transzendenz oder Geist werden nicht besprochen. Da das menschliche Seelenleben selbst nicht beobachtbar und messbar ist, sich lediglich Verhalten und innere physiologische Vorgänge messen lassen, wird der Mensch anfänglich reduziert auf seine Reiz-Reaktions-Schemata.

Da es über die Zeit aber wissenschaftlich interessant wurde, danach zu fragen, was sich zwischen Reiz und Reaktion abspielt, führte man mit der Organismus-Variable eine erklärende Instanz ein. Als nicht messbares Konstrukt versteht man sie als Set von Gehirnstrukturen, die zwischen sich vollziehenden physiologischen Abläufen vermittelt. Trotz dieser Instanz interessiert das kognitive und affektive Erleben des Menschen weiterhin aber nicht. Dies wird lediglich als Äußerung des Verbalverhaltens aufgefasst und nur als solches einer Analyse unterzogen.

Auch der Behaviorismus ist daher streng deterministisch gefärbt. Organische Strukturen und Umweltfaktoren bedingen den Menschen. Sein Verhalten wird ausschließlich erklärt durch Prozesse der Konditionierung. Verhalten, dessen Foigen angenehm und lustbetont sind oder durch das unangenehme Foigen verhindert werden kann, wird verstärkt. Bleibt der Erfolg nach einem gezeigten Verhalten aus, so wird es ‚gelöscht‘. Wiederum ist der Regelmechanismus des Verhaltens das hedonistische Lust-Unlust-Prinzip. Willensfreiheit findet sich hier ebenso wenig wie im Konzept der Psychoanalyse. Auch Aussagen über die ‚Natur‘ des Menschen sucht man vergeblich. Gewissen – im sinnzentrierten Menschenbild Frankls von großer Bedeutung – ist im Behaviourismus nicht mehr als bloß ein konditionierter Reflex.

Verhalten des Menschen ist weder gut noch böse, sondern entweder angepasst oder unangepasst. Da der Mensch als Summe von Konditionierungen verstanden wird, ist er prinzipiell im Rahmen seiner konstitutionellen Möglichkeiten ‚machbar‘. Skinner, einer der Begründer dieser Schule, entwarf entlang dieses Gedankens das utopisch anmutende Bild einer Gesellschaft, die durch eine völlige psychologische Kontrolle ‚befriedet‘ ist.

Das Gewissen ist die innere Stimme,
die uns warnt,
weil jemand zuschauen könnte.

Henry Louis Mencken

Verantwortungsstatue

“Freedom, however, is not the last word. Freedom is only part of the story and half of the truth. Freedom is but the negative aspect of the whole phenomenon whose positive aspect is responsibleness. In fact, freedom is in danger of degenerating into mere arbitrariness unless it is lived in terms of responsibleness. That is why I recommend that the Statue of Liberty on the East Coast be supplemented by a Statue of Responsibility on the West Coast.”

Viktor E. Frankl

Nun nimmt das gewaltige Projekt konkrete Formen an. Sehen Sie selbst.

Reflexion der Verletzung kindlicher Bedürfnisse

In verschiedenen psychologischen Theorien wurden die Grundbedürfnisse von Menschen zusammengestellt. Klaus Grawe, führender Wissenschaftler in der Psychotherapieforschung, stellt vier Grundbedürfnisse heraus:

  • Bindungsbedürfnis
  • Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
  • Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung

In der therapeutischen Praxis steht meist die konkrete Verletzung kindlicher Bedürfnisse im Fokus, die sich an Grawes Ordnungsrahmen orientieren:

  • Sichere Bindung zu anderen Menschen haben (Sicherheit, Stabilität, nährende Zuwendung und akzeptiert werden)
  • Autonomie, Kompetenz und Identitätsgefühl entwickeln können
  • Freiheit, berechtigte Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken
  • Spontaneität und Spiel
  • Realistische Grenzen gesetzt bekommen und selbst die Kontrolle innehaben

Ob es zur Verletzung kindlicher Bedürfnisse gekommen ist, können Menschen zuweilen nicht erinnern. Sie äußern dann eher vage Vermutungen oder spüren subtil, dass irgendetwas nicht ganz in Ordnung war. Manchmal vermag die Reflexion von Fähigkeiten [in Anlehnung an Nussbaum], etwaigen ‚Verletzungen‘ in der Vergangenheit nachspüren zu können. Dahinter steht die These, dass dauerhaft verletzte Bedürfnisse dazu führen, dass der Mensch nur in eingeschränktem Maße Fähigkeiten dieser Art entwickelt:

  • Fähig zu sein, bis zum Ende eines vollständigen menschlichen Lebens leben zu können [dies bedingt z.B. die Fähigkeit, sich von lebensschädigenden Substanzen fernhalten oder Risikoverhalten eindämmen zu können].
  • Fähig zu sein, eine gute Gesundheit zu haben [Ernährung, Unterkunft, Sexualität[ – dies bedingt die Fähigkeit zur Selbstfürsorge, der autonomen Willensäußerung usw.
  • Fähig zu sein, unnötigen Schmerz und Leid zu vermeiden [hierzu gehört auch die Fähigkeit zur Krisenprävention].
  • Fähig zu sein, zu phantasieren, zu denken und zu schlußfolgern.
  • Fähig zu sein, auch emotional Bindungen zu Dingen und Personen zu unterhalten.
  • Fähig zu sein, sich ein Bild von einem guten Leben zu machen [Lebensentwurf].
  • Fähig zu sein, soziale Interaktion in Form von Mitgliedschaft, Freundschaft, Beruf usw. auszuüben.
  • Fähig zu sein, in Anteilnahme für und in Beziehung zu Tieren, Pflanzen und zur Welt der Natur zu leben.
  • Fähig zu sein, zu lachen, zu spielen, zu genießen usw.
  • Fähig zu sein, das eigene Leben zu leben [dies bedingt die Klarheit des eigenen Wertesystems].

Haben Sie alle Fähigkeiten in Ihrer Wahrnehmung hinreichend entwickelt? Wem oder welchen Umständen könnten Sie dafür danken?

Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will, dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.
Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll, und dann kann ich auch, wenn ich muss.
Denn schließlich: Die können sollen, müssen wollen dürfen!

„Ich habe niemals danach gestrebt, der großen Menge zu gefallen; denn was ihr gefiel, habe ich nicht gelernt, und was ich wußte, das lag weitab von ihrem Begreifen.“

Epikur

Kleine Krisenpräventionsübung – IV

Stil 11: Ich finde meinen Platz im Leben durch Charme und Witz. Oft sind die anderen damit ganz leicht dazu zu bewegen, das zu tun, was mir nützlich ist. Ich gleiche einem Nesthäkchen in einer Familie, dem alles irgendwie zugetragen wird.

Stil 12: Nichts gelingt mir richtig gut. Ich habe zwei linke Hände und ich bin unbeholfen. Deshalb beschränke ich mich, wenn irgend möglich auf das, womit ich Erfolg habe. Verantwortung kann mich so sehr belasten, dass ich gerade dann besonders versage. Andere nehmen mir vieles ab, da es ihnen ja leichter fällt. Ich fühle mich weniger fähig als die anderen und ihnen unterlegen.

Stil 13: Ich halte meine Gefühle und spontanen Reaktionen zurück. Ich fürchte, dass ich sonst die Situation vielleicht nicht mehr kontrollieren könnte. Ich verlasse mich lieber auf meinen Verstand. Probleme sind eben nur mit Vernunft zu lösen. Ich schätze den Intellekt, die Logik und eine vernünftige — nicht gefühlsbestimmte — Sprache. Gemeinschaft bedeutet mir nicht allzu viel.

Stil 14: Ich hasse Routine und suche Abwechslung, Spannung, Abenteuer. Ich könnte ein Spieler sein. Wenn das Leben monoton wird, scheue ich oft keine Mühe, damit wieder etwas los ist. Ich brauche andere Menschen, die für mich interessant sind und von denen ich Spannung und Abenteuer erwarten kann. Manchmal ziehe ich mich auch von anderen Menschen zurück und suche Aufregung in Träumereien oder Phantasien.

Gut, nun sind Sie dran. Viel Freude bei Ihrer Reflexion.

Kleine Krisenpräventionsübung – III

Stil 8: Anforderungen des Lebens gegenüber bin ich häufig negativ eingestellt. Ich weiß stets eher wogegen ich bin, als wofür. Ich kann dabei meine Ablehnung offen zeigen. Ich kann sie aber auch zum Ausdruck bringen, indem ich mich passiv verhalte und die Wünsche und Forderungen anderer überhöre oder umgehe.

Stil 9: Ich bin ein Pechvogel. Mit mir will wirklich niemand tauschen. Anscheinend bin ich etwas Besonderes. Ich bin schon zu bedauern, aber da kann man eben nichts machen. Was ich schon alles an Unglücksfällen hatte und wie oft ich nur so eben noch daran vorbeigekommen bin! Ich hätte tatsächlich oft mehr Mitgefühl verdient!

Stil 10: Ich leide ähnlich wie der Pechvogel, aber ich leide für ein hohes Ziel oder Prinzip. Ich empfinde mich manchmal als ein Opfer all des Unrechts, das es um mich herum gibt. Märtyrer könnten sich so gefühlt haben. Manchmal demonstriere ich mein Leiden vor einem gleichgültigen Publikum.

Kleine Krisenpräventionsübung – II

Stil 4: Ich muss Recht haben und Recht behalten. Auf diese Weise kann ich mich über die anderen stellen. Richtig und falsch sind für mich die eigentlichen Kriterien. Für Unklarheiten und Ziellosigkeit habe ich kein Verständnis. Es ist für mich wichtig, möglichst wenig Fehler zu machen. Werden mir aber welche nachgewiesen, suche ich mich zu verteidigen, indem ich auf die Fehler hinweise, die auch andere machen.

Stil 5: Ich bringe mich dann am besten ein, wenn ich mich überlegen fühle. Daher meide ich Situationen, in denen ich nicht im Mittelpunkt stehen kann. Um mich in solchen Fällen von den anderen fernhalten zu können, vergrabe ich mich auch schon mal für längere Zeit in ein Hobby oder tue etwas, was eigentlich nichts bringt. Wenn ich nicht unter den Ersten oder Besten sein kann, bin ich unter den Letzten oder Schlechtesten – oder ich mache überhaupt nicht mehr mit.

Stil 6: Es ist für mich ganz wichtig, dass mich alle mögen. Bereits die Ablehnung durch einzelne Personen irritiert und stört mich. Ich reagiere auf Kritik besonders empfindlich und halte es für eine Niederlage, wenn ich irgendwo keine Zustimmung finde. Ich versuche zu spüren, was anderen Menschen gefallen könnte und ändere schon mal meine Meinung, wenn ich damit mehr Zustimmung finde. Ich sehe meinen Wert abhängig von den Wertschätzungen anderer Personen.

Stil 7: Ich will ein guter Mensch sein und stelle an mich höhere moralische Maßstäbe als es die anderen bei sich tun. Manchmal sind sie übermenschlich hoch, wenn ich zum Beispiel einen Fehler von mir für völlig unverzeihlich halte. Meine überhöhten Maßstäbe können mir das Gefühl geben, den anderen moralisch überlegen zu sein. Andere Menschen fühlen sich so durch mich öfter entmutigt.