Hervorgehobener Artikel

FÜR IHR RECHT AUF EIN GELINGENDES LEBEN: KRISENPRAXIS
Seit Januar 2014 leisten wir mit unseren Impulsen und Anregungen einen Beitrag zur Entwicklung und zum Ausbau individueller Krisenkompetenz. Dabei stützen wir uns immer wieder auf die Sinntheorie des Wiener Psychologen und Menschenfreunds Professor Viktor E. Frankl. Die KrisenPraxis wird unseren Leserinnen und Lesern kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Wer seine Pflicht erfüllt, hat Charakter.
Wer nur seine Pflicht erfüllt, hat keinen.

Hellmut Walters

Der steinige Weg zu einem menschenwürdigen Menschenbild

Bevor Immanuel Kant und andere große Denker das Zeitalter der Aufklärung einläuteten, war das Selbstverständnis des abendländischen Menschen das eines unfreien Wesens. Über die Zeit wurde dieses unfreie Wesen mündiger, klüger, forschender und machte auch sich selbst immer mehr zum Thema. Die Unfreiheit wurde nun in neue Kleider gesteckt. Erst wurde dem Menschen seine Abhängigkeit von seinen Trieben erklärt, dann von seinen Minderwertigkeiten. Dann war er ein Wesen, dass sich durch seine Rasse zu definieren hatte. Dann folgte die Epoche, in der Lernprozesse des Menschen mit ihrer Wirkung von Belohnung oder Bestrafung und die Einbindung des Menschen in sein Sozialsystem in den Fokus gerückt wurden. Der ewige Streit, ob nun eher ’nature‘ oder ’nurture‘ den Menschen ausmacht, führte mal zu einem Bild eines ‚durch Genmutationen und Selektionsprozesse entstandenen Evolutionsprodukt‘ oder hin zu einem ‚von den Elternbeziehungen und Umwelteinflüssen geprägten Sozialprodukt‘.

Je nach Blickrichtung wurde der Mensch aus seiner Unfreiheit in die Welt des ‚ein Mensch ist nichts anderes als …‘ geschubst. Und in dieser Welt des Ausgeliefertseins und der Ohnmacht befinden sich die meisten Menschen auch heute noch. Dass Menschsein ‚Verantwortlichsein im Angesicht des Freiseins gegenüber den Gegebenheiten naturhafter Bindung‘ [Karl Jaspers] bedeutet, kam in dieser Deutlichkeit erst durch Philosophen wie Scheler und Jaspers und in der Psychologie und Psychotherapie durch Viktor Frankl in die Welt. Für Frankl war es unerträglich, den Menschen reduziert zu wissen auf die Rolle des Opfers seiner ihn determinierenden Umstände. Frankls menschenzugewandte und wissenschaftliche Gegenreaktion wurde letztlich mit seiner Sinntheorie und Logotherapie konkretisiert. Durch Frankl wurde der trotz aller Bedingtheiten offene Gestaltungsspielraum des menschlich Geistigen [das Geistige des Menschen ist dabei weit mehr als der Gehirnverstand und umfasst die Fähigkeit der Zugewandtheit zur Welt, den Einsatz des Gewissens, das Wertfühlen und manches zutiefst Menschliche mehr] betont. Frankl ist es zu verdanken, dass selbst die aktuelle Hirnforschung, in der einzelne Strömungen den Menschen erneut reduzieren wollen – nun jedoch auf die Bedingungen, die aus deren Forschersicht das individuelle Gehirn dem Menschen als Wesensganzen vorschreibt – ins Hintertreffen geraten wird. Wohl dem, der sich das Bild des mündigen, zum Sinn strebenden Menschen nicht ersetzen lässt durch ein Bild eines vom eigenen Gehirn unmündig und willenlos gesteuerten Wesen.

Liebe zur Weisheit

Liebe zur Weisheit – das meint ‚Philosophie‘. Und was ist Weisheit? Für mich die Fähigkeit, mit der Frage nach Sinn umgehen zu können. Sinn ist das Wesentliche. Wissen ist das Wichtige. Mit Weisheit vermag der Mensch, zwischen wesentlich und wichtig zu unterscheiden. Das Gehirn überführt Wichtiges in Wissen. Das Gewissen überführt Wesentliches in Weisheit. Weisheit hat Wissen integriert. Wissen jedoch noch nicht Weisheit. Was wesentlich ist, ist immer auch wichtig. Was wichtig ist, ist jedoch nicht immer auch schon wesentlich.

Weisheit ist das individuell beste angewandte Gewissen hinsichtlich des besten angewandten Wissens. Während der Mensch für sich selbst viel wissen kann, führt ihn sein Gewissen dazu, es derart einzusetzen, dass es für andere Menschen zum Guten gereicht. Das Gewissen öffnet somit die Tür zwischen ‚dem Menschen als Selbst‘ und dem ‚Menschen in der Welt‘. Und das Gewissen öffnet die Tür, um den Teil der Welt ins Selbst zu lassen, der dem Menschen selbst gut tut. Dass sich die Tür öffnen und schließen kann, ist weise. Weisheit ist der geistige Umgang mit der Grenze zwischen Selbst und Welt. Das Gefühl dieser Weisheit nennt sich Liebe.

Jüngst wurde ich gefragt, wann die Krisenpräventionsarbeit für einen Menschen
abgeschlossen ist. Ich antworte gern mit Goethe:
„So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muss sie für fertig erklären,
wenn man nach Zeit und Umständen das Mögliche getan hat.“

Wir haben das uns Mögliche getan und begrüßen Sie nun nach zweijähriger Planungs-, Konzeptions-, Pilotierungs- und Programmierungszeit bei

Life2Me®

Unser Angebot für Ihre individuelle Krisenprävention.

Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen,
bevor sie offensichtlich werden.

Oscar Wilde

Präsidiale Persönlichkeitsmerkmale

Auf allen Kanälen: Mr. President. Warum wurde er gewählt, was ist nur mit den Amerikanern los, ein Psychopath an der Macht, man bekommt es bei ihm mit der Angst zu tun, welch ein Narzisst, der trumpelt alles nieder …

In der Beobachtung und Interpretation des präsidialen Verhaltens erscheint – und hier seien einige Deutungen aus den letzten zwei Wochen aus TV-Beiträgen wiedergegeben – eine Person, die

  • der Komplexität der Welt mit Entscheidungen begegnet, die auf exklusivem Machtanspruch beruhen
  • sich nicht auf breiter Basis berät, um ausgewogene Entscheidungen zu treffen und dies selbst bei Themen, für die Zeit zum Diskurs gegeben wäre
  • temporeich frühere Handlungen anderer revidiert, eigene Handlungabsichten beurkundet und mit der Quantität seiner Absichten den Blick auf das, was wirklich in die konkrete Umsetzung kommt erschwert
  • rigide kurze schrille Töne sendet, die eine Kombination aus persönlicher Meinung und affekthafter Reaktion darstellen
  • schnell den ablehnt, der sich kritisch mit ihr auseinandersetzt und ihr dadurch bedingt, ’nahe‘ kommt
  • einem Masterplan zu folgen scheint, der einen Teil der Massen mit ’neuer Gerechtigkeit für die bisher Vergessenen‘ auf charmante Weise lockt und dem anderen Teil der Gesellschaft zuruft, sie wären die Ursache dafür, dass Amerika heute nicht mehr ‚groß‘ sei
  • die Politik geschäftsmäßig zu betreiben scheint, die dabei aber in einer Weise strategiebefreit vorgeht, wie es ein Vorstand kaum längere Zeit ohne Intervention seiner höheren Aufsichtsebenen ausleben könnte
  • die Grenzen, die ein demokratisches System auszeichnet, austestet, diese Grenzen damit im Kern in Frage stellt und damit an sich behauptet, dass es Fragen gibt, für die es innerhalb der demokratischen Grenzen keine Antworten gibt und die Antworten, die sie geben will, sich ergo nur außerhalb dieser Grenzen finden ließen
  • leicht beeinflussbar ist, wenn man ihr direkt einen Deal anbietet, der ihr die Möglichkeit gibt, diesen als ihren darzustellen
  • an vielen Stellen Wissen darüber vermissen lässt, wie sich die Welt in den Nachkriegsjahren zu einer neuen Weltordnung bereits geformt hat, deren Geburt sich auf Sicht der kommenden Jahrzehnte nicht mehr aufhalten lassen wird, allemal nicht mit Verhütungsmitteln eines Protektionismus, dessen Haltbarkeitsdatum längst überschritten ist
  • an manchen Stellen Einzeldaten benennt [Unwuchten in der Verteilung der Verteidigungskosten der NATO-Mitgliedsländer, in der Außenhandelsbilanz Deutschlands, im Abwandern amerikanischer Unternehmen ins Ausland, …], die zu kritisieren angemessen sind, deren Veränderung sich jedoch nicht dadurch bewirken lässt, indem einseitig versucht wird, die Uhr in anderer Richtung mit dem Schlüssel aufzuziehen
  • ….

Nun haben nur wenige Menschen Mr. President persönlich je gesprochen. Mediale Inszenierungen, Biografisches und Twittergewitter sind die weitgehend einzigen Quellen. Mehr aber haben wir von vielen anderen [politischen] Würdenträgern auch nicht verfügbar. Also kann der Versuch unternommen werden, den Teil des Verhaltens genauer anzuschauen, der am stärksten zu uns durchdringt – das Kommunikationsverhalten.

Wenn wir annehmen, dass kommunikatives Verhalten darauf setzt, psychische Bedürfnisse zu befriedigen, dann lohnt ein Blick in ein Verfahren, mit dem genau dieser Zusammenhang aufgedeckt wird. Das Prozesskommunikationsmodell [PCM] von Taibi Kahler, das wir in Beratung, Therapie und Coaching nutzen, um Kommunikationskonflikte handhabbar zu machen, kennt sechs verschiedene Kommunikationsstile, die hinreichend voneinander abgegrenzt sind und es ermöglichen, auf die der Kommunikation vorausgehenden psychischen Prozesse ein Licht zu werfen.
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Alternative Fakten

Verschiedene Studien zur Arbeitsmotivation ‚belegten‘:
1. 2016 gingen 85% der Deutschen montags mit schlechter Laune in die Woche
2. im Januar schlägt sich schlechtes Wetter auf die Stimmung
3. nach Weihnachtsfeiern und vielen Terminen fällt man ins Jahresanfangsloch
4. unmotivierte Mitarbeiter sind kein saisonales Problem
5. zum Jahreswechsel Bilanz zu ziehen, kann die Stimmung trüben
6. mehr als 50% der Deutschen konnte sich 2016 vorstellen, ihren Arbeitgeber zu wechseln
7. Gründe: als ungerecht empfundenes Gehalt, schlechte Arbeitsatmosphäre, fehlender Respekt
8. aber: nur wenige suchen aktiv nach einem neuen Job
9. viele quittieren den Dienst, gehen aber weiter zur Arbeit
10 .wer 2016 beruflich unglücklich war, hatte in 70% der Fälle fehlende Entwicklungsmöglichkeiten
11. Karrierechancen werden immer geringer – die Unzufriedenheit steigt und so weiter und so fort

Wir bieten alternative Fakten:
ad 1. wer schlechte Laune hat, kann lernen, seine negativen Affekte herunterzuregulieren
ad 2. wem das Wetter im Januar das Gemüt belastet, der kann dann mit der Affektregulation beginnen
ad 3. statt zu feiern, kann man mit einem Therapeuten den Plan für die Affektregulierung erarbeiten
ad 4. wer das dann doch lieber im Sommer macht: auch okay
ad 5. Bilanz zu ziehen ist ohnehin Quark, denn was war, lässt sich eh nicht mehr ändern
ad 6. die anderen 50% haben offenbar keine Vorstellungskraft – diese kann auch trainiert werden
ad 7. Gehalt, Stimmung …: alles gute Gründe, die negativen Affekte regulieren zu lernen
ad 8. das ist schlau: wer will schon einen schlecht gelaunten Bewerber gegenüber sitzen haben
ad 9. das ist dumm, vor allem montags
ad 10. entwickeln kann man nur, was verwickelt ist. Schlechte Laune und Dummheit aber sind sichtbar.
ad 11. Karriere bedeutet etymologisch: ‚Fahrstraße‘. Ob diese Fahrstraße zum Berg oder ins Tal führt, kann nur der Lenker entscheiden.

„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über Deinem Haupte fliegen, kannst Du nicht ändern. Aber dass sie Nester in Deinem Haar bauen, das kannst Du verhindern.“

Chinesisches Sprichwort

Gedankensplitter ‚Bedürfnisse und Krisenprävention‘

Entlang der tiefenpsychologischen Tradition wissen wir um die vier Grundbedürfnisse des Kindes nach Bindung, Orientierung und Kontrolle, nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz sowie nach Lustgewinn und Unlustvermeidung.

Anders als bei vielen anderen Säugetieren, ist der Mensch lange Zeit vollkommen schutzlos und alleine nicht lebensfähig. Babys und Kleinkinder sind deutlich länger von ihrer Mutter, ihren anderen Bezugspersonen und ihrer sozialen Umwelt abhängig, das Bindungsbedürfnis wird daher zu einer Psycho-Logik. Da aber auch der Erwachsene aufgrund begrenzter physischer Verteidigungsmechanismen alleine kaum für seine Sicherheit sorgen und er diese nur arbeitsteilig mit anderen erreichen kann, bleibt das damit einhergehende Bindungsbedürfnis auch bei ihm erhalten, Um Bindung [er]leben zu können, sind Vertrauen und Kontinuität relevant. Die ‚Währungen‘, in denen diese beiden Werte ‚gehandelt‘ werden, können sich je nach Lebensalter verändern: zum Beispiel von einem Vertrauen, das sich in Geborgenheit zeigt bis zum Vertrauen, das durch lebendigen Wissenstransfer zum Ausdruck kommt oder dem Vertrauen, wichtige Lebensentscheidungen in die Hände eines anderen Menschen zu legen.

Ab dem Alter von zwei Jahren weiß das Kind, dass es ein ‚Ich‘ hat und versprachlicht dies entsprechend. Mit seinem ‚Ich‘ markiert der Mensch ab dieser Entwicklungsphase den Übergang zwischen seinem ‚Selbstsystem‘ und seiner ‚Welt‘. Sein Selbstsystem entfaltet sich immer stärker durch die Verarbeitung der Empfindungen, die auf ihn einwirken. Selbstbewusstsein, Selbststeuerung, Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstbestimmtheit, Selbstkontrolle, Selbstsicherheit, Selbstmotivation – all diese Selbst-Prozesse führen zum Selbst-Wachstum über das sich der Mensch über den Weg der Selbst-Reflexion sich selbst klar wird und dies mit der Instanz des Ich ’seiner‘ Welt mitteilt. Wird das Kind oder der Erwachsene aus seiner ‚Welt‘ im welcher derart empfundenen Weise auch immer angegriffen, entwickelt das Selbstsystem einen Schutz: Selbstschutz durch Abwehrmechanismen.

Das Empfinden von Fremdbestimmung, Manipulation, Diskreditierung kann einen solchen Selbstschutz bewirken, aber auch körperliche Gewalt bis hin zu Auslösern von Krisen, die den Menschen zum Selbstzweifel führen. Das ‚Ich‘ ist verunsichert, weil es sich nicht mehr auf den Schutz des Selbst verlassen kann. Der durch den Krisenauslöser verursachte Wegfall an Orientierung trifft im Selbst auf den Verlust von Kontrolle – das Ich weiß nun nicht mehr ‚ein‘ noch ‚aus‘.

Ab Kleinkindalter hat der Mensch das Bestreben, an Autonomie zu gewinnen. Da anfangs aber von seiner Umwelt komplett abhängig, entwickelt sich nun das Bedürfnis, den eigenen Selbstwert zu erhöhen und ‚Erniedrigungen‘ abzuwehren. Kommunikation wird zum wichtigen Bindeglied zwischen Selbstbildformung und Fremdwahrnehmung. Eigene Handlungen, Beobachtungen, Lernprozesse und soziale Interaktionen ermöglichen, das Selbstbild immer weiter zu entwickeln – ein nie endender Prozess, dessen Güte sich gerade dann beweist, wenn potenziell krisenauslösende Ereignisse es erfordern, an Grenzen zu gehen und die Situationen zu meistern.

Rückschläge und Niederlagen greifen das Selbstbild und mit ihm den Grad der Autonomie an. Steht dieser ‚Gefahr‘ ein entwickelter Grad an Selbstverantwortung gegenüber, der sich nicht bloß in ermutigender Selbstüberschätzung erschöpft, sondern die auch untermauert ist durch eine bewusst vollzogene Krisenprävention, dann sinkt die Abhängigkeit von externen Interventionen im Krisenfall.

Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung ist so alt wie die ersten Phasen in der Entwicklung der Psychologie. Dem Freud’schen Lustprinzip folgend wird ein Mensch seine Energie auch darauf verwenden, bei psychischem Schmerz die damit verbundenen Unlustgefühle zu beenden. Das ist interessant, zeigt es doch an, dass Menschen durchaus in der Lage sind, nicht nur Ziele, sondern auch ‚Antiziele‘ verfolgen zu können. Wird die Abwehr eines unangemessenen Umgangs mit einem Krisenzustand angestrebt und wird dies als positiv angesehenes Ziel verstanden, dann – nach Freud – braucht es zum Erreichen Lust, zum Beispiel in Form innerer Zufriedenheit, Stolz oder Genugtuung,

Aus unserer Perspektive trägt dieses Lustempfinden jedoch meist nicht lange genug. Die bessere Wirkung entsteht, wenn der Mensch ein ‚Wofür‘ hat, das sein Engagement in individueller Krisenprävention robust unterstützt. Leiste ich mit Krisenprävention einen Beitrag zur Gewinnung größerer Lebensfreude, die mich von stresshaften Gedanken zugunsten eines lebendigen Familien- und Berufslebens befreien kann, dann bin ich eher bereit, diese Aufgabe zu erfüllen als ’nur‘ mit in Aussicht gestelltem ‚Stolz‘ darauf, die mit der Krisenprävention verbundenen Aufgaben zu erfüllen.