Hervorgehobener Artikel

NENN ES: ICH NUTZE MEIN RECHT AUF EIN GELINGENDES LEBEN
Herzlich Willkommen in unserer KrisenPraxis. Seit Januar 2014 leisten wir mit unseren Impulsen und Anregungen einen Beitrag zur Entwicklung und zum Ausbau individueller Krisenkompetenz. Dabei stützen wir uns immer wieder auf die Sinntheorie des Wiener Psychologen und Menschenfreunds Professor Viktor E. Frankl. Die KrisenPraxis wird unseren Leserinnen und Lesern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wir freuen uns über jede Empfehlung.

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 10 Jahre]

Kinder ab 7 Jahre wissen zwar, dass es den Tod als Unterschied zum Leben gibt, begreifen aber noch nicht seine Bedeutung und Endgültigkeit. Die Akzeptanz des Todes ist noch nicht entwickelt.
Kindern in diesem Alter sollte daher

  • zugestanden werden, die aufkommenden Gedanken und Gefühle zeigen zu können und diese in Geborgenheit und Schutz besprechbar zu machen
  • besondere Aufmerksamkeit und Sicherheit zuteil werden, wenn sie sich unangemessen der eingetretenen Situation gegenüber verhalten
  • erfahren, dass ihre Fragen Ernst genommen werden und der Erwachsene bemüht ist, diese genau zu beantworten
  • Ehrlichkeit entgegen gebracht werden, wenn das Kind sich Sorgen macht, die Eltern könnten sterben – hier ist anzuraten, dem Kind einerseits zu sagen, dass auch Eltern sterblich sind, andererseits aber hervorzuheben, dass die Eltern noch vieles vorhaben, was sie mit ihrem Kind erleben wollen
  • ihr Glaube daran, durch eigenes Denken oder Handeln ein Todesgeschehen mit beeinflusst zu haben [z.B. durch den nach einem Streit gedachten Wunsch, der eigene Bruder sei besser nicht mehr da], auf sanfte Weise ausgeräumt werden
  • der Prozess des Krank-Werdens und das Vorgehen im Körper bei schweren Krankheiten kindgerecht erklärt werden
  • die Möglichkeit gegeben werden, sich erfreuende Vorstellungen darüber zu bilden, was nach dem Tod vorfindbar sein könnte ….

Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Einige Anregungen:

Schlecht: ‚Papa ist auf eine lange Reise gegangen.‘
Besser: Papa ist bei einem Unfall gestorben. Wir sind alle sehr traurig aber wir werden es zusammen schaffen dass es uns mit der Zeit wieder besser geht.

Schlecht: ‚Es ist Gottes Wille‘ oder ‚Gott hat ihn zu sich genommen, weil er so gut ist‘ oder ‚Er ist im Himmel bei den Engeln.‘
Besser: Großvater ist letzte Nacht gestorben. Wir werden oft an ihn denken. Wir können uns an die guten Dinge erinnern, die wir mit ihm erlebt haben.

Schlecht: ‚Großmutter schaut vom Himmel auf dich herunter (… es ist besser wenn du brav bist).‘
Besser: Großmutter war sehr sehr alt und ist gestorben. Sie wird in unserer Erinnerung immer bei uns bleiben.

Schlecht: ‚Max ist schlafen gegangen (er ist jetzt im Himmel).‘
Besser: Max war sehr sehr krank und die Krankheit hat ihn sterben lassen. Niemand weiß wirklich, ob er jetzt im Himmel ist. Manche Leute glauben das, andere nicht.

Wer mit dem Strom schwimmt,
erreicht die Quelle nie.

Peter Tille

 

Die Quelle der Persönlichkeit
sind die Werte der Person.

Ralph Schlieper-Damrich

Welche Einstellungen fördern individuelle Krisen?

Ja, es gibt sie noch: Allwissenphantasien, Sicherheitsillusionen, Selbstbeschränkungsideologien, Verantwortungslosigkeit. Sie zeigen sich in der Vorstellung ‚ich bin bestens qualifiziert‘, ‚mir kann das nicht geschehen‘, ‚man muss mich so nehmen wie ich bin‘, ’nach mir die Sintflut‘ …. – wer diese Register zieht, hat sich selbst eine veritable Voraussetzung dafür geschaffen, um zu scheitern.

Aber auch diese treffen wir an: Lernen jenseits bekannter Pfade, Respektlosigkeit vor Fremdbestimmungsversuchen, Reflexivität und Ressourcenbewusstsein, Gestaltungsfreude und Trennungskompetenz [im Sinne bewusst vollzogener Destabilisierung durch Abtrennung des vermeintlich Wichtigen bei gleichzeitiger Stabilisierung des im Kern Wesentlichen]. Meist finden wir dies bei Menschen, die das Neue nicht mit Risiko gleichsetzen, die im Handlungsmodus bleiben und nicht darauf warten, dass sich um sie herum schon irgendwann die Lage derart verbessern wird, dass auch sie ein Stück davon abbekommen werden. Und bei Menschen, die einen Satz von Viktor Frankl in ihrer Einstellung zeigen: „Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte, der dem Leben zu antworten, das Leben zu ver-antworten hat.“

Krise oder: das ‚Problem mit der Problemlösung‘

Anders als im deutschen Sprachraum wird Krise im Englischen nicht nur als bereits eingetretene Situation verstanden, sondern ebenso gelten bereits absehbare, die individuelle Stabilität gefährdende Ereignisse als Krise.

„Any event that is, or expected to lead to, an unstable and dangerous situation“ … „situation of a complex system, when the system functions poorly, an immediate decision is necessary, but the causes of the dysfunction are not known“

Bedenkt man weiterhin die völlig unterschiedliche Nutzung des Krisenbegriffes in der Medizin, der Wirtschaft, der Psychologie und anderen Disziplinen, dann empfiehlt sich als Klammer um alle Beschreibungen herum, eine Krise als individuelle Hypothese eines Beobachters über den Zustand eines Systems anzusehen, dessen relevante Funktionen zusammenzubrechen drohen, ohne dass gewusst wird, wie dieser Zusammenbruch zu verhindern ist.

Könnte ein solcher Zusammenbruch verhindert werden, könnten also Interventionen genutzt werden, deren Wirkweise bereits als gut bekannt sind, dann wäre die Situation nur ein ‚Problem mit einem mehr oder minder hohem Schwierigkeitsgrad‘ und die Intervention eine leistbare Aufgabe, die sich ergibt aus der Ist-Soll-Differenz im beobachteten System.

Eine Krise hingegen konstituiert sich, wenn der Beobachter seine Hypothese zu einem Problem macht und in dessen Folge ein ‚Problem mit der Problemlösung‘ erfährt – wir sprechen hierbei von einem Problem zweiter Ordnung. In unserer Krisenpraxis erleben wir zum Beispiel Patienten, die aus Angst, an einer Krankheit zu erkranken, die es vermehrt in der eigenen Familie gab, dass diese Patienten alle erdenklichen Kontrolluntersuchungen in Gang setzen. Führen diese Kontrollen zu keinem Ergebnis [der Patient hat nun ein Problem zweiter Ordnung], bleibt der Bedrohungszustand aus Sicht des Beobachters erhalten und wird nun als Krise empfunden [’selbst die Ärzte sind unfähig und finden meine Krankheit nicht]. Ein ‚weiter so‘ oder ein ’noch mehr davon‘ ist spätestens in dieser Situation unzweckmäßig. Die Situation erzwingt förmlich die ‚Musterbrechung‘ [was landläufig und aus unserer Sicht völlig unpassend als ‚Chance‘ tituliert wird] – ergo ein Umgang mit der Situation, der bei genauerer Analyse der individuellen Bewertungs- und Bedeutungsgebungsprozesse bereits meist viel früher hätte neu konzipiert werden können.

Unsere Krisenpräventions-These lautet daher: Nicht Krisen schaffen Entscheidungsspielräume, sondern die Klärung individueller Werte und der auf ihnen basierenden individuellen BeWERTungen ermöglicht rechtzeitige verantwortungsvolle Korrekturentscheidungen. Und diese Korrekturen schließlich mindern die fatalen Wirkungen einer Krise und erhalten die Handlungsfähigkeit im Umgang mit der Belastungssituation.

Das Erleben einer Unternehmenskrise – III

Fortsetzung von Teil II

Zeigen sich die Grenzen des möglichen Aufbäumens, beginnt die Phase intensiver Verhandlungen und die Suche nach ‚echten‘ Auswegen und Optionen. Das Management zeigt erstmals die Bereitschaft, sich unterstützen zu lassen, zuweilen einhergehend mit spürbarer Erleichterung bei den Führungskräften, die ein solches Vorgehen schon weit früher als hilfreich angesehen haben, dies zu sagen oder gar darauf zu drängen, sich aus welchen Gründen auch immer nicht zutrauten.

Wird diese Phase professionell gestaltet, dann sind zeitnah Ergebnisse in Form begrenzter Krisenfolgen spürbar, zum Beispiel dadurch, dass Banken ihre Kreditzusagen nicht in Frage stellen, wichtiger Mitarbeiter das Unternehmen nicht verlassen oder Lieferanten die Treue zur Firma aufrecht erhalten. Gelingen diese Sofortmaßnahmen nicht, breitet sich eine depressiv-resignativ-lähmende Stimmung aus, der in der Regel nurmehr durch externe, strategisch wie operative Sanierungsberatung begegnet werden kann. Umsicht und Nachvollziehbarkeit im Handlungsvollzug ermöglichen es, die Situation zu akzeptieren so wie sie ist und den Fokus auf das auszurichten, was für einen Reset der Organisation notwendig ist. Alte Zöpfe verschwinden, die Organisation beginnt, sich an ein neues Fahrwasser zu gewöhnen. Dennoch bleiben die gemachten Erfahrungen nicht ohne Spuren: Individuelle Verletzungen werden nun erinnert und rufen nach Ausgleich, die Angst, doch noch zu scheitern, bleibt aktiv. Gelingt es letztlich, diese Entwicklung gut zu vollziehen, erlebt man eine Organisation, in der wieder verantwortungsbewusst konkrete Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden.

Das Geheimnis des Wandels:
Konzentriere nicht all Deine ganze Kraft
auf das Bekämpfen des Alten,
sondern darauf, das Neue zu formen.

Sokrates

Das Erleben einer Unternehmenskrise – II

Fortsetzung von Teil I

Der Schockphase folgt eine Form der Verleugnung. Dass sich das Unternehmen in einer existenziellen Krise befindet, wird negiert und die Situation kleingeredet – oft in der Weise, dass temporäre konjunkturelle Einflüsse für die aktuelle Lage herangezogen werden. Die Wirkung dieser irrationalen Haltung, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes zu setzen, erkennen Außenstehende daran, dass Führungskräfte wie paralysiert unfähig erscheinen, Entscheidungen zu treffen, eben weil das Heil in der erhofften Änderung der äußeren Lage gesucht wird. Hat sich diese Haltung manifestiert, erscheint ein Management zuweilen kollektiv im ‚Vogel-Strauß-Modus‘ und externe Empfehlungen hinsichtlich radikalerer Veränderungen werden abgewehrt.

‚Gehorcht‘ der Markt letztlich nicht und eine Besserung ist weiterhin nicht in Sicht, erlebt man in einer krisenbelasteten Organisation eine Art ‚Aufbäumen‘ bei gleichzeitiger Beschau der Tatsachen. Noch so unwahrscheinlich wirkungsvolle Maßnahmen werden erwogen, Entscheide werden hektisch und emotionalisiert getroffen, ihre Zweckdienlichkeit kaum mehr hinterfragt. Das Konfliktpotenzial innerhalb des Managements, des Managements und interner oder externer Peers oder auch des Managements mit externen Beraterpartnern steigt enorm an – vielfach sucht man nun Lösungen durch Einsatz von rechtlichen Mitteln. Diese fördern zwar das positive Gefühl, nicht handlungsunfähig zu sein, konterkarieren jedoch oftmals die zwischenzeitlich eingetretenen, deutlich reduzierten Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund von Machtverschiebungen zum Beispiel in Richtung Fremdkapitalgebern oder Wettbewerbern.

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 6 Jahre]

Kindern im Alter von 5 und 6 Jahren ist noch nicht bewusst, dass jedes Lebewesen eines Tages sterben wird. Jedoch sind sie in ihrer Entwicklung so weit gereift, dass ihnen im Falle des Todes zum Beispiel eines Familienmitglieds, eines Freundes oder auch eine Tieres die Situation auch als ‚Tod‘ konkret benannt werden kann.

  • Kinder nehmen in diesem Alter alles, was ihnen gesagt wird, wortwörtlich. Versuchen Erwachsene, einen Todesfall mit anderen Begriffen zu umschreiben, riskieren sie deutliche Irritationen und Vertrauenseinbußen, die meist dann entstehen, wenn das Kind von anderer Stelle mit der ‚Wahrheit‘ konfrontiert wird
  • Vermeiden Sie starke Emotionalisierung und Nervosität in Ihren Gesprächen mit Kindern in diesem Alter – je mehr Sie die Lage aufgeregt darstellen, umso intensiver wird sich das Kind für die Situation und die Wirkung auf Sie interessieren
  • Erlauben und ermuntern Sie das Kind, Fragen zu stellen, wenn es welche hat. Erlauben Sie sich selbst, dem Kind zu sagen, dass es Ihnen womöglich nicht möglich ist, alle Fragen zu beantworten
  • Weichen Sie in keinem Fall aus, wollen Sie nicht Gefahr laufen, dass das Kind ein Geheimnis vermutet – erinnern Sie sich, wie Sie selbst als Kind mit ‚geheimen Sachen der Erwachsenen‘ umgegangen sind. Erhält ein Kind in diesem Alter keine Antwort, dann findet es sie woanders
  • Klarheit und Stütze helfen vermeiden, dass ein Kind seine offenen Fragen mit Fantasien oder Ängsten ‚ausgleicht oder sein Bedürfnis nach Sicherheit und Verlass als bedroht empfindet …

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 4 Jahre]

Für Kinder unter vier Jahren stellt der Tod noch nichts Bedeutungsvolles dar, insbesondere ist die Endgültigkeit, die der Tod markiert, für das Kind noch nicht erfassbar. Wichtig ist daher, dass Bezugspersonen, die zum Beispiel in der Trauer um einen Menschen stehen, nicht vergessen, dass das Kind

  • mindestens eine vertraute Bezugsperson braucht, die ihrerseits sich ihm emotional zuwendet, es ermutigt und die von ihm gezeigten Gefühle zulässt
  • klare Strukturen und Abläufe wie Essenszeiten, gemeinsames Spielen, Gutenachtgeschichte benötigt
  • einen Lernprozess beschreitet, indem es einen Verlust zu überwinden lernt, selbst wenn er mit großer Trauer und tiefem Schmerz verbunden ist
  • in altersgerechten Erzählmodus über Trennung, Sterben, Abschied, Tod mehr erfahren soll, zum Beispiel durch den Einsatz von Märchen oder Parabeln
  • nach und nach den Tod anhand der Prozesse in der Natur, zum Beispiel bei Pflanzen oder einem Tier zu verstehen lernt
  • lernen soll, dem Tod mit aktiver Handlung entgegenzutreten, zum Beispiel, indem man es ermuntert, einen Grabschmuck zu fertigen
  • nicht von Erinnerungen abgekoppelt werden soll, sondern vielleicht angeregt wird, eine Sammlung kleiner Erinnerungen an das, die oder den Verstorbene[n] zusammenzutragen…