„Wie geht’s“ – IV

Fortsetzung vom 17.4.19

Warum Krisenprävention so hilfreich ist

Die vier großen K [Konflikt, Krankheit, Krise, Katastrophe] sind mehr oder minder lange Zeiträume mit starker emotionaler Aufladung. Angst Verzweiflung, Wut, Trauer oder Scham führen in eine psychische Verfassung, die nach Abwehr ruft. Versuche, solchen Situationen mit Weglächeln oder Ignoranz zu begegnen, schlagen meist fehl. Dahinter steht oft der Irrtum, dass man Emotionen unterdrücken sollte, um dem Umfeld eine vermeintliche Schwäche nicht anzuzeigen oder um sich nicht selbst einer vernünftigen Lösung der Situation zu entsagen. Viele Menschen kennen zum Beispiel bei Todesfällen den Umstand, dass man einfach nur noch funktioniert, um allen Anforderungen zum Beispiel von Ämtern zu genügen. Hierfür braucht es zwar wirklich einen kühlen Kopf, dennoch merken viele Menschen schnell, dass sie sich die Zeit für die emotionale Verarbeitung der Situation ebenso nehmen müssen. Das ist auch gut so, denn Emotionen sind weder bloße Begleiterscheinun­gen noch in ihrem Erscheinen verallgemeinerbar. Im Gegenteil, sie sind höchst individuelle Hinweise auf den Belastungsgrad, die Bedeutung des Ereignisses, die Bewertung der Situation und die Nähe der eigenen Person zum Tod [sei es einer Person oder auch einer Aufgabe, von der man Abschied nehmen muss].

Wenn man nun im Rahmen einer Krisenprävention die eigenen Emotionen erkundet [obwohl ein konkretes Krisenereignis noch gar nicht eingetreten ist], dann hat man eine Grundlage dafür, wie man sich steuern und regulieren kann, wenn eine extreme Belastung wirklich eintreten sollte [und jeder Mensch kann sich sicher sein: irgendwann kommt eine solche Situation]. Kommt die Krise unvorbereitet, dann liegt es für die Psyche nahe, einen Abwehrmechanismus zu starten [zum Beispiel Leugnung, Aggressivität, Rationalisierung u.v.a.m.]. Diese Abwehr jedoch lässt sich nicht ewig aufrecht erhalten, versucht man es dennoch, sind psychische oder psychosomatische Wirkungen beobachtbar… [Fortsetzung folgt]

Wenn du wirklich glaubst,
dass die Umwelt weniger wichtig ist als die Wirtschaft,

dann versuch mal die Luft anzuhalten, während du dein Geld zählst.

Guy Mc Pherson

„Wie geht’s“ – III

Fortsetzung vom 14.4.19

Ein oft anzutreffendes Phänomen in Krisentherapie oder –coaching ist der ‚Abwärtsvergleich‘. Treten völlig neue Situationen mit persönlich negativem Einfluss ein und weiß die Person dann nicht, ob ihr Empfinden angemessen ist oder nicht, dann sucht sie nach vergleichbaren Situationen, die andere Menschen erleben oder erlebt haben. Das Ergebnis eines solchen Vergleichs ist oftmals stabilisierend und positiv [‚wenn ich es recht überlege, dann geht es anderen noch schlechter als mir]. Abwärtsvergleiche sind Bewertungen, die mit der Wirklichkeit, also dem Empfinden der verglichenen Person[en] nichts zu tun haben müssen.  Das Interessante an Abwärtsvergleichen ist daher, dass sie auch dann funktionieren, wenn man sich einen Menschen bloß vorstellt, dem es schlechter geht als einem selbst. Allemal trösten sie also die Person über die eigene Situation hinweg, und oft motivieren sie parallel dazu, ‚sich von sich selbst nicht alles gefallen zu lassen‘ [Viktor Frankl].

Ein Problem, das in diesem Kontext fast logisch erscheint, ist die reale Anwesenheit von Menschen, denen es noch schlechter geht als einem selbst.  Es scheint als würde in solchen Situationen das Gewissen der Person eingreifen und nicht zulassen wollen, dass man sich quasi auf ‚Vergleichskosten‘ mit einem anderen Menschen besser fühlt. Häufig wird daher die konkrete Anschauung des Leidens des Anderen als Bedrohung der eigenen Person angesehen – ‚so schlecht wie diesem Menschen wird es mir vermutlich auch ergehen‘. Als passende Copingstrategie hat sich daher bewährt, im konkreten Erleben sich Menschen zuzuwenden, die in ihrem Verhalten zeigen, dass es trotz des Leidens positiv nach vorne geht… [Fortsetzung folgt]

Das Leben ist schwer,
ein Grund mehr, es auf die leichte Schulter zu nehmen.

Unbekannt.

„Wie geht’s“ – II

… Fortsetzung vom 12.4.19

Die Kunst mit Stressoren fertig zu werden, die über das normale Maß hinausgehen, zum Beispiel bei Traumata, und sie so einzusetzen, dass ein erfüllendes, gelingendes Leben wieder möglich wird, braucht einen heilsamen, begleitenden Prozess. Ihn unterstützt in der Regel eine gute Psychotherapie. Die Gespräche in der Logotherapie gehören fraglos dazu. Das Erzählen ist ohnehin eine günstige Art und Weise, mit Lebenskrisen umzugehen und Traumata zu überwinden. Sprachlosigkeit hinter sich zu lassen und die Dinge beim Namen zu nennen, ist heilsam – oft ist dies aber nur in einem geschützten und diskreten Rahmen möglich. Ein Ort, in dem sich das Aufgewühlte wieder beruhigen kann und in dem Emotionen, die sonst vielleicht belächelt würden, möglich sind.

Die Erzählungen aus dem unmittelbaren Kontext werden dann eingebettet in die übergeordnete Lebensgeschichte – schließlich hat und ist jeder Mensch mehr als seine aktuelle Situation und sein aktuelles Verhalten. Interessant sich dann beim Übergang vom ‚Kleinen‘ zum ‚Großen‘ das Gegensätzliche, Gemeinsame, die Unterschiede und Muster. An diesen ‚Kipp-Punkten‘ entstehen oft die möglichen Ansätze hilfreicher Veränderung. Um zu Ihnen zu kommen, braucht die Erzählung verschiedene Ebenen. Auf der Oberflächenebene berichtet der Klient das Ereignis, die Details und ermöglicht dem Therapeuten [oder Coach …], sich von der Abfolge, den beteiligten Personen, dem Ort u.a. ein Bild zu machen. Auf der Innenebene beschreibt er, wie er emotional und mental auf das Ereignis reagiert hat, was in ihm vorging, was er dachte, wie er handelte. Und auf der Reflexionsebene schaut er, wie er das Erlebnis einordnet in seine Lebensgeschichte, welche Lösungswege ihm offen stehen, welcher Hindernisse sich auftun, was bereits gelang, welcher Lernprozess sich anbietet, wie sich Geschehenes für Zukünftiges nutzen lässt… [Fortsetzung folgt]

Manchmal beschließt unser Leben einen Weg,
den wir nie gehen wollten und erschließt sich dann,
als der beste Weg, den wir jemals 
eingeschlagen haben.

Unbekannt

„Wie geht’s?“ – I

„Wie geht’s?“ „Danke, alles gut, wie immer.“ Bei vielen Menschen läuft der Alltag in festen Bahnen, routiniert, zuweilen eintönig, irgendwie eben ‚wie immer‘. Wird das beschauliche Dasein aber durch die vier großen K, Konflikt, Krankheit, Krise, Katastrophe durcheinandergebracht, dann fühlt sich die erforderliche Anpassung an wie eine Lebensprüfung, von der man weiß, nicht genug für sie zuvor gelernt zu haben. Die Folge: Stress zum Abwinken. Und ist die ‚Dekompensationsgrenze‘ überschritten, auf Deutsch: das Maß ist voll, dann ist womöglich erst jetzt klar, dass der schwelende Konflikt, die Schmerzen, der Selbstzweifel, die Not nicht mehr alleine bewältigt werden können.

Vielleicht sind es auch äußere Bedingungen, die das Leben belasten, sei es die Unsicherheit der Rente, Terroranschläge, der Brexit, die rechte Gewalt oder andere gesellschaftliche Ereignisse. Manches davon kann so sehr unsicher machen, dass Menschen psychische Auffälligkeiten entwickeln. Oft können schon kleine Maßnahmen wie das berühmte tiefe Durchatmen, die kleine Entspannungsübung, der Sport, Yoga oder Meditation beitragen, die Situation besser zu handhaben. Manchmal aber reicht das nicht. Dann braucht es eine andere ‚Coping‘-Strategie, eine andere Art, mit Belastungen umzugehen … [Fortsetzung folgt]

 

Humor ist das Salz der Erde,
und wer gut durchgesalzen ist,
bleibt lange frisch.

Karel Capek

Ein Scherz, ein lachendes Wort entscheidet über größte Dinge
oft treffener und besser als Ernst und Schärfe.

Horaz