Das Leben ist schwer,
ein Grund mehr, es auf die leichte Schulter zu nehmen.

Unbekannt.

„Wie geht’s“ – II

… Fortsetzung vom 12.4.19

Die Kunst mit Stressoren fertig zu werden, die über das normale Maß hinausgehen, zum Beispiel bei Traumata, und sie so einzusetzen, dass ein erfüllendes, gelingendes Leben wieder möglich wird, braucht einen heilsamen, begleitenden Prozess. Ihn unterstützt in der Regel eine gute Psychotherapie. Die Gespräche in der Logotherapie gehören fraglos dazu. Das Erzählen ist ohnehin eine günstige Art und Weise, mit Lebenskrisen umzugehen und Traumata zu überwinden. Sprachlosigkeit hinter sich zu lassen und die Dinge beim Namen zu nennen, ist heilsam – oft ist dies aber nur in einem geschützten und diskreten Rahmen möglich. Ein Ort, in dem sich das Aufgewühlte wieder beruhigen kann und in dem Emotionen, die sonst vielleicht belächelt würden, möglich sind.

Die Erzählungen aus dem unmittelbaren Kontext werden dann eingebettet in die übergeordnete Lebensgeschichte – schließlich hat und ist jeder Mensch mehr als seine aktuelle Situation und sein aktuelles Verhalten. Interessant sich dann beim Übergang vom ‚Kleinen‘ zum ‚Großen‘ das Gegensätzliche, Gemeinsame, die Unterschiede und Muster. An diesen ‚Kipp-Punkten‘ entstehen oft die möglichen Ansätze hilfreicher Veränderung. Um zu Ihnen zu kommen, braucht die Erzählung verschiedene Ebenen. Auf der Oberflächenebene berichtet der Klient das Ereignis, die Details und ermöglicht dem Therapeuten [oder Coach …], sich von der Abfolge, den beteiligten Personen, dem Ort u.a. ein Bild zu machen. Auf der Innenebene beschreibt er, wie er emotional und mental auf das Ereignis reagiert hat, was in ihm vorging, was er dachte, wie er handelte. Und auf der Reflexionsebene schaut er, wie er das Erlebnis einordnet in seine Lebensgeschichte, welche Lösungswege ihm offen stehen, welcher Hindernisse sich auftun, was bereits gelang, welcher Lernprozess sich anbietet, wie sich Geschehenes für Zukünftiges nutzen lässt… [Fortsetzung folgt]

Manchmal beschließt unser Leben einen Weg,
den wir nie gehen wollten und erschließt sich dann,
als der beste Weg, den wir jemals 
eingeschlagen haben.

Unbekannt

„Wie geht’s?“ – I

„Wie geht’s?“ „Danke, alles gut, wie immer.“ Bei vielen Menschen läuft der Alltag in festen Bahnen, routiniert, zuweilen eintönig, irgendwie eben ‚wie immer‘. Wird das beschauliche Dasein aber durch die vier großen K, Konflikt, Krankheit, Krise, Katastrophe durcheinandergebracht, dann fühlt sich die erforderliche Anpassung an wie eine Lebensprüfung, von der man weiß, nicht genug für sie zuvor gelernt zu haben. Die Folge: Stress zum Abwinken. Und ist die ‚Dekompensationsgrenze‘ überschritten, auf Deutsch: das Maß ist voll, dann ist womöglich erst jetzt klar, dass der schwelende Konflikt, die Schmerzen, der Selbstzweifel, die Not nicht mehr alleine bewältigt werden können.

Vielleicht sind es auch äußere Bedingungen, die das Leben belasten, sei es die Unsicherheit der Rente, Terroranschläge, der Brexit, die rechte Gewalt oder andere gesellschaftliche Ereignisse. Manches davon kann so sehr unsicher machen, dass Menschen psychische Auffälligkeiten entwickeln. Oft können schon kleine Maßnahmen wie das berühmte tiefe Durchatmen, die kleine Entspannungsübung, der Sport, Yoga oder Meditation beitragen, die Situation besser zu handhaben. Manchmal aber reicht das nicht. Dann braucht es eine andere ‚Coping‘-Strategie, eine andere Art, mit Belastungen umzugehen … [Fortsetzung folgt]

 

Humor ist das Salz der Erde,
und wer gut durchgesalzen ist,
bleibt lange frisch.

Karel Capek

Ein Scherz, ein lachendes Wort entscheidet über größte Dinge
oft treffener und besser als Ernst und Schärfe.

Horaz

Tipp gegen das Liebes-Dilemma

Wenn Du zwei Menschen zur gleichen Zeit liebst,
dann wähle den Zweiten.
Denn wenn Du den ersten wirklich lieben würdest,
hättest Du Dich nie in den zweiten verliebt.

Sinn und Arbeitsleben

Viktor E. Frankls Bild von der Wirklichkeit lässt sich knapp mit zwei Perspektiven umreißen. Die erste Perspektive ist, dass jeder Mensch nach Sinn strebt. Die zweite, dass viele Menschen ihn nicht finden und versuchen, diese Sinnleere mit Lust, Spaß oder Flucht auszugleichen. Es liegt nahe, die Auswirkungen dieser Perspektiven auf das Arbeitsleben besonders zu betrachten.

Jeder Mensch strebt nach Sinn. Allein der Begriff führt viele Menschen zum Nachdenken. Was ist mit Sinn gemeint? Mit Sinn in meiner Arbeit? Wir sprechen hier nicht vom Zweck einer Arbeit, nicht über das „warum“. Der Zweck einer Arbeit besteht darin, eine Leistung zu erbringen, ein Ziel zu erreichen, einen Nutzen zu bewirken, eine Gegenleistung zu erhalten. Der Sinn schaut auf das „wofür“ und das „wozu“. Eben hier finden Menschen zu wenig Konkretes, Fassbares, Erdenkliches.

Das Leben hat immer und unter allen Umständen einen Sinn. Das ist Frankls Basis in seiner Theorie der menschlichen Existenz. Während er zuvorderst mit an „Sinnleere“ erkrankten Menschen arbeitete und Hunderte von empirischen Belegen die Wirkung der sinnzentrierten Psychotherapie [Logotherapie] belegen, stellt sich heute die Frage, in welcher Weise sinnzentrierte Management- und Führungsarbeit auch über Hindernisse hinweg im „alltäglichen Business“ entfaltet werden kann.

An Hindernissen mangelt es wahrlich nicht und es wäre verfehlt, sich bei ihrer Betrachtung nur auf die Unternehmensebene zu konzentrieren. Viele Hindernisse werden in Systemen jenseits des Arbeitskontextes aufgebaut, und ihre Wechselwirkungen werden dann im beruflichen Umfeld spürbar. Das Arbeitsumfeld bietet jedoch eine Plattform, auf der sich die Hindernisse quasi potenzieren und sich die Grenzen verwischen, wo sich der Urgrund individueller Sinnfrustration ausmachen läßt. Ermöglicht eine sinnzentrierte Führung es dem Einzelnen, eine Distanz zu den eigenen Hindernissen zu entwickeln, so erleichtert dies einen gewissenhaft vollzogenen Reifeprozess.

Frankls Sinntheorie führt den Menschen zur Erkenntnis, dass gewissenhaftes Denken und Handeln einen wesentlichen Beitrag zur Sinnerfüllung leistet – und dieser dann Glück und Zufriedenheit folgen. „Je mehr der Mensch nach Glück jagt, um so mehr verjagt er es auch schon. Um dies zu verstehen, brauchen wir nur das Vorurteil zu überwinden, daß der Mensch im Grund darauf aus sei, glücklich zu sein; was er in Wirklichkeit will, ist nämlich, einen Grund dazu zu haben. Und hat er einmal einen Grund dazu, dann stellt sich das Glücksgefühl von selbst ein. In dem Maße hingegen, in dem er das Glücksgefühl direkt anpeilt, verliert er den Grund, den er dazu haben mag, aus den Augen, und das Glücksgefühl selbst sackt in sich zusammen. Mit anderen Worten, Glück muß er-folgen und kann nicht er-zielt werden“.

Das Leben Viktor E. Frankls selbst ist eines der Belege für die praktische Umsetzung der von ihm entworfenen Sinntheorie. Frankl bietet dem Menschen nicht nur ein inhaltlich gedanklich fundiertes Konzept, sondern auch lebenspraktische Formgebung. Seine Sinntheorie ist nicht fokussiert auf die Zielgruppe der Ärzte, Therapeuten, Psychologen oder Seelsorger. Schon gar nicht ist sie nur ausgerichtet auf den kranken Menschen. Frankl betrachtet den Menschen in einer Einheit von körperlicher, seelischer und geistiger Dimension. Und eben die Dimension des Geistes [des Logos] ist für Frankl per se gesund, ist sie doch die Quelle des individuellen, subjektiven und situativ gebundenen Sinns.

Der Prozess der Sinnfindung, der Sinnerfüllung, der Werteverwirklichung und die Wirkung dieser Prozesse zugunsten eines gelingenden [Arbeits-]Lebens ist wissenschaftlich beobachtbar und überprüfbar. Wir greifen diesen Aspekt im Rahmen unserer Krisenforschung im IIKP auf. Für die Forschung am Sinn im Arbeitsleben gibt Frankl zudem eine wichtige Prüfinstanz vor – das Gewissen. Für Frankl ist das Gewissen das „Sinn-Organ“, das entscheidet, ob die Sinnfindung gelungen ist. Forschung am Sinn, wird damit immer auch Gewissens- und Gewissenhaftigkeitsforschung.

Sinn ist das Fundament unserer Existenz. Wir existieren [ex-istere = hervortreten], wir treten aus uns hervor, indem wir Werte verwirklichen. Werte sind das Fundament unseres Lebens. „Existiert“ ein Mensch, verwirklicht er seine Werte. Verwirklicht er sie nicht, „vegetiert“ er, lebt er „so dahin“.

Ihre Arbeit erscheint vielen Menschen heute zweckdienlich, aber nicht sinnerfüllend und damit krankheitsfördernd – psychisch und psychosomatisch. Das geistige Konzept der Sinntheorie Frankls bietet die Chance, dies zu ändern. Dass Entscheidungsträger in Unternehmen etwas Gutes tun, wenn sie an diese Zusammenhänge denken, mag durch diese Informationen aus dem Gesundheitswesen untermauert werden:

  • Nach epidemiologischen Studien gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten und auch kostenintensivsten Erkrankungen. Psychische Erkrankungen hatten 2011 einen Anteil von 13,4% Gesamtkrankenstand. Heute sind bereits 18%
  • Der Anteil der psychischen Störungen am Gesamtkrankenstand steigt von 4,8 Prozent bei den 15- bis 19-Jährigen kontinuierlich auf einen prozentualen Anteil von 16,7 Prozent bei den 35- bis 39-Jährigen und den 40- bis 44-Jährigen an. Ab dem 45. Lebensjahr nimmt die relative Bedeutung psychischer Erkrankungen (bei insgesamt steigendem Krankenstandsniveau) dann wieder ab. Ihr Anteil liegt bei den über 60-Jährigen nur noch bei 12,9 Prozent. Möglicherweise hängt dieser Verlauf ab von der vielfach in der Lebensmitte beobachteten Häufung von Krisen und Konflikten. Konflikte um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Karriereplanung und Überlastungssymptome („Burn-out“) können zu entsprechenden Erkrankungsbildern führen.
  • Wird das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen auf der Ebene von Krankheitsarten betrachtet, zeigt sich im Vorjahresvergleich, dass Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen stark angestiegen sind. Daher sollten Maßnahmen der betrieblichen Prävention und Gesundheitsförderung den Fokus u. a. auf den Abbau von psychosozialen Belastungen wie chronischer Zeitdruck, Arbeitsunterbrechungen, Überforderung etc. legen.