Kategorie-Archiv: Krisenauslöser

Krisenprävention durch Verstehen der Bedürfnisse anderer Menschen

Als Krisentherapeuten streben wir es in unserer Augsburger Praxis täglich an, andere Menschen in die Lage zu versetzen, ein gelingendes Leben zu führen und ihre Persönlichkeit dafür weiter zu entwickeln. Ein wichtiger Aspekt dabei ist es, Hilfestellung zu geben, mit Konflikten, Irritationen und Missverständnissen angemessen umzugehen. Und dabei wiederum spielt es eine Rolle, zu lernen, menschliche Bedürfnisse zu entschlüsseln, dazu die Sprache des anderen zu verstehen und letztlich bessere Beziehungen zu schaffen. Mit dem Prozesskommunikationsmodell [PCM] nutzen wir dazu ein Instrument zur deutlichen Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikations- und Lebensqualität – und zur Konflikt- und Krisenprävention!

Lebensfallen IV

Fortsetzung

  1. Wenn das Schema ‚Streben nach Zustimmung und Beachtung‘ aktiv ist, dann sucht ein Mensch in übertriebenem Maße nach Anerkennung, Wertschätzung oder Aufmerksamkeit anderer oder er orientiert sich deutlich an den Bedürfnissen anderer als sich an seinen eigentlichen Werten und Gefühlen zu orientieren.
  1. Im aktiven Schema der ‚emotionalen Gehemmtheit‘ unterdrückt ein Mensch spontane Gefühlsregungen, Handlungsimpulse oder Meinungsäußerungen, da er unbedingt  vermeiden will, sich abgelehnt zu fühlen oder weil er sich für etwas schämt.
  1. Ein häufiges aktives Schema zeigt sich in ‚Unerbittlichen Standards‘, bei dem ein Mensch die innere Überzeugung hat, sich ständig bemühen zu müssen, um seinen sehr hohen Ansprüchen an sein Verhalten und seine Leistungen zu genügen – auch aus der irrationalen Angst, sich andernfalls harter Kritik anderer stellen zu müssen.
  1. Im Schema ‚Negativität / Pessimismus‘ überwiegt in den tiefen Überzeugungen eines Menschen der Gedanke, dass im Leben nur mit Nachteilen jedweder Art zu rechnen ist.
  1. Ist das letzte der bisher erforschten Schemata aktiv, das Schema ‚Strafneigung‘, dann ist der Mensch davon tief überzeugt, dass hart bestraft gehört, wer Fehler macht.

Sie möchten mehr erfahren über die Schematherapie? Dann können Sie sich hier informieren.

Lebensfallen III

Fortsetzung

  1. Es wird unausweichlich Schlimmes oder Katastrophales geschehen – davon ist ein Mensch mit einem aktivierten Schema ‚Anfälligkeit für Schädigungen oder Krankheiten‘ überzeugt. Sein Leben ist durch diese Angst bestimmt.
  1. Beim aktiven Schema ‚Verstrickung‘ verliert sich ein Mensch in der Nähe zu einer oder wenigen anderen Personen und entwickelt keine eigenen sozialen Kontakte oder  Interessen.
  1. Anders ein Mensch, dessen aktiviertes Schema ‚Grandiosität‘ als Lebensfalle fungiert: Dieser Mensch ist zutiefst davon überzeugt, dass er überwältigend besser als andere oder etwas ganz Besonderes ist oder dass er mehr Rechte beanspruchen kann als andere.
  1. Wenn das Schema ‚Undiszipliniertheit‘ aktiv ist, vermag sich ein Mensch im Verhalten nur unzureichend zu steuern, was sich dadurch zeigt, dass er seine Gefühle und Impulse in extremer Weise ausdrückt oder eine sehr geringe Frustrationstoleranz zeigt, oft gekoppelt mit einem Verhalten, sich hängenzulassen und jegliche Anstrengung bei seinen Aufgaben zu vermeiden.
  1. ‚Unterwerfung‘ als aktives Schema zeigt sich darin, dass ein Mensch zulässt, andere über ihn bestimmen zu lassen, da er negative Konsequenzen befürchtet, wenn er dies nicht tut.
  1. Neigt ein Mensch hingegen in alltäglichen Situationen in übersteigendem Maße dazu, den Bedürfnissen anderer Menschen zu entsprechen und damit seine eigene Lebenszufriedenheit einzubüßen, dann kann dies auf ein aktives Schema ‚Selbstaufopferung‘ hinweisen.

Wird fortgesetzt

Lebensfallen II

Fortsetzung:

  1. Im aktivierten Schema ‚Unzulänglichkeit‘ empfindet der Mensch wichtige Aspekte seines Lebens als verkorkst, wertlos, sinnentleert oder sich selbst als wert- oder nutzlos.
  1. Das Schema ‚Unattraktivität‘ zeigt sich dem Menschen als Gefühl, sich von niemandem als Freund oder Partner angenommen zu werden, sich als hässlich oder sexuell nicht für andere anziehend zu fühlen oder in der Ansicht, nicht dem richtigen Milieu oder der richtigen Schicht anzugehören.
  1. Ist das Schema ‚Erfolglosigkeit/Versagen‘ aktiv, dann hat der Mensch die Überzeugung, in jedem Fall bei seiner schulischen, beruflichen oder auch sportlichen Leistungserbringung zu versagen oder zu scheitern.
  1. Etwas anders verhält sich ein Mensch im aktivierten Schema ‚Abhängigkeit / Inkompetenz‘. Hier ist er davon überzeugt, dass er seinen Alltag nur dann bewältigen kann, wenn er von anderen intensiv unterstützt wird. Seine Selbstwirksamkeit empfindet er äußerst eingeschränkt.

Wird fortgesetzt

Lebensfallen I

Was wäre der Mensch ohne die faszinierenden Leistungen seiner Psyche? Häufig gerät sie in Misskredit, wenn sie in den Kontext von Erkrankung, Störung oder Belastung gerückt wird und dort verbleibt. Sieht man sie als einen Schatz an, der den Menschen darin unterstützt, sein Erleben zu verarbeiten, Gedanken und Gefühle zur Selbststeuerung einzusetzen, Erinnerungen zum Erhalt seiner Identität zu bewahren und Handlungen zur Gestaltung seiner Gegenwart und für seine Zukunft zu vollziehen, dann wird ihre Bedeutung umfänglicher deutlich.

In der Psychotherapie wird die Psyche dann besonders ‚auffällig‘, wenn Menschen ihr Verhalten und ihre Handlungen entlang früherer Bewältigungen schwieriger Situationen steuern und diese damaligen ‚Strategien‘ selbst dann als ‚Methode der persönlichen Wahl‘ [unbewusst] einsetzen, wenn sich diese als nicht hilfreich erweisen. Mangels Alternative greift die Psyche dann zurück auf ein solches ‚Schema‘ – immer und immer wieder – bis der Mensch selbst oder aufgrund von  Reaktionen seines Umfeldes bemerkt, dass ‚da etwas nicht stimmt‘. In einem solchen Moment ist es zweckvoll, das individuelle Schema herauszuarbeiten und nachzuschauen, wofür es gut wäre, einen anderen Weg für den Umgang mit der aktuellen Lebenssituation einzuschlagen. Bleibt das ‚Schema‘ jedoch weiterhin ‚führend‘, so kann sich daraus eine Art ‚Lebensfalle‘ entwickeln, die den Menschen immer wieder ins Straucheln bringt.

Die Lebensfallen:

  1. Die Falle ‚Emotionale Entbehrung‘ schnappt zu, wenn ein Mensch die Einstellung entwickelt, dass andere Menschen sein Bedürfnis nach emotionalem Rückhalt, Respekt, Mitgefühl oder Aufmerksamkeit nie wirklich erfüllen werden.
  1. Bei der Falle ‚Verlassenheit‘ aktiviert ein Mensch die frühere Erfahrung, dass andere Menschen sein Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit oder Verlässlichkeit nicht befriedigt haben und er nun das Gefühl haben muss, allein mit allen Gefahren des Lebens dazustehen, ohne Sicherheit, emotionalen Rückhalt, Stärke oder Schutz.
  1. Auch die Falle ‚Misstrauen / Missbrauch‘ deutet auf widrige Erlebnisse in der Vergangenheit hin. Hier hat der Mensch die Erwartung, dass andere Menschen auch heute ihn anlügen, ihn seelisch verletzen oder ihm Gewalt antun, ihn beschämen, demütigen oder ausnutzen werden.
  1. Bei der Falle ’soziale Isolation‘ hingegen hat er das Empfinden, nirgendwo integriert zu sein oder dazuzugehören. Das Gefühl, anders als andere zu sein, führt auch heute wieder zu einer Art ‚Entfremdung‘ von seine Umfeld.

wird fortgesetzt

Corona-Blog: Was von Corona ist wirklich Krise?

Erinnern wir die Definition von Individual-Krise: „Krise ist ein belastender, temporärer, in seinem Verlauf und in seinen Folgen offener Veränderungsprozess der Person, der gekennzeichnet ist durch eine Unterbrechung der Kon­tinuität des Erlebens und Handelns, durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation und eine Destabilisierung im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmal des Selbstzweifels und durch ein Bündel notwendiger Ressourcen, die die Person entweder nicht hat oder von denen sie nicht weiß, dass sie sie hat, um die Situation zu meistern.“ [eng angelehnt an Bernd Ulich, Psychologie-Professor der Universität Augsburg]

Und nun haben wir ein Mega-Ereignis, das Virus. Rein sprachlich haben wir also keine Corona-Krise, sondern einen erforderlichen ‚Umgang mit einem Ereignis‘, der – würde er wirklich nicht geleistet werden können – bei Menschen eine Krise auslösen kann.

Ich will nun entlang meiner Wahrnehmungen nach vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Situationen in den vergangenen zwei Wochen ein wenig genauer schauen:

  • Das Ereignis ist belastend.
    Hier zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Für eine Reihe der Menschen war das Leben vor Corona bereits belastend. Das Virus hat es für einen Anteil dieser Menschen weiter erschwert, für einige aber sogar auch erleichtert, weil sich nun Lebensthemen gewidmet werden kann, die zuvor zu kurz kamen. Nach dem Guten im Schlechten zu schauen, fällt womöglich nicht leicht, lohnt aber dennoch!
  • Das Ereignis ist temporär. Sicher, auch dieses Virus grassiert über einen endlichen Zeitraum. Soviel ist sicher. Aber niemand kann zur Zeit sagen, wie lange es dauert, bis das Ende in Sicht ist. Und worin die Kriterien genau bestehen, von einem Ende sprechen zu können. Diese Unsicherheit führt bei vielen Menschen [und Systemen] zur massiven [Stress-]Belastung. Wo stehen wir im Prozess, wohin geht die Reise, wie geht es weiter? Wir könnten also statt von Corona-Krise wohl eher von Planungskrise sprechen. Und wenn wir das tun, dann kann sich jeder fragen, was er früher tat, wenn eine Planung nicht realisiert werden konnte?
  • Das Ereignis ist in seinem Verlauf und in seinen Folgen ein offener Veränderungsprozess der Person. Bei diesem Kriterium finde ich nichts, was gegen es spricht. Meine Gesprächspartner formulierten dies zum Beispiel so: ‚Ich stehe im Moment im Dunkeln, wo mich das alles hinführt‘; ‚ich habe damals, 2001, das ‚9/11′ aus beruflichen Gründen vor Ort miterlebt, aber das jetzt ist noch einmal eine ganz andere Dimension für mich, denn die kollektive Betroffenheit an sich aller Menschen weltweit ist ein Phänomen, das ich noch bisher nicht kannte. Weil es aber alle betrifft, ist es irgendwie auch leichter‘, ‚ändern kann ich es nicht, nur das Beste draus machen – im Moment suche ich noch nach dem Besten’…
  • Das Ereignis ist gekennzeichnet durch eine Unterbrechung der Kon­tinuität des Erlebens und Handelns. Hier wiederum gibt es von Mensch zu Mensch kaum Unterschiede, es sei denn man lebt unter sehr stabilen Bedingungen [die stabilsten finden sich derzeit wohl im Gefängnis].
  • Das Ereignis zeichnet sich durch eine partielle Desintegration der Handlungsorganisation aus. Im Kreis meiner Gesprächspartner gab es niemanden, der nicht hinreichend viel zu tun hatte und hat, um seine Tagesaufgaben neu zu justieren [hier sei im übrigen empfohlen, sich bestimmte, seien es noch so ‚kleine‘ Rituale trotz aller Unterschiede aufrecht zu erhalten, zum Beispiel, dass man sich so anzieht, als würde man ins Büro fahren, auch wenn man gleich im Home-Office sitzt]. Als am häufigsten genanntes ‚Problem‘ sind dabei die Kinder, die den Tag lebendigst durcheinander wirbeln. Aber kennen Menschen diese ‚Störungen‘ im täglichen Handeln nicht auch aus anderen Lebenslagen? Ich selbst kenne das Phänomen aus den Zeiten einer unerwarteten Auftragsflut oder aus der Zeit der Unterstützung meiner Mutter im 600km entfernten Pflegeheim.
  • Das Ereignis destabilisiert im emotionalen Bereich mit dem zentralen Merkmal des Selbstzweifels. Ja, der emotionale Bereich kann durch die medizinisch-politischen Rahmenbedingungen in der Tat mächtig unter Druck geraten. Das Spektrum reicht dabei von einer Zunahme- oder Verstärkung von Angst-, Zwangs-, Depressions- und Suchtstörungen, über Probleme mit der Selbstkontrolle [Aggressivität, Lethargie …] bis hin zu kriminellem Verhalten [erste Fälle von Anspucken anderer Personen, Wohnungspartys bei bewusster Infektion – man erinnere ähnliche Verhaltensweisen von seinerzeit AIDS-Infizierten].
    Jedoch, und das lässt mich dafür plädieren, die aktuelle Situation individuell nicht als Krise, sondern als äußerst komplexes und [über]forderndes Problem zu benennen: Dass Menschen an ihrem Selbst, an ihren Werten und Grundüberzeugungen eingedenk von Corona zweifeln, habe ich bisher nicht wahrgenommen. Die virusbedingte Extrembelastung gibt wirklich wenig Grund dafür, sich eine Schuld, eine Verfehlung, ein Versäumnis zuzuschreiben – eine Zuschreibung also, in der man sich fragt, ob man selbst noch einen guten Grund dafür hat, seinen Werten entsprechend zu leben. Wenn Corona als solches also nicht dafür herangezogen werden kann, von Krise zu sprechen, dann darf nicht übersehen werden, dass sehr wohl aber der Umgang mit den Bedingungen zu einer Krise führen kann. Wer sich zum Beispiel von morgens bis abends von den medialen Ergüssen berieseln lässt, der schafft weder das Problem aus der Welt, noch etwas in die Welt. Die Folge ist letztlich der Selbstzweifel a là ‚es ist ja alles so schlimm, ich kann selbst gar nichts ausrichten‘. Erst, wer sich diesen Gedankenstrudel zu eigen macht, läuft Gefahr, in eine Individualkrise zu gelangen. Um in diese Gefahr zu kommen, braucht es aber nicht ein Virus, sondern die Unkenntnis der eigenen Werte [hierüber, insb. wie man die eigenen Werte erkennt, wurde in der Krisenpraxis bereits an vielen Stellen berichtet].
  • Das Ereignis erfordert ein Bündel notwendiger Ressourcen, die die Person entweder nicht hat oder von denen sie nicht weiß, dass sie sie hat, um die Situation zu meistern. Aktuell wird besonders die Ressource Geld thematisiert. Klar, wenn einer Person die finanzielle Puste ausgeht, dann kommen Ängste aller Art hoch – in den allermeisten Fällen jedoch fangen die verschiedenen Schutzschilde den Einzelnen auf, zumindest in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern. Das allein ist fraglos zu kurz gesprungen, denn in unserem globalen Dorf verdienen viele Menschen einen Teil ihres Geldes über ihre Unternehmen und Organisationen mit Partnern, deren Volkswirtschaften deutlich stärker durch die aktuellen Bedingungen in die Knie gehen werden. Oder sie arbeiten in einer selbständigen oder freiberuflichen Tätigkeit, in der sie ohne nennenswerte Rücklagen für solche Notsituationen bei längerem Auftragsausfall an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten stoßen. Das wiederum wird dazu führen, dass Corona [es hätte auch jedes andere Mega-Ereignis können] auch in Deutschland trotz Ausschöpfen aller [Einspar-]Quellen zu einer höheren Arbeitslosigkeit und Insolvenzquote führen wird.
    Weiter gedacht erscheint dann jedoch aus unserer psychologischen Perspektive das eigentliche Problem am Horizont, das sich zu einer individuellen Krise auswachsen könnte, würde daran nicht gearbeitet: „Das Bedrückende ist nicht die Arbeitslosigkeit an sich, sondern das Sinnlosigkeitsgefühl. Der Mensch lebt nicht von der Arbeitslosenunterstützung allein.“ [Viktor Frankl]
    Womit wir beim zentralen Thema der Sinntheorie Viktor Frankls sind. Weiß der Mensch um seine wesentliche Ressource, seine Werte, dann findet sich ein Ausweg aus der empfundenen Sinnlosigkeit. Dann findet sich eine Antwort auf die Frage: Wozu ruft mich die jetzige Situation auf? Worum hat es mir jetzt zu gehen? Wer seinem Leben auf diese Fragen antworten kann, findet wieder Anschluss – vielleicht nicht gerade und genau da, wo man zuvor stand, aber doch robust genug, um sich bei aller Veränderung nicht zu verfehlen.

Die Krisen großer Musiker – heute: Frédéric Chopin

Frédéric Chopin (1810-1849) ,in Żelazowa Wola geboren, schrieb mit 20 Jahren: ‚Ich denke, dass ich abreise, um zu sterben.‘

1830 verlässt Chopin seine Heimat in Polen und reist nach Paris und 1838 nach der Heirat mit George Sand nach Mallorca. Schon 1835 litt er unter Husten, später dann unter einer Lungenentzündung und Tuberkulose. Die Zeit auf Mallorca – so findet es sich in seiner Biografie – muss permanent von seiner Krankheit geprägt worden sein. Nicht ohne Ironie schreibt er in dieser Zeit: ‚Die drei berühmtesten Ärzte der ganzen Insel haben mich untersucht; der eine beschnupperte, was ich ausspuckte, der zweite klopfte dort, von wo ich spuckte, der dritte befühlte und horchte, wie ich spuckte. Der eine sagte, ich sei krepiert, der zweite meinte – dass ich krepiere, der dritte – dass ich krepieren werde.‘

1839 geht es für Chopin zurück nach Paris, seine Lunge ist chronisch entzündet, er nimmt Opiumtropfen zur Schmerzlinderung. Ab 1843 ist er oft bettlägrig. 1847 wird die Ehe geschieden. 1849 stirbt Chopin durch Lungen- und Herzschwäche sowie an Morphinsucht und Abmagerung.

 

Die Krisen großer Musiker – heute: Robert Schumann

Robert Schumann (1810-1856), in Zwickau geboren, schreibt mir 19 Jahren den Vers: „Mir träumte, ich wäre im Rhein ertrunken“. Ob er wohl ahnte, wie sein Leben enden würde? Schaut man auf die Krankheitsgeschichte des großen Romantikers, so wird diese zeitlich begonnen  als seine Schwester mit fast 30 Jahren sich suizidiert. Schumann, 22 Jahre alt, bekommt eine rechtsseitige Fingerlähmung, was seine Karriere am Klavier beeendet.

Als Komponist entwarf er fortan eine Vielzahl konzertanter Werke, Stücke für Orchester und Kammer und eine Oper.

1840 wurde ihm die Ehrendoktorwürde zum Dr.phil. der Philosophischen Fakultät der Universität Jena verliehen. 1844 dann ein Jahr im Zustand völliger nervöser Erschöpfung mit Phänomen, die heute mit Tinnitus bezeichnet würden, 1849 wird berichtet, dass Schumann immer schweigsamer wird, seine Aussprache schwerfällig anmutet und er über akustische Halluzinationen berichtete. Trotz der ‚Engelsstimmen mit choralartigem Thema‘, die er wahrnahm, komponiert er sein Werk: Variationen über ein Thema in Es-Dur („Geistervariationen“).

1854 unternimmt Robert Schumann einen Suizidversuch und stürzt sich von der Alten Rheinbrücke in Bonn. Er wird gerettet und in die Nervenheilanstalt Bonn-Endenich verbracht, wo er 1856 stirbt.

Populismus, oder: ein Leben wider kritische Vernunft

Populisten zeichnet aus, dass sie von einem homogenen Volk, einem einheitlichen Volkswillen ausgehen, den sie ausspielen gegen einen ebenso homogenen Willen einer fiktiven, politischen, wirtschaftlichen Elite.

Robert Vehrkamp
Bertelsmann Stiftung

HIER GEHT ES ZUR AKTUELLEN STUDIE „POPULISMUSBAROMETER 2018“