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Sinn-Wegweiser

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will. [Rousseau]

Nicht jeder kann tun, was er will. Es gibt Grenzen. Geschriebene, ungeschriebene, vom Gewissen gesetzte. Jeder Mensch lebt in solchen Bedingungen. Und jeder Mensch schafft Bedingungen.

Für Sie sind diese von mir verfassten Texte gerade eine ‚Bedingung‘. Und dadurch, dass Sie gerade
lesen, schaffen Sie sich und Ihrem Umfeld Ihrerseits ‚Bedingungen‘.
Selten reflektiert und dennoch Fakt: Wir leben in Bedingungen und sind doch immer frei, uns zu ihnen zu stellen. Das ist einer der Leitsätze von Viktor Frankl..

Der Mensch muss nicht tun, was er nicht will. Sie müssen diese Texte nicht lesen, wenn Sie nicht wollen. Ist das nicht herrlich frei? Sie können wählen zu lesen, sie können wählen nicht zu lesen, Sie
können wählen anderes zu lesen – nur Sie können eines nicht, nämlich Beides.
Sie können nur einem der Wegweiser folgen. Oder Sie können stehen bleiben. Versuchen Sie beides, werden Sie scheitern. So erklärt sich der Satz von Frankl: Der Mensch hat seinem Leben zu antworten. Zu jeder Zeit. Der Mensch hat zu verantworten. Es ist nur ihm zueigen, dass er verantworten kann. Auch das macht ihn erst zu einem Wesen, das Sinnvolles von Sinnlosem unterscheiden kann.

Der Sinn, der sich in Handlungen formt, begründet den individuellen Ethos. Der Sinn ist unser
wesentlicher Wegweiser. Wozu ist es gut, dass ein Mensch einem Wegweiser folgt, und wann ist es für ihn gut, innezuhalten? Wie muss ein Wegweiser gestaltet sein, so dass ein Mitarbeitender in einem Unternehmen ihm folgt? Was muss ein Wegweiser tun, um zu scheitern? Auf welchen
– wie es der Philosoph Peter Strasser nennt – ethischen Horizont weist der Weg? Was brauchen Führungskräfte, um Wegweiser zu sein?

  • Wegweiser müssen erkennen, welche anderen Wegweiser ihnen ihren eigenen Weg gewiesen haben. Und sie sollten sich bewusst sein, dass dies Bedingungen waren, zu denen sie sich jetzt und immer wieder „so oder so“ stellen können.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass sie auf ein Ziel weisen. Und sie sollten sicher sein, dass sie selbst um das Ziel wissen.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass sie zu Veränderungen führen. Sie stellen für andere Menschen Bedingungen dar. Um ihnen entsprechend zu handeln, müssen die Veränderungen
    sinnvoll sein.
  • Wegweiser müssen erkennen, dass es einen guten Grund braucht, dass ihnen gefolgt wird. Dazu dient zuerst die Klarheit darüber, den guten Grund zu wissen, warum man selbst
    Wegweiser wurde.
  • Wegweiser können nicht nicht Wege weisen. Sie verlieren nie diese Verantwortung. Wegweiser
    sollten daher genau beachten, welche Folgen es hat, wenn man ihnen folgt. Ein Wegweiser muss gerade stehen, und er muss für sich „gerade stehen“.

Blaise Pascal meinte einst, „wenn der geworfene Stein Bewusstsein hätte, so würde er sagen, ich fliege, weil ich will.“ Folgt dieser Stein jedoch einem solchen Wegweiser, so wird er sagen, „ich fliege, weil ich genau so will.“