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Die drei Seinsschichten

Alles Leibliche zählt zur somatischen Dimension. Zu ihr gehören das organische Zellgeschehen und die biologisch-physiologischen Körperfunktionen. Die psychische Dimension des Menschen umfasst die Kognitionen und Emotionen, die Sphäre seiner Befindlichkeit, seine Gestimmtheit, (Trieb-)Gefühle, Instinkte, Begierden und Affekte. Hierzu gehören auch intellektuelle Fähigkeiten, Verhaltensmuster  und soziale Prägungen.

Intentionalität, Schöpferisches, Ethisches und Werteverständnis repräsentieren die geistige Dimension. Auch die Fähigkeit, sich auf ein ‚Göttliches‘ zu beziehen sowie das Vermögen der selbstlosen, nicht berechnenden Hingabe findet sich in dieser Seinsschicht.

Mit dem Geistigen vermag der Mensch, zu seiner körperlichen und psychischen Befindlichkeit
‚so oder so‘ Stellung zu nehmen, und über diese geistige Stellungnahme auch seinen psychophysischen Zustand ein Stück weit zu steuern. Für die sinnzentrierte Psychotherapie, das sinnzentrierte Coaching und die sinnzentrierte Pädagogik und Andragogik stellt diese geistige Dimension die eigentliche dar.

Die somatische und die psychische Dimension werden im sog. ‚Psychophysikum‘ zusammengefasst.
Sie werden dynamisch betrachtet und als psychophysischer Parallelismus bezeichnet. Sie sind so gleichgeschaltet, so innig miteinander verbunden, dass ein somatischer Vorgang auch in der Psyche
einen parallelen Vorgang auslöst – und umgekehrt. So kann ein Hungergefühl, wenn es lange andauert, zu Frustration führen. Ein Trauergefühl kann körperliche Reaktionen auslösen
(zugeschnürte Kehle, Schlafstörung, körperliche Kraftlosigkeit). In der somatischen und psychischen Dimension ähnelt der Mensch weitestgehend dem höher entwickelten Tier.

Über das Psychophysikum vermag sich einzig das Geistige zu erheben und sich mit der körperlichen und psychischen Seinsschicht auseinander zu setzen. In dieser Auseinandersetzung, in der sich das Geistige gegenüber der Beständigkeit des Psychophysikums hinweg setzt und Stellung bezieht, zeigt sich die besondere Gabe des Geistigen, ein ‚es hat mich‘ in ein ‚ich habe es‘ umzumünzen.

Diese Gabe des Geistigen, der so genannte ‚noo-psychische Antagonismus‘, ist eine der wesentlichen Säulen der Sinntheorie Frankls. Sie ermöglicht es dem Menschen, sich über bestimmte störende Protagonisten oder Begebenheiten (zum Beispiel psychische Frustration, Gefühle der Minderwertigkeit, Angst, Zwang, depressive Stimmungen) zu erheben und sich von diesen zu distanzieren.