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Happiness Humbug

Feelgood Manager, Corporate Happiness Guide, Positive Leadership Architect – die Ausbildungsangebote rund um das Schaffen von Wohlfühlkulturen in Unternehmen haben seit ein paar Jahren Konjunktur. Es klingt hipp und für die junge Generation womöglich auch als ein Kriterium, um sich im Beruf zu engagieren. Zumeist werden diesen postmodernen Rollen Qualifikationen zugeschrieben, die man in Ausbildungen im Kontext von Neurowissenschaft und positiver Psychologie entwickeln kann. Ausbildungsprogramme dieser Art schießen seit ein paar Jahren wie Pilze aus dem Boden und spiegeln das Zustandsgefühl der Sinnleere vieler Menschen wider. Das Versprechen, das solchen ‚Dienstleistungen‘ gerne zugrunde gelegt wird, klingt zum Beispiel so: Glückliche Mitarbeiter sind um x% produktiver und x mal engagierter. Sie sind loyaler, lösungsorientierter und können besser mit Veränderungen umgehen. Sie unterstützen eine agilere und positivere Unternehmenskultur. 

Das klingt verlockend und irgendwie nach Glückspille. Die derart ausgebildeten Gute-Stimmungsmacher bringen den Mitarbeitenden eine Haltung entgegen, die dazu beitragen soll, dass diese beflügelt, begeistert, beseelt, beachtet werden und in deren Folge wieder die Lust zunimmt, die eigenen Stärken auszuleben und im Unternehmen aktiv einzubringen. Davon letztlich profitieren alle, so die Mär. Und, um dem ganzen Irrwitz ein wissenschaftliches Mäntelchen umzulegen, zitieren die Anbieter Glücksstudien der Positiven Psychologie [zu den Möglichkeiten und Grenzen dieser psychologischen Denkschule finden sich in der KrisenPraxis verschiedene Beiträge].

Tja, und dann wird es ernst. Denn der Feelgoodmanager muss sich nun mit den Hintergrunderfahrungen des m-w-d-Feelbadmitarbeiters befassen, denn schließlich geht es um eingefahrene Handlungsmuster und ungünstige Vorerfahrungen, die das individuelle Glück blockieren. Das mag vielleicht sein, vielleicht aber auch nicht und wie auch immer, allemal gehört die Arbeit an diesen Blockaden nicht in die Hände von Laien. Zum Glück [sic!] passen aber Menschen zunehmend auf sich auf, denn zu viel an Scharlatanerie wurde in den letzten Jahren aufgedeckt und kritisch kommentiert. Zu viele Menschen wurden durch fadenscheinige Angebote außerhalb aber leider auch innerhalb von Unternehmensmauern weiter aus der Bahn geworfen, weil ihnen die Glücksversprechen so gut und verführerisch in den Ohren klangen. Viele haben vieles verloren: Zeit zur wirklichen Selbsterkenntnis, Geld, Würde, Beziehungen – so ist es gut, dass die meisten Menschen heute gesunde Vorsicht walten lassen und genauer hinschauen, was ihnen da als ‚Purpose‘, ‚Happiness‘ oder ‚Feelgood‘ verkauft wird.

Es mag nach Arbeit klingen, ist aber kein Hexenwerk: Klären Sie mit professionellen Werkzeugen Ihre individuellen Werte, nicht hopplahopp mit irgendwelchen kleinen Tools oder Internetprogrammen, sondern mit ausreichend Zeit und profunder Begleitung. Wenn Sie Ihre eigenen Werte kennen, können Sie wirklich wertebasiert entscheiden und handeln, ihren Werten gemäß ja oder nein sagen. Tun Sie dies, dann ist die Folge ‚Erfolg‘ und das Gefühl, ein gelingendes und glückliches Leben zu führen.