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Ist die Krise in der Krise?

Die verschiedenen Perspektiven der Krisentheoretiker eint, dass sie den Menschen potenziell stets von Lebenserschütterungen konfrontiert sehen, denen er mit seinen bislang erlernten Bewältigungsstrategien eher erfolglos begegnet. Die ‚Wege zur Krise’ sind dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Je nachdem, ob und wie stark die Person ein ‚Gap’ zwischen der subjektiven Bedeutung des Problems und den persönlichen Bewältigungsressourcen ausmacht, reicht die Interpretation der Situation von
– ‚Ach, das wird schon’, über
– ‚‚Ich sehe die Lage als Möglichkeit zur Reifung meiner Persönlichkeit an’ bis hin zu
– ‚Wenn ich das nicht in den Griff bekomme, dann scheitere ich’ oder
– ‚Das macht mich fertig’.

Diese Bandbreite wirft Fragen auf wie:

  • Wann beginnt eine Situation zu einer Krise zu werden?
  • Ist jedwede formulierte Lebensschwierigkeit bereits ein potenzielles Thema für eine Intervention durch Dritte?
  • Wie vermag ein Mensch seine erforderlichen Ressourcen zu erkennen, um aus dieser Kenntnis wohlüberlegt eine Unterstützung in Anspruch zu nehmen?
  • Führen voreilige Schlüsse, einer erschütternden Situation nicht gewachsen zu sein, à la longue nicht zu einer ‚Psychiatrisierung’ von Vorgängen, die Menschen zwar gerne vermeiden oder zumindest nicht erneut erleben wollen, deren inhärente Aufgabenstellung jedoch zu den tiefsten Aspekten des Menschseins zählt?
  • Welches Menschenbild ist angemessen, um einen Menschen in einer von ihm als Krise interpretierten Situation weder zu über- noch zu unterfordern?
  • Wie geht man damit um, wenn ein Mensch eine Unterstützung sucht, die den vorhandenen Potenzialen und der eigenen Verantwortlichkeit des Klienten zuwiderläuft?

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Krisenmuster 2: Streiten und anklagen

Bei diesem ‚Krisenprofil’ neigt die Person dazu, die eingetretene massive Belastung noch weiter zu eskalieren. Rachevolle Rosenkriege werden geführt, eine Phalanx von Beratern oder Anwälten wird aufgebaut, die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und -distanzierung ist nicht erlebbar. Wollen vertraute Personen den ‚eigenen Anteil am Krisengeschehen’ ansprechen, erfahren sie hierfür Ablehnung und Abweisung bis hin zur Trennung. Führt dies nicht zum Erfolg, kann der ‚Kriseneskalierer’ radikal umschwenken in eine fulminante Selbstanklage und Selbstlieblosigkeit. Im Krisencoaching gilt es, die Vertrauensresistenz, Handlungsschnelligkeit und Offensivkraft durch eine erfahrungsgrundierte und wertebasierte Unterstützung mit deutlicher Grenzziehung zu steuern. Dem Klienten ist konsequent darzulegen, dass die Situation unter den gegebenen Rahmenbedingungen unmöglich positiv zu beenden ist. Das Coaching ist mit klaren Vereinbarungen und eng getakteten Sequenzen zu gestalten, ohne dabei den Klienten zu demütigen oder ihn mit Moralvorstellungen des Coachs zu lenken. Anzuerkennen ist, dass die Haltung ‚Nur dem Mutigen gehört die Welt’ den Klienten vor Tatenlosigkeit bewahrt. Sie sollte als Ressource für die Momente im Coaching ‚geparkt’ werden, in denen es zum Beispiel um die zügige Umsetzung umfassend reflektierter Entscheidungen geht.