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Sinn des Leids

Leid und Sinn – das geht doch nicht zusammen. Die Ansicht ist weitverbreitet, und fraglos ist es nicht sinnvoll, dass ein Mensch leidet. Jedoch, wenn er leidet, dann gibt es trotz allem einen Sinn. Direkt ein Beispiel: Ein Arzt kehrt von einem Ebola-Einsatz zurück, leider selbst infiziert. Seine Versorgung ist in Deutschland bestens, dennoch ist sein Zustand ernst. Trotz seines Leids achtet er darauf, dass er seine Umgebung nicht schädigt. Und so handelt er entschlossen als er eine Undichtigkeit an seinem Bett auf seiner Isolierstation entdeckt.

Seine Einstellung, andere Menschen zu schützen, stand in dieser Situation über dem eigenen Leid. An sich kennt jeder Mensch eine Fülle solcher Ereignisse in seinem Umfeld oder aus Erzählungen, ein guter Grund also, davon auszugehen, dass jedem Menschen auch in schwierigster Lage der Zugang zum Sinn nicht versperrt ist.

Das logotherapeutische Gespräch mit leidenden Menschen wird daher stets darauf achten, der betroffenen Person hohe Achtung auszusprechen, wenn sie mit ihrer aufrechten Einstellung das aktuelle Leid behandelt und diesem seinen rechten Platz im eigenen Leben zuweist. Es zeigt sich immer wieder, das ein solches Feedback dem betroffenen Mensch mehr Aufschub leistet als ein Trost oder ein geäußertes Mitgefühl.

Sanft gilt es dann herauszuschälen, worin die womöglich sogar „guten Seiten“ liegen könnten, die sich aus der eingetretenen Situation ergeben. Meist kann ein Außenstehender wie ein Therapeut oder Seelsorger dieses „Doch-Positive“ besser erkennen.

Natürlich gilt es ferner, den Betroffenen über die Werte zu stabilisieren, die bei allem Leid erhalten bleiben und zur Verwirklichung einladen. Die Würdigung der Werte, die eingedenk der leidvollen Lage nicht mehr ihren Beitrag zur Sinnfindung leisten können, es aber im Leben des Menschen oft taten, darf nicht vergessen werden.