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Corona-Blog: Verhalten im Zeichen des Virus.

Gerade bin ich jemandem begegnet, der fest davon überzeugt ist, dass das Virus von der Weltmacht WHO über die Menschheit gekommen ist. Die Weltgesundheitsorganisation also ist eine der vielen Adressen, denen zugeschrieben wird, uns das Böse zu verabreichen. Diesmal in Form kleiner viraler Häppchen. Gut, des Menschen Glaube ist sein Himmelreich. Und rechnet man einmal heraus, dass es neben Millionen Bundestrainern im Fußball und weiteren Millionen Experten der internationalen Flüchtlingspolitik nun auch ebenso viele Virologen gibt, die ihren Unwissenheitssenf zum Besten geben, dann bleibt doch bei jeder dieser Äußerungen so etwas wie Stress übrig, den die einzelne Person hat und den sie nun auf ihre Art und Weise zum Ausdruck bringt.

Bevor ab morgen auf die sechs verschiedenen Stressmuster eingegangen wird, von denen Menschen immer eines aktualisieren und von denen keines wirklich besser ist als das andere, hier die aus unserer Sicht beste Umgangsweise, nicht nur bei Corona:

Dieser Umgang lautet: ‚Radikale Akzeptanz dessen, was ist und mit eigenen Ressourcen nicht abgewendet werden kann, um sich über den Verzicht der Auflehnung gegen das Ereignis den Möglichkeitsraum offen zu halten, in dem getan werden kann, worum es jetzt zu gehen hat‘.
Therapeutisch gesprochen kombiniert dieser Umgang die sinnzentrierte Psychotherapie nach Viktor Frankl mit der dialektisch-behavioralen Therapie nach Marsha Linehan. Im Alltag hat diese sinnorientierte, akzeptierende Haltung sofort Folgen, zum Beispiel:
– man geht nichtssagendem, dusseligem, negativem, herunterziehendem Gequatsche anderer aus dem Weg; man schaltet quasi die Ohren auf Durchzug;
– man meidet die Flutung mit täglich wiederkehrenden Nachrichten, die im Kern aber solange irgendwie gleich klingen, bis jemand, der die Situation dank seiner Primärkompetenz beurteilen kann, Entwarnung gibt. Auch wenn sich der ein oder andere Virologe aktuell in einer Situation befindet, die auch ihn dazu vielleicht ermuntern mag, über seine Karriere- und Profilierungsmöglichkeiten nachzudenken: seine Kompetenzen sind allemal höher einzustufen als die zum Beispiel von Politikern, die der Ansicht sind, sie könnten per Dekret ein Virus zum Osterfest abstellen;
– man kommuniziert – auch nahestehenden – Menschen, dass man sich von sich selbst und anderen nicht alles gefallen lassen will, um ‚bei besten Kräften‘ zu bleiben, die man braucht, wenn sich die Lage wieder wendet [und sie wird sich wenden!]. Dazu gehört dann eben auch, dass man radikal akzeptiert, sich von der ein oder anderen Person [zeitweise] zu ‚trennen‘;
– man kümmert sich ausschließlich um das, was man trotz der Gegebenheiten für sich, seine Familie, seine Freunde, Mitarbeiter, Kollegen und so weiter durch konkretes Handeln in die Welt schaffen kann.

Radikal meint auch, nicht nur montags und donnerstags oder nur zwischen 12 und 13 Uhr. Sondern ein konsequentes Akzeptieren, was ist, wie es ist – sofern keine eigenen Ressourcen zur Verfügung stehen, es zu ändern. Klar, wenn mein Tischtuch brennt, werde ich löschen. Wenn das des Nachbarn brennt und er mich ruft, um ihm beim Löschen zu helfen, dann werde ich helfen, wenn ich dazu in der Lage bin. Wenn aber zum Beispiel ein Virus gerade das medizinische Personal einer Klinik komplett fordert, dann werde ich akzeptieren was ist und darauf verzichten, mich dagegen aufzulehnen, dass die Behandlung meines Tinnitus [oder irgendeines anderen Beschwernisses] gerade nicht die höchste Aufmerksamkeit erfährt.

Es gilt also Haltung zu bewahren, wenn man vor einem Problem steht, das durch eigenes Handeln nicht gelöst werden kann, eben weil eine Situation nicht veränderbar ist. Und dass es vieler dieser Nicht-Veränderbarkeiten gibt, weiß der Mensch [eigentlich]:
– alles, was in der Vergangenheit mit mir oder mir Nahestehendem geschah, hat bereits stattgefunden, tat und tut vielleicht noch weh. Radikales, sinnorientiertes Akzeptieren bedeutet nun: „Das ist so. Worum kann es mir nun trotz allem gehen?“
– alles, was ich nicht erreichte, obwohl ich es sooo gerne [auch] erreicht hätte, macht mich traurig, wütend …, aber jetzt: „Das ist so. Worum kann es mir nun trotz allem gehen?“

Kleiner Tipp zur Selbsttherapie: Schreiben Sie eine Liste auf mit den Themen, Problemen usw., die vergangen und geschehen sind. Schreiben Sie dazu auf, wie sie emotional und gedanklich bislang mit diesen Themen und Problemen umgegangen sind. Und nun notieren Sie zu jedem Punkt:
„Das ist so. Worum kann es mir nun trotz allem gehen?“
Beginnen Sie nun damit, [kleine, vielleicht erste] Handlungen durchzuführen [nicht nur planen, sondern agieren!].

Wer radikal akzeptiert, lässt nicht zu, sich von belastenden Ereignissen auffressen zu lassen und sich von seinen – für sich selbst oder anderen –  negativen Impulse leiten zu lassen. Das ist gut und bringt einen Menschen weiter.

Nicht, dass wir uns missverstehen. Es geht nicht darum, sich JETZT alles gefallen zu lassen. Wer JETZT etwas erlebt, was schmerzt, und dagegen JETZT etwas unternehmen kann (sich wehren oder sich helfen lassen …], der soll dies tun. Es gibt keinen guten Grund, JETZT zu leiden. Wenn man in einer Situation aber mit eigenen Ressourcen etwas nicht unternehmen kann oder wenn helfende Ressourcen anderer nicht zur Verfügung stehen [Beispiel Tinnitus und überlastete Kliniken], der tut gut daran, radikal zu akzeptieren. Denn es gibt immer ein ‚Worum trotz allem‘.