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Berlin

Und wieder liegen Blumen am Boden und Schilder mit dem bekannten ‚Warum?‘. Wieder haben Sender ihr Programm geändert, um alles haarklein von den Geschehnissen – diesmal rund um den Breitscheidplatz – zu berichten. Zwar wird nun verstärkt dazu aufgerufen, nicht vorschnell zu urteilen und Gerüchten aufzusitzen, um dann in nächster Sekunde aber doch Parallelen und Halblogiken zu verbreiten. Das ist das Business und, das ist so psycho-üblich.

In den nächsten Diskussionen und Interviews wird überlegt, was denn nun zu tun sei. Die Meinungen schwanken zwischen Betonabsperrungen, ‚die aber die Stimmung drücken‘ und ‚man kann nicht alle öffentlichen Plätze sichern‘. Auch diese Minuten Sendezeit sind also mit bekannten Perspektiven gefüllt, übliches Business, das die Ohren ermuntert, auf Durchzug zu schalten.

Die dritte Welle schickt dann die Politik. Die eine Seite sieht nun aber wirklich das harte Durchgreifen als zwingend an und mobilisiert im Twittergewitter zu einem Vorgehen, das die andere Seite als in Deutschland nur leider als allzu altbekannt kommentiert. Dass Deutschland nun nicht mehr sicher sei – als hätte es jemals derart verstandene Umwelt-Sicherheit gegeben – illusionieren Möchtegernmächtige. Von Maß und Mitte ist auch zu hören und von Analogien zu Paris, Brüssel und vielen anderen Orten und davon, dass mehr Aufwand in Sachen Sicherheit den einzelnen Menschen halt doch nicht sicher machen kann. So geht dann in den nächsten Tagen alles wieder zurück an den Anfang, wenn auch mit Trauerbeflaggung … – vielleicht findet ja sogar ein Vorstandsvorsitzender eines Medienhauses den Weg zu den Angehörigen der Toten und Verletzten, um diesen aus den Erlösen der medialen Endlosschleifen einen Beitrag zur Überwindung der womöglich ernsten Auswirkungen der Tat zu leisten?

Gibt es weitere Sichtweisen? Viktor Frankl hat immer wieder in noch größerem Grauen erlebt, dass es eine Instanz im Menschen gibt, die sich über die Prozesse in seiner Psyche hinwegsetzen kann. Eine geistige Dimension, die den Menschen als das auszeichnet, was er auch ist – ein Wesen, dem es stets möglich ist, etwas zu tun, was über ihn selbst und seinen Egoismus, Fanatismus, Infantilismus, Dogmatismus und jedem anderen individuellen…ismus hinwegschauen lässt. Diese Dimension hat mit verantworteter Entscheidungsfreiheit zu tun, die jeder Mensch hat, auch dann, wenn es ihm schlecht geht und er sich psychisch – und weil dies so einfach ist – hinreißen lässt von allem, was sich wider das Gute und wider die Güte des Menschen und des Mensch-Seins stellt. Und was seine Psyche hinlenkt zu Radikalismus, Extremismus, Kollektivismus und den vielen anderen …ismen, die ihr Ziel erreichen, wenn das Geistige vernebelt ist.

Viktor Frankl hat unzählige Stunden erlebt, in denen das Geistige allemal hätte vollends vernebelt werden können. Doch dies ließ er nicht zu. Auch dann nicht, als er sich auf dem Wiener Rathausplatz in einer denkwürdigen Rede klar dafür aussprach, dass es keine kollektive Schuld geben kann, eben weil es auch keine kollektive Freiheit und Verantwortung gibt. Jeder Mensch hat vielmehr – auch, wenn er dies vielleicht selbst kaum glauben mag – seinen gewissen, persönlichen Entscheidungsspielraum. Entscheidet er sich, Sinnvolles zu tun, ist das sein persönlicher Verdienst. Wenn er das Gegenteil tut, ist das seine persönliche Schuld.

Der Täter von Berlin hat sich gegen Sinnvolles entschieden, seine Schuld ist individuell. Ihm womöglich ex post die Möglichkeit abzusprechen, sich doch nicht gegen die Personen gewehrt haben zu können, die Teil der Infiltration mit Unsinn waren, würde diesen Mann auf das Niveau eines rein triebhaften Tieres degradieren. Würde dies getan, wäre den Hintermännern etwas Infames gelungen: sie hätten dann gezeigt, dass es ihnen möglich ist, Menschen auf ein ‚Etwas‘ zu reduzieren. Kein Mensch aber ist bloß ‚Etwas‘, der Täter ist ein ‚Jemand‘, der in der Verantwortung bleibt für seine Handlung. Nie wird er dies zurückdelegieren können an eine ’schwierige Jugendzeit‘, ‚gefühllose Eltern‘, ‚demütigende Umweltzustände‘, ‚ihn allein lassende politische, wirtschaftliche oder andere Verhältnisse‘ oder ‚Personen, die ihn radikalisierten‘ usw. Ganz allein verantwortet er seine Schuld, so wie er frei war, sich gegen seine Handlung auszusprechen. Es gibt keine Kollektivschuld. Und sollte es bei dieser Person eine nachweisliche Verbindung zu diesem Gebilde geben, das medial als IS etikettiert wird, dann hielte ich es persönlich dennoch für nicht abwegig, davon auszugehen, dass es dort neben aller islamistischen Gedankenwelt auch Menschen gibt, in deren Gewissen die Grundordnungen des Mensch-Seins erhalten geblieben sind und in denen das Geistige in der Lage wäre, sich über das Psychische hinwegzusetzen. Über das Psychische?

stern-kuhlÜber das Modell der vier psychischen Systeme von Professor Julius Kuhl haben wir in der KrisenPraxis bereits berichtet. Unter dem Stichwort ‚Kuhl‘ können Sie über ‚Suche‘ diese Beiträge zur weiteren Orientierung abrufen.

Geraten psychische Systeme in einen Zustand der Überforderung oder Überdehnung, dann zeigt sich in unserem kulturellen Verständnis eine individuelle Persönlichkeitsakzentuierung, die sozial auf Ablehnung, Widerstand oder zumindest Irritation führen kann. Zum Beispiel:

Wenn ein Mensch, die Dinge oder Themen, die für ihn nicht ‚in Ordnung‘ sind, versucht ‚in Ordnung zu bringen‘, dann wird sein Empfindungssystem [verantwortlich für unstimmigkeitssensible Objekterkennung] aktiv und in der Regel wird dieser Mensch dann als ’sorgfältig‘ erlebt. Überdehnt sich dieses System, dann entsteht a la longue eine Form von Zwanghaftigkeit im Denken und-oder Handeln, die dem Menschen selbst und-oder seinem Umfeld als überbetont erscheint, solange der Mensch nicht in der Lage ist, dieses Verhalten zu justieren und einer dauerhaften Überdehnung entgegenzusteuern.

Oder: Wenn ein Mensch aus seiner Lebenserfahrung heraus seine Ansichten mitteilt, seine Position vertritt, seine Entscheidungen trifft, dann wird man ihn als ’selbstbestimmt‘ erleben. Überdehnt sich dieses System und ist der Mensch der Überzeugung, er ’selbst‘ sei der Inbegriff der Klarheit und des Gefühls darüber, wie ‚Welt‘ anzuschauen sei, dann wird dies oft als aggressive Zurschaustellung, Überheblichkeit und Arrogranz, zuweilen mit antisozialen oder mit paranoiden Zügen, erlebt.

Jeder ‚Persönlichkeitsstil‘ kann somit aus ‚psycho-logischer‘ Sicht in die Überdehnung und pathologische Ausformung geraten und ein Mensch täte gut daran, durch Reflexion des Selbstbildes und-oder durch achtsames Hinhören auf verantwortungsvolle Rückmeldungen vertrauter Personen mit entsprechenden ‚Übungen‘ auf die Stärkung der Selbststeuerung hinzuarbeiten, so eine solche Überdehnung wahrgenommen wird.

Und was tun Menschen?
Ebenfalls ‚psycho-logisch‘ gehen sie allzu oft entweder in den Angriff über [‚du musst mich so nehmen, wie ich bin‘] oder in die Flucht [‚ich mag mich ja selbst nicht‘] oder in die Erduldung [‚ich kann daran nichts machen, so ist es eben‘]. Versucht die klassische Psychologie, die Ursachen für Persönlichkeitsakzentuierungen herauszudestillieren, dann landet man zumeist bei einer zentralen Aussage: Menschliches Verhalten ist zur Hälfte durch Genetik, zur anderen Hälfte durch Umwelt determiniert.

Und warum tun Menschen das?
Aus Viktor Frankls sinntheoretischer ‚anthropo-logischer‘ Perspektive können wir dazu sagen: Weil Menschen allzu oft kein Wofür sehen, wozu es gut sein könnte, sich für jemanden oder für etwas in Liebe oder Hingabe einzusetzen, das nicht mit dem eigenen Egoismus in Verbindung steht. Jedoch dort, wo sie dieses Wofür doch sehen, sprengen sie zum Glück ebenso oft den Rahmen ihrer sogenannten Abhängigkeit von Genetik und Umwelt.

Genau diese Sprengung fand gerade gestern Abend am Breitscheidplatz vielfach statt. Menschen, die nicht an sich dachten, sich vielmehr selbst vergaßen und sich denen hingaben, die morgen vielleicht schon nicht mehr wissen, wer ihnen half oder wer sie rettete.

Es kommt nie und nimmer darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben,
vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet. [Viktor Frankl]

Danke denen, die sahen, was das Leben von ihnen gestern Abend erwartete. Genau diese Fähigkeit wird es sein, die allen -ismen zum Trotz den Menschen davor bewahren kann, zu glauben, er sei nichts anderes als ein rein psychophysisches Wesen, das Spielball seiner Triebe oder seiner Treiber ist.

Diese Fähigkeit, sich auf einen Sinn im Leben auszurichten, ist im Kern jedem Menschen gegeben. Sie zu entwickeln, den ‚Sinn-Muskel‘ quasi nicht erschlaffen zu lassen, braucht wie alles im Leben Übung. Übungen, die nachweislich umso besser gelingen, je weniger man sich an den Menschen orientiert, die diese Form der Reife dadurch vermissen lassen, dass sie anstelle sinnvoller Handlungen ihre Energie auf niedere, triebgerichtete und damit in unserer Welt nicht mehr wirklich Ernst zu nehmende Parolen verschwenden.

Wie stark wäre wohl das, was jeder einzelne seine ‚Welt‘ nennt, wenn sich die vielen Menschen mit ausgeprägter Sinnfähigkeit wirklich zusammentäten, um der Einfalt des Psychischen [Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote! – zitiert:Marcus Pretzell, Twitter] die ‚Trotzmacht des Geistes‘  [Die Berliner Polizei dankte ausdrücklich den Verkäufern und Händlern rund um den Breitscheidplatz, von denen viele über Stunden die Rettungskräfte unterstützt hatten – zitiert; rbb-online.de] entgegenzustellen?

Das Erleben einer Unternehmenskrise – II

Fortsetzung von Teil I

Der Schockphase folgt eine Form der Verleugnung. Dass sich das Unternehmen in einer existenziellen Krise befindet, wird negiert und die Situation kleingeredet – oft in der Weise, dass temporäre konjunkturelle Einflüsse für die aktuelle Lage herangezogen werden. Die Wirkung dieser irrationalen Haltung, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes zu setzen, erkennen Außenstehende daran, dass Führungskräfte wie paralysiert unfähig erscheinen, Entscheidungen zu treffen, eben weil das Heil in der erhofften Änderung der äußeren Lage gesucht wird. Hat sich diese Haltung manifestiert, erscheint ein Management zuweilen kollektiv im ‚Vogel-Strauß-Modus‘ und externe Empfehlungen hinsichtlich radikalerer Veränderungen werden abgewehrt.

‚Gehorcht‘ der Markt letztlich nicht und eine Besserung ist weiterhin nicht in Sicht, erlebt man in einer krisenbelasteten Organisation eine Art ‚Aufbäumen‘ bei gleichzeitiger Beschau der Tatsachen. Noch so unwahrscheinlich wirkungsvolle Maßnahmen werden erwogen, Entscheide werden hektisch und emotionalisiert getroffen, ihre Zweckdienlichkeit kaum mehr hinterfragt. Das Konfliktpotenzial innerhalb des Managements, des Managements und interner oder externer Peers oder auch des Managements mit externen Beraterpartnern steigt enorm an – vielfach sucht man nun Lösungen durch Einsatz von rechtlichen Mitteln. Diese fördern zwar das positive Gefühl, nicht handlungsunfähig zu sein, konterkarieren jedoch oftmals die zwischenzeitlich eingetretenen, deutlich reduzierten Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund von Machtverschiebungen zum Beispiel in Richtung Fremdkapitalgebern oder Wettbewerbern.

Das Erleben einer Unternehmenskrise – I

Wenn ein Unternehmer oder leitender Manager sein Unternehmen in eine existenzielle Not geraten sieht, greifen ähnliche Reaktionsmuster wie bei persönlichen, individuellen Krisen. Zuerst wird in der schockhaften Ungewissheit, in der die Frage noch ungeklärt ist, was überhaupt wie genau geschehen ist, die Person meist zuerst von Außen aufgerüttelt. Zum Beispiel, wenn die Hausbank mit der Kündigung von Kreditverträgen droht oder wenn die Unternehmensleitung durch eine Beratungsorganisation auf ein nicht mehr handhabbares Risiko aufmerksam gemacht wird.

Eher selten empfindet der Unternehmer die beginnende Krise aufgrund eigenen Gespürs und wenn doch, dann zeigt sich dennoch die Unfähigkeit, die Situation in ihrer Tragweite zu überblicken, einen Handlungsplan zu zu entwerfen und mit klarem Kopf Entscheidungen zu treffen.
Dies umso eher, wenn das Unternehmen in die Entwicklung eines Frühwarnsystems zu wenig oder keine Energie gesteckt hat, wenn das Unternehmen patriarchalisch oder autoritär geführt wurde [wie dies zum Beispiel bei VW im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre kolportiert wurde] oder wenn durchaus verfügbare Informationen aus Angst vor Repressalien von internen Fachleuten zurückgehalten wurden. Auch eine zu visionär-optimistische Gangart kann ihren Beitrag zu leisten, dass wichtige Zäsuren nicht rechtzeitig vorgenommen werden und eine derart führende Unternehmerpersönlichkeit kann jäh in ein Gefühl der Hilflosigkeit, Angst oder Panik fallen, wenn sich das Blatt schnell wendet und sich erhoffte Ergebnisse nicht einstellen.

Neben der misslichen Situation des Unternehmens stellen Unternehmer und Manager auch ihre eigene Lebenssituation in ein kritisches Licht. Sie sorgen sich um ihre Reputation, ihr Image oder fürchten Verluste ihres persönlichen ‚Marktwertes‘. Gerade diese spontanen, auf die Privatperson projizierten Ängste erschweren zusätzlich den Zugang zu einer sachlich-nüchternen Auseinandersetzung mit der eingetretenen Situation.

 

Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik für die Krisenprävention – Teil 1

Das Wissen um die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns, gekoppelt mit den neuesten Erkenntnissen der Psychologie, gibt uns heute die Gelegenheit, genauer als je zuvor Menschen darin zu beraten, in eine ihnen angemessene Weise individueller Krisenprävention zu investieren. Wesentlich in diesem Zusammenhang ist es, Einsichten darüber zu gewinnen, wie die Wege der Motivation eines Menschen gebahnt sind, wie er Ziele umsetzt, wie er seine Gefühle reguliert, wie er auf seine Lebenserfahrungen zurückgreift und ob und was ihn blockiert. Julius Kuhl, Professor für differentielle Psychologie an der Universität Osnabrück, hat mit seiner ganzheitlichen Persönlichkeitstheorie die Grundlagen für diese Einsichten geschaffen.

Vier Systeme zeichnen das Psychische des Menschen aus: Das Empfinden, das Fühlen, das Denken und das handlungsorientierte Intuieren [Intuition: Gespür]. Alle vier Systeme sind für Überlegungen der Krisenprävention von Bedeutung.

Mit dem bewussten ‚Empfinden‘ öffnet der Mensch seinen Blick in Richtung potenzieller zukünftiger Lebensrisiken [das ‚Empfinden‘ ist unsere persönliche innere Kontroll- und Prüfinstanz]. Das damit verbundene negative Gefühl gilt es herabzuregulieren – und den Menschen unterstützt dabei sein ‚Fühlen‘, dem System, in dem alle seine Lebenserfahrungen und seine Ressourcen bewahrt sind [das ‚Fühlen‘ ist unser persönlicher innerer Ratgeber und Navigator].

Sich der Facetten dieses System bewusst zu werden, dient dazu, dass der Mensch im dritten System, dem ‚Denken‘, eine Absicht dafür bilden kann, im Falle einer eintretenden Belastungssituation auf bestimmte, ihm angemessene Weise, zu handeln [das ‚Denken‘ ist so etwas wie die Arbeitsvorbereitung, die bei neuen, komplizierten oder komplexen Themen erforderlich ist] unser persönlicher innerer Ratgeber und Navigator].

Da einen Vorsatz umzusetzen mit Arbeit verbunden ist, braucht der Mensch die Fähigkeit, sich ’selbstmotiviert‘ positive Gefühle heraufzuregulieren. Ohne diese positiven Gefühle, bleibt es bei der fixen Idee – mit ihnen gewinnt der Mensch im Rahmen der Krisenprävention das ‚gute Gefühl, im Falle des Falles gewappnet zu sein‘. Gelingt die Aktivierung der positiven Gefühle, dann handelt Mensch zunehmend gewohnheitsmäßig, aus ‚dem Bauch heraus‘ [das ‚Gespür‘ hilft uns daher, etwas tun zu können, ohne langwierige Prüf- oder Vorbereitungsschritte unternehmen zu müssen – in Krisen um diese Gabe zu verfügen, würde einem Menschen daher manches von der Last abnehmen können, über die sonst so oft so berichtet wird].

Die von Julius Kuhl begründete Theorie vermittelt uns ein tiefes Verständnis individueller Motivation, des Bewältigungsverhaltens, der Selbststeuerungsfähigkeiten und des Handlungswillens. Dabei verliert sich der Ansatz nicht im abstrakten Klein-Klein anderer Wissenschaftskonzepte, sondern ist bei aller erforderlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit doch äußerst praktisch in seiner Anwendung.

[wird fortgesetzt]

Anteil psychischer Erkrankungen 2012

Stress entsteht nicht nur durch Arbeit, sondern durch Ar­beits­ver­hält­nis­se.

Der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse 2013 liefert ein neues alarmierendes Ergebnis: Jeder sechste Krankschreibungstag basiert auf der Diagnose einer psychischen Erkrankung!

„Für den 2012 feststellbaren leichten Gesamtanstieg der Fehlzeiten maßgeblich verantwortlich sind insbesondere die auch von 2011 auf 2012 erneut und merklich um 5,7 Prozent angestiegenen Fehlzeiten unter der Diagnose von psychischen Störungen. Fehlzeiten unter der Diagnose von psychischen Störungen sind damit, seit einem zwischenzeitlichen Tiefpunkt im Jahr 2006, kontinuierlich gestiegen

2012 wurden je 100 Erwerbspersonen durchschnittlich 246 Fehltage unter entsprechenden
Diagnosen gezählt. Jede Erwerbsperson war 2012 demnach durchschnittlich
knapp zweieinhalb Tage unter der Diagnose einer psychischen Störung
krankgeschrieben. Im Jahr 2006 waren es erst 144 Fehltage je 100 Erwerbspersonen,
also etwa 1,4 Tage je Person. Seit 2006 sind die Fehlzeiten unter der Diagnose psychischer
Störungen bei Erwerbspersonen damit altersbereinigt um 71 Prozent angestiegen.

T-K-1

Während die bei Erwerbspersonen nachweisbaren Anstiege der Fehlzeiten unter der Diagnose von psychischen Störungen von 2000 bis 2005 in engem Zusammenhang mit einer individuell bereits eingetretenen Arbeitslosigkeit und bei insgesamt ansteigenden Arbeitslosigkeitsquoten beobachtet werden konnten, lässt sich ein vergleichbarer Anstieg wie bei den Erwerbspersonen in den Jahren von 2006 bis 2012 auch unter Personen nachweisen, die zum jeweiligen Auswertungszeitpunkt als Berufstätige versichert und insofern individuell nicht direkt von einer Arbeitslosigkeit betroffen waren.

T-K-2

Unter Berufstätigen stiegen die gemeldeten Fehlzeiten mit der Diagnose von psychischen Störungen von 2006 bis 2012 um 76 Prozent. Die Ergebnisse deuten auch 2012 auf eine weiter ansteigende psychische Belastung von Berufstätigen hin.“ [Seite 12 im Bericht]