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Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu

Immer mehr Menschen melden sich bei der Arbeit wegen psychischer Probleme krank. Der neue Bericht des AOK-Bundesverbandes zeigt, dass nicht nur die Anzahl der psychisch Erkrankten steigt, sondern auch die Ausfallzeiten je Patient.

In 2016 betrug die Ausfallzeit pro Fall 25,7 Tage im Durchschnitt. Psychische Erkrankungen führen dabei zu mehr als doppelt langen Ausfällen als bei anderen Erkrankungen [durchschnittlch 11,7 Tage je Fall].

Wesentliche Gründe für den rasanten Anstieg psychischer Erkrankungen bei berufstätigen Menschen in den vergangenen zehn Jahren werden in den gravierenden Veränderungen in der Wirtschaftswelt zu finden sein. In unserer Praxis zeigen sich dabei insbesondere drei Phänomene bei unseren Patienten:

1. Empfinden von Sinnlosigkeit in Bezug auf die eigenen Aufgaben
2. Empfinden von Konzeptlosigkeit in Bezug auf die Veränderungsprozesse in ihren Organisationen
3. Empfinden von Hilflosigkeit aufgrund des eigenen Mangels an individueller Prävention

Signale psychischer Verstörungen im Beruf

Immer öfter werden Vorgesetzte mit psychischen Auffälligkeiten von Mitarbeitern konfrontiert. Die Grenzen zwischen ‚gesund sein‘, ‚Probleme haben‘ und ‚psychisch krank sein‘ sind fließend. Um so wichtiger ist es, nach einer angemessenen Zeit der Beobachtung sachlich und zweckdienlich darauf zu reagieren. Welche Signale sollten Personalverantwortliche beachten:

– Plötzlicher Rückzug
– Übersteigertes Bedürfnis, dauernd zu reden
– Unkontrolliertes, disziplinloses Verhalten
– Unterhaltung mit unsichtbaren Gesprächspartnern
– Übersteigertes Bedürfnis nach einer Ordnung, die nicht gestört werden darf

– Überforderung bei gleich bleibendem Arbeitsaufkommen
– Arbeitsgänge dauern viel länger als gewöhnlich
– Plötzlich viele Arbeiten beginnen und keine Aufgabe zu Ende bringen
– Nicht bei einem Gesprächsthema oder Gedanken bleiben können
– Plötzliches Klagen darüber, dass vorhandenes Wissen verschwunden ist
– Den Sinn von Worten nicht mehr erfassen
– Äußerung von Selbstmordgedanken

– Scheu vor Kontakten
– Übersteigertes Misstrauen
– Fehlende Wahrung der Distanz
– Unerklärliche Aggressivität bzw. Sympathiebezeugungen
– Häufiges Äußern von Lebensüberdruss
– Äußern von Angstgefühlen, vor allem Ängste vor Personen und Dingen
– Ängste, verfolgt zu werden
– Gefühle tiefer Traurigkeit
– Gefühl, von anderen gesteuert zu werden

– Hohe Nervosität
– Fehlendes Schlafbedürfnis
– Übersteigerte Aktivität
– Verlangsamte Reaktionen
– Zittern
– Vernachlässigung der persönlichen Hygiene
– Plötzliche übertriebene Pflege des eigenen Körpers, der Kleidung oder des Haushaltes

Empfehlung an Vorgesetzte: Sprechen Sie Ihre Wahrnehmungen an. Mit Beispielen und ohne Interpretationen, sachlich, diskret, auf Einwände vorbereitet und zur Unterstützung bereit. Dokumentieren Sie diese wie die folgenden Gespräche.
Wenn sich die Situation nicht verändert: Wiederholungsgespräch, Vermittlung von Kontakten zur professionellen Unterstützung. Kooperationspartner im betrieblichen Umfeld suchen, der positiven Einfluss auf den Betroffenen nehmen kann. Gegebenenfalls noch ein weiteres Mitarbeitergespräch führen. Wenn der Betroffene die Hilfe letztlich nicht in Anspruch nimmt, dann konsequent auf die Unmöglichkeit weiterer Unterstützung hinweisen und arbeitsrechtliche Maßnahmen einleiten.