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Kann man die Trotzmacht des Geistes messen? Teil 3

Eine andere – dritte –  Perspektive wird in der Reaktanztheorie von Brehm aufgegriffen. Erlebt eine Person den Verlust oder die Bedrohung ihrer Handlungs‐ oder Entscheidungsfreiheit, so erzeugt dies eine Motivation zu einer abwehrenden Reaktion. Eine Beschneidung der persönlichen Freiheitsgrade kann dabei von außen durch Dritte oder durch gesellschaftliche Konventionen erfolgen oder in Form von Mustern, denen ein Mensch in Loyalität zum Beispiel zu früheren Generationen selbstauferlegt folgt, wenngleich ihm dabei bewusst ist, quasi ‚das Leben anderer‘ zu leben.

Die in ihrer Freiheit eingeengte Person weiß um die mögliche Freiheit und um die Veränderungen, die diese Freiheit für die eigene Person bedeuten würde. Je wichtiger nun die ‚neue‘ Freiheit für die Person ist, je bedrohter die Person ihre potenzielle Freiheit und je enger sie die ihr gegebenen Freiheitsgrade empfindet, desto stärker ist die damit verbundene Reaktanz zu erwarten. Sie kann sich zeigen zum Beispiel durch Aggression oder Rückzug, je nach dem, welche Erwartung die Person an die Kontrollierbarkeit der durch die Reaktanz bewirkten Situation hat.

Reaktanz vermindert die durch Begrenzung der Freiheit empfundene Spannung – sie stellt eine psychische Reaktion dar und ihre Messung fokussiert daher ebenfalls auf die psychische Dimension des Menschen, hier im Kontext der Begrenzung des Freiheitsmotivs. Fragebögen zur Reaktanz [Stichwort ‚Reaktanz‐Skala‘] erfassen thematisch konkrete Erlebnisse und auch hier werden Daten aus subjektiver Sicht des Befragten erhoben.