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Neue Buchrezension zum ‚Coaching des Todes‘

So wichtig Prozesshaftigkeit, Lösungs- und Zielorientierung im Coaching sind, mit der Metapher „auf den Punkt kommen“ – so der Untertitel des Buches – wird mit der Publikation „Coaching des Todes“ ein innovativer Ansatz für die Begleitung existenzieller Situationen im Leben gewählt. Es mag auf den ersten Blick verwundern, weshalb das Buch nicht beispielhaft als „Sterbecoaching“ überschrieben ist. Allerdings spiegelt genau dies die spezielle Fokussierung auf Existenziale – und damit letztlich auf den Tod. Denn, wie jeder Seelsorger und Sterbebegleiter weiß, ist auch Sterben ein Prozess – ähnlich wie die allermeisten Begleitungen im Coaching –, der Tod indes ist dessen Endpunkt. Dieser Radikalität stellt sich „Coaching des Todes“, konsequent zu seinem Titel – und nicht zuletzt seinem durchweg (schwarzen) Einband.

In 43 einzelnen Kapiteln wird Schlieper-Damrichs Auseinandersetzung mit dem Thema Tod entfaltet, wobei man dem Buch durchgängig die Ausbildung und Erfahrung des Autors in den Coaching-Feldern Werte, Sinn und Krisen anmerkt. Wichtige und wiederkehrende Aspekte sind: Wertfülle, existenzielle Erfahrungen, Lebenssinn und Verantwortung. Der Augsburger Coach, Therapeut und Autor greift in seinen Fragestellungen und Reflexionen nicht nur – aber immer wieder – auf das Sinnkonzept und die Logotherapie von Viktor Frankl zurück, sondern verdichtet seine Betrachtungen mehrperspektivisch aus verschiedenen wissenschaftlichen Linien sowie aufgrund eigener Coachingprozesse und v.a. auch persönlicher Erfahrungen. Auf der Ebene des interdisziplinären Zugangs wird neben dem profunden Wissen des Autors auch die breite Unterstützung durch Expert*innen verschiedener Fachdisziplinen – der Logotherapie und Medizin, der Philosophie und Physik sowie dem Werte- wie Krisencoaching – durchweg deutlich. Die immer wieder eingeflochtenen Fallbeispiele, Aphorismen sowie Impulse zur Reflexion spiegeln die Erfahrungsdichte des Lebensthemas Tod. Die Reflexionstiefe, mit der sich der Autor dieses „Themas“ stellt, scheint nicht nur ein persönliches Interesse von Schlieper-Damrich zu sein, sondern wirkt zutiefst authentisch.

Wer Menschen auf dem Weg zum – physischen – Tod begleiten darf, der kennt das Phänomen einer nicht beschreibbaren letzten Klarheit: Da fällt kein Wort zu viel. Da stimmt der Ton. Da sind Botschaft und Sinn eindeutig. Diese Geist-Leib-Seele-Fokussierung im Angesicht des nahenden Todes steht aber sonstigen, üblichen Coaching-Aspekten diametral gegenüber: Wo Erfolg an erster Stelle steht, geht es hier um Werte. Wo Effizienz als oberstes Prinzip genannt wird, lauten die Ziele hier die Erfahrung und das Wiederfinden von Sinn. Schlieper-Damrich vermag es, ohne Betroffenheitspädagogik, hier und da sogar mit einem Hauch von Leichtigkeit bis hin zu einer Prise Humor für ein Thema zu öffnen, das in unserer Gesellschaft ansonsten ein emotionalisiertes und/oder mit Angst besetztes und verdrängtes Minenfeld ist. Leitend scheint das Interesse an einer Kompetenz zu sein, den Tod buchstäblich ins Wort zu nehmen, um so „auf den Punkt zu kommen“ – so der Untertitel. Damit kommt dem Tod – erstaunlicherweise nicht direkt so formuliert, aber unterschwellig auf der Haltungsebene deutlich – kein „Aus“ zu, sondern es bleibt eine Energie, die vom handelnden Subjekt Mensch zu verantworten ist. Und genau diese Visualisierung passt sich auf dem Cover auch in das sonstige Schwarz des Buches ein. Mit dem abschließenden Kapitel „Ja, aber“ – als Kontrapost aus der bis dahin durchlaufenden Nummerierung herausgenommen – und den drei folgenden Arbeitsblättern mit den Themen: „Die Brückenentscheidung“, „Der existenzielle Abschied“ und „Der Eigenauftrag“ mündet das Buch in ganz praktischen Anleitungen für ein Coaching des Todes. Zahlreiche Illustrationen unterstützen bis dahin die Leserfreundlichkeit dieser über 400-seitigen Monografie.

Nicht nur für Coaches, Berater und Therapeuten bietet „Coaching des Todes“ einen breiten Einblick in ein (zu) oft gemiedenes Thema. Auch Philosophen und Theologen dürfen dankbar sein, dass sich ein Kaufmann der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre auf dieses Terrain vorwagt. Dadurch wirkt seine Auseinandersetzung nicht „ideologisch“ vorbelastet. Sondern sie gewinnt Klarheit und kann dadurch immer wieder „auf den Punkt“ kommen, weil sie das Abschiednehmen und Erfahren von Sinn auf voraufgehenden, tieferliegenden Werteebenen gründet. Der Ansatz ist daher auch gänzlich frei von weltanschaulichen Glaubensinhalten, sodass das hier vorgestellte Konzept für eine kulturell und religiös plurale Gesellschaft eine wichtige Grundlage darstellt. Eine diesbezügliche Rezeption ist „Coaching des Todes“ zu wünschen!

Fazit: Sterben und Tod sind in der westlichen Gesellschaft an Spezialisten delegiert worden. Damit ist das Thema nicht nur aus dem Alltag verdrängt worden, sondern in gewisser Weise auch ein Tabu. Die Corona-Pandemie hat wieder daran erinnert, dass der Tod zum Leben – und zum Beruf – gehört. Sie hat schmerzhaft in die Komfortzone eingegriffen und verdeutlicht, dass es auch im Leben und Beruf kleine und größere Tode gibt. Diese Tode lassen sich zwar für gewisse Zeit verdrängen, man muss sich ihnen aber stellen, um zur Klarheit zu gelangen und Sinn zu erfahren. Für die Begleitung dieses letzten Schrittes, „auf den Punkt zu kommen“, ist „Coaching des Todes“ eine sehr wertvolle Lektüre – gleichermaßen für die Bereiche Personal und Business Coaching. Als gut erweiterbar kann der Ansatz auch insbesondere für das Feld des Exit-Coachings und der Exit-Strategien empfohlen werden!

Zitat: „Ist eine Person auf den Punkt gekommen, so bringt sie damit zum Ausdruck, im Einklang zu stehen mit dem Wert, den sie frei verwirklichen will und mit dem sie sich verantwortlich auf einen Sinnanlass ausrichtet.“ (S. 150)

Dr. Thomas Hanstein

Neue Rezension zum Buch ‚Coaching des Todes‘

In der Tradition anspruchsvoller Coachingfachbücher, die sich der Transformation der sinnzentrierten Arbeit mit Menschen widmen und mit dem Namen Viktor Frankl unverrückbar verbunden sind, hat der Augsburger Coach, Therapeut und Autor Ralph Schlieper-Damrich erneut ein besonderes Leseformat entwickelt. In meiner Anschauung erstmalig, bietet hier ein Coach sowohl einen biografischen Einblick in aus seinem Empfinden existenzielle Lebenssituationen als auch eine mutige Weiterentwicklung des Frankl‘schen Gedankengebäudes, der sich nachvollziehbar dargestellte Gespräche mit Klienten anschließen. Indem der Autor sein Werk selbst hybrides Ideenbuch nennt, macht er schon zu Beginn deutlich, dass sich der Leser auf Multiperspektivität, die ein oder andere Provokation und Grenzbetrachtung zwischen Psychologie, Philosophie und gesellschaftlichen Entwicklungen einstellen kann. Spannend fand ich die Idee, Begriffe wie Tod, Abschied, Gefühl, Punkt oder auch Verantwortung in einen mir neuen Verstehensraum zu setzen. Als Führungskraft in einem international tätigen Unternehmen habe ich schon oft mit Coachs zu den verschiedensten Anlässen zusammengearbeitet. Mit dem Coachphilosophen Schlieper-Damrich, dessen inhaltsreiche Arbeit ich bereits lange verfolge, bin ich einig, dass Coaching künftig wesentlich stärker aus dem Schatten der Selbstoptimierungsunterstützung, Performanztreiberei und eines Erfüllungsgehilfen sinnentleerter Führungsstrukturen heraustreten muss. Das Buch Coaching des Todes hat mir dabei auf anregende, zuweilen fordernde, aber auch amüsante Weise zu ganz neuen Überlegungen verholfen. Und ganz nebenbei fanden sich gerade jetzt zu Corona-Zeiten ganz hilfreiche Anknüpfungspunkte – vom Autor unbeabsichtigt, aber das macht ein Buch vielleicht ja gerade aus, dass es sich in Situationen anbietet, wenn man gar nicht daran denkt.

Michael Dagenhof

Erste Rezension zum neuen Buch: Coaching des Todes

Schlieper-Damrich, Ralph
Coaching des Todes
In existenziellen Abschieden auf den Punkt kommen
Februar 2020

Coaching des Todes – für mich als Leserin eine Reise, bei der ich auf authentische Weise nicht zu einem sofortigen und schnellen Ziel geführt wurde. Vielmehr waren die zu Beginn des Buches versprochenen Sprünge und Seitenstränge spannend und wie das Leben und der Tod nicht immer straight und voraussehbar. Leser und Leserinnen, die sich ein handliches Coachingbuch mit Tipps und Tools zur schnellen Bewältigung von Abschiedssituationen erhoffen, sollten woanders suchen.

Das Thema ist meines Erachtens so essentiell, dass es – auf den Punkt gebracht – möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden müsste. Dass der Autor sich dies von Coachs erhofft, zeigt einerseits den lebenspraktischen Bezug auf, den das Buch dann vermittelt, wenn nach der Vermittlung theoretischen Rüstzeugs zahlreiche Coaching-Praxisfälle die Verständnisbrücken bauen. Bei der wissenschaftlich-theoretischen Auseinandersetzung, die der Autor mit zahlreichen neuen Perspektiven aus der Sinntheorie und Logotherapie Viktor Frankls anbietet, kommt es sicher darauf an, ob der Leser dem zugrundeliegenden Menschenbild folgen kann und er bereit ist, sich der intellektuellen Herausforderung zu stellen. Gerade die Unterscheidung des existentiellen Abschieds von normalen Abschieden und die damit verbundenen existenziellen Gefühle, deren Vorstellung im Buch viel Raum gegeben wird, bedingen ausreichend Ruhe in der Verarbeitung des Textes. Ebenso gilt dies für die Bedeutung der Verwirklichung der von Frankl so genannten Einstellungswerte und der erweiterten Thesen zur Person.

Ich hatte den Eindruck, dass ich für das Verständnis sehr von einer bereits zuvor vollzogenen Annäherung an das Lebenswerk von Viktor Frankl profitiert habe. Wer sich hier noch nicht gut aufgehoben fühlt, dem mag das Buch Wertecoaching des Autors eine hilfreiche Basis sein. Coaching des Todes erweitert den Reflexionsspielraum und das Methodenrepertoire –ein echter Mehrwert! Mehr noch aber macht das Buch Lust auf Leben mit den dazugehörigen Herausforderungen und hält der Angst vor den Toden im Leben etwas entgegen, was jeder besitzt und nicht erfunden werden muss.

Mir persönlich hat das Buch einen Weg eröffnet, Sinn im Tod zu spüren und das ‚Handwerkszeug‘ gleich mitgegeben, diesen eigenverantwortlich zu verwirklichen. Die Erkenntnis, dass Leben nach Tod auf eine solche Weise in meinen Händen liegt, hält der Verdrängung, der Hilflosigkeit, der Trauer und der Angst, ein gutes Stück Zuversicht und Handlung entgegen. Dort, wo vorher Ohnmacht war, sprengt der Sinn die Türe ins ‚Nichts‘ und lässt einen neuen Lebensraum entstehen. Unglaublich. Für mich ist zudem eine neue, erweiterte Realität entstanden, die es mir ermöglicht, über persönliche Werte ‚in Kontakt zu bleiben‘ mit geliebten Menschen, die ich verloren habe. Und das, obwohl der physische Tod eines Menschen gar nicht im Vordergrund des Buches steht.

Nicole Schwarz

Die Webseite zum Buch

Sprechen mit Sterbenden

Da steht man am Bett des bald Sterbenden und findet nicht ins Gespräch. Plattitüden, Allgemeinplätze, Törichtes oder beklommenes Schweigen – oh, wie langweilig kann das Umfeld einem Menschen, dessen Verstand und Gefühlswelt noch erreichbar sind, sein absehbares Lebensende machen. Auch die Aufforderung, doch bloß zu kämpfen, ist aus der Sicht des Sterbenden oft ein Affront gegen den ohnehin laufenden Kampf, den er auf die je ihm eigene Weise führt. Oder – auch beliebt im Sterbezimmer – „ich seh morgen wieder nach dir“. Sicher gut gemeint, will man doch mitteilen, dass der Mensch einem wichtig ist und nicht das Gefühl haben soll, alleine zu sein. Aber wie wäre es, den Sterbenden zu fragen, ob er diese Präsenz wünscht?
„Lass uns nicht allein“, „du darfst nicht sterben“, „versuche doch auch noch diese Therapie oder Medikation“ und andere Appelle sind – bei genauer Betrachtung – eher Zeit verschwendende Beruhigungspillen für den Besucher als förderlich für das Recht auf ein gelingendes Sterben des Sterbenden.

Sterbekommunikation gehört sicher nicht zu den Pflichtfächern moderner Erwachsenenbildung. Da hilft nur eins: sich dessen selbst bewusst werden, wie und worüber man im Sterben sprechen möchte. Der eine mag sich seiner Lebensleistung gerne erinnern, der andere über das gemeinsam Erlebte, der nächste will wissen, wie die nächsten medizinischen Schritte aussehen, wieder andere wollen in die Überlegungen eingebunden werden, was Menschen unternehmen werden, wenn man selbst gestorben ist. Auch das, was noch unerfüllt ist und vielleicht noch abgeschlossen, ausgeräumt oder entschieden werden könnte, können bessere Themen sein. Sie fragen sich, wozu es gut sein könnte, sich diese Gedanken – jetzt – zu machen? Sterblichkeit ist stets auch verbunden mit einer individuellen Wahrscheinlichkeitsrechnung. Im Moment mag diese Rechnung für Sie und mich zu einer ‚0‘ führen. Aber klar muss bleiben: das Wahre scheint lediglich, es ist nicht wahr. Im nächsten Moment kann sich dies ändern. Im nächsten Moment kann ein Prozess in Gang kommen, der den Anfang der Lebensendlichkeit markiert. Wie wollten Sie, wie wollte ich mich wohl in dieser Zeit begleitet wissen? Welche Ihrer Werte wollten Sie in dieser Phase des sterbenden Lebens verwirklicht wissen?

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [Jugendliche]

Jugendliche gestalten ihren Zugang zum erwachsenen Leben – da hat der Tod in der Regel keinen Platz, obzwar viele Jugendliche bereits mit ihm Kontakt hatten, wenn sie Abschied nahmen von Verwandten oder in Diskussionen über Konfliktherde in der Welt auch mit den Themen Krieg, Gewalt und eben auch Tod berührt wurden. Jugendlichen sollten

  • Gesprächspartner zur Reflexion ihrer Gedanken und Gefühle zur Seite stehen, zuweilen auch derart, dass ihnen konkrete thematische Impulse gegeben werden, da sie selbst aufgrund ihrer Lebensphase und ihrer Interessen das Gespräch über Verlusterfahrungen eher selten suchen
  • Zuwendung, Aufmerksamkeit und Austausch über Stressverarbeitungsstrategien erhalten, wenn sie mit einer unmittelbaren Todessituation in ihrem Umfeld konfrontiert sind
  • von ihren Bezugspersonen auch erfahren, wie diese mit ihren eigenen Unsicherheiten umgehen
  • bei einem eingetretenen Todesfall eingebunden werden in Entscheidungen und Planungen hinsichtlich anstehender Abschiedsrituale – Gespräche mit Ärzten, Seelsorgern usw. sollten ihnen nicht vorenthalten werden
  • ihre Gedanken über das Thema Selbsttötung einbringen können, wenn dies ein Aspekt der aktuellen Situation ist
  • in der Form ihrer Trauer nicht fremdbestimmt werden – jeder Mensch hat einen individuellen Zugang zur Trauer, der Forderungen von außen eher verbietet
  • trotz eines traurigen Erlebnisses ihre Freude am normalen Alltag nicht verlieren und lernen, dass beides in ihrem Leben einen Platz hat ….

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 12 Jahre]

Kinder ab 10 Jahre möchten sich manchmal vom Tod überzeugen und wollen sehen, wie es aussieht, wenn jemand tot ist. Dazu sollten sie

  • ausreichende Gesprächsangebote erhalten, um den Tod als abschließendes und unausweichliches Ereignis zu begreifen. Gerade introvertierte Kinder versuchen, sich ihr Bild vom Tod im Rückzug und Selbstgespräch zu machen und überfordern sich damit häufig
  • erfahren, welche Bedeutung Rituale [kirchliche, familiäre …] haben, warum man dem Toten gedenkt, wie der Tote im Herzen anderer ‚weiterlebt‘
  • ihre Angst um den eigenen Tod artikulieren können und dazu ehrliche Stellungnahme der Erwachsenen erfahren
  • in ihrer Trauer gestützt aber auch gelenkt werden, wenn ihr Verhalten im Angesicht des Todes grenzverletzend wirkt
  • Akzeptanz erfahren, wenn sie in ihrer psychischen Abwehr dem Tod mit Ironie oder Witz begegnen ….

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 10 Jahre]

Kinder ab 7 Jahre wissen zwar, dass es den Tod als Unterschied zum Leben gibt, begreifen aber noch nicht seine Bedeutung und Endgültigkeit. Die Akzeptanz des Todes ist noch nicht entwickelt.
Kindern in diesem Alter sollte daher

  • zugestanden werden, die aufkommenden Gedanken und Gefühle zeigen zu können und diese in Geborgenheit und Schutz besprechbar zu machen
  • besondere Aufmerksamkeit und Sicherheit zuteil werden, wenn sie sich unangemessen der eingetretenen Situation gegenüber verhalten
  • erfahren, dass ihre Fragen Ernst genommen werden und der Erwachsene bemüht ist, diese genau zu beantworten
  • Ehrlichkeit entgegen gebracht werden, wenn das Kind sich Sorgen macht, die Eltern könnten sterben – hier ist anzuraten, dem Kind einerseits zu sagen, dass auch Eltern sterblich sind, andererseits aber hervorzuheben, dass die Eltern noch vieles vorhaben, was sie mit ihrem Kind erleben wollen
  • ihr Glaube daran, durch eigenes Denken oder Handeln ein Todesgeschehen mit beeinflusst zu haben [z.B. durch den nach einem Streit gedachten Wunsch, der eigene Bruder sei besser nicht mehr da], auf sanfte Weise ausgeräumt werden
  • der Prozess des Krank-Werdens und das Vorgehen im Körper bei schweren Krankheiten kindgerecht erklärt werden
  • die Möglichkeit gegeben werden, sich erfreuende Vorstellungen darüber zu bilden, was nach dem Tod vorfindbar sein könnte ….

Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Einige Anregungen:

Schlecht: ‚Papa ist auf eine lange Reise gegangen.‘
Besser: Papa ist bei einem Unfall gestorben. Wir sind alle sehr traurig aber wir werden es zusammen schaffen dass es uns mit der Zeit wieder besser geht.

Schlecht: ‚Es ist Gottes Wille‘ oder ‚Gott hat ihn zu sich genommen, weil er so gut ist‘ oder ‚Er ist im Himmel bei den Engeln.‘
Besser: Großvater ist letzte Nacht gestorben. Wir werden oft an ihn denken. Wir können uns an die guten Dinge erinnern, die wir mit ihm erlebt haben.

Schlecht: ‚Großmutter schaut vom Himmel auf dich herunter (… es ist besser wenn du brav bist).‘
Besser: Großmutter war sehr sehr alt und ist gestorben. Sie wird in unserer Erinnerung immer bei uns bleiben.

Schlecht: ‚Max ist schlafen gegangen (er ist jetzt im Himmel).‘
Besser: Max war sehr sehr krank und die Krankheit hat ihn sterben lassen. Niemand weiß wirklich, ob er jetzt im Himmel ist. Manche Leute glauben das, andere nicht.

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 6 Jahre]

Kindern im Alter von 5 und 6 Jahren ist noch nicht bewusst, dass jedes Lebewesen eines Tages sterben wird. Jedoch sind sie in ihrer Entwicklung so weit gereift, dass ihnen im Falle des Todes zum Beispiel eines Familienmitglieds, eines Freundes oder auch eine Tieres die Situation auch als ‚Tod‘ konkret benannt werden kann.

  • Kinder nehmen in diesem Alter alles, was ihnen gesagt wird, wortwörtlich. Versuchen Erwachsene, einen Todesfall mit anderen Begriffen zu umschreiben, riskieren sie deutliche Irritationen und Vertrauenseinbußen, die meist dann entstehen, wenn das Kind von anderer Stelle mit der ‚Wahrheit‘ konfrontiert wird
  • Vermeiden Sie starke Emotionalisierung und Nervosität in Ihren Gesprächen mit Kindern in diesem Alter – je mehr Sie die Lage aufgeregt darstellen, umso intensiver wird sich das Kind für die Situation und die Wirkung auf Sie interessieren
  • Erlauben und ermuntern Sie das Kind, Fragen zu stellen, wenn es welche hat. Erlauben Sie sich selbst, dem Kind zu sagen, dass es Ihnen womöglich nicht möglich ist, alle Fragen zu beantworten
  • Weichen Sie in keinem Fall aus, wollen Sie nicht Gefahr laufen, dass das Kind ein Geheimnis vermutet – erinnern Sie sich, wie Sie selbst als Kind mit ‚geheimen Sachen der Erwachsenen‘ umgegangen sind. Erhält ein Kind in diesem Alter keine Antwort, dann findet es sie woanders
  • Klarheit und Stütze helfen vermeiden, dass ein Kind seine offenen Fragen mit Fantasien oder Ängsten ‚ausgleicht oder sein Bedürfnis nach Sicherheit und Verlass als bedroht empfindet …

Kinder und ihr Umgang mit dem Tod [bis Lebensalter 4 Jahre]

Für Kinder unter vier Jahren stellt der Tod noch nichts Bedeutungsvolles dar, insbesondere ist die Endgültigkeit, die der Tod markiert, für das Kind noch nicht erfassbar. Wichtig ist daher, dass Bezugspersonen, die zum Beispiel in der Trauer um einen Menschen stehen, nicht vergessen, dass das Kind

  • mindestens eine vertraute Bezugsperson braucht, die ihrerseits sich ihm emotional zuwendet, es ermutigt und die von ihm gezeigten Gefühle zulässt
  • klare Strukturen und Abläufe wie Essenszeiten, gemeinsames Spielen, Gutenachtgeschichte benötigt
  • einen Lernprozess beschreitet, indem es einen Verlust zu überwinden lernt, selbst wenn er mit großer Trauer und tiefem Schmerz verbunden ist
  • in altersgerechten Erzählmodus über Trennung, Sterben, Abschied, Tod mehr erfahren soll, zum Beispiel durch den Einsatz von Märchen oder Parabeln
  • nach und nach den Tod anhand der Prozesse in der Natur, zum Beispiel bei Pflanzen oder einem Tier zu verstehen lernt
  • lernen soll, dem Tod mit aktiver Handlung entgegenzutreten, zum Beispiel, indem man es ermuntert, einen Grabschmuck zu fertigen
  • nicht von Erinnerungen abgekoppelt werden soll, sondern vielleicht angeregt wird, eine Sammlung kleiner Erinnerungen an das, die oder den Verstorbene[n] zusammenzutragen…