Schlagwort-Archiv: Willensfreiheit

Werteklarheit als Voraussetzung für gelebte Willensfreiheit

„Der Mensch von heute weiß zur Genüge, daß er Triebe hat; was wir ihm zu zeigen haben, wäre eher das Gegenteil, nämlich, daß er auch Geist hat – Geist, Freiheit und Verantwortung.“
Den Menschen als geistiges Wesen anzuerkennen, steht in der Tradition des Menschenbildes von Viktor Frankl. Der Mensch ist stets mehr als Psyche und Körper. Das, was ihn vom Tier im ‚wesen’tlichen unterscheidet, ist seine Geistiges.

Trotz seiner sozialen, biologischen und psychologischen Bedingungen vermag daher der Mensch mit einer veränderten Einstellung, mit der er sich dazu aufruft, seine ihm per se gegebene geistige Freiheit zu nutzen, sich von diesen Bedingungen zu distanzieren, sich neu auszurichten, sich nicht alles von sich selbst gefallen zu lassen, sich zu überwinden. Damit übernimmt er in seiner Freiheit auch Verantwortlichkeit für die Verwirklichung seiner Werte, mit der er letztlich Sinn findet. Sich seine Werte bewusst zu machen, zu selbst darin zu erkennen, welche Werte ihn als Menschen auszeichnen, welche Werte übernommen und welche durch individuelle Entwicklungsschritte entfaltet wurden, hilft Menschen darin, Orientierung über seine ‚Sinn-Freiheit‘ zu gewinnen. Wer diese Auseinandersetzung mit seiner Biografie nicht wahrnimmt und „sein Schicksal für besiegelt hält, ist außerstande, es zu besiegen“ [Frankl].

Pro domo: In unserer Coaching- und Therapiepraxis beraten wir Einzelpersonen mit einer großen Auswahl bewährter Verfahren der Werte-Selbsterkennung darin, ihre individuellen Lebenswerte mit ihrer jeweiligen Entwicklungsgeschichte herauszuarbeiten.

Freier Wille und Sinntheorie

Betrachtet man die derzeit auch in der Öffentlichkeit immer populärer dargestellten Strömungen der Hirnforschung, die – in ihrer vielleicht kontroversesten Weise durch Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt a.M. repräsentiert – annehmen, dass jedes menschlich-mentale Phänomen in Form von Wahrnehmungen und Entscheidungen, Gefühlen und Motivationen, aber letztlich auch das gesamte Bewusstsein durch neuronale Prozesse im Gehirn entstehen und daher nur deren Wirkung und nicht etwa deren Ursache sein können, dann folgt hieraus die generelle Ablehnung menschlicher Willens­freiheit.

Singer argumentiert weiter, dass Entscheidungen nur Folge neuronaler Prozesse sein können, die für ihr Zustandekommen den Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, die für neuronale Prozesse gelten – also die Naturgesetze, die beschreiben, wie die Strukturbildung zwischen Neuronen, Axone und Synapsen verläuft. Eine Entscheidung hat somit eine mehr oder minder lange ‚neuronale’ Vorge­schichte. Zudem werden die Inhalte einer Entscheidung, die in unserem Bewusstsein aufscheinen, durch neuronale Prozesse vorbereitet, über die ein Individuum bis zu deren Bewusstwerden keine will­kürlich gesteuerte Kontrolle ausüben kann. Aus diesem Grund muss davon ausgegangen werden, dass individuelles Wollen durch Prozesse bestimmt wird, die sich einer Willkür entziehen.

Weiterlesen

Freier Wille – die Position der Gehirnwissenschaft von Professor Haynes

Professor Wolf Singer hält den freien Willen für nicht existent. Sein Kollege John-Dylan Haynes fand in seiner Forschung jedoch, dass das Bereitschaftspotenzial schon weit vor der einer Handlung messbar ist. Wer hat nun Recht? Machen Sie sich selbst ein Bild: Hier gehts zum Beitrag.

Was hat die Hirnforschung bisher erbracht – Professor Brüntrup und Professor Tretter

Erschütterung des Menschenbildes? 10 Jahre Manifest der Hirnforschung. Zwei renommierte Wissenschaftler beziehen Stellung zu den bisherigen Erkenntnissen.

Professor Brüntrup. Beitrag.  —–   Professor Tretter. Beitrag.