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„… trotzdem JA zum Leben sagen“ von Viktor E. Frankl als Live-Hörspiel

Gerne machen wir auf diese Veranstaltung aufmerksam:

Jüdisches Museum Augsburg Schwaben in Kooperation mit Kulturhaus abraxas

… trotzdem JA zum Leben sagen
Lesung: Andreas von Studnitz
Musik: Wolfgang Lackerschmid

Das 1946 veröffentlichte Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ des jüdischen Psychotherapeuten Viktor E. Frankl schildert nicht nur eindringlich seine Erlebnisse als Häftling in deutschen Konzentrationslagern, sondern reflektiert diese auch in Bezug auf die Psyche der Betroffenen.

Im Unterschied zu einer reinen Lesung wird mit der live am Vibraphon dargebotenen Musik, die sowohl in emotional unterstützenden Klängen szenisch mit dem Gesprochenen korrespondiert, als auch in Textpausen einen Ruhepunkt schafft, die Aufnahme des Textes vertieft.

Veranstaltungsort: abraxas Theater, Sommestraße 30, 86156 Augsburg
Termin: Mi 19.10. um 19:00 Uhr
Eintritt: € 20,– | € 15,– (erm.)
Tickets gibt es im abraxas Büro (nur Barzahlung), in der Bürgerinfo am Augsburger Rathausplatz, in allen Reservix-Vorverkaufsstellen und online über www.kulturhaus-abraxas.de oder www.reservix.de.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=xuhrT1noUwo
Info: www.jkmas.de

Film zum Thema „Kriseninterventionsteam“.

Gerne kommen wir der Bitte des Westdeutschen Rundfunks (funk-Format reporter -WDR) nach und verlinken hier zum Kurzfilm zum Thema ‚Krisenintervention‘.

Worum gehts: Wenn Menschen nach traumatischen Situationen psychische Erstbetreuung brauchen, ist Laura als Kriseninterventionshelferin vor Ort. Sie hat erst vor Kurzem die Ausbildung für das Ehrenamt abgeschlossen und rückt seitdem bei Unfällen, Suiziden oder erfolglosen Wiederbelebungen aus. WDR-Reporter Alex bei einem von Lauras ersten Einsätzen dabei. Warum hat sich Laura freiwillig für dieses Ehrenamt entschieden? Und wie ist das, völlig fremde Menschen in der absoluten Krise aufzufangen?

Spruch des Tages

„Anfangs wollt ich fast verzagen,
und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen –
Aber fragt mich nur nicht, wie?“

Heinrich Heine (1797-1856)
Buch der Lieder, VIII, 1827

Wenn es mal wieder einiges zu beklagen gibt

Vor kurzem habe ich einen cholerischen Klienten über seine Mitarbeitersituation sprechen hören. Da blieb kaum ein gutes Haar an jedem übrig. Da habe ich ihm eine kleine Intervention angeboten: Er wurde gebeten, sein Anliegen auf ein Blatt Papier zu schreiben und dann je nach Anzahl der mit dem Anliegen verbundenen Personen entsprechende Spalten anzulegen. In den Spalten steht für jeden Beteiligten (hier 5 Mitarbeitende, 1 Chef, 2 Kollegen) ‚Du deins‘, in der letzten Spalte dann ‚Ich meins‘
Du deinsDu deinsDu deinsDu deins ……. Ich meins
Der Klient schrieb nun genau auf, welche Anteile jeder an der Situation hatte, lernte so zu differenzieren und personenbezogen Lösungsanteile herauszuarbeiten. In der Folge hat mein Klient erkannt, dass Pauschalierungen sowieso nicht weiterbringen, sondern nur das ganze System verhärten und dass Lösungsprozess auch gut auf mehrere Personen verteilt werden können („jetzt bleibt der Scheiß wieder nur an mir hängen“ – dieses Anfangs-Empfinden des Klienten war nach dieser Intervention kein Thema mehr).

Eigentlich schon

„Eigentlich brauche ich ja kein Coaching, eigentlich habe ich ja keine Krise, eigentlich ist ja soweit alles in Ordnung“ sagt der Klient, und doch sitzt er mir gegenüber. Warum? Warum eigentlich? Will er mir sagen, dass die falsche Person vor mir sitzt, oder dass er nur nicht weiß, welchen Anteil am Problem ihm gehört? Meint er, dass er Besseres zu tun hat, etwas anderes braucht oder dass er von jemandem gedrängt wurde? Als Coachs und Therapeuten erleben wir recht häufig, dass Klienten durch bestimmte Formulierungen ihre Aussagen relativieren und unscharf machen. So drückt ein Klient durch häufige „Ja, aber“-Sätze aus, dass er auf der Stelle tritt („ja, Sie haben Recht, dass es besser wäre, nicht so unter Zeitdruck zu stehen, aber ich denke, dieser Stress gehört einfach dazu“). Auch das ‚eigentlich‘ ist ein solcher Weichzeichner. „Eigentlich-Sätze“ können verwirrend wirken und beim Hörer des Satzes eine Art Trance induzieren. Das Wort klingt mysteriös und wie ein Versteckspiel. Eigentlich (weiß ich etwas), aber eigentlich (verrate ich es nicht), denn eigentlich (weiß ich doch nicht …). Der Chamäleoncharakter des Begriffs und die durch ‚eigentlich‘ entstehende Mehrdeutigkeit der Aussage machen das, worum es wirklich geht, schwer fassbar.

Viele in Coaching oder Therapie verwendeten „Eigentlich-Sätze“ drücken eine Ambivalenz des Klienten aus. Daher müssen sie hinsichtlich des gemeinten Sinns überprüft werden. zum Beispiel durch die Umkehr des Eigentlich-Satzes. „Eigentlich will ich so nicht mehr arbeiten“, wird dann zu: „Ich will so nicht mehr arbeiten.“ Eine alternative Aussage des Eigentlich-Satzes kann hervortreten, wenn wir das „eigentlich“ durch „im Grunde“ ersetzen: Im Grunde will ich mit dieser Arbeit aufhören. Dies kommt der ursprünglichen Bedeutung von „eigentlich“ zwar nahe, ist allerdings oft von Klienten so nicht gemeint. Hilfreich kann nach einem „Eigentlich-Satz“ die Nachfrage sein: „Und was wollen Sie uneigentlich?“

Ursprünglich stammt „eigentlich“ von dem altgermanischen und mittelhochdeutschen Wort „eigen“ ab mit der Bedeutung ‚in Besitz genommen, besessen‘. Diese Bedeutung findet sich noch in ‚leibeigen‘. Später meinte es „ausdrücklich bestimmt, ursprünglich, wirklich, genau genommen“. Die letzte Silbe ‚-lich‘, stammt aus dem Mittelhochdeutschen und war ursprünglich ein selbstständiges Wort. Aus demselben Stamm leitet sich das Wort Leiche ab (Körper, Gestalt). So wird aus eigen und -lich die Umschreibung von: „die Gestalt des Wirklichen habend“.

Von den vielen verschiedenen Bedeutungen, die „eigentlich“ haben kann, sind zwei für den Coach und Therapeuten besonders wichtig. ‚Eigentlich‘ im Sinne des Ursprünglichen, des Wirklichen, des Genau-Genommenen, des Im-Grunde-und-bei-tieferer Überlegung-Gemeinten und im Sinne einer verwirrenden, Bedeutung kaschierenden, vagen Aussage. Um im Gespräch nicht in die Irre zu laufen gilt es, den gesamten Kontext [Körpersprache, Betonung, vorangegangene und folgende Sätze, Häufigkeit, inhaltlicher Rahmen] zu beachten, in den ‚eigentlich‘ eingebettet ist. Wenn das gelingt, dann macht es ‚eigentlich‘ Spaß, sich den Horizont der Gestalt des Wirklichen zu erarbeiten.

Gute Kommunikationsvorsätze für 2022

Krise, Konflikt, Covid, Katastrophe – auch das kommende Jahr wird munter. Psycho-Post-Covid-Symptome werden zunehmen und jeder, der alles mit guter Gesundheit und Resilienz gemeistert hat, kann einen Beitrag dafür leisten, dass es anderen Menschen psychisch auch wieder besser geht. Dazu gehört natürlich: Kommunikation. Und hier nun insbesondere: Das Hinhören.

Wenn Sie dies vermeiden, hilft es Ihrem Gesprächspartner (in schweren Lebenslagen insbesonders):

1) Das Thema des Gesprächspartners als uninteressant, normal, langweilig … bezeichnen
2) Die Sprechweise des Gesprächspartners kritisieren – vielleicht ringt er nach Worten oder er springt in seinen Aussagen oder er stellt die Themen nicht logisch dar
3) Gereizt auf den Gesprächspartner reagieren, wenn Sie seine Meinung nicht teilen
4) Die Gefühle in den Aussagen des Gesprächspartners überhören und nur nach Tatsachen fragen
5) Zuhören, aber gedanklich bei anderen Themen sein oder sich parallel mit anderen Sachen beschäftigen
6) Unangenehmen Themen des Gesprächspartners ausweichen
7) Sofort bereits wissen, was der Gesprächspartner benötigt
8) Den Gesprächspartner unterbrechen, um schneller zu einem Fazit zu gelangen

Das kleine Jammertal

Habe gestern bei einem Klienten eine einfache Intervention genutzt, um ihn aus seinem Jammertal herauszuholen. Ich habe ihn gebeten, sich wirklich alles von der Seele zu schreiben, was er bezüglich anderer Menschen oder belastender Themen zu beklagen habe, dabei aber auf keinen Fall Sätze in der Vergangenheits- oder Zukunftsform oder im Konjunktiv zu schreiben. Nur der Indikativ-Präsenz war erlaubt! Das ‚Dumme‘ dabei ist nur: In dieser Schreibform lässt sich ganz schwer klagen ….. Einfach mal selbst ausprobieren, sollten Sie sich selbst einmal auf den Geist gehen.

Zwischendurch gefragt …

… welche Geschichten des Gelingens könnten Sie heute erzählen? Welches – um ein häufig benutztes Wort in der Gegenwart zu bemühen – ‚Narrativ‘ haben Sie und wie wirkt es sich auf Ihre Lebensführung aus? Wem haben Sie über Ihr Gelingendes berichtet und aus welcher Motivation heraus? Passt Ihr Narrativ zu den Erwartungen Ihres privaten und beruflichen Umfeldes? Haben Sie schon einmal überlegt, worin der schmale Grat zwischen ‚Narrativ‘ und ‚Lebenslüge‘ besteht? Wie lange erzählen Sie wem bereits Ihr Narrativ? Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Geschichte des Gelingens in der Zukunft noch einmal ganz anders anhören könnte? Wenn ja, was müssten Sie tun, was Sie nicht bisher auch schon taten, damit dieses Gelingen gelingt?