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Zwischendurch gefragt …

… welche Geschichten des Gelingens könnten Sie heute erzählen? Welches – um ein häufig benutztes Wort in der Gegenwart zu bemühen – ‚Narrativ‘ haben Sie und wie wirkt es sich auf Ihre Lebensführung aus? Wem haben Sie über Ihr Gelingendes berichtet und aus welcher Motivation heraus? Passt Ihr Narrativ zu den Erwartungen Ihres privaten und beruflichen Umfeldes? Haben Sie schon einmal überlegt, worin der schmale Grat zwischen ‚Narrativ‘ und ‚Lebenslüge‘ besteht? Wie lange erzählen Sie wem bereits Ihr Narrativ? Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Geschichte des Gelingens in der Zukunft noch einmal ganz anders anhören könnte? Wenn ja, was müssten Sie tun, was Sie nicht bisher auch schon taten, damit dieses Gelingen gelingt?

Wie das Böse nicht gewinnt

Wenn Albert Einstein recht hat, dann ist die Welt nicht bedroht von Menschen, die böse sind, sondern von denen, die Böses zulassen. Wer Böses zulässt, hat meist Angst. Angst um seinen Job, Angst vor Einsamkeit, Angst vor Statusverlust. Da es unhandlich ist, permanent Angst zu haben, suchen Menschen nach Bewahrern guter Zustände. Manche nennen das Politik. Bereitet die Politik einem Menschen Angst, dann helfen die Grundlagen der Demokratie, diesen Zustand abzustellen. Dumm nur, wenn eine neue Politik dazu verhelfen soll, Zustände zu [re-]aktivieren, die mühsam vollzogene Entwicklungsprozesse in einer Gesellschaft wieder tilgen sollen. Gut nur, dass eine solche ‚neue Politik‘ heute sofort medial offengelegt wird, so dass an sich niemand sich mehr verstecken kann vor dem Wissen hinsichtlich möglicher Folgen der Nichtnutzung demokratischer Wahlmöglichkeiten. Dumm nur, dass es dennoch viele Menschen gibt, die dieses Spiel spielen. Daher können wir Einsteins Gedanken heute neu denken: Die Welt ist bedroht von denen, die als schweigende Mehrheit ihre Pflicht vernachlässigen, denen Einhalt zu gebieten, die bereit wären, Böses zuzulassen. Bald ist Bundestagswahl. Jeder hat die Wahl.

Logos und Existenz

Die Logotherapie als sinnorientierte Beratungs- und Behandlungsform wurde von Prof. Dr. Viktor Emil Frankl entwickelt und 1946 in seinem Buch Ärztliche Seelsorge erstmals beschrieben.
Mit der von ihm ebenso seinerzeit dargelegten Existenzanalyse wurde der konkreten Arbeit in der Logotherapie eine anthropologische Theorie zugrunde gelegt. Mit diesem Menschenbild lässt sich die Logotherapie als humanistisch-existenzielle Psychotherapie verorten – für Menschen, die Hilfestellung in einer Situation existenzieller Orientierungslosigkeit benötigen. Wir wenden als Logotherapeuten das Gedankengut Frankls im Bereich der Psychologie, der Pädagogik, der Hospizarbeit, der Mediation, im Coaching und in der Führungskräfteentwicklung ein.

Im therapeutischen Kontext leistet die Logotherapie einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung psychischer Störungen, in der Behandlung von Sinnlosigkeitsgefühlen, zur Bewältigung von Verlusterfahrungen, im Umgang mit schweren oder chronischen Erkrankungen, zur Verarbeitung von Krisen und Schicksalsschlägen. Das Therapieziel besteht stets darin, den Möglichkeitsraum für neue Sinnerfahrung zu vergrößern. Dies geschieht gesprächsbasiert mit kognitiver und emotionaler Aktivierung der individuellen Lebenswerte und unter Einsatz innovativer Instrumente zur Werteanalyse und -entwicklung.

Den Menschen verstehen wir als sinnorientiertes Wesen, das vor dem Hintergrund seiner Bedingungen zur Selbstgestaltung seines Lebens fähig ist – auch, wenn eben dieses Leben als aktuell brüchig empfunden wird. Mehr zu unserem Arbeitskonzept finden Sie hier.

Von Querdenkern und Corona-Sieben

Von Sokrates im antiken Athen, dem Lehrer von Platon und Aristoteles, wird folgende Geschichte erzählt:

„Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ sagte einer, der zu Sokrates gelaufen kam.
„Halte ein“, unterbrach ihn der Weise. „Hast du alles, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“, fragte der der andere voller Verwunderung.

„Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht:
Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es jemanden erzählen und…“
„So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?“

Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil …“
„Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“
„Notwendig nun gerade nicht…“

„Also“, sagte Sokrates lächelnd, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Diese Geschichte können Sie gerne denen erzählen, die Ihnen mit ihren Gedanken und Sprüchen zu quer kommen.

Gelassenheit

Gerade eben hat uns die Inhaberin eines kleinen Fachgeschäfts unseren ‚Jahres-Osterhasen‘ persönlich vorbeigebracht. Ich finde: In Skulptur gegossene Gelassenheit. Schön, wenn jeder trotz allem ein gutes Stück davon für sich bewahren kann.

Die Psychologie ist tot, es lebe die Psychotherapie.

Heureka, bald gibt es viele neue Psychotherapeuten.

Das hat uns noch gefehlt. Deutschland wird als psychisch krank erklärt, sonst würde wohl kaum ein Ministerium ein Gesetz erlassen, so wie es nun als Psychotherapeutengesetz von Minister Spahn geplant ist.

Was kommt da auf Sie zu? Die 19-20jährigen Abiturienten studieren künftig nicht mehr Psychologie, um danach als eine der vielen Optionen vielleicht irgendwann einmal zu entscheiden, mit persönlicher Reife in eine Arbeit als Psychotherapeut einzusteigen. Nein, künftig erhält man nach fünf Studienjahren die staatliche Approbation für Psychotherapie. Dann ist man also so um die 25 Jahre alt. Dann ist man Psychotherapeut, und zwar für Menschen von 0 bis 130.

Warum kommt mir da gerade der 44jährige Patient in den Sinn, der es als Fernfahrer auf dem Weg von Aberdeen nach Florenz gerade noch schafft, sein Gefährt am Autobahnrastplatz Augsburg abzustellen, nachdem er zwei Stunden zuvor vom Tod eines Freundes, eine Stunde zuvor vom Tod seines Firmenchef und zehn Minuten zuvor vom Tod seines Vaters erfahren hat. Völlig aufgelöst gelingt es ihm, eine für ihn passende psychotherapeutische Krisenprävention zu finden. Wie wäre es, würde ihm nun eine 27jährige gegenübersitzen …

Oder der 72jährige Patient, dessen Depression sich einfach nicht legen will, da er sein unternehmerisches Lebenswerk gefährdet sieht, weil seine ‚verantwortungslosen‘ Kinder es einfach nicht schaffen [wollen], ihrerseits Nachkommen zu zeugen, was ihm die Weitergabe seines Besitzes erleichtern und sein Denkmal sichern würde und so weiter, und so weiter …

Ja, und nun kommt eben eine Zeit auf uns zu, in der die ‚alten Hasen‘ nach und nach ihre Praxen auflösen und abgelöst werden von Mittzwanzigern, die in ihrer Studienzeit 60% direkt mit Patienten [vermutlich Übungspatienten, so ähnlich wie bei den FriseurgesellInnen, die per Plakat nach Opfern suchen] arbeiteten und ein halbes Jahr lang, sic!, sich den theoretischen und klinischen Grundlagen hingaben.

Das klassische Psychologiestudium ist also bald tot. Der Master in Psychologie führt nicht zur Approbation, ist daher attraktivitätsbefreit. Und wer das neue Psychotherapiestudium absolviert mit Ausblick auf die schnelle eigene Praxis und volle Terminkalender, muss sich nicht einmal in den 40% Nicht-Praxiszeit wirklich mit Psychologie auseinandersetzen. Er braucht lediglich eine Ergänzung in einer der sogenannten Bezugswissenschaften. Das kann dann auch ein Fach aus der Soziologie oder Kulturwissenschaft sein. So werden ernste psychische Probleme von Menschen sicher angemessen adressiert werden.

Aber vielleicht finden sich noch Eltern, die mit ihren Kindern darüber ins Gespräch kommen, ob deren Berufswunsch über diesen Weg wirkliche eine schlaue Idee ist … – was wir doch nicht brauchen in Deutschland sind Tausende zu junger, arbeitsloser Psychotherapeuten.