Kategorie-Archiv: KrisenPraxis

Krise macht Urlaub

Unsere KrisenPraxis macht Urlaub, und anschließend gehen wir in den ersten Teil der Vorbereitung unseres nächsten Buchprojektes.

Wir melden uns wieder am 1.10.2017 und wünschen Ihnen bis dahin eine krisenbefreite Zeit.

Neue Praxisräume

Geschafft. Nun haben wir den Umzug unserer Praxis für Logotherapie, Schematherapie und Krisenberatung nach Augsburg hinter uns. Wir begrüßen hier unsere Klienten und Patienten in einem denkmalgeschützten Haus aus dem 18. Jahrhundert mit knarzenden Holzböden und gekalkten Wänden in der ersten Etage auf Augsburgs bekanntester Hauptstraße.


Blick von unserem Therapieraum und der KrisenPraxis in den Raum für Beratung, Mediation und Krisenprävention.

 

 

 

 

Blick vom Therapieraum ins Erkerzimmer-Büro mit großer Fachbibliothek.

Neue Praxisräume

Die KrisenPraxis legt eine Einzugspause ein.

Unsere Privatpraxis für wertebasierte Psychotherapie, Logotherapie und Schematherapie mit ihren Schwerpunkten Therapie – Krisenberatung – Krisenprävention – Life2Me®-Coaching bekommt eine zweite Adresse. Auf der Maximilianstraße in Augsburg ziehen wir im April ein. Die Vorbereitungen
und das, was jeder kennt, wenn Möbelwagen vor der Türe stehen, erfordern unsere Aufmerksamkeit.

Die KrisenPraxis meldet sich daher wieder in der Woche nach Ostern.
Bis dahin wünschen wir Ihnen eine krisenbefreite Zeit.

 

Berlin

Und wieder liegen Blumen am Boden und Schilder mit dem bekannten ‚Warum?‘. Wieder haben Sender ihr Programm geändert, um alles haarklein von den Geschehnissen – diesmal rund um den Breitscheidplatz – zu berichten. Zwar wird nun verstärkt dazu aufgerufen, nicht vorschnell zu urteilen und Gerüchten aufzusitzen, um dann in nächster Sekunde aber doch Parallelen und Halblogiken zu verbreiten. Das ist das Business und, das ist so psycho-üblich.

In den nächsten Diskussionen und Interviews wird überlegt, was denn nun zu tun sei. Die Meinungen schwanken zwischen Betonabsperrungen, ‚die aber die Stimmung drücken‘ und ‚man kann nicht alle öffentlichen Plätze sichern‘. Auch diese Minuten Sendezeit sind also mit bekannten Perspektiven gefüllt, übliches Business, das die Ohren ermuntert, auf Durchzug zu schalten.

Die dritte Welle schickt dann die Politik. Die eine Seite sieht nun aber wirklich das harte Durchgreifen als zwingend an und mobilisiert im Twittergewitter zu einem Vorgehen, das die andere Seite als in Deutschland nur leider als allzu altbekannt kommentiert. Dass Deutschland nun nicht mehr sicher sei – als hätte es jemals derart verstandene Umwelt-Sicherheit gegeben – illusionieren Möchtegernmächtige. Von Maß und Mitte ist auch zu hören und von Analogien zu Paris, Brüssel und vielen anderen Orten und davon, dass mehr Aufwand in Sachen Sicherheit den einzelnen Menschen halt doch nicht sicher machen kann. So geht dann in den nächsten Tagen alles wieder zurück an den Anfang, wenn auch mit Trauerbeflaggung … – vielleicht findet ja sogar ein Vorstandsvorsitzender eines Medienhauses den Weg zu den Angehörigen der Toten und Verletzten, um diesen aus den Erlösen der medialen Endlosschleifen einen Beitrag zur Überwindung der womöglich ernsten Auswirkungen der Tat zu leisten?

Gibt es weitere Sichtweisen? Viktor Frankl hat immer wieder in noch größerem Grauen erlebt, dass es eine Instanz im Menschen gibt, die sich über die Prozesse in seiner Psyche hinwegsetzen kann. Eine geistige Dimension, die den Menschen als das auszeichnet, was er auch ist – ein Wesen, dem es stets möglich ist, etwas zu tun, was über ihn selbst und seinen Egoismus, Fanatismus, Infantilismus, Dogmatismus und jedem anderen individuellen…ismus hinwegschauen lässt. Diese Dimension hat mit verantworteter Entscheidungsfreiheit zu tun, die jeder Mensch hat, auch dann, wenn es ihm schlecht geht und er sich psychisch – und weil dies so einfach ist – hinreißen lässt von allem, was sich wider das Gute und wider die Güte des Menschen und des Mensch-Seins stellt. Und was seine Psyche hinlenkt zu Radikalismus, Extremismus, Kollektivismus und den vielen anderen …ismen, die ihr Ziel erreichen, wenn das Geistige vernebelt ist.

Viktor Frankl hat unzählige Stunden erlebt, in denen das Geistige allemal hätte vollends vernebelt werden können. Doch dies ließ er nicht zu. Auch dann nicht, als er sich auf dem Wiener Rathausplatz in einer denkwürdigen Rede klar dafür aussprach, dass es keine kollektive Schuld geben kann, eben weil es auch keine kollektive Freiheit und Verantwortung gibt. Jeder Mensch hat vielmehr – auch, wenn er dies vielleicht selbst kaum glauben mag – seinen gewissen, persönlichen Entscheidungsspielraum. Entscheidet er sich, Sinnvolles zu tun, ist das sein persönlicher Verdienst. Wenn er das Gegenteil tut, ist das seine persönliche Schuld.

Der Täter von Berlin hat sich gegen Sinnvolles entschieden, seine Schuld ist individuell. Ihm womöglich ex post die Möglichkeit abzusprechen, sich doch nicht gegen die Personen gewehrt haben zu können, die Teil der Infiltration mit Unsinn waren, würde diesen Mann auf das Niveau eines rein triebhaften Tieres degradieren. Würde dies getan, wäre den Hintermännern etwas Infames gelungen: sie hätten dann gezeigt, dass es ihnen möglich ist, Menschen auf ein ‚Etwas‘ zu reduzieren. Kein Mensch aber ist bloß ‚Etwas‘, der Täter ist ein ‚Jemand‘, der in der Verantwortung bleibt für seine Handlung. Nie wird er dies zurückdelegieren können an eine ’schwierige Jugendzeit‘, ‚gefühllose Eltern‘, ‚demütigende Umweltzustände‘, ‚ihn allein lassende politische, wirtschaftliche oder andere Verhältnisse‘ oder ‚Personen, die ihn radikalisierten‘ usw. Ganz allein verantwortet er seine Schuld, so wie er frei war, sich gegen seine Handlung auszusprechen. Es gibt keine Kollektivschuld. Und sollte es bei dieser Person eine nachweisliche Verbindung zu diesem Gebilde geben, das medial als IS etikettiert wird, dann hielte ich es persönlich dennoch für nicht abwegig, davon auszugehen, dass es dort neben aller islamistischen Gedankenwelt auch Menschen gibt, in deren Gewissen die Grundordnungen des Mensch-Seins erhalten geblieben sind und in denen das Geistige in der Lage wäre, sich über das Psychische hinwegzusetzen. Über das Psychische?

stern-kuhlÜber das Modell der vier psychischen Systeme von Professor Julius Kuhl haben wir in der KrisenPraxis bereits berichtet. Unter dem Stichwort ‚Kuhl‘ können Sie über ‚Suche‘ diese Beiträge zur weiteren Orientierung abrufen.

Geraten psychische Systeme in einen Zustand der Überforderung oder Überdehnung, dann zeigt sich in unserem kulturellen Verständnis eine individuelle Persönlichkeitsakzentuierung, die sozial auf Ablehnung, Widerstand oder zumindest Irritation führen kann. Zum Beispiel:

Wenn ein Mensch, die Dinge oder Themen, die für ihn nicht ‚in Ordnung‘ sind, versucht ‚in Ordnung zu bringen‘, dann wird sein Empfindungssystem [verantwortlich für unstimmigkeitssensible Objekterkennung] aktiv und in der Regel wird dieser Mensch dann als ’sorgfältig‘ erlebt. Überdehnt sich dieses System, dann entsteht a la longue eine Form von Zwanghaftigkeit im Denken und-oder Handeln, die dem Menschen selbst und-oder seinem Umfeld als überbetont erscheint, solange der Mensch nicht in der Lage ist, dieses Verhalten zu justieren und einer dauerhaften Überdehnung entgegenzusteuern.

Oder: Wenn ein Mensch aus seiner Lebenserfahrung heraus seine Ansichten mitteilt, seine Position vertritt, seine Entscheidungen trifft, dann wird man ihn als ’selbstbestimmt‘ erleben. Überdehnt sich dieses System und ist der Mensch der Überzeugung, er ’selbst‘ sei der Inbegriff der Klarheit und des Gefühls darüber, wie ‚Welt‘ anzuschauen sei, dann wird dies oft als aggressive Zurschaustellung, Überheblichkeit und Arrogranz, zuweilen mit antisozialen oder mit paranoiden Zügen, erlebt.

Jeder ‚Persönlichkeitsstil‘ kann somit aus ‚psycho-logischer‘ Sicht in die Überdehnung und pathologische Ausformung geraten und ein Mensch täte gut daran, durch Reflexion des Selbstbildes und-oder durch achtsames Hinhören auf verantwortungsvolle Rückmeldungen vertrauter Personen mit entsprechenden ‚Übungen‘ auf die Stärkung der Selbststeuerung hinzuarbeiten, so eine solche Überdehnung wahrgenommen wird.

Und was tun Menschen?
Ebenfalls ‚psycho-logisch‘ gehen sie allzu oft entweder in den Angriff über [‚du musst mich so nehmen, wie ich bin‘] oder in die Flucht [‚ich mag mich ja selbst nicht‘] oder in die Erduldung [‚ich kann daran nichts machen, so ist es eben‘]. Versucht die klassische Psychologie, die Ursachen für Persönlichkeitsakzentuierungen herauszudestillieren, dann landet man zumeist bei einer zentralen Aussage: Menschliches Verhalten ist zur Hälfte durch Genetik, zur anderen Hälfte durch Umwelt determiniert.

Und warum tun Menschen das?
Aus Viktor Frankls sinntheoretischer ‚anthropo-logischer‘ Perspektive können wir dazu sagen: Weil Menschen allzu oft kein Wofür sehen, wozu es gut sein könnte, sich für jemanden oder für etwas in Liebe oder Hingabe einzusetzen, das nicht mit dem eigenen Egoismus in Verbindung steht. Jedoch dort, wo sie dieses Wofür doch sehen, sprengen sie zum Glück ebenso oft den Rahmen ihrer sogenannten Abhängigkeit von Genetik und Umwelt.

Genau diese Sprengung fand gerade gestern Abend am Breitscheidplatz vielfach statt. Menschen, die nicht an sich dachten, sich vielmehr selbst vergaßen und sich denen hingaben, die morgen vielleicht schon nicht mehr wissen, wer ihnen half oder wer sie rettete.

Es kommt nie und nimmer darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben,
vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet. [Viktor Frankl]

Danke denen, die sahen, was das Leben von ihnen gestern Abend erwartete. Genau diese Fähigkeit wird es sein, die allen -ismen zum Trotz den Menschen davor bewahren kann, zu glauben, er sei nichts anderes als ein rein psychophysisches Wesen, das Spielball seiner Triebe oder seiner Treiber ist.

Diese Fähigkeit, sich auf einen Sinn im Leben auszurichten, ist im Kern jedem Menschen gegeben. Sie zu entwickeln, den ‚Sinn-Muskel‘ quasi nicht erschlaffen zu lassen, braucht wie alles im Leben Übung. Übungen, die nachweislich umso besser gelingen, je weniger man sich an den Menschen orientiert, die diese Form der Reife dadurch vermissen lassen, dass sie anstelle sinnvoller Handlungen ihre Energie auf niedere, triebgerichtete und damit in unserer Welt nicht mehr wirklich Ernst zu nehmende Parolen verschwenden.

Wie stark wäre wohl das, was jeder einzelne seine ‚Welt‘ nennt, wenn sich die vielen Menschen mit ausgeprägter Sinnfähigkeit wirklich zusammentäten, um der Einfalt des Psychischen [Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote! – zitiert:Marcus Pretzell, Twitter] die ‚Trotzmacht des Geistes‘  [Die Berliner Polizei dankte ausdrücklich den Verkäufern und Händlern rund um den Breitscheidplatz, von denen viele über Stunden die Rettungskräfte unterstützt hatten – zitiert; rbb-online.de] entgegenzustellen?