Kategorie-Archiv: Umgang mit persönlichen Lebenslagen

Der Sinn als Mitglied des inneren Teams

communicare „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“

Wir können nicht nicht gegenüber anderen Menschen kommunizieren.
Wir können nicht nicht mit uns selbst kommunizieren.
Kommunikation ist alles und überall. Das macht es nicht immer wirklich leichter.

Im Rahmen unseres Einzelcoachings:

  • können Sie sich Ihre inneren Dialoge (Selbstkommunikation) bewusst machen und dabei zwischen förderlichen und hinderlichen Mustern unterscheiden
  • können Sie sich Ihren Glaubenssätzen nähern und beginnen, sich von einst verinnerlichten Altlasten zu befreien
  • können Sie eine Verbindung herstellen zwischen Ihren Werten, die einen Beitrag dafür leisten, Einstellungen und Haltungen zu prägen, die ihrerseits zu Verhaltensmustern und Kommunikationsstilen führen
  • können Sie lernen, effektiver zu fragen
  • können Sie Ihre non-verbale Kommunikation (Körpersprache) studieren und verbessern
  • können Sie Ihr Kommunikationsbedürfnis und das anderer Menschen erkunden und üben, wie sich Stress durch Kommunikation vermeiden läßt

Soviel zum Werbeblock.


Wenn man sich mit Kommunikation und dem Phänomen des inneren Dialogs befasst, kommt man am Konzept des ‚Inneren Teams‘ von Friedemann Schulz von Thun nicht vorbei: 

„Die Erkenntnis, dass die menschliche Seele eine faszinierende innere Gruppendynamik aufweist und die Entdeckung, dass die dort waltenden Verhältnisse eine erstaunliche Analogie zu denen in realen Gruppen und Teams aufweisen, haben mich dazu gebracht, die Metapher vom „Inneren Team“ zu formulieren und zur Grundlage meines Menschenbilds und meiner kommunikationspsychologischen Beratung zu machen.“

Das Modell betrachtet die „Innenseite“ der Kommunikation, denn ein Miteinander und Gegeneinander findet nicht nur zwischen Menschen, sondern auch innerhalb des Menschen statt. Meist gibt es mehrere innere Stimmen, die sich zu einem bestimmten Thema äußern, die sich miteinander selten einig sind und die alles daran setzen, auf unser Verhalten und unser Handeln Einfluss zu nehmen.

Das Modell des Inneren Teams beinhaltet sechs Lehren:

1) Lehre von der inneren Pluralität des Menschen
(innere Reaktionen auf andere Menschen oder Ereignisse erfolgen meist gemischt, undeutlich, in Form eines „hin-und hergerissen“)

2) Lehre von der inneren Führung
(wenn es ans Entscheiden geht, dann behält das „innere Oberhaupt“ das letzte Wort)

3) Lehre vom inneren Konfliktmanagement
(Gegensätze und Spannungen werden vom inneren Konfliktmanager gemanagt – er besitzt mehr oder weniger die Tugend der Verständigungsbereitschaft, die Fähigkeit, die Perspektive des anderen einzunehmen, den Willen zum Sinn)

4) Lehre vom Aufbau der Persönlichkeit
(das innere Team kennt „Stammspieler“, „Ersatzbank“, „Schiedsrichter“, „Publikum“, und so weiter)

5) Lehre von der Variation innerer Aufstellungen
(ein Mensch variiert je nach Kontext in seinem Kommunikationsverhalten – und wirkt dabei zuweilen unberechenbar)

6) Lehre vom Gehalt einer Situation
(der Mensch setzt spontan Schwerpunkte – innerhalb einer kurzen Situation kann es aufgrund des inneren Teams zu stimmigen oder konfliktären Kommunikationsmustern kommen)

Für die sinnzentrierte Arbeit mit Menschen ist sind hiervon die zweite und sechste ‚Lehre‘ von besonderer Bedeutung. Das innere Oberhaupt ist für uns das Sinn-Organ, das Gewissen. Unter dem ‚Gehalt einer Situationen‘ verstehen wir den bestenfalls gegebenen Situationssinn oder – negativ – den sich in Situationen nicht allzu selten auch zeigende ‚Unsinn‘.
Da wir den Menschen als sinnstrebig verstehen, es für ihn also in der Welt immer auch jederzeit einen Sinn gibt, so lässt sich dieser auch – im Verständnis der fünften Lehre – als innerer Repräsentant aufstellen. Eine solche Sinn-Aufstellung gehört zu den von uns im Werte- und Sinncoaching sowie im Krisenpräventionscoaching eingesetzten Standardinterventionen.

Vom Geistigen zum Psychischen

Die Seelenkunde, die Psychologie, beschreibt und erklärt menschliches Verhalten, die Entwicklung des Menschen in seinen Lebensphasen und die inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen für die Formung seines Verhaltens. Die klassische Psychotherapie hat als Prozess der Heilung der Affektseele die Aufgabe, die seelische Verfassung eines Menschen derart zu stabilisieren, so dass er freikommt von den mit seiner Erkrankung verbundenen belastenden Gedanken und Vorstellungen. Einfach gesagt – die Psychotherapie wirkt seelenheilend mit einer erhofften Wirkung auf der Verstandesebene.

Viktor E. Frankl, Arzt, Psychiater und Philosoph und Begründer der dritten Wiener Schule der Psychotherapie (nach Freud und Adler) hat mit seiner Logotherapie eine neue Perspektive auf den Menschen herausgearbeitet. Wie der Begriff Logotherapie bereits andeutet, geht es Frankl um eine Heilung des Psychischen durch das Geistige. Für Frankl ist der Mensch ein nach Sinn suchendes, geistige Wesen. Sinnfindung wird so zum zentralen Thema des Heilungsprozesses, und mit ihm in der Folge auch zu einer Wirkung auf der psychischen Ebene.

Anders als die Psychologie, in der Seelisches verstandesorientiert erklärt wird, ist unsere Arbeitsform darauf ausgerichtet, die Bedeutung des Geistigen seelisch zu erklären. Welche seelischen Wirkungen hat es, wenn ein Mensch seinen Sinn verfehlt oder aber ihn entdeckt. Welche seelischen Wirkungen hat es, wenn ein Mensch um seine Belastung kreist, wenn die Gedanken zu Ängsten, Zwängen oder Selbstvorwürfen werden, weil der Sinn als verloren angesehen wird? Welche seelischen Wirkungen hat es, wenn sich der Mensch nicht mehr alles von sich selbst gefallen lässt und einen Willen zum Sinn zeigt.

Neben der psychologischen Arbeit, gibt es in unserem Vorgehen daher immer auch einen ‚logopsychischen‘ Anteil. Wichtiger als ein solcher neuer Begriff ist für uns, die dahinter stehende Arbeitshaltung und -richtung zu vermitteln. Wenn wir ‚logopsychisch‘ [und nicht nur psychologisch] arbeiten, dann erzielen wir eine integrative Wirkung in der Weise, dass zuerst belastete Persönlichkeitsanteile (z.B. bestimmte Verhaltensmuster, einengende Glaubenssätze, Minderwertigkeits-Erlebnisse) von unbelasteten Anteilen gelöst werden, so dass die dem Menschen zur Verfügung stehenden Ressourcen ebenso klar hervortreten wie die Aspekte, die derzeit nicht im Lot sind.

Auf die belasteten Anteile blicken wir dann differenziert. Wie äußern sich die Belastungen, welche Symptome zeigen sie, wie treten sie auf? Wer alles gehört zum Raum der Belastung – unmittelbar und mittelbar? Wer oder was in diesem Belastungsraum wirkt mit welcher Energie auf die Person ein? Welche Gedanken gibt es bereits zu der wahrgenommenen Belastung? Welcher Teil der Belastung kann als Aspekt des ursprünglichen Selbst der Person angesehen werden, und welcher Teil repräsentiert die von der Person übernommenen realen oder gedeuteten Zuschreibungen der Umwelt? Was geschieht in den verschiedenen Systemen, in denen die Person agiert, wenn die Belastung auftritt und wenn sie nicht auftritt?

Jeder Mensch kommt sowohl „selbst“ als auch „selbst gemacht“. Die geistige Dimension des Menschen (der logos) ist in der Lage, diese Unterschiede herauszuarbeiten, wiederholende Muster zu erkennen, Bewegungen im System transparent zu machen und Störungen und Blockaden aufzulösen. Eine solche Arbeitsform macht die Logotherapie zur idealen Form individueller Krisenprävention.

Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu

Immer mehr Menschen melden sich bei der Arbeit wegen psychischer Probleme krank. Der neue Bericht des AOK-Bundesverbandes zeigt, dass nicht nur die Anzahl der psychisch Erkrankten steigt, sondern auch die Ausfallzeiten je Patient.

In 2016 betrug die Ausfallzeit pro Fall 25,7 Tage im Durchschnitt. Psychische Erkrankungen führen dabei zu mehr als doppelt langen Ausfällen als bei anderen Erkrankungen [durchschnittlch 11,7 Tage je Fall].

Wesentliche Gründe für den rasanten Anstieg psychischer Erkrankungen bei berufstätigen Menschen in den vergangenen zehn Jahren werden in den gravierenden Veränderungen in der Wirtschaftswelt zu finden sein. In unserer Praxis zeigen sich dabei insbesondere drei Phänomene bei unseren Patienten:

1. Empfinden von Sinnlosigkeit in Bezug auf die eigenen Aufgaben
2. Empfinden von Konzeptlosigkeit in Bezug auf die Veränderungsprozesse in ihren Organisationen
3. Empfinden von Hilflosigkeit aufgrund des eigenen Mangels an individueller Prävention

Stress

Stress kommt auf, wenn eine Person plötzlich vor einer Situation steht, deren erfolgreiche Bewältigung für sie deshalb wichtig ist, weil sie individuelle Ziele, Motive oder die Verwirklichung von Werten als bedroht empfindet oder meint, sich als Mensch in der Situation zu verfehlen. Irrelevante Situationen erzeugen keinen Stress. Stress kommt zudem auf, wenn eine Unsicherheit gegeben ist, ob die verfügbaren Ressourcen passend oder ausreichend sind, um die Situation gelingend zu gestalten. Stress wird also durch Soll-Ist-Diskrepanzen bewirkt, Ist die Situation durch Unsicherheit geprägt, dann empfindet der Mensch Stress, wird sie zum manifesten Selbstzweifel, dann sprechen wir von Krise. Nicht jeder Stress hat daher Krisencharakter. Zumeist führt das persönliche biologische Stressprogramm mit seiner Mobilisierung von mentalen und physischen Energien, sozialen Beziehungen und geistiger Ausrichtung auf Sinnhaftes dazu, die Situation zu meistern. Wird anschließend ausreichend entspannt und regeneriert, dann bauen Körper und Psyche wieder Energien für folgende Ereignisse mit Stressmuster auf. Gelingt dies nicht, läuft das System heiß und psychosomatische Phänomene unterschiedlicher Art werden erlebt – von den Klassikern wie Verspannungen, Verdauungsproblemen, Infekten oder Hautproblemen bis zu Störungen des Stoffwechsels, des Herzkreislaufsystems oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Fraglos spielen individuelle Persönlichkeitsmerkmale wie der bekannte ‚Helfergeist‘, Abgrenzungsprobleme, psychische Bedürfnisse oder auch Lebenserfahrungen und das Lebensalter für das Auslösen von Stresssymptomen eine Rolle. Ebenso sind es aber auch die politischen, soziökonomischen oder strukturellen Aspekte, die auf das individuelle Stresskonto einzahlen. Beruflich waren es früher einmal zu enge Entscheidungskorridoren, die Menschen den Handlungsspielraum begrenzten und Stress erzeugten. Heute sind es oftmals genau die gegenteiligen Erscheinungen, bei denen Menschen im Globalisierungs- und Digitalisierungskontext stärker dazu aufgerufen werden, ergebnisorientiert und selbstverantwortlich recht große Handlungsspielräume auszuschöpfen. Zu wenig Führung und Orientierung sind dann die Stressoren.

Es gibt viele Rezepte und Top10-Listen, wie wohl Stress abgebaut werden könnte. Mehr Zeit für dies und das, Ruhezonen, Sport und Neinsagen – das sind die meistgenannten. Sicher nicht falsch, dennoch nur selten dauerhaft wirkungsvoll. Die aus unserer Sicht einzig robuste Verbesserung der Selbststeuerung zur Stressminderung ist die Klärung der Werte. Von den eigenen Werten geht alles aus, jede Einstellung zu Personen und Themen, jedes Verhalten, jede Handlung. Sind – und dies ist unsere häufige Wahrnehmung – die eigenen Werte unklar, dann hat dies zur Folge, dem zu folgen, was andere gefolgert haben, was wohl für einen erfolgreich sein müsste. Wer nicht in solcher Weise verfolgt werden will, klärt die eigene Wertewelt besser heute als morgen auf.

Angstreduktion in Notfällen

Tritt eine existenzielle, das Leben gefährdende Krise ein, so ist nicht die ärztliche Intervention der erste Eingriff, der als Krisenintervention verstanden werden kann, sondern bereits die vorangehenden Schritte zur Angstreduktion. Beistand und Fürsorge für [Mit-]Betroffene ist vor Eintreffen des medizinischen Teams ebenso bedeutsam, wie während und nach einem Notfall, der eine Person mit Angst fluten kann. Angstreduktion ist daher zu jeder Zeit Zuversichtsvermehrung.

Im privaten Umfeld kann jeder ein Stück dieser Zuversichtsmehrung erlernen, indem diese fünf zusätzlichen Angstmacher unterlassen werden:

  • Hektisches Handeln
  • Überlautes Sprechen
  • Sorgenvolle Mimik
  • Tröstende oder angststärkende Rhetorik
  • Räumliche Distanz

Daraus folgt:

  • Bei der – wenn erforderlich zuvor gesicherten – Person bleiben
  • in normaler Lautstärke erklären, was man tut [Ich werde jetzt den Krankenwagen rufen, ich werde Dir dann etwas zu trinken holen …]
  • beim Verlassen der Person ihr sagen, was man tun wird und wann man wieder da ist
  • kein Vokabular, dass der Person zusätzlich Angst bereitet [O Gott, Du bist ja schon ganz blau im Gesicht; wie hast Du denn das bloß angestellt, warum kommt der Krankenwagen noch nicht  ….]
  • Die Kommunikation sollte in der Not stets positiv, handlungs- und zukunftsgerichtet sein [auch, wenn es persönlich schwerfällt!]

In den Interventionen der professionellen Krisen-Interventions-Teams, wie sie zum Beispiel bei den Terroranschlägen zum Einsatz kamen, wird auf ähnliche Weise mit dem sogenannten SAFER-Stufenmodell gearbeitet. Es beschreibt die Schritte ab Eintreffen des Teams bis zur Wiederherstellung der Selbststeuerung nach einer Krise. Die Buchstaben stehen dabei für:

S = Stimulanzverminderung [Reizmeidung]: Entfernen der betroffenen Person vom akuten Krisenherd, um Reize und Stimulanzen zu verringern/vermeiden

A = Akzeptanz der Krise. Beschreibung des Betroffenen, was genau passiert ist.

F = Förderung des Verstehens. Hier werden die Belastungssymptome abgeklärt und dafür gesorgt, daß der Betroffene seine Reaktion auf das Geschehene als ’normale Reaktion‘ wahrnimmt.

E = Entwicklungwirksame Bewältigungsstrategien. Hier erfolgen grundlegende Informationen zum Umgang mit der Belastung. In dieser Stufe ist das Ziel die Stabilisierung der Situation und die Ressourcenneubildung.

R = Rückführung zur Eigenständigkeit. Hier wird das psychische Gleichgewicht wieder hergestellt und bei Bedarf eine Vermittlung von weiterführender psychologischer Hilfe durchgeführt.

Der große Unterschied

Als damals meine Tochter gestorben ist, fühlte ich mich auf einen Schlag leer, körperlich und im Kopf. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen und ich achtete nicht mehr auf meine Ernährung. Das Leben war wertlos geworden, Vieles wurde mir fremd, meine Freunde, mein Mann, meine Arbeit. Die Tournee bei meinen Ärzten brachte nichts, bis mir meine Frauenärztin in meiner Krise von der Logotherapie erzählte. Zum Glück fand ich in dieser Therapie einen Weg aus meinem tiefen Tal. Meine Tochter kommt nicht wieder, und das ist sehr traurig. Aber ich habe für mich erkannt, welchen Unterschied es für mich macht, Sinn im Leben oder Sinn in der Rolle der Mutter zu finden. Die Unterschied kann ich jetzt fühlen, und das war für mich der Schlüssel aus der Krise. [Eine Patientin, 43 Jahre]

Viktor Emil Frankl fand bei seinen Lehrern Freud und Adler nicht das, was für ihn als das eigentliche Anliegen einer Therapie galt – dem Menschen zu helfen, Sinn im Leben zu erkennen und zu entfalten. Als Arzt und Philosoph wurde er in seinen Gedanken von Persönlichkeiten wie Scheler, Jaspers und Heidegger beeinflusst, die alle auf ihre Weise betonten, dass sich der Mensch mit seiner inneren Freiheit trotz gewisser Bedingungen seiner Lebensumstände auf Sinn ausrichten kann. Selbst dann, wenn das Grauen unermesslich erscheint.

In vielen Ländern der Erde ist Frankls Logotherapie institutionell etabliert und anerkannt. In Deutschland steht dem die Zusammensetzung der Psychotherapeutenkammer im Weg, ein Gremium, in dem insbesondere Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeuten darüber ‚wachen‘, was aus psychologischer Sicht dem Menschen helfen kann und was nicht. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass es bislang nur circa 200 Therapeuten in Deutschland gibt, die ihre Praxis ausschließlich auf das Feld der Logotherapie ausrichten. Viele andere Therapeuten sehen die Logotherapie hingegen als ergänzendes ‚Schmankerl‘, ohne dabei einen der wesentlichen Unterschiede konzeptionell herauszuarbeiten und transparent zu machen: Der Pychotherapeut arbeitet am Psychischen, der Logotherapeut am Geistigen – und das Geistige ist nicht Teil des Psychischen. Wer über diesen Aspekt verbal hinwegschludert, entfaltet nur äußerst unzureichend die positive Kraft, die in der das Geistige fokussierenden Logotherapie gegeben ist.

Echte Logotherapie bedeutet für den Patienten Sinnarbeit. Der Therapeut kann den Sinn nicht ‚machen‘, aber er weiß, wie Menschen ihn finden können. Ohne Couch, ohne Esoterik, ohne Schnickschnack, ohne Reduktionismus.

Für Frankl war klar, der Mensch ist weit mehr als seine unbewußten Triebe, Phantasien, Begierden, Wünsche und Machtstrebungen. Jeder Mensch verfügt zudem über unbewußt Geistiges über etwas, was man ‚Lebensgewissen‘ nennen könnte, aber was sich eines genauen Begriffes entzieht. Ein Logotherapeut weiß, dass sich der Sinn im Leben gerade in Krisen oft schlagartig und ganz unerwartet im ‚richtigen‘ Moment zeigt. Sinn wird dann ‚vorgefunden‘. Der Mensch merkt dann, dass er sich diesen Sinn nicht gemacht hat, sondern eine Instanz in ihm dazu beigetragen hat, ihn zu erkennen. Ist er gefunden, endet ein Prozess, sich nach ihm zu sehnen und mit allerlei Suchen und Versuchungen zu meinen, ihn finden zu müssen. Wenn der Sinn gefunden ist, können Suche, Sucht, Sehnsucht und andere psychische, aber wirkungslose Anstrengungen weichen.

Wenn Sie also einmal einen Menschen in einer Krise erleben, dann mag es in einem passenden Moment vielleicht hilfreich sein, ihn auf die Logotherapie aufmerksam zu machen. Dies ist schon deshalb wichtig, weil die meisten Ärzte die Logotherapie nicht kennen oder wenn sie von ihr einmal gehört haben kaum in der Lage sind, sie inhaltlich zu vermitteln.

Vorbeugende Krisenintervention

Wenn vor dreißig Jahren von ‚Krisenintervention‘ gesprochen wurde, so verstand man sie zumeist als präventives Vorgehen. Erich Lindemann, einer der Protagonisten im Kontext der Krisentheorie, war daran gelegen, ein Modell zum Verständnis von psychischen Störungen zu entwickeln, um bereits erste Anzeichen psychischer Erkrankungen erkennen und behandeln zu können. In seiner Arbeit suchte er dazu nach Ereignissen, die belastende Veränderungen in sozialen Beziehungsräumen bewirkten und über diese psychische Störungen bei Menschen verursachten. Als Forschungsraum wählte er Gemeinden, in denen Krisenereignisse stattfanden [heute würde man dabei zum Beispiel an Amok-Taten an Schulen, lange Zeit nicht wahrgenommene Schwerstverbrechen von Bürgern an Mitbürgern oder regional eng stattfindende Naturkatastrophen denken].

Als Krisenintervention wurde nun die Aufgabe von Gemeinden verstanden, langfristig Ressourcen zu entwickeln, um mit Krisenereignissen kollektiv angemessen umgehen zu können. Dabei wurde darauf Wert gelegt, dass die Maßnahmen von Laien erbracht werden konnten, psychologische Dienste oder – heute würde man sie wohl Kriseninterventionsteams nennen – nicht zwingend erforderlich waren. Die Idee der Krisenintervention orientierte sich an den seinerzeit gängigen Lebenskrisenkonzepten [z.B. von Erik Erikson] und an den Kriterien, die damals das auszeichneten, was ‚gesunde Persönlichkeit‘ genannt werden konnte. Im Fokus stand, im Krisenfall auf kurzfristige Hilfen, engmaschige Betreuung von Einzelnen, Gruppen und Familien, die Konzentration auf das aktuelle Geschehen, den Erhalt des Informationsflusses und die Vermittlung von Hoffnung zu setzen. Die Menschen sollten über eine solche Struktur ermutigt werden, sich im Krisenfall gemeinschaftlicher Hilfe zu bedienen.

In unserer heutigen Gesellschaft zeigt sich im Krisenfall eine Mischung aus menschlicher Solidarität, Spendenbereitschaft und Arbeitshilfe – man darf also darauf hoffen, in den ersten Stunden und Tagen nicht allein gelassen zu sein. Eine längere stabile Unterstützung jedoch ist aufgrund der individuellen Lebensweltbezüge von Menschen nicht zu erwarten, ab einem gewissen Zeitpunkt setzt die Gemeinschaft eher auf das Einspringen des Sozialstaats oder professioneller Hilfen, die dazu beitragen, vitale Gefährdungen aufzufangen, Notfallsituationen zu entspannen und
psychiatrisch-stationäre Versorgung zu vermeiden.

Für die kollektive Krisenprävention, sei es in Unternehmen, Schulen, Gemeinden ist über die Zeit ein breites Spektrum an Programmen und Dienstleistungen entstanden. Jedoch, die individuelle Krisenprävention, also die Ausrichtung auf die persönlichen, nicht auszuschließenden schweren Belastungsereignisse in der vorausliegenden Lebensphase, blieb bislang konzeptionell ein unbeschriebenes Blatt. Mit unserem Angebot Life2Me® wird diese Lücke geschlossen und kann von jedermann/-frau genutzt werden.

Positiv denken

Ein positiver Denkstil ist schon etwas Feines. Mit ihm wird der Glaube mitgeliefert, Situationen positiv verändern zu können. Beurteilt ein Mensch eine Situation positiv, dann vermeidet er dabei Verallgemeinerungen und schaut vielmehr auf die die Situation auszeichenden unterschiedlichen Gegebenheiten. So entdecken diese Denker auch in der misslichsten Lage etwas Positives und damit etwas, was ihr Selbstwertgefühl nicht schwächt. Diese Haltung zu sich selbst ermöglicht das Freisetzen von Energien zur Bewältigung von Problemen.

Ist ein derartiger Denkstil fester Teil der Persönlichkeitsarchitektur der Person – und nicht lediglich ein antrainiertes positives Denken – dann spricht die Wissenschaft vom ‚dispositionellen Optimismus‘. Eine solche Person besitzt dann eine durchgängige, auch angesichts von Misserfolgen und Schicksalsschlägen überdauernde, hoffnungsvolle Lebenseinstellung. Gemessen werden soll dieses Persönlichkeitsmerkmal mit dem Life-Orientation-Test. Personen mit einer optimistischen Lebenseinstellung haben ihre positiven Ergebniserwartungen auf viele unterschiedliche Situationen generalisiert und vertrauen auf den für die jeweilige Situation bestmöglichen Ausgang. Ob die Dinge sich von allein – im Sinne von ‚Glück gehabt‘ – entwickeln oder ob die Person ihre Lebenslage selbstkontrolliert und mit eigener Anstrengung in eine für sie positive Richtung verändert, bleibt in der Forschung jedoch unberücksichtigt.

Präsidiale Persönlichkeitsmerkmale

Auf allen Kanälen: Mr. President. Warum wurde er gewählt, was ist nur mit den Amerikanern los, ein Psychopath an der Macht, man bekommt es bei ihm mit der Angst zu tun, welch ein Narzisst, der trumpelt alles nieder …

In der Beobachtung und Interpretation des präsidialen Verhaltens erscheint – und hier seien einige Deutungen aus den letzten zwei Wochen aus TV-Beiträgen wiedergegeben – eine Person, die

  • der Komplexität der Welt mit Entscheidungen begegnet, die auf exklusivem Machtanspruch beruhen
  • sich nicht auf breiter Basis berät, um ausgewogene Entscheidungen zu treffen und dies selbst bei Themen, für die Zeit zum Diskurs gegeben wäre
  • temporeich frühere Handlungen anderer revidiert, eigene Handlungabsichten beurkundet und mit der Quantität seiner Absichten den Blick auf das, was wirklich in die konkrete Umsetzung kommt erschwert
  • rigide kurze schrille Töne sendet, die eine Kombination aus persönlicher Meinung und affekthafter Reaktion darstellen
  • schnell den ablehnt, der sich kritisch mit ihr auseinandersetzt und ihr dadurch bedingt, ’nahe‘ kommt
  • einem Masterplan zu folgen scheint, der einen Teil der Massen mit ’neuer Gerechtigkeit für die bisher Vergessenen‘ auf charmante Weise lockt und dem anderen Teil der Gesellschaft zuruft, sie wären die Ursache dafür, dass Amerika heute nicht mehr ‚groß‘ sei
  • die Politik geschäftsmäßig zu betreiben scheint, die dabei aber in einer Weise strategiebefreit vorgeht, wie es ein Vorstand kaum längere Zeit ohne Intervention seiner höheren Aufsichtsebenen ausleben könnte
  • die Grenzen, die ein demokratisches System auszeichnet, austestet, diese Grenzen damit im Kern in Frage stellt und damit an sich behauptet, dass es Fragen gibt, für die es innerhalb der demokratischen Grenzen keine Antworten gibt und die Antworten, die sie geben will, sich ergo nur außerhalb dieser Grenzen finden ließen
  • leicht beeinflussbar ist, wenn man ihr direkt einen Deal anbietet, der ihr die Möglichkeit gibt, diesen als ihren darzustellen
  • an vielen Stellen Wissen darüber vermissen lässt, wie sich die Welt in den Nachkriegsjahren zu einer neuen Weltordnung bereits geformt hat, deren Geburt sich auf Sicht der kommenden Jahrzehnte nicht mehr aufhalten lassen wird, allemal nicht mit Verhütungsmitteln eines Protektionismus, dessen Haltbarkeitsdatum längst überschritten ist
  • an manchen Stellen Einzeldaten benennt [Unwuchten in der Verteilung der Verteidigungskosten der NATO-Mitgliedsländer, in der Außenhandelsbilanz Deutschlands, im Abwandern amerikanischer Unternehmen ins Ausland, …], die zu kritisieren angemessen sind, deren Veränderung sich jedoch nicht dadurch bewirken lässt, indem einseitig versucht wird, die Uhr in anderer Richtung mit dem Schlüssel aufzuziehen
  • ….

Nun haben nur wenige Menschen Mr. President persönlich je gesprochen. Mediale Inszenierungen, Biografisches und Twittergewitter sind die weitgehend einzigen Quellen. Mehr aber haben wir von vielen anderen [politischen] Würdenträgern auch nicht verfügbar. Also kann der Versuch unternommen werden, den Teil des Verhaltens genauer anzuschauen, der am stärksten zu uns durchdringt – das Kommunikationsverhalten.

Wenn wir annehmen, dass kommunikatives Verhalten darauf setzt, psychische Bedürfnisse zu befriedigen, dann lohnt ein Blick in ein Verfahren, mit dem genau dieser Zusammenhang aufgedeckt wird. Das Prozesskommunikationsmodell [PCM] von Taibi Kahler, das wir in Beratung, Therapie und Coaching nutzen, um Kommunikationskonflikte handhabbar zu machen, kennt sechs verschiedene Kommunikationsstile, die hinreichend voneinander abgegrenzt sind und es ermöglichen, auf die der Kommunikation vorausgehenden psychischen Prozesse ein Licht zu werfen.
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