Kategorie-Archiv: Umgang mit persönlichen Lebenslagen

Stress

Stress kommt auf, wenn eine Person plötzlich vor einer Situation steht, deren erfolgreiche Bewältigung für sie deshalb wichtig ist, weil sie individuelle Ziele, Motive oder die Verwirklichung von Werten als bedroht empfindet oder meint, sich als Mensch in der Situation zu verfehlen. Irrelevante Situationen erzeugen keinen Stress. Stress kommt zudem auf, wenn eine Unsicherheit gegeben ist, ob die verfügbaren Ressourcen passend oder ausreichend sind, um die Situation gelingend zu gestalten. Stress wird also durch Soll-Ist-Diskrepanzen bewirkt, Ist die Situation durch Unsicherheit geprägt, dann empfindet der Mensch Stress, wird sie zum manifesten Selbstzweifel, dann sprechen wir von Krise. Nicht jeder Stress hat daher Krisencharakter. Zumeist führt das persönliche biologische Stressprogramm mit seiner Mobilisierung von mentalen und physischen Energien, sozialen Beziehungen und geistiger Ausrichtung auf Sinnhaftes dazu, die Situation zu meistern. Wird anschließend ausreichend entspannt und regeneriert, dann bauen Körper und Psyche wieder Energien für folgende Ereignisse mit Stressmuster auf. Gelingt dies nicht, läuft das System heiß und psychosomatische Phänomene unterschiedlicher Art werden erlebt – von den Klassikern wie Verspannungen, Verdauungsproblemen, Infekten oder Hautproblemen bis zu Störungen des Stoffwechsels, des Herzkreislaufsystems oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Fraglos spielen individuelle Persönlichkeitsmerkmale wie der bekannte ‚Helfergeist‘, Abgrenzungsprobleme, psychische Bedürfnisse oder auch Lebenserfahrungen und das Lebensalter für das Auslösen von Stresssymptomen eine Rolle. Ebenso sind es aber auch die politischen, soziökonomischen oder strukturellen Aspekte, die auf das individuelle Stresskonto einzahlen. Beruflich waren es früher einmal zu enge Entscheidungskorridoren, die Menschen den Handlungsspielraum begrenzten und Stress erzeugten. Heute sind es oftmals genau die gegenteiligen Erscheinungen, bei denen Menschen im Globalisierungs- und Digitalisierungskontext stärker dazu aufgerufen werden, ergebnisorientiert und selbstverantwortlich recht große Handlungsspielräume auszuschöpfen. Zu wenig Führung und Orientierung sind dann die Stressoren.

Es gibt viele Rezepte und Top10-Listen, wie wohl Stress abgebaut werden könnte. Mehr Zeit für dies und das, Ruhezonen, Sport und Neinsagen – das sind die meistgenannten. Sicher nicht falsch, dennoch nur selten dauerhaft wirkungsvoll. Die aus unserer Sicht einzig robuste Verbesserung der Selbststeuerung zur Stressminderung ist die Klärung der Werte. Von den eigenen Werten geht alles aus, jede Einstellung zu Personen und Themen, jedes Verhalten, jede Handlung. Sind – und dies ist unsere häufige Wahrnehmung – die eigenen Werte unklar, dann hat dies zur Folge, dem zu folgen, was andere gefolgert haben, was wohl für einen erfolgreich sein müsste. Wer nicht in solcher Weise verfolgt werden will, klärt die eigene Wertewelt besser heute als morgen auf.

Angstreduktion in Notfällen

Tritt eine existenzielle, das Leben gefährdende Krise ein, so ist nicht die ärztliche Intervention der erste Eingriff, der als Krisenintervention verstanden werden kann, sondern bereits die vorangehenden Schritte zur Angstreduktion. Beistand und Fürsorge für [Mit-]Betroffene ist vor Eintreffen des medizinischen Teams ebenso bedeutsam, wie während und nach einem Notfall, der eine Person mit Angst fluten kann. Angstreduktion ist daher zu jeder Zeit Zuversichtsvermehrung.

Im privaten Umfeld kann jeder ein Stück dieser Zuversichtsmehrung erlernen, indem diese fünf zusätzlichen Angstmacher unterlassen werden:

  • Hektisches Handeln
  • Überlautes Sprechen
  • Sorgenvolle Mimik
  • Tröstende oder angststärkende Rhetorik
  • Räumliche Distanz

Daraus folgt:

  • Bei der – wenn erforderlich zuvor gesicherten – Person bleiben
  • in normaler Lautstärke erklären, was man tut [Ich werde jetzt den Krankenwagen rufen, ich werde Dir dann etwas zu trinken holen …]
  • beim Verlassen der Person ihr sagen, was man tun wird und wann man wieder da ist
  • kein Vokabular, dass der Person zusätzlich Angst bereitet [O Gott, Du bist ja schon ganz blau im Gesicht; wie hast Du denn das bloß angestellt, warum kommt der Krankenwagen noch nicht  ….]
  • Die Kommunikation sollte in der Not stets positiv, handlungs- und zukunftsgerichtet sein [auch, wenn es persönlich schwerfällt!]

In den Interventionen der professionellen Krisen-Interventions-Teams, wie sie zum Beispiel bei den Terroranschlägen zum Einsatz kamen, wird auf ähnliche Weise mit dem sogenannten SAFER-Stufenmodell gearbeitet. Es beschreibt die Schritte ab Eintreffen des Teams bis zur Wiederherstellung der Selbststeuerung nach einer Krise. Die Buchstaben stehen dabei für:

S = Stimulanzverminderung [Reizmeidung]: Entfernen der betroffenen Person vom akuten Krisenherd, um Reize und Stimulanzen zu verringern/vermeiden

A = Akzeptanz der Krise. Beschreibung des Betroffenen, was genau passiert ist.

F = Förderung des Verstehens. Hier werden die Belastungssymptome abgeklärt und dafür gesorgt, daß der Betroffene seine Reaktion auf das Geschehene als ’normale Reaktion‘ wahrnimmt.

E = Entwicklungwirksame Bewältigungsstrategien. Hier erfolgen grundlegende Informationen zum Umgang mit der Belastung. In dieser Stufe ist das Ziel die Stabilisierung der Situation und die Ressourcenneubildung.

R = Rückführung zur Eigenständigkeit. Hier wird das psychische Gleichgewicht wieder hergestellt und bei Bedarf eine Vermittlung von weiterführender psychologischer Hilfe durchgeführt.

Der große Unterschied

Als damals meine Tochter gestorben ist, fühlte ich mich auf einen Schlag leer, körperlich und im Kopf. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen und ich achtete nicht mehr auf meine Ernährung. Das Leben war wertlos geworden, Vieles wurde mir fremd, meine Freunde, mein Mann, meine Arbeit. Die Tournee bei meinen Ärzten brachte nichts, bis mir meine Frauenärztin in meiner Krise von der Logotherapie erzählte. Zum Glück fand ich in dieser Therapie einen Weg aus meinem tiefen Tal. Meine Tochter kommt nicht wieder, und das ist sehr traurig. Aber ich habe für mich erkannt, welchen Unterschied es für mich macht, Sinn im Leben oder Sinn in der Rolle der Mutter zu finden. Die Unterschied kann ich jetzt fühlen, und das war für mich der Schlüssel aus der Krise. [Eine Patientin, 43 Jahre]

Viktor Emil Frankl fand bei seinen Lehrern Freud und Adler nicht das, was für ihn als das eigentliche Anliegen einer Therapie galt – dem Menschen zu helfen, Sinn im Leben zu erkennen und zu entfalten. Als Arzt und Philosoph wurde er in seinen Gedanken von Persönlichkeiten wie Scheler, Jaspers und Heidegger beeinflusst, die alle auf ihre Weise betonten, dass sich der Mensch mit seiner inneren Freiheit trotz gewisser Bedingungen seiner Lebensumstände auf Sinn ausrichten kann. Selbst dann, wenn das Grauen unermesslich erscheint.

In vielen Ländern der Erde ist Frankls Logotherapie institutionell etabliert und anerkannt. In Deutschland steht dem die Zusammensetzung der Psychotherapeutenkammer im Weg, ein Gremium, in dem insbesondere Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeuten darüber ‚wachen‘, was aus psychologischer Sicht dem Menschen helfen kann und was nicht. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass es bislang nur circa 200 Therapeuten in Deutschland gibt, die ihre Praxis ausschließlich auf das Feld der Logotherapie ausrichten. Viele andere Therapeuten sehen die Logotherapie hingegen als ergänzendes ‚Schmankerl‘, ohne dabei einen der wesentlichen Unterschiede konzeptionell herauszuarbeiten und transparent zu machen: Der Pychotherapeut arbeitet am Psychischen, der Logotherapeut am Geistigen – und das Geistige ist nicht Teil des Psychischen. Wer über diesen Aspekt verbal hinwegschludert, entfaltet nur äußerst unzureichend die positive Kraft, die in der das Geistige fokussierenden Logotherapie gegeben ist.

Echte Logotherapie bedeutet für den Patienten Sinnarbeit. Der Therapeut kann den Sinn nicht ‚machen‘, aber er weiß, wie Menschen ihn finden können. Ohne Couch, ohne Esoterik, ohne Schnickschnack, ohne Reduktionismus.

Für Frankl war klar, der Mensch ist weit mehr als seine unbewußten Triebe, Phantasien, Begierden, Wünsche und Machtstrebungen. Jeder Mensch verfügt zudem über unbewußt Geistiges über etwas, was man ‚Lebensgewissen‘ nennen könnte, aber was sich eines genauen Begriffes entzieht. Ein Logotherapeut weiß, dass sich der Sinn im Leben gerade in Krisen oft schlagartig und ganz unerwartet im ‚richtigen‘ Moment zeigt. Sinn wird dann ‚vorgefunden‘. Der Mensch merkt dann, dass er sich diesen Sinn nicht gemacht hat, sondern eine Instanz in ihm dazu beigetragen hat, ihn zu erkennen. Ist er gefunden, endet ein Prozess, sich nach ihm zu sehnen und mit allerlei Suchen und Versuchungen zu meinen, ihn finden zu müssen. Wenn der Sinn gefunden ist, können Suche, Sucht, Sehnsucht und andere psychische, aber wirkungslose Anstrengungen weichen.

Wenn Sie also einmal einen Menschen in einer Krise erleben, dann mag es in einem passenden Moment vielleicht hilfreich sein, ihn auf die Logotherapie aufmerksam zu machen. Dies ist schon deshalb wichtig, weil die meisten Ärzte die Logotherapie nicht kennen oder wenn sie von ihr einmal gehört haben kaum in der Lage sind, sie inhaltlich zu vermitteln.

Vorbeugende Krisenintervention

Wenn vor dreißig Jahren von ‚Krisenintervention‘ gesprochen wurde, so verstand man sie zumeist als präventives Vorgehen. Erich Lindemann, einer der Protagonisten im Kontext der Krisentheorie, war daran gelegen, ein Modell zum Verständnis von psychischen Störungen zu entwickeln, um bereits erste Anzeichen psychischer Erkrankungen erkennen und behandeln zu können. In seiner Arbeit suchte er dazu nach Ereignissen, die belastende Veränderungen in sozialen Beziehungsräumen bewirkten und über diese psychische Störungen bei Menschen verursachten. Als Forschungsraum wählte er Gemeinden, in denen Krisenereignisse stattfanden [heute würde man dabei zum Beispiel an Amok-Taten an Schulen, lange Zeit nicht wahrgenommene Schwerstverbrechen von Bürgern an Mitbürgern oder regional eng stattfindende Naturkatastrophen denken].

Als Krisenintervention wurde nun die Aufgabe von Gemeinden verstanden, langfristig Ressourcen zu entwickeln, um mit Krisenereignissen kollektiv angemessen umgehen zu können. Dabei wurde darauf Wert gelegt, dass die Maßnahmen von Laien erbracht werden konnten, psychologische Dienste oder – heute würde man sie wohl Kriseninterventionsteams nennen – nicht zwingend erforderlich waren. Die Idee der Krisenintervention orientierte sich an den seinerzeit gängigen Lebenskrisenkonzepten [z.B. von Erik Erikson] und an den Kriterien, die damals das auszeichneten, was ‚gesunde Persönlichkeit‘ genannt werden konnte. Im Fokus stand, im Krisenfall auf kurzfristige Hilfen, engmaschige Betreuung von Einzelnen, Gruppen und Familien, die Konzentration auf das aktuelle Geschehen, den Erhalt des Informationsflusses und die Vermittlung von Hoffnung zu setzen. Die Menschen sollten über eine solche Struktur ermutigt werden, sich im Krisenfall gemeinschaftlicher Hilfe zu bedienen.

In unserer heutigen Gesellschaft zeigt sich im Krisenfall eine Mischung aus menschlicher Solidarität, Spendenbereitschaft und Arbeitshilfe – man darf also darauf hoffen, in den ersten Stunden und Tagen nicht allein gelassen zu sein. Eine längere stabile Unterstützung jedoch ist aufgrund der individuellen Lebensweltbezüge von Menschen nicht zu erwarten, ab einem gewissen Zeitpunkt setzt die Gemeinschaft eher auf das Einspringen des Sozialstaats oder professioneller Hilfen, die dazu beitragen, vitale Gefährdungen aufzufangen, Notfallsituationen zu entspannen und
psychiatrisch-stationäre Versorgung zu vermeiden.

Für die kollektive Krisenprävention, sei es in Unternehmen, Schulen, Gemeinden ist über die Zeit ein breites Spektrum an Programmen und Dienstleistungen entstanden. Jedoch, die individuelle Krisenprävention, also die Ausrichtung auf die persönlichen, nicht auszuschließenden schweren Belastungsereignisse in der vorausliegenden Lebensphase, blieb bislang konzeptionell ein unbeschriebenes Blatt. Mit unserem Angebot Life2Me® wird diese Lücke geschlossen und kann von jedermann/-frau genutzt werden.

Positiv denken

Ein positiver Denkstil ist schon etwas Feines. Mit ihm wird der Glaube mitgeliefert, Situationen positiv verändern zu können. Beurteilt ein Mensch eine Situation positiv, dann vermeidet er dabei Verallgemeinerungen und schaut vielmehr auf die die Situation auszeichenden unterschiedlichen Gegebenheiten. So entdecken diese Denker auch in der misslichsten Lage etwas Positives und damit etwas, was ihr Selbstwertgefühl nicht schwächt. Diese Haltung zu sich selbst ermöglicht das Freisetzen von Energien zur Bewältigung von Problemen.

Ist ein derartiger Denkstil fester Teil der Persönlichkeitsarchitektur der Person – und nicht lediglich ein antrainiertes positives Denken – dann spricht die Wissenschaft vom ‚dispositionellen Optimismus‘. Eine solche Person besitzt dann eine durchgängige, auch angesichts von Misserfolgen und Schicksalsschlägen überdauernde, hoffnungsvolle Lebenseinstellung. Gemessen werden soll dieses Persönlichkeitsmerkmal mit dem Life-Orientation-Test. Personen mit einer optimistischen Lebenseinstellung haben ihre positiven Ergebniserwartungen auf viele unterschiedliche Situationen generalisiert und vertrauen auf den für die jeweilige Situation bestmöglichen Ausgang. Ob die Dinge sich von allein – im Sinne von ‚Glück gehabt‘ – entwickeln oder ob die Person ihre Lebenslage selbstkontrolliert und mit eigener Anstrengung in eine für sie positive Richtung verändert, bleibt in der Forschung jedoch unberücksichtigt.

Präsidiale Persönlichkeitsmerkmale

Auf allen Kanälen: Mr. President. Warum wurde er gewählt, was ist nur mit den Amerikanern los, ein Psychopath an der Macht, man bekommt es bei ihm mit der Angst zu tun, welch ein Narzisst, der trumpelt alles nieder …

In der Beobachtung und Interpretation des präsidialen Verhaltens erscheint – und hier seien einige Deutungen aus den letzten zwei Wochen aus TV-Beiträgen wiedergegeben – eine Person, die

  • der Komplexität der Welt mit Entscheidungen begegnet, die auf exklusivem Machtanspruch beruhen
  • sich nicht auf breiter Basis berät, um ausgewogene Entscheidungen zu treffen und dies selbst bei Themen, für die Zeit zum Diskurs gegeben wäre
  • temporeich frühere Handlungen anderer revidiert, eigene Handlungabsichten beurkundet und mit der Quantität seiner Absichten den Blick auf das, was wirklich in die konkrete Umsetzung kommt erschwert
  • rigide kurze schrille Töne sendet, die eine Kombination aus persönlicher Meinung und affekthafter Reaktion darstellen
  • schnell den ablehnt, der sich kritisch mit ihr auseinandersetzt und ihr dadurch bedingt, ’nahe‘ kommt
  • einem Masterplan zu folgen scheint, der einen Teil der Massen mit ’neuer Gerechtigkeit für die bisher Vergessenen‘ auf charmante Weise lockt und dem anderen Teil der Gesellschaft zuruft, sie wären die Ursache dafür, dass Amerika heute nicht mehr ‚groß‘ sei
  • die Politik geschäftsmäßig zu betreiben scheint, die dabei aber in einer Weise strategiebefreit vorgeht, wie es ein Vorstand kaum längere Zeit ohne Intervention seiner höheren Aufsichtsebenen ausleben könnte
  • die Grenzen, die ein demokratisches System auszeichnet, austestet, diese Grenzen damit im Kern in Frage stellt und damit an sich behauptet, dass es Fragen gibt, für die es innerhalb der demokratischen Grenzen keine Antworten gibt und die Antworten, die sie geben will, sich ergo nur außerhalb dieser Grenzen finden ließen
  • leicht beeinflussbar ist, wenn man ihr direkt einen Deal anbietet, der ihr die Möglichkeit gibt, diesen als ihren darzustellen
  • an vielen Stellen Wissen darüber vermissen lässt, wie sich die Welt in den Nachkriegsjahren zu einer neuen Weltordnung bereits geformt hat, deren Geburt sich auf Sicht der kommenden Jahrzehnte nicht mehr aufhalten lassen wird, allemal nicht mit Verhütungsmitteln eines Protektionismus, dessen Haltbarkeitsdatum längst überschritten ist
  • an manchen Stellen Einzeldaten benennt [Unwuchten in der Verteilung der Verteidigungskosten der NATO-Mitgliedsländer, in der Außenhandelsbilanz Deutschlands, im Abwandern amerikanischer Unternehmen ins Ausland, …], die zu kritisieren angemessen sind, deren Veränderung sich jedoch nicht dadurch bewirken lässt, indem einseitig versucht wird, die Uhr in anderer Richtung mit dem Schlüssel aufzuziehen
  • ….

Nun haben nur wenige Menschen Mr. President persönlich je gesprochen. Mediale Inszenierungen, Biografisches und Twittergewitter sind die weitgehend einzigen Quellen. Mehr aber haben wir von vielen anderen [politischen] Würdenträgern auch nicht verfügbar. Also kann der Versuch unternommen werden, den Teil des Verhaltens genauer anzuschauen, der am stärksten zu uns durchdringt – das Kommunikationsverhalten.

Wenn wir annehmen, dass kommunikatives Verhalten darauf setzt, psychische Bedürfnisse zu befriedigen, dann lohnt ein Blick in ein Verfahren, mit dem genau dieser Zusammenhang aufgedeckt wird. Das Prozesskommunikationsmodell [PCM] von Taibi Kahler, das wir in Beratung, Therapie und Coaching nutzen, um Kommunikationskonflikte handhabbar zu machen, kennt sechs verschiedene Kommunikationsstile, die hinreichend voneinander abgegrenzt sind und es ermöglichen, auf die der Kommunikation vorausgehenden psychischen Prozesse ein Licht zu werfen.
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Trennung und Scheidung

Trennung und Scheidung – beruflich wie privat – sind die Anlässe, die am häufigsten Menschen in eine Krisentherapie oder ein -coaching führen. Individuelle, rechtliche, mikrosoziale und sytemische Aspekte werden gleichermaßen Teil des Beratungsprozesses. Individuelle: wie gehe ich psychisch und körperlich mit der Situation um; wie finde ich trotz der Situation Sinn im Leben – rechtlich: wie können robuste Vereinbarungen helfen, dass sich die Krise nicht weiter auswächst – mikrosozial: wie kommuniziere ich die Situation in den Kreis der mir relevanten Menschen – systemisch: welche Folgen hat das Ganze für Kinder, Mitarbeiter, Kunden?

Die Wucht von Trennung und Scheidung ist meist umso stärker, je länger die Bindung oder Beziehung bestand und je tiefer sich die Person involviert, verstrickt, integriert oder vernetzt im System erlebte, das nun getrennt oder geschieden wird. Je mehr die eigene Identität zugunsten des Systems preisgegeben wurde, um so eher fühlt sich der Prozess als Werte- und Sinnkrise an. Das Lebenswerk beginnt zu wanken, der Boden unter den Füßen geht verloren, das Empfinden des Scheiterns macht sich breit.

Aus der Perspektive von Kindern, Mitarbeitern und Kunden wird eine Trennung oder Scheidung anders empfunden. Geraten sie unvorbereitet in den Sog eines solchen Ereignisses, dauert die Verarbeitung bei Kindern – statistisch – bis zu zwei Jahren. Je nach Bindungskraft und Lebensalter werden dabei die unterschiedlichsten psychischen Reaktionen beobachtet, zum Beispiel Ängste, Schlafprobleme, Rückzug, Aggressivität. Bei Mitarbeitern hängen die psychischen Folgen zum Beispiel davon ab, ob man sich durch eine Führungskraft gefördert erlebte und nun eigene berufliche Fortschritte durch die Trennung auch zum Erliegen kommen. Bei Kunden wiederum kann eine lange Kunden-Lieferanten-Beziehung zu einem Informations-Leck führen, verbunden mit dem Aufwand, sich mit einem ’neuen Gesicht‘ anfreunden zu sollen.

Will man durch eine Krisenberatung diese Folgen nicht nur für sich selbst mindern, bleibt nur der Weg über eine entlastende Klärungsarbeit mit Transparenz, gemeinsamer Erarbeitung vernünftiger Trennungsschritte und der Akzeptanz emotionaler Reaktionen. Das Wissen um die Allmählichkeit der Verbesserung, die Betroffenheit durch das Erfordernis neuer Sinnfindung, das Empfinden von Leere und Alleinsein, die Bedeutung des [selbst-]kommunikativen Umgangs mit der neuen Situation sind wesentliche Säulen des Beratungsprozesses. Der Berater seinerseits tut gut daran, von keinem ‚linearen‘ Erfolg im Prozess auszugehen und – weil das so ist – entsprechend flexibel seine Sichtweise auf Personen und die Gesamtsituation anzupassen. Wenig hilfreich ist es dabei, als Berater Vergleiche mit früheren Prozessen anzustellen oder die eigenen Krisenerfahrungen als Maßstab zu nehmen.

Relevanter hingegen ist die systemische Herangehensweise auf der Basis eines formulierten Menschenbildes. Wer alles empfindet Last unter dem EInfluss der Trennung oder Scheidung? Stehen diese Personen ihrerseits selbst bereits unter dem Einfluss anderer Krisen? Hat eine Trennungskrise über die unmittelbar von ihr Betroffenen hinaus eine krisenauslösende Energie auf andere Menschen? Führt eine Krise zu existenzieller Not? Welches Unterstützungssystem braucht es, um den negativen Verlauf der Krise zu mindern oder zu verkürzen? Was müssten die sich Trennenden oder sich Scheidenden tun, um aus der Krise eine Katastrophe zu machen? Wer hat welchen Grad an Freiheit, wer welchen Grad an Verantwortung?

Der Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt der Mann, hinüberzugehen und ihn sich auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, so denkt er, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile? Vielleicht hat er die Eile aber auch nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Aber was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß, weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir aber wirklich.

Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor dieser ‚Guten Tag‘ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ‚Behalten Sie doch Ihren blöden Hammer, Sie Affe‘.

[aus P. Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein]

Willkommen bei Life2Me®

Wenn Menschen in Krisen geraten und eine professionelle Beratung in Anspruch nehmen, dann führt dies irgendwann an einen Punkt, in dem zu handeln und sich zu entscheiden ganz allein zu erfolgen hat. Wir haben uns also die Frage gestellt, ob es einen dritten Weg gibt – neben der Selbstaufgabe, Resignation und Verzweiflung auf der einen Seite und einer meist zeit- und kostenintensiven Beratung auf der anderen.

Mit Life2Me® verbinden wir die Vorstellung, dass Ihnen Ihr Leben, das auf Sie jederzeit zukommt, auch dann nicht aus Ihren Händen zu gleiten braucht, wenn die Lage kritisch wird. Wir wollen, dass Sie in Freiheit und Verantwortung für Ihr gelingendes Leben so viel über sich selbst erfahren, dass Sie den Krisen des Lebens den Wind aus den Segeln nehmen. Für uns ist dieses Vorgehen nichts anderes als individuelle Krisenprävention.

Der Philosoph Immanuel Kant bot als Weg aus der Unmündigkeit an, den eigenen Verstand einzusetzen. Einen gesunden Menschenverstand einsetzen zu können, ist in Krisen von entscheidender Bedeutung. Was aber geschieht in aller Regel? Der Mensch verfängt sich in seiner Hilflosigkeit, er sucht nach Orientierung, er weiß nicht mehr, wofür er steht. Was dann mühselig beginnt, ist ein anstrengender Lernprozess, der im besten Fall wieder zu neuer Handlungsfähigkeit führt. Ein enormer Aufwand, den der Mensch unter seiner psychischen Belastung zu erbringen hat, und nicht selten unter dieser Last zusammenbricht.

Wir meinen, dass die Selbstbefreiung von diesen Hindernissen durch präventives Lernen möglich ist. Dass die Erkundung der eigenen Persönlichkeitsmerkmale Freude bereitet und das Wissen darüber, was mit einem selbst wohl vor sich geht, würde ein existenziell belastendes Ereignis eintreten, ungewöhnliche Erleichterung bietet.

Aufklärungs-Lernen – das war die Formel von Immanuel Kant. Und sie es auch heute. Wir verstehen jeden Menschen als ein Wesen, das ein Recht hat auf ein gelingendes Leben. Mit Life2Me® wollen wir darum Menschen unterstützen, den negativen Einfluss von Krisen zu mindern.

Life2Me® bündelt Erfahrungswissen und bietet Ihnen mit einem schrittweisen Vorgehen an, sich immer besser kennenzulernen für eine Zeit, von der jeder Mensch für sich persönlich zwar hofft, dass sie nicht eintrifft, von der er aber auch weiß, dass er gerade dies nicht vollends ausschließen kann.

Life2Me® – im Februar geht es los.
Wir beginnen mit dem Angebot für die Prävention der Lebensphase 52-58 Jahre.